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Einleitung

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Zusammenfassung

„Moderne Demokratien sind ohne politische Parteien nicht denkbar. Ohne sie kann Politik in hochdifferenzierten Gesellschaften nicht effektiv gestaltet werden“. Mit diesem klassischen Diktum E. E. Schattschneiders aus dem Jahre 1942 leitete Hans-Dieter Klingemann (1994: 13) einen Aufsatz zu den Parteiensystemen Osteuropas ein. Die Flut jener Parteienanalysen, die im Westen die Krise, den Niedergang und Zerfall der Parteiendemokratien voraussagten oder gar schon diagnostizierten, wies er als Fehlprognosen ab. Schattschneiders und Klingemanns Behauptung der unauflösbaren Kopplung von Moderne, Demokratie, Effizienz und Parteien finden bei vielen prominenten Parteienforschern ungeteilte Zustimmung. So konstatierte Klaus von Beyme in den Analysen der Niedergangstheoretiker schon früh eine Konfusion, die sie nicht ausreichend zwischen dem Funktionswandel der Parteien und ihrer Krise unterscheiden läßt (von Beyme 1982: 422f). Erst jüngst hob Leonardo Morlino noch einmal die Bedeutung der Parteien als intermediäre Vermittlungsinstitutionen zwischen der Gesellschaft und den staatlichen Entscheidungsarenen hervor. In Demokratien erfüllen Parteien gegenwärtig zentrale Funktionen, die von keinen anderen Institutionen, Organisationen und Akteuren übernommen werden könnten. Sie mobilisieren in Wahlen die Massenunterstützung der Bürger, sie stellen die parlamentarischen Repräsentanten und das Regierungspersonal von der lokalen bis zur zentralen Ebene; sie aggregieren gesellschaftliche Interessen, formulieren Programme und entwerfen politische Optionen. Parteien trügen so Forderungen und Unterstützungsleistungen aus der Gesellschaft in die staatlichen Institutionen. Morlinos begründetes Fazit lautet deshalb knapp und unmißverständlich: Parteien sind die wichtigsten politischen „Transmissionsriemen“ zwischen Gesellschaft und Staat in modernen Demokratien (Morlino 1995: 315; von Beyme 1982: 416ff; Klingemann 1994: 15). Schon etwas skeptischer beurteilt Philippe Schmitter die Perspektive der Parteiendemokratie. Er sieht die privilegierte Vermittlungsrolle der Parteien zwischen Bürgern und Staat zunehmend durch Interessenverbände, soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Assoziationen herausgefordert (Schmitter 1992: 426f). Dennoch billigt auch er, der eine „postliberale“ Zukunft der Demokratien prognostiziert, den Parteien, Wahlen und damit dem territorialen Repräsentationsprinzip weiter eine erhebliche, wenn auch (primär) symbolische Bedeutung zu, um die Bürger in die politische Gemeinschaft einzubinden (Schmitter 1994: 10).

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

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