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Sozialer Wandel und kulturelles Kapital.

Zwei Fallgeschichten zum Professionalisierungsprozeß im Umbruch der DDR
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Zusammenfassung

Sozialer Wandel bedeutet, daß die sozialen Strukturen und die dazugehörenden Institutionen so transformiert werden, daß sie mit den neuen oder auch anderen sozialen Strukturen und Institutionen zur Passung gebracht werden können oder aber ins Chaos ftihren. Sozialer Wandel kann sich langsam, aber auch sehr schnell vollziehen, wenn zum Beispiel historische Großereignisse wie Kriegsausbrüche oder Systemzusammenbrüche auftreten. Am Beispiel des Zusammenbruchs der DDR und der Vereinigung dieses Staatsgebietes mit der alten Bundesrepublik möchte ich diesen rapiden Strukturwandel verdeutlichen. Zwischen 1989 und 1993 wanderten 1,4 Millionen von Ost nach West, in die andere Richtung wanderten rund 350.000 Menschen (Schumann et al. 1996, S. 15). Bereits 1990 hatten 33 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten das Berufsfeld gewechselt (Diewald/Solga 1996), jedoch hatte sich dieser Prozeß zwischen 1993 und 1995 bereits an die westdeutschen Berufsfeldwechsler angepaßt (Ost 17 Prozent, West 15 Prozent). Umsortierungsprozesse als Folge der Strukturen- und Institutionentransformation bedeuteten unter anderem Abbau von Überschüssen in einzelnen Berufsgruppen (landwirtschaftliche Berufe) oder eine Reduzierung der professionellen Positionen sowie eine Zunahme der Selbständigen (vgl. die Beiträge in Thomas 1992). Zwischen 1990 und 1995 wurden 14 Prozent der Ostbeschäftigten gegenüber sieben Prozent der im Westen Beschäftigten umsortiert. Zwischen 1990 und 1992 waren die sozialen Abstiege in Ostdeutschland erheblich höher als in Westdeutschland, jedoch zeigt sich 1995 eine enorme Anzahl von sozialen Aufstiegen, die aber keine echten Aufstiege sind, sondern vormalige Degradierungen beziehungsweise Durststrecken wieder ausgleichen (Re-Allokationsprozesse) (Diewald/Solga 1996). Gleichzeitig wird deutlich, daß sich in der neuen Bundesrepublik arbeitsmarktpolitische Problemlagen verschärfen.

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