Advertisement

Soziale Ungleichheit und Gesundheit

  • Monika Jungbauer-Gans

Zusammenfassung

In diesem Kapitel werden ausgehend von einer kursorischen Darstellung der Theorien sozialer Ungleichheit und Differenzierung die Ergebnisse der Forschung über den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit und die Mechanismen dargestellt, die diesen Zusammenhang erklären sollen. Eine dabei zu prüfende Frage ist, ob auch neuere Ansätze der Beschreibung gesellschaftlicher Differenzierung Niederschlag gefunden haben in der umfangreichen medizinsoziologischen Untersuchung des Zusammenhangs zwischen sozioökonomischer Lage und Gesundheit. Eine der Erklärungen für den Einfluss der sozialen Schicht auf die Gesundheit ist die These, dass soziale Ressourcen die Gesundheit positiv beeinflussen. Dieser These wird im weiteren Verlauf der Arbeit nachgegangen werden. Soziale Beziehungen werden als eine wichtige Ressource angesehen, die zwischen sozioökonomisch ungleichen Ausgangsbedingungen und gesundheitlichen Auswirkungen intervenieren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2.
    Zusätzlich erwähnt Müller (1992: 378) eine vierte Dimension, das kognitive Verhalten, das sich durch Selbstidentitìkation und Definition der eigenen Gruppenzugehörigkeit ausdrückt. Diese Dimension ist allerdings sehr schwer empirisch zu operationalisieren.Google Scholar
  2. 3.
    Die Veränderung der Lebensstilgruppen bis zum Jahr 1996 kann bei Schneider/Spellerberg 1999 nachgelesen werden.Google Scholar
  3. 4.
    Eine ähnliche Fragestellung verfolgte Zerger (1998): Er untersuchte die Einflußfaktoren auf die Höhe des Einkommens, das Wahlverhalten und Einstellungen und kam zu dem Resümee, dass berufszentrierte Klassen-und Milieukonzepte jeweils weniger erklären als soziodemographische Einflußfaktoren. Dieses Ergebnis bestätigt implizit den Einwand Geißlers, dass eine Konzentration auf vertikale Aspekte sozialer Ungleichheit geboten sei.Google Scholar
  4. 5.
    Sieverding (1998) konnte zeigen, dass die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes z.B. durch ein geschlechtsspezifisches Antwortverhalten beeintlußt ist: In Befragungen berichten Frauen regelmäßig über mehr gesundheitliche Beschwerden als Männer. Ein Vergleich von Krankenhausdiagnosestatistiken zeigte jedoch, dass nur Frauen der Altersgruppe 25 bis 44 Jahre auch nach Abzug reproduktionsbedingter Aufenthalte häufiger im Krankenhaus sind als Männer. Doch selbst in dieser Gruppe ist die Aufenthaltsdauer kürzer als bei Männern. Frauen sind also nicht prinzipiell kränker, sondern leiden unter weniger schwerwiegenden Erkrankungen (Verbrugge 1983: 154 ).Google Scholar
  5. 6.
    Herz-Kreislauferkrankungen bekamen erst nach dem zweiten Weltkrieg eine höhere Prävalenz in niedrigeren sozialen Schichten (Siegrist 1996: 57–58). Vor dem Zweiten Weltkrieg galt der Herzinfarkt als eine Managerkrankheit und mithin als ein Schicksal höherer sozialer Schichten.Google Scholar
  6. 7.
    Steinkamp (1999) stellt ein Mehrebenenmodell vor, das die im folgenden diskutierten Erklärungen beinhaltet. Die soziale Schichtzugehörigkeit bildet die Makroebene in seinem Modell. Die Mesoebene beinhaltet Belastungen, soziale Ressourcen und systemische Ressourcen durch das Medizinsystem und die Mikroebene umfasst personale Ressourcen, Risikoverhalten, den Bewältigungsprozess, die genetische Disposition, pathogene physiologische Prozesse und den gesundheitlichen „Outcome“. Der Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Gesundheit wird also durch Prozesse auf der Meso-und Mikroebene erklärt.Google Scholar
  7. 8.
    Daneben wird noch diskutiert, ob eine genetische Prädisposition sowohl den sozioökonomischen Status als auch den Gesundheitszustand beeinflusst. Diese These wird aber als nicht sehr wahrscheinlich eingeschätzt (Adler et al. 1994: 17). Interessant ist allerdings der Gedanke, dass die soziale Position an sich eine Wirkung auf die Gesundheit haben könnte durch eine potentielle relative Deprivation, die sich negativ auf die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden auswirken (Adler et al. 1994: 20; vgl. auch Marmot 1999; Wilkinson 1999 ).Google Scholar
  8. 9.
    Der marginale Gesundheitseffekt gleichen Verhaltens (z.B. Nichtrauchen) ist in den unteren Schichten geringer als in Mittel-und Oberschichten, weil auch andere Lebensbedingungen sich schädigend auswirken (Kühn 1993: 24).Google Scholar
  9. 10.
    Unter diesem Blickwinkel kann auch die gegenüber früher zunehmende Raucherquote unter jungen Frauen interpretiert werden als eine symbolische Emanzipation.Google Scholar
  10. 11.
    Die Humankapitaltheorie, die im Wesentlichen von Gary S. Becker entwickelt wurde, geht davon aus, dass Arbeitskräfte nach ihrer Produktivität entlohnt werden. Sie können ihre Produktivität steigern durch Investitionen in ihr Humankapital, d.h. vor allem in Bildung und berutliche Erfahrung, aber auch durch regionale Mobilität etc.. Humankapitalinvestitionen sind Aktivitäten, die zukünftige monetäre und nicht-monetäre Erträge menschlicher Arbeitskraft durch die Steigerung ihrer Produktivität erhöhen (Becker 1975: 9 [urspr. 19641).Google Scholar
  11. 12.
    Fuchs (1982) argumentierte, dass sowohl der Erwerb von Bildung wie auch Gesundheitsvorsorge Aktivitäten sind, die gegenwärtige Kosten verursachen und dafür zukünftige Renditen versprechen. Personen, deren Zeitpräferenz durch eine niedrige Discount-Rate bzw. einen langen Zeithorizont gekennzeichnet ist, werden daher eher in Bildung und gleichzeitig eher in Gesundheitsvorsorge investieren. Die oben angeführten empirischen Evidenzen (Berger/Leigh 1989; Behrman/Wolfe 1989) sprechen allerdings gegen diese Argumentation, da die Ergebnisse eine den beiden Aspekten zugrundeliegende Präferenzstruktur nicht sehr plausibel erscheinen lassen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Monika Jungbauer-Gans

There are no affiliations available

Personalised recommendations