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Zur Stilistik der Wissenschaftssprache: Objektivitäts- und Handlungsstil

  • Rüdiger Weingarten

Zusammenfassung

Seit einigen Jahren haben die Akteure des Wissenschaftsprozesses sich selbst (wieder) zum Reflexionsgegenstand erhoben. Dabei werden unterschiedliche personale Instanzen des wissenschaftlichen Handelns thematisiert: der Beobachter, der Experimentator, der Feldforscher, der Interpret etc. Im Mittelpunkt stehen in den meisten Fällen methodologische und erkenntnistheoretische Überlegungen zu der Frage, in welcher Weise der Akteur mit seinem Gegenstand interagiert und wie diese Interaktion kontrolliert werden kann. Häufig werden entsprechende Überlegungen aus einer methodenkritischen Position heraus geschrieben: Die Rolle des wissenschaftlichen Akteurs gerät besonders dann in die metawissenschaftliche Diskussion, wenn eine bis dahin als selbstverständlich angenommene Rollendefinition im wissenschaftlichen Handeln nicht mehr allgemein akzeptiert wird. Unter dieser Perspektive kann seine Thematisierung als Zeichen einer momentanen Unsicherheit gegenüber den eigenen Erkenntnisleistungen und den tradierten Objektivationen aufgefaßt werden. Es deutet sich eine Krise eines wissenschaftlichen Paradigmas an. Für solche Krisen sind insbesondere diejenigen Methodologien anfällig, die von der Möglichkeit und Notwendigkeit einer grundsätzlichen Trennung zwischen dem Akteur und seinem Gegenstand ausgehen: Für sie bildet die Nicht-Thematisierung des Akteurs den Normalfall. Kontrovers erscheint hier nur die Frage, wie diese Trennung hergestellt wird.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Rüdiger Weingarten

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