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Kreatives Wissen in stadtregionaler Perspektive — Medienwirtschaft im Metropolenraum Berlin

  • Stefan Krätke

Zusammenfassung

Die Debatte über Perspektiven einer „wissensbasierten“ Stadtentwicklung wird von der Wahrnehmung befördert, dass im Rahmen einer zunehmend innovationsgetriebenen und wissensintensiven Ökonomie die Entwicklungsaussichten von Städten und Regionen von Potenzialen der interaktiven Wissensgenerierung und Lernfähigkeit der regionalwirtschaftlichen Akteure bestimmt sind. Politiker aller Couleur übersetzen dies in ein formelhaftes Gerede vom „Rohstoff Wissen“, dessen Verfügbarkeit heute über die Wettbewerbsfähigkeit von Städten und Regionen bestimme. Die Verballhornung neuerer regionalwissenschaftlicher Erkenntnisse liefert dabei den Stoff für lügnerische Festreden einer politischen Klasse, die in der Praxis ihrer Bildungs-, Wissenschafts-, und Wirtschaftspolitik in vielen Regionen Deutschlands der Perspektive einer wissensbasierten Entwicklung tatkräftig entgegenarbeitet. Demgegenüber verweist die regionalwissenschaftliche Debatte auf produktive Ansatzpunkte zur Stärkung der regionalen Entwicklungsbedingungen für die wissensintensiven Aktivitätszweige der Städte und Regionen. Dabei ist die Abgrenzung „wissensbasierter“ Aktivitäten recht schwierig: Häufig werden hier vor allem die Produzenten und Dienstleister von Informations- und Kommunikationsindustrien und anderen „neuen“ Industrien mit hohem Anteil von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wie z.B. die Biotechnologie genannt, ferner die so genannten höherwertigen Unternehmens-Dienstleistungen. Doch haben zweifellos auch die „traditionellen“ Industrien eine hochentwickelte Wissensbasis, und auch die Standortzentren traditioneller Industrien verfügen über differenzierte Innovationsfähigkeiten. Die Debatte um regionale Bedingungen der Wissensgenerierung und Innovationsfähigkeit sollte also nicht auf die prominenten Aktivitätszweige im Bereich neuer Technologien reduziert werden. Darüberhinaus sind die Aktivitätszweige der Wirtschaft durch verschiedenartige Kombinationen von technologischem, organisatorischem und kreativem Wissen gekennzeichnet: Während z.B. bei den Produzenten neuer Technologien das technologische Wissen zentralen Stellenwert hat, kommt im Bereich der Medienwirtschaft und Kulturökonomie dem kreativen Wissen die größte Bedeutung zu, und in neuen branchenübergreifenden Querschnittsaktivitäten wie z.B. Multimedia wird gerade die Kombination von technologischem und kreativem Wissen zum Entwicklungsfaktor. Von „kreativem Wissen“ ist hier die Rede ohne Bewertung der speziellen Inhalte — im Bereich der Medienwirtschaft ist auch die Entwicklung eines TV-Formats oder einer Werbeparole ein kreativer Vorgang, der nicht unbedingt kreativ-künstlerisches Vermögen inkorporieren muss. Kreatives Wissen wird hierbei in erster Linie vom technologischen Wissen unterschieden, das für die Entwicklung neuer Technologien und „technischer Produkte“ eingesetzt wird. Der Hinweis auf Querschnittsaktivitäten, die kreatives und technologisches Wissen kombinieren, macht aber bereits deutlich, dass diese Wissensarten kaum eindeutig voneinander abgegrenzt werden können. Ihre Unterscheidung soll vor allem die einseitige Technologie-Zentrierung der Debatte um wissens- und innovationsintensive Aktivitätszweige vermeiden helfen.

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  • Stefan Krätke

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