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Identität und Differenz, das Ganze und die Teile —Erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Schlußbemerkungen

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Zusammenfassung

Eine Untersuchung, die sich durchweg kritisch gegen etliche Positionen des momentanen Diskurses abgesetzt hat, sollte sich um so mehr hinsichtlich ihrer eigenen methodischen und methodologischen Nähe oder Distanz zu den abgewiesenen Modellationen selbstkritisch hinterfragen. Dieses Schlußkapitel soll daher noch einmal die metodischen und methodologischen Aspekte des vorgestellten Ansatzes zusammenfassen und dabei die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Implikationen unseres Vorgehens aus einer, über den engeren Untersuchungskontext teilweise hinausgehenden, methodentheoretischen Perspektive beleuchten. Dies verbindet sich mit der Notwendigkeit, eine Verortung des eigenen Ansatzes in den Kontext zeitgenössischer Theoriebildungen wenigstens zu versuchen, so problembehaftet ein solches Vorhaben auch immer bleiben muß. Der wissenschaftliche Diskurs sieht es gerne, daß der Autor selbst sich zu einer Denk- und Methodenschule, einer Erkenntnistradition bekennt und verortet, auf daß die künftigen Archivare der „unendlichen Bibiliothek“ beim Rubrizieren ein wenig Arbeitserleichterung erfahren. Wenn dies nun abschließend unternommen werden soll, so verstehen sich diese Ausführungen dennoch eher als der Versuch einer Kontextualisierung des eigenen Modells im Kanon aktueller Denkfiguren und weniger als überschußlose Subskription unter eine bestimmte Methodik.

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Literatur

  1. 651.
    Eine gute Einhhrung in das strukturalistische Denken und seine wichtigsten Protagonisten bietet: G. Schiwy: Der französische Strukturalismus. Mode — Methode — Ideologie. Reinbek bei Hamburg 1984; vgl. vom gleichen Autor: Poststrukturalismus und „Neue Philosophen“. Reinbek bei Hamburg 1985.Google Scholar
  2. 652.
    Selbst für das Werk Jean Piagets wären gewisse Vorbehalte gegen eine solche Kategorisierung anzumelden, wenngleich dieser in aller Regel vorbehaltlos dem Strukturalismus zugeschlagen wird. Dies scheint mir aber an Piagets empirischer Ausrichtung wie an seiner genetischen Modellbildung doch etwas vorbeizugehen.Google Scholar
  3. 653.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 12.Google Scholar
  4. 654.
    A.a.O., S. 47.Google Scholar
  5. 655.
    Allerdings zeigt sich gerade ein Ihr unser Untersuchungsfeld so relevanter Denker wie Paul Virilio von strukturalistischer, ganz zu schweigen von post-/neostrukturalistischer Methodik relativ unberührt — allem modischen Schwadronnieren über den „Irrationalismus als Methode“, auf das auch er sich gerne zurückzieht, zum Trotze. Der „Tod” des Subjekts, den Strukturalisten die methodische Prämisse schlechthin, gerät Virilio bestenfalls zum Gegenstand ideologiekritisch überhöhter Klage.Google Scholar
  6. 656.
    Vgl. hierzu: Frank, Neostrukturalismus, S. 11.Google Scholar
  7. 657.
    Zur Nähe des Derridaschen Diskurses zu Adornos Überlegungen vgl.: Kimmerle, Derrida zur Einführung, S. 15–18.Google Scholar
  8. 658.
    Aa.O., S. 34 f.Google Scholar
  9. 659.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 36.Google Scholar
  10. 660.
    Gleichwohl hatte ich bereits bei der Begründung meiner Methodologie mit Günter Dux darin übereingestimmt, daß eine geheime Metaphysik noch in den meisten Strukturtheorien, so etwa in der Luhmannschen Systemtheorie, unvermindert waltet.Google Scholar
  11. 661.
    J. Derrida: Die différance. Abgedr. in: P. Engelmann (Hrsg.): Postmoderne und Dekonstruktion. Texte französischer Philosophen der Gegenwart. Stuttgart 1990, S. 77–113.Google Scholar
  12. stasieren: das in der Stellung des Individuums durchgestrichene Subjekt kehrt wieder in der Position eines Subjekts des Allgemeinen: ein klassischer Fall von,Wiederkehr des Verdrängten“` 662Google Scholar
  13. 662.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 18.Google Scholar
  14. 663.
    A.a.O., S. 67–76.Google Scholar
  15. 664.
    Zur Stützung der These, daß derartige Figurationen keineswegs dem semiotischen Diskurs exklusiv zu eigen sind, sei noch einmal an die mehrfach zitierte Elias-Passage erinnert, in der er vom Zivilisationsprozeß als „Netz“ oder „Gewebe” spricht.Google Scholar
  16. 665.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 71.Google Scholar
  17. 666.
    A.a.O., S. 75.Google Scholar
  18. 667.
    A.a.O., S. 71.Google Scholar
  19. 668.
    J.F.Lyotard: Postmoderne für Kinder. Wien 1987, S. 11–31; vgl. auch: Kimmerle, Derrida zur Einführung, S. 49–84.Google Scholar
  20. 669.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 84 f.Google Scholar
  21. 670.
    In: Weber, Universalgeschichtliche Analysen, S. 311–340.Google Scholar
  22. 671.
    Vgl. hierzu: Frank, Neostrukturalismus, S. 550 f.Google Scholar
  23. 672.
    Vgl. hierzu: Kimmerle, Derrida zur Einführung, S. 25.Google Scholar
  24. 673.
    So etwa bei Reese-Schäfer, Lyotard zur Einführung, S. 48.Google Scholar
  25. 674.
    Kimmerle, Derrida zur Einführung, S. 16. Vgl. hierzu auch: Th.W. Adorno: Negative Dialektik. Frankfurt/M. 31982, v.a. S. 16–36.Google Scholar
  26. 675.
    Gendolla, Zeit, S. 10.Google Scholar
  27. 676.
    Kimmerle, Derrida zur Einführung, S. 17.Google Scholar
  28. 677.
    Ist es reiner Zufall, daß die Forderung nach einem de-zentrierten Denken die weiter oben zitierte Utopie McLuhans vom de-zentralisierten Leben im elektronischen Zeitalter im Bereich der Philosophie fortschreiben zu scheinen wollt?Google Scholar
  29. 678.
    Das wußte indes bereits der deutsche Idealismus, der bezeichnenderweise von den Poststrukturalisten kaum im größeren Umfange rezipiert wird.Google Scholar
  30. 679.
    Heuermann, Medienkultur und Mythen, S. 286 f.Google Scholar
  31. 680.
    Dies freilich war der Literaturwissenschaft schon vor der poststrukturalistischen Intervention bekannt. So findet der „Drift der Bedeutungen“ in der modernen Literatur bereits Eingang in die hermeneutischen Analysen eines Hugo Friedrich. Siehe hierzu: H. Friedrich: Die Struktur der modernen Lyrik. Von Baudelaire bis zur Gegenwart. Reinbek bei Hamburg 1956.Google Scholar
  32. 681.
    Dies ist eben die Tradition eines kritisch-rationalen Wissenschaftsverständnisses, wie sie von Max Weber bis zu Karl Popper sicher nicht die unbedeutendsten Denker unseres Jahrhunderts geprägt hat.Google Scholar
  33. 682.
    Sandkühler, Enzyklopädie. Eintrag: „Holismus“ (von G.B.Martinez), Bd. 2, S. 552.Google Scholar
  34. 683.
    Sandkühler, Enzyklopädie. Eintrag: „System/Systemtheorie“ (von K. Steinbacher), Bd. 4, S. 501. — Die Nähe dieses Arguments zur poststrukturalistischen Kritik des „metaphysischen” Denkens dürfte evident sein.Google Scholar
  35. 684.
    A.a.O., S. 500 f.Google Scholar
  36. 685.
    Vgl. hierzu auch die Darstellung in: van der Loo/van Reijen, Modernisierung, S. 264–267.Google Scholar
  37. 686.
    Sandkühler, Enzyklopädie, „Holismus“, S. 554.Google Scholar
  38. 687.
    A.a.O., S. 555.Google Scholar
  39. 688.
    A.a.O., S. 552.Google Scholar
  40. 689.
    A.a.O., S. 555.Google Scholar
  41. 690.
    A.a.O., S. 553.Google Scholar
  42. 691.
    A.a.O., S. 555.Google Scholar
  43. 692.
    Aa.O., S. 557.Google Scholar
  44. 693.
    Sandkühler, Enzyklopädie, „System/Systemtheorie“, S. 503.Google Scholar
  45. 694.
    A.a.O., S. 505.Google Scholar
  46. 695.
    H.R. Maturana: Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig/Wiesbaden 21985; sowie: F.J. Varela: Kognitionswissenschaft — Kognitionstechnik. Frankfurt/M. 1990.Google Scholar
  47. 696.
    Sandkühler, Enzyklopädie, „Holismus“, S. 557.Google Scholar
  48. 697.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 75.Google Scholar
  49. 698.
    Elias, Prozeß der Zivilisation, Bd. 2, S. 392 f.Google Scholar
  50. 699.
    Van der Loo/van Reijen, Modernisierung, S. 30 ff.Google Scholar
  51. 700.
  52. 701.
    A.a.O., S. 31 ff.Google Scholar
  53. 702.
    Aa.O., S. 35.Google Scholar
  54. 703.
    A.a.O., S. 34.Google Scholar
  55. 704.
  56. 705.
    A.a.O., S. 33.Google Scholar
  57. 706.
    A.a.O., S. 42.Google Scholar
  58. 707.
    A.a.O., S. 25.Google Scholar
  59. 708.
    A.a.O., S. 37.Google Scholar
  60. 709.
    A.a.O., S. 28.Google Scholar
  61. 710.
    Vgl. hierzu: Frank, Neostrukturalismus, S. 40–47.Google Scholar
  62. 711.
    Luhmann, Soziale Systeme, S. 385.Google Scholar
  63. 712.
    Vgl. den schon erwähnten Aufsatz von Ullrich, Die mechanische Gesellschaft, S. 291–302.Google Scholar
  64. 713.
    Elias, Prozeß der Zivilisation, Bd. 2, S. 318.Google Scholar
  65. 714.
    Frank, Neostrukturalismus, S. 78 f.Google Scholar
  66. 715.
    Nur nebenbei sei dazu angemerkt, daß die semiotische These, die konkrete Semantik von Sprachsystemen erwachse aberschußlos aus dem formalen Binarismus der Phoneme, innerhalb der Linguistik so unumstritten, wie das vorgestellte Argument dies suggeriert, nicht ist. Hierzu existieren durchaus gegenläufige Modellbildungen, etwa in Gestalt der generativen Transformationsgrammatik.Google Scholar
  67. 716.
    Vgl.: H. Jürgens/H.-O. Peitgen/D. Saupe: Fraktale — eine neue Sprache für komplexe Strukturen: In: Spektrum der Wissenschaften. Heft 9, September 1989.Google Scholar
  68. 717.
    Baumgart/Eichener, Elias zur Einfifhrung, S. 40.Google Scholar
  69. 718.
    D.R.Hofstadter: Gödel Escher Bach. Ein Endloses Geflochtenes Band. München 1991. Es versteht sich fast schon von selbst, daß Hofstadter den Zenonschen Paradoxien gebührende Aufmerksanikeit schenkt.Google Scholar
  70. 719.
    Bergson, Schöpferisches Werden, S. 162.Google Scholar
  71. 720.
    Deleuze, Bewegungs-Bild, S. 25.Google Scholar
  72. 721.
    Vgl. hierzu: Baumgart/Eichener, Elias zur Einführung, S. 36 f.Google Scholar
  73. 722.
    Davon unbenommen bleibt die Tatsache, daß Elias selbst ja diese geistige Wahlverwandtschaft zu Bergson auf das Entschiedenste zu leugnen versucht hat.Google Scholar
  74. Wir wollen die weiter oben ausfiihrliche vorgestellte Thesen Bergsons 723 Deleuze, Bewegungs-Bild, S. 25 f.Google Scholar
  75. 724.
    Elias, Höfische Gesellschaft, S. 31.Google Scholar
  76. 725.
    Vgl. Sandkühler, Enzyklopädie, „Bewegung“, S. 387 f.Google Scholar
  77. 726.
    Dux/Wenzel, Geistesgeschichte, S. 190.Google Scholar
  78. 727.
    A.a.O., S. 112.Google Scholar
  79. 728.
    A. Honneth/H. Joas: Soziales Handeln und menschliche Natur. Anthropologische Grundlagen der Sozialwissenschaft. Frankfurt/M. 1980, S. 13.Google Scholar
  80. 729.
    Dux, Zeit in der Geschichte, S. 86.Google Scholar
  81. 730.
    Vgl. hierzu: I.Prigogine: Vom Sein zum Werden. München 1979; sowie: Ders./I. Stengers: Order Out of Chaos. London/Toronto 1984.Google Scholar
  82. 731.
    Das scheint angesichts der gewachsenen Tradition dieses Topos allerdings ein durchaus schwieriges Unterfangen zu sein. Vgl. hierzu auch die Deutung des Kompensationstheorems bei: O. Marquardt: Apologie des Zuülligen. Stuttgart 1986, sowie: Ders.: Kunst als Kompensation ihres Endes. In: W. Oelmüller (Hrsg.): Ästhetische Erfahrung. (Kolloquium: Kunst und Philosophie. Bd. 1) Paderborn 1981, S. 159–168.Google Scholar
  83. 732.
    Der Verfasser selbst muß sogar bekennen, daß ihm persönlich die Werke von Künstlern, die unverdrossen an traditionellen Kunstkonzepten festhalten, meistens sympathischer sind und auch anregender erscheinen, als die oft allzu stromlinienförmig nach den Erfordernissen medialer Reflexivität ausgerichteten Produkte theoretisch sehr avancierter Künstler. Dies mag indes ein notorisch konservativer Zug im Kunstgeschmack des Verfassers sein, der mit diesem Widerspruch zu seiner eigenen Theoriearbeit allerdings gut leben kann.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

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