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Forschungsstand

  • Michael Matzner
Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 201)

Zusammenfassung

In den vergangenen Jahrzehnten gelangten die Person des Vaters sowie das Phänomen der Vaterschaft in wachsendem Maße in den Fokus verschiedener Wissenschaften. Insbesondere in der Psychologie, aber auch in weiteren Disziplinen der Sozial- und Kulturwissenschaften entstand eine inhaltlich und methodisch ausdifferenzierte Forschung, auf deren Darstellung an dieser Stelle verzichtet werden muss, deren Erkenntnisse aber immer wieder innerhalb dieser Arbeit mit einbezogen werden.3 Die Ausgangsorte dieser wachsenden Forschungsbemühungen liegen vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien und Australien. Dort hat man sich im Vergleich zu Deutschland sicher früher, umfassender und damit auch wesentlich differenzierter mit diversen Aspekten von Vaterschaft beschäftigt. Insbesondere die Entwicklungspsychologie erforscht schon seit Jahrzehnten die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung seiner Kinder. Stand lange die Mutter-Kind-Beziehung allein im Mittelpunkt, so wurde die Person des Vaters spätestens seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend zum Erkenntnisobjekt. Dies zeigt sich beispielsweise innerhalb der psychoanalytisch orientierten Psychologie am Paradigmenwechsel zum Konzept der frühen Triangulierung. Aber auch hinsichtlich der Entwicklung des Kindes in späteren Altersphasen wurde die Person des Vaters verstärkt in die Überlegungen mit einbezogen. Verkürzt ausgedrückt ging es in den kindzentrierten Forschungskonzepten der vergangenen Jahrzehnte hauptsächlich um die Frage des Einflusses der Eltern, der Mutter und des Vaters, auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, und zwar vor allem im Kleinst- und Kleinkindalter.

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Literatur

  1. 3.
    Folgende Arbeiten repräsentieren bzw. diskutieren stellvertretend Far weitere den nationalen und internationalen Forschungsstand: Fthenakis 1988, Fthenakis 1999, Lamb 1997a, Lewis/O’Brien 1990, Marsielio 1995, Marsiglio u.a. 2000, Walter 2002.Google Scholar
  2. 4.
    Hawkins und Christiansen (1993) bemerken hierzu, dass die Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung und der inneren und äußeren Dynamik von Vaterschaft in vielen amerikanischen Studien, die der Frage der innerfamilialen Arbeitsteilung und des väterlichen Engagements nachgehen, völlig unberücksichtigt blieben („Fathers are viewed als incumbents of a changing social role rather than as developing individuals”, S. 531). Die diskursbestimmenden Studien feministischer Provenienz stellten Väter vor allem als Menschen dar, die als Familienväter Kosten und Nutzen eines verstärkten Familienengagements abwägten und ihre Macht missbrauchen würden um sich zu Hause zu verweigem. Solche Beschränkungen im Zuge des Paradigmas der „Domestic Democracy“, in dem es ausschließlich um Gerechtigkeitsfragen ginge, würden die Individualität der Väter völlig unberücksichtigt lassen. Hawkins und Christiansen schlagen stattdessen unter Bezug auf Erikson und Bandura vor, das Konzept der Generativität bei Vätern als theoretischen Hintergrund zu forcieren.Google Scholar
  3. 5.
    Alkoholkranke Väter: Brentrup 1993, alleinerziehende Väter: Matzner 1998, 2002, Stiehler 2000, gewalttätige und mißbrauchende Väter: Molitor-Peffer 1986, Müller-Luckmann 1989, junge Väter: Wemeck 1998, Transition zum Vater: Nickel 1987, Petzold 1991,Vaterlosigkeit: Petri 2002, Roth 1991, Weyerer u.a. 1987, Vater-Sohn-Beziehung: Schon 2000, Vater-Tochter-Beziehung: Steffens 1986, Vaterschaft eingewanderter Väter: Westphal 2000, Väter im Erziehungsurlaub: Reiche 1998, Väter im Gefängnis: Busch 1989, Zeitallokation junger Väter: Rosenkranz u.a. 1998.Google Scholar
  4. 6.
    Grieser (vgl. 1998: 254) vertritt die Auffassung, dass eine Polarisierung der Diskussion nicht nur in öffentlichen Diskussionen festzustellen sei. Auch innerhalb der Wissenschaften werde der Konstruktion eines idealisierenden bzw. eines dämonisiarenden Vaterbildes manchmal Vorschub geleistet. So seien Forscher wie Lamb oder Fthenakis am „Pol des guten Vaterbildes“ anzusiedeln, während Frauen-und Alleinerziehendenforschung eher am „Pol des entbehrlichen, schädlichen Vaters” zu verorten seien. Walter und Künzler (2002) sprechen von den „väterbewegten Vertretern der neuen Väter“, denen die „Kritikerinnen der vaterlosen Familie” gegenüberstünden. Durch einen integrierten Forschungsansatz, der die Wissens-und Theoriebestände der diversen Wissenschaften und Paradigmen miteinander in Bezug setzt, möchte ich die Tendenz einer Polarisierung in dieser Arbeit vermeiden.Google Scholar
  5. 7.
    Dies gilt nicht nur für Deutschland (vgl. Backett 1990: 74, Lewis/O’Brien 1990: 4, Lupton/ Barclay 1997 ).Google Scholar
  6. 8.
    Im Deutschen steht der Begriff der Beteiligung für den in der angloamerikanischenGoogle Scholar
  7. Forschung etablierten Begriff Involvement. Die Beteiligung umfaßt die Teilbereiche PräsenzNerfügbarkeit (Availability),Verantwortlichkeit (Responsibility) und Engagement (Engagement) (vgl. Lamb u.a. 1987, Walter/Künzler 2002: 97).Google Scholar
  8. 9.
    Die Verantwortlichkeit wird oft als Schlüsselfaktor elterlicher Beteiligung bewertet. Mütter übernehmen häufig deutlich mehr Verantwortung als ihre Männer (vgl. Lamb 1997). Die Zuschreibung der Verantwortung an die Mutter hinsichtlich vieler Bereiche der Kinderbetreuung bewirkt deren zumeist höhere Aktivität auch im Falle einer Berufstätigkeit. In manchen Fällen führt dies auch dazu, dass verantwortungsbereite Väter in die Defensive gedrängt werden. Väter haben im Unterschied zu ihren Frauen keine klare „Stellenbeschreibung“ (vgl. Lewis/O’Brien 1990: 8f.).Google Scholar
  9. 10.
    Interessanterweise sind die Determinanten der väterlichen Beteiligung besser erforscht als diejenigen der mütterlichen Beteiligung (vgl. Walter/Künzler 2002: 99).Google Scholar
  10. 11.
    Der Zeitaufwand fir kindbezogene Aktivitäten im Haushalt betrug im Durchschnitt bei den Müttern 28 Stunden und bei den Vätern 18 Stunden pro Woche. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit (inklusive Fahrtzeit) der Mütter lag bei 18 Stunden, bei den Vätern lag sie bei 52 Stunden (vgl. ebda.: 105).Google Scholar
  11. 12.
    Dieser Sachverhalt ist im Gegensatz zu manch anderen Interpretationen nach meiner Auffassung folgendermaßen zu deuten: In der Mehrzahl der Familien sinkt die Erwerbsbeteiligung der Mütter im Falle der Geburt weiterer Kinder. Dieser Verdienstausfall bei steigenden Kosten durch weitere Kinder ist sehr häufig nur durch ein zunehmendes berufliches Engagement des Vaters auszugleichen. Letzteres vermindert wiederum die für die Kinderbetreuung zur Verfügung stehende Zeit.Google Scholar
  12. 13.
    Eine ausführlichere Darstellung und Diskussion dieser Konzepte erfolgt durch Fthenakis/ Minsel (2002) und Fthenakis (2002).Google Scholar
  13. 14.
    Es wurden Mütter und Väter von 22 Mittelschichtfamilien mit jeweils zwei Kindem über einen Zeitraum von 15 Monaten mehrmals befragt.Google Scholar
  14. 15.
    In der nicht-repräsentativen Untersuchung wurden 178 nicht geschiedene sowie 92 geschiedene Väter per postalisch zugegangenem Fragebogen befragt.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Michael Matzner

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