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Stadt und Region in der Wissensgesellschaft

  • Daniela Ahrens

Zusammenfassung

Der im Jahr 2000 formulierte Beschluss des Europäischen Rats, dass die EU sich zu einem der „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsräume in der Welt“ entwickeln sollte, führte unter anderem zur Formulierung stadtentwicklungspolitischer Leitlinien um den Begriff der Wissensgesellschaft. Unter Stichworten wie „Lernende Region”, „Metropolregionen“ oder „Stadt des Wissens“ werden Forschungsprogramme formuliert, die das Zusammenspiel zwischen Globalisierung, regionalem Strukturwandel und dem veränderten Stellenwert von Wissen für Politik, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft untersuchen. In all ihrer Verschiedenheit zielen derartige Überlegungen darauf ab, dass mit dem Umbruch zur Wissensgesellschaft und zunehmenden Globalisierungsprozessen nicht nur Strukturveränderungen innerhalb sozialer Systeme verbunden sind, sondern die Strukturen selbst unter Kontingenzverdacht geraten und als veränderbar verstanden werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf neue dezentrale Steuerungsformen — regional governance, Netzwerke — und in ökonomischer Hinsicht auf die Ausbildung von Produktionsclustern gelegt, die als „Ausdruck für die im Kontext der Globalisierung zunehmende Bedeutung von Raumbindungen speziell in wissens- und designintensiven Produktionszweigen“ (Krätke 2002:35) begriffen werden. Zunehmende Globalisierungsprozesse f¨¹hren gleichermaßen zu einer Grenz¨¹berschreitung und zu neuen Differenzierungen städtischer Räume. Stadtsoziologen, Regionalforscher und Globalisierungstheoretiker haben herausgearbeitet, dass unter globalisierten Bedingungen eine isolierte Betrachtungsweise der Stadt als eindeutig abgrenzbarem Raum aufzuheben ist zugunsten eines Verständnisses, das die Stadt als Teil eines prinzipiell weltweit agierenden Systems begreift (vgl. u.a. Korff 1991; Krätke 2002; Sassen 1996).

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Authors and Affiliations

  • Daniela Ahrens

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