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Verbesserungen des Gerbverfahrens bis Seguin

  • Klaus Schlottau
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Zusammenfassung

Der im Kapitel 3.2 beschriebene Ablauf der Lohgerbung ist als Kern der handwerklichen Verfahrenstechnologie in Mitteleuropa zu betrachten. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts veränderte sich das gesamte Verfahren in kleinen Schritten. Basierend auf englischen Erfahrungen, die von den Gerbern unter der innovationsfreudigen Herrschaft des Verlages der Leathersellers Company gemacht wurden, konnten kontinentale Gerbereien während der Epoche des Merkantilismus, besonders in Frankreich, zu Manufakturen ausgebaut werden. Die neuen Verfahren veränderten den Produktionsgang im Hinblick auf eine deutliche Verkürzung des gesamten Prozesses und ermöglichten eine arbeitsteilige Organisation des Betriebsablaufes.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl.: Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 338. Die Kalkzugabe widersprach zwar der Wirkung einer Sauerbeize, die durch das Farnlaaut und dessen Gärung hervorgerufen wurde, konnte aber das Bakterienwachstum, das von der sogenannten Mistbeize aus Kot herrührte, in Grenzen halten. Im Grunde wurden aus Unkenntnis der Gerbursachen drei verschiedene Verfahren, die sich zum Teil in der Wirkung aufhoben, zugleich angewandt.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl.: Ebd., S. 337.Google Scholar
  3. 3.
    Die Gerste, die notwendig war, eine Blöße von nur 24 Pfund zu beizen, konnte einen Menschen einen Monat lang ernähren. Vgl.: Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 383. Zum Beizen wurden aus diesen Gründen auch andere gärfähige Materialien herangezogen, so z.B. Kleie, Roggen und gebrauchte Lohbrühen. Der hohe Zuckeranteil in der Eichenrinde setzt gebrauchte Lohbrühen den Getreiden gleich.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Für das Folgende: Ebd., S. 368 ff.Google Scholar
  5. 5.
    Das Produktionsvolumen der von de Lalande beschriebenen Ledermanufaktur entsprach einer wöchent-lichen Einarbeitung von 80 Rindshäuten, entsprechend jährlich annähernd 4.000 Häute.Google Scholar
  6. 6.
    Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 385.Google Scholar
  7. 7.
    Während der vierzehntägigen roten Beize wurden nach und nach pro Haut ca. 28 Pfund Lohe, also etwa 1/5 des üblichen Lohbedarfs, zugesetzt. Die Menge reichte nicht aus, die B16Be als gegerbt zu bezeichnen. Sie war schonend auf die eigentliche Gerbung vorbereitet. Das Verfahren entsprach in vielen Bedingungen und Voraussetzungen dem Pickelverfahren der Chromgerbung, einer Angerbung, die auch als Konservierung angesehen werden konnte.Google Scholar
  8. 8.
    TreibfaB“ bezeichnet generell ein Reaktionsgefäß, in dem durch Wärme oder Bewegung, häufig durch beides, der jeweilige Arbeitsvorgang beschleunigt wird. So wurde ein TreibfaB für die Beize und eines für die Gerbung benutzt.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl.: Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 413 f.Google Scholar
  10. 10.
    Die Engländer sollen nach Angaben de Billets auch gemahlenen Pfeffer, Sumach, Galläpfel und Ingwer dazu getan haben. Vgl.: Ebd., S. 338 f.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl.: Hildebrandt, a. a. O., S. 29 ff.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl.: de Lalande: Die Lohgerberkunst, a.a.O., S. 410; J. G. Krania, Enzyklopädie, a.a.O., S 121 f. Die Bezeichnung „dänisches Leder“ ließ darauf schließen, daB diese Gerbmethode in Frankreich nicht heimisch war. Sie wies Ähnlichkeiten mit der in Rußland und Schweden geübten Praxis der Juchtengerbung auf und wird von dort nach Frankreich gelangt sein.Google Scholar
  13. 13.
    Da angenommen wurde, daB Alaun und Zinksulfat ähnliche Eigenschaften besagen, schlug im Jahre 1777 der Kammerassessor Johann Wilhelm Heinemann vor, das im Harzer Bergbau anfallende Abfallprodukt Zinkvitriol als Streckungs-und Gerbmittel der Lohe zuzusetzen. Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 68.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl.: Ebd., S. 57.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl.: Johannes Cramer: a.a.O., S. 40.Google Scholar
  16. 16.
    Predigt des Geiler von Kaiserberg, 1516. Zitiert nach: Theodor Körner, a.a.O., S. 56 f.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl.: Ebd., S. 62.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl.: Ebd.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl.: Ebd., S. 61 f.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl.: Jerome de Lalande, a.a.O., S. 363 ff.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl.: Carl Freiherr v. Meidinger. Abhandlung, a.a.O., S. IX. Bereits 1777 wurde die Schwefelsäurebeize auch von Hofrat Pfeiffer eingesetzt. Er gelangte durch Torfdestillation zu der Säure. Vgl.: Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 199 ff.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl.: David Macbride, a.a.O., S. 3; Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 201 ff.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl.: Anton Fay, a.a.O., S. 166 ff; D. Tourte, a.a.O., S. 310.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl.: Friedrich Hildebrandt: a.a.O., S. 36 f. Vgl. auch: Carl Freiherr v. Meidinger, a.a.O., S. X.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl.: Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 211. Seguin empfahl die Einrichtung einer Schwitzkammer, in der die Häute auf Stangen aufgehängt einer konstanten Temperatur von annähernd 30’C ausgesetzt waren. In der Kammer sollten Schwefel und Salpeter verbrannt werden, damit sich mit dem Wasserdampf eine dünne Schwefelsäure („Kammersäure“) auf den Häuten niederschlage.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl.: Ebd., S. 216 ff.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl.: Hildebrandt, a.a.O., S. 42. „Le moniteur Universelle“, Nr. 110 (1795).Google Scholar
  28. 28.
    Vgl.: Ebd., S. 17 und 59.Google Scholar
  29. 29.
    Offensichtlich hatten die Herren Commissarien des Wohlfahrtsauschusses die Gerbvorbereitung mit der eigentlichen Gerbung verwechselt. Verständlich war diese Verwechslung unter der Berücksichtigung, daß Seguin grundsätzlich keine Schwellung durchführte, sondern nur etwas verdünnte Schwefelsäure im Verhältnis 1: 400 einsetzte. Enthaaren jedoch mußte auch Seguin. Dafür waren drei Methoden bekannt: Kalken im Ascher, Säuern in organischer oder mineralischer Säure oder Schwitzen mit einer Bakterienkultur. Vgl.: Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 190 ff.Google Scholar
  30. 30.
    Die Gutachter des Wohlfahrtsausschusses, die Bürger Lelievre und Pelletier hatten sich Gelehrte und Chemiker, Guyton, Monge, Bethollet, Echasseriaux und Prieur hinzugezogen. Vgl.: Theodor Körner, a.a.O., S. 69.Google Scholar
  31. 31.
    Nicolas Deyeux, Apotheker und Chemieprofessor in Paris, 1745 —1837.Google Scholar
  32. 32.
    D. Tourte, a.a.O., S. 291. Hermbstädt urteilte wenig später: „Die Ledergerberey gehört mit vollkommenem Rechte zu denjenigen Kunstgewerben, welche einer wissenschaftlichen Ansicht und Bearbeitung fähig sind, und sie hat, in allen ihren einzelnen Theilen, die wichtigsten Fortschritte gemacht, seitdem es die Chemiker unternommen haben, sie zum Gegenstande ihrer Untersuchung zu machen, und ihre Entdeckungen in derselben mit der praktischen Ausübung zu vereinigen.“ Sigismund Friedrich Hermbstädt: Versuch einer scientifischen Beurtheilung der Gerbekunst, a.a.O., S. M.Google Scholar
  33. 33.
    Johann Beckmann, Anleitung zur Technologie, a.a.O., S. 212.Google Scholar
  34. 34.
    Johann Beckmann: Vorbereitung zur Waarenkunde oder zur Kenntnis der vornehmsten ausländischen Waren, Bd. 1, Göttingen 1794, S. 363.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl.: Adolph Kohut: Justus von Liebig. Sein Leben und sein Wirken. Gießen 1904, S. 9 ff.Google Scholar
  36. 36.
    Die pflanzlichen Gerbstoffe gehören zur Gruppe der Phenolcarbonsäuren. Bekannt ist z.B. das Salicin, das in den Blättern und Rinden der Weide (Salix) enthalten ist, und antiseptische, antirheumatische Wirkung hat Das Ester ist bekannt als Acetylsalicylsäure (Seit 1898 unter dem Warenzeichen Aspirin gehandelt).Google Scholar
  37. 37.
    Jerome de Lalande: Die Kunst Saffianleder zu bereiten. In: Daniel Gottfried Schreber (Hrsg.): Schauplatz der Künste und Handwerke oder vollständige Beschreibung derselben, Bd. 6, Leipzig und Königsberg 1767, S. 27.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. hierzu Bravo, Trupke, a.a.O., S. 283 ff. M. Nierenstein gibt in seiner nicht genutzten Monographie: The Natural Organic Tannins, London 1934, eine Übersicht über die Schriftsteller, die sich mit den Tanninreaktionen verschiedener Pflanzen beschäftigten. Darunter zitieren Bravo/Trupke auch einen Caneparius, der 1660 die genannte Bibliographie veröffentlichte. Kurz danach, 1666, wurde in Venedig von O. Tachenius die Abhandlung „Hippocrates Chymicus“ veröffentlicht, in der die Reaktionen bekannter Gerbstoffe mit Eisenvitriol systematisiert werden.Google Scholar
  39. 39.
    Jerome de Lalande: Die Lohgerberkunst. a.a.O., S. 363.Google Scholar
  40. 40.
    Zu Beginn des 18. Jahrhunderts durfte in den waldarmen französischen Provinzen, besonders an der Atlantikküste, Feuerholz nur entrindet verkauft werden. Vgl.: Ebd., S. 343.Google Scholar
  41. 41.
    Zitiert nach: Theodor Körner, a.a.O., S. 65. Mit dem ausgelobten Preis wurden ausgezeichnet: L Pfarrer Israel Walter zu Westhofen in der Pfalz für die Benutzung des Ginsters. 2. Hofrat Christoph Hennicke aus Öhringen für die Benutzung der Tormentillwurzel.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl.: Gleditsch: Histoire de l’Academie regale, Anneé 1754, Berlin 1756. Vgl auch: Ders.: Vermischte, physikalisch-botanische-ökonomische Abhandlungen, Th. 1, Halle 1765; Theodor Körner, a.a.O.. S. 66.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl.: Neues vollständiges Handbuch, a.a.O., S. 24.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl.: Johann Beckmann, Anleitung zur Technologie, a.a.O., S. 237. Vgl. bezüglich der 1770 erfolgten Veröffentlichung im „Hannöverschen Magazin“: Theodor Körner, a.a.O., S. 67.Google Scholar
  45. 45.
    Felician Wannowsky: De principis plantorum adstringente, Regiom 1791.Google Scholar
  46. 46.
    Georg Adolph Suckow: Bezeichnung der vornehmsten Pflanzen und ihrer Cultur zum Vortheile der Ökonomie, Jena 1794.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl.: Krünitz: Enzyklopädie, a.a.0. S. 329 ff.Google Scholar
  48. 48.
    Vgl.: Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 204 f.Google Scholar
  49. 49.
    Tannin ist nicht identisch mit der von Deyeux isolierten Gallussäure. Die Gallussäure, 3.4.5. Trihydroxybenzoesäure, läßt sich durch Erwärmung mit Kalk oder verdünnter Schwefelsäure aus Tannin isolieren, indem eine Glukose abgespalten wird. Die Extraktion, die Macbride in einem warmen Überschuß von Kalkmilch durchführte, ergab daher die erste Anwendung des Reinstoffes, bevor die Säure wissenschaftlich dargestellt worden war. Gleiches geschah beim Zusammentreffen mit den in Schwefelsäure geschwellten Bloßen, wie Macbride und Seguin sie einführten, direkt auf der Lederhaut.Google Scholar
  50. 50.
    Lelievre und Pelletier, a.a.O., S. 219 f.Google Scholar
  51. 51.
    Die Anregung, diese Reaktion als Reagens für die weitere Suche nach gerbstoffhaltigen Pflanzen zu nutzen und zugleich die Menge des Gerbstoffs in der Pflanze festzustellen, stammte, wie auch der Hinweis auf die Nutzung der Kolonien für die Extraktherstellung, von Seguin. Vgl.: Ebd., S. 221.Google Scholar
  52. 52.
    Vgl.: Neues vollständiges Handbuch, a.a.O., S. 15.Google Scholar
  53. 53.
    Vgl.: Neues vollständiges Handbuch, a.a.O., S. 16 ff. Um die Ergebnisse trotz abweichender Bedingungen übersichtlich zu machen, wurden die Angaben in Prozente umgerechnet.Google Scholar
  54. 54.
    Vgl.: D. Tourte: a.a.O., S. 310.Google Scholar
  55. 55.
    Die Extraktzubereitung erforderte ständiges Nachmessen der erreichten Konzentrationen in den einzelnen Bottichen, oder eine durch lange Praxis erworbene Erfahrung. Die Konzentration der Brühen konnte mit Hilfe eines Salzaräometers gemessen werden, das in der Schnellgerberei neben der Uhr, der Waage, dem Thermometer und dem Kalender zum unentbehrlichen Handwerkszeug geworden war. Das Gerät basierte auf der Kenntnis von spezifischem Gewicht und korrelierendem Gehalt an gelösten Stoffen in Lösungen, setzte also aufwendige Meßreihen voraus, die am Ende des 18. Jahrhunderts für Gerbbrühen von Davy vorgenommen worden waren. Die Skalierung der Aräometer in der Gerberei markierte mit jedem Teilstrich ein weiteres Pfund gelöster Stoffe auf einen Zentner Wasser, maß also in Gewichtsprozenten. Die Konzentration gelöster Stoffe in Wasser oder anderen Lösungsmitteln läßt sich durch eine Zunahme der Dichte feststellen. Auf dieser Erkenntnis basiert das Aräometer. Es mißt den Gehalt in der oben beschriebenen Weise in Baumégrad (Bé). Antoine Baumé, französischer Chemiker, lebte von 1728 bis 1804.Google Scholar
  56. 56.
    Vgl.: S. F. Hermbstädt: Versuche und Bemerkungen über die Gerbung des Ober-und Sohlleders durch verschiedene Vegetabilien, a.a.O., S. 40.Google Scholar
  57. 57.
    Vgl.: Ebd., S. 58–66. Die Mißachtung reproduzierbarer Ergebnisse und die Angabe qualitativer Eindrücke — die Beobachtung durch den ausführenden Gerber — konnte, da Hermbstädt alle gängigen Laborverfahren kannte, nur so verstanden werden, daß er bewußt den Labormaßstab verließ, und die Wahrnehmungen der von ihm engagierten Gerber dazu benutzen wollte, ihren Widerstand zu brechen. Zu diesem Zweck ließ er alle Laborgerätschaften fort, verzichtete auf dampfende Kessel, umständliches Sieden und Seihen, Messen und Wägen, das bereits bei Hildebrandts Versuchen die Gerber aufgebracht hatte.Google Scholar
  58. 58.
    Viele Gemeinden an der Mosel z.B. hatten nach dem Keltern mehr als 1.000 Zentner Traubenkerne. Daraus wurde Kemö1 gepreßt, der Rest war Abfall. Vgl. Ludwig Gall, a.a.O., S. 24.Google Scholar
  59. 59.
    Vgl.: Schmidt, Handbuch, a.a.O., S. 94–131.Google Scholar
  60. 60.
    Gallussäure reduziert Edelmetallsalze. Gerbstoffpflanzen, insbesondere Tannine, eigneten sich daher gut zur Politur.Google Scholar
  61. 61.
    Vgl.: Schmidt. Handbuch, a.a.O., S. 105.Google Scholar
  62. 62.
    Hohlmaß, entsprach in der Regel 2,2 hl.Google Scholar
  63. 63.
    Da der Handelswert des Katechu hoch war, — schon die Handelsform nach Apothekermaßen deutete dies an — wurde er häufig mit Stärke gestreckt.Google Scholar
  64. 64.
    Vgl.: Neues vollständiges Handbuch, a.a.O., S. 26.Google Scholar
  65. 65.
    Vgl.: Schmidt, Handbuch, a.a.O., S. 125.Google Scholar
  66. 66.
    Vgl.: Neues vollständiges Handbuch, a.a.O., S. 30.Google Scholar
  67. 67.
    Vgl.: Hans Herfeld, Grundlagen der Lederherstellung, Dresden und Leipzig 1950, S. 12 f.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Klaus Schlottau

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