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‚Willemsens Woche‘. Die Talkshow als Ort pädagogisch strukturierter Wissensvermittlung und biographischer (Selbst-)Präsentation

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Zusammenfassung

Das Fernsehen als empirisches Feld pädagogischer Prozesse — insbesondere der Herstellung und Vermittlung unterschiedlichster Formen von Wissen — ist bislang kaum in den Blick erziehungswissenschaftlicher Forschung geraten. Zwar gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen und Anmahnungen in me­dienpädagogischer Absicht sowie eine Fülle von medienkritischen Diagno­sen, die unter den Stichworten edutainment und infotainment dem Fernsehen — zumal hinsichtlich seines Bildungsauftrags - zunehmende Verfallstendenzen bescheinigen. Das Fernsehen selbst als mediale Form der pädagogisch struk­turierten Wissensvermittlung ist in erziehungswissenschaftlicher Perspektive jedoch ein bislang unbearbeitetes Feld.1 Diese Unterbelichtung hat mögli­cherweise damit zu tun, daß — folgt man der These von der Universalisierung der Pädagogik und damit ihrer institutionellen Aufweichung, Verflüchtigung, Entgrenzung und Verstreuung (Kade 1989, Luders 1994, Kade/Lüders/Horn­stein 1996) — Pädagogik heute zwar ubiquitär genutzt wird, sie als solche aber nicht explizit auftritt — im Gegenteil: ihre Nutzer lehnen sie häufig bewußt ab und profilieren sich als Nicht-Pädagogen, so daß gleichwohl ablaufende pädagogische Vermittlungsprozesse und gleichwohl verwendete pädagogi­sche Strukturierungselemente erst durch den Akt analytischer Anstrengung sichtbar gemacht werden müssen.

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Literatur

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

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