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Die Theorien der Staatsverschuldung

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Part of the Reihe Gesellschaftspolitik und Staatstätigkeit book series (GESPOL, volume 11)

Zusammenfassung

Der Streit über den Sinn und Zweck der Staatsverschuldung ist immer eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen wirtschaftswissenschaftlichen und ideologischen Schulen gewesen. Dieser Streit dauert seit über zwei Jahrhunderten in den modernen Wirtschaftswissenschaften an und wird vorwiegend auf einer normativen Ebene geführt. Aussagen und deskriptive Darstellungen über die Staatsverschuldung lassen sich dagegen schon länger belegen, wie das Zitat von Cicero zeigt39. Vertreter nahezu jeder relevanten wirtschaftswissenschaftlichen und ideologischen Lehrmeinung haben sich zu dem Thema Staatsverschuldung geäußert, Rolf Caesar spricht sogar von einer „verwirrenden Theoriekonkurrenz“ (Caesar 1989: 16).

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Literatur

  1. 38.
    Dieses bemerkenswerte Zitat findet sich in der FAZ vom 28.12.1990 auf Seite 3.Google Scholar
  2. 39.
    In seiner Schrift „Über den Staat“ berichtet Cicero über den Auszug der Plebjer aus Rom (Cicero 1956: 87). Zwei dieser drei Auszüge seien auf die exzessive Staatsverschuldung im Gefolge von Kriegen zurückzuführen.Google Scholar
  3. 40.
    Zur Darstellung des Verhältnisses von Staat und Marktwirtschaft bei Smith ist die Würdigung von Recktenwald (Smith 1993: XV-LXXIX) besonders instruktiv.Google Scholar
  4. 41.
    Die originäre Quelle findet sich in seiner Schrift „Funding System“ (Ricardo 1951: 197).Google Scholar
  5. 42.
    Bei Ricardo als Begründer der modernen Außenwirtschaftslehre ist sein „Blick“ über die Landesgrenzen nicht verwunderlich. Andere Autoren dieses Zeitalters beschäftigten sich ebenfalls international vergleichend mit der Staatsverschuldung. Dazu gehörte William Playfair, der als erster Wissenschaftler - Playfair gehörte zu den „Politischen Arithmetikern” - „Graphiken“ als wissenschaftliche Darstellungsform einsetzte (Tufte 1983: 64f.) und 1786 die ersten Graphiken über Verschuldung anfertigte.Google Scholar
  6. 43.
    Japan mit nur marginalen Anteilen von Protestanten und Katholiken ist irrelevant bei der Betrachtung dieses Zusammenhanges. Griechenland als katholisches Land zu bezeichnen ist problematisch. Deshalb werden beide Länder hier nicht mit analysiert.Google Scholar
  7. 44.
    Nach Wagner (Wagner 1989: 121) ist das Ricardianische Äquivalenztheorem „eine zentrale Behauptung“ innerhalb der Neuen Klassischen Makroökonomie”. Die Diskussion um das „Äquivalenztheorem“ nimmt in der volkswirtschaftlichen Literatur einen breiten Raum ein. Diskutiert werden verschiedene Fassungen dieses Theorems - unter Berücksichtigung rationaler Erwartungen und eines unbegrenzten Zeithorizonts (Barro 1992: 410ff.).Google Scholar
  8. 45.
    Bei akkumulierender Staatsverschuldung und hohen bzw. ständig steigenden Haushaltsdefiziten müßten - nach der „vorherrschenden Beurteilung der Staatsverschuldung“ - die Realzinsen ständig steigen.Google Scholar
  9. 46.
    Der Artikel von Sargent und Wallace (1986) „Some Unpleasant Monetarist Arithmetic“ wurde zuerst 1981 veröffentlicht. Beide Autoren gehören eigentlich der „Neuen Klassischen Makroökonomie” an, argumentieren in dem Beitrag jedoch aus einer monetaristischen Perspektive.Google Scholar
  10. 47.
    Diese Situation kann zu einer „Schuldenexplosion“ führen (vgl. Kapitel 3.4).Google Scholar
  11. 48.
    Einige Autoren benutzen explizit dieses Etikett, um ihre Wissenschaftsposition a priori zu verdeutlichen (vgl. Alesina und Tabellini „A Positive Theory of Fiscal Deficits and Govemment Debt“ 1990, de Haan und Zelhorst „Positive Theories of Public Debt: Some Evidence for Germany” 1993 ).Google Scholar
  12. 49.
    In einer empirischen Studie ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die Bedeutung von Ideen zu operationalisieren und einer Überprilfung zu unterziehen.Google Scholar
  13. 50.
    Insofern liefert Buchanan die geistige Grundlage für den „Contract for Amerika“ der republikanischen Partei von 1994, in dem sich diese Vorschläge wiederfinden.Google Scholar
  14. 51.
    Diese Lösung impliziert nicht, daß der Haushalt ausgeglichen ist. Die Kurvenverläufe sind frei gewählt und sagen a priori nichts über die tatsächliche Situation aus, die durchaus anders sein kann. So kann die Stimmenverlustkurve höher verlaufen, so daß sich dann ein höheres Steueraufkommen ergibt.Google Scholar
  15. 52.
    Die folgenden Erörterungen sind Ergebnisse einer Wirkungsanalyse der Staatsverschuldung, die im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande behandelt werden kann.Google Scholar
  16. 53.
    Das Jahr 1962 wurde wegen der besseren Datenverfügbarkeit gegenüber dem Jahr 1960 gewählt.Google Scholar
  17. 54.
    Dies würde die Annahme im Sinne der Parteiendifferenzhypothese von Hibbs rechtfertigen, daß sozialdemokratische Parteien eher eine höhere Verschuldung präferieren.Google Scholar
  18. 55.
    So die Volksabstimmung vom 28. November 1993, die eine Einführung der Mehrwertsteuer zur Sanierung der Bundesfinanzen vorsah (NZZ 30. November 1993: 1, Keesings AdG v. 7. Januar 1994), und die Volksabstimmung vom 12. März 1995, die automatische Ausgabenkürzungen und institutionalisierte Ausgabenbremsen vorsah (NZZ 13. März 1995: 13f.).Google Scholar
  19. 56.
    Zwei Bedingungen, die sich auf die Sensitivität von Kapital-und Lohneinkommen beziehen, werden nicht aufgeführt, da sie „technische“ Größen darstellen (vgl. Cukierman und Meltzer 1989: 729).Google Scholar
  20. 57.
    Zur Geschichte des politischen Konjunkturzyklus (Political Business Cycle = PBC) und die vielfaltige Literatur hierzu siehe Soh (Soh 1994).Google Scholar
  21. 58.
    Die (modifizierte) Phillipskurve unterstellt ein Austauschverhältnis zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Kann eine Regierung dieses Austauschverhältnis ausnützen, hat sie die Wahl zwischen höherer Arbeitslosigkeit und niedrigerer Inflation (und vice versa). Im Gegensatz zu Nordhaus (1975: 170f.) wird im folgenden eine langfristig senkrechte Phillipskurve in Höhe der natürlichen Arbeitslosigkeit unterstellt. In der makroökonomischen Literatur gibt es eine breit angelegte Auseinandersetzung um den tatsachlichen Verlauf der kurz-und langfristigen Phillipskurven. Es wird hier der vorrherschenden Meinung gefolgt, daß diese (langfristige Phillipskurve) eine Senkrechte ist.Google Scholar
  22. 59.
    Der geeignete Mittelwert für Wachstumsprozesse ist das geometrische Mittel. Würde man das arithmetische Mittel für das Wachstum der Staatsausgaben berechnen, erhielte man ein durchschnittliches Wachstum von 6,2 Prozent, was das tatsachliche Staatsausgabenwachsturn überschätzen würde. Bei der zweiten Variable, dem Wachstum der Staatsausgaben in Relation zum BIP (CEEXPRAT) wurde das arithmetische Mittel berechnet, weil sich hier zwei Wachstumsprozesse überlagern.Google Scholar
  23. 60.
    Tullock (1965) und Downs (1966) untersuchen in ihren Bürokratietheorien nicht den Einfluß der Bürokratien auf staatliche Budgets.Google Scholar
  24. 61.
    Nach Parkinsons Gesetz, das als Humoreske keinen strengen wissenschaftlichen Kriterien genügt, (Parkinson 1958: 26f.), wächst die öffentliche Verwaltung mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 5,75 Prozent.Google Scholar
  25. 62.
    Diese Theorien sind so einflußreich, daß Olson als Anwärter für den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften angesehen wird (Grass 1994: 306).Google Scholar
  26. 63.
    Die Gesamtlast einer Steuer ist nicht nur durch ihre Zahllast bestimmt. Neben diese Zahl-last tritt noch eine ökonomische Last, die Zusatzlast, die einen Wohlfahrtsverlust darstellt.Google Scholar
  27. 64.
    Die Spearman-Korrelationen für die Durchschnitte der Haushaltssalden (1973 bis 1992)Google Scholar
  28. 65.
    lm internationalen Vergleich gibt es kaum Material zu dieser Fragestellung. Gleichwohl kann bezweifelt werden, daß diese Variable in der Vergangenheit effizient wirksam gewesen ist. Die massive Verletzung des Artikel 115 GG in Deutschland (insbesondere auch die analogen Fassungen auf Bundesländerebene) und das Scheitem des Gramm, Rudman und Hollings (GRH) Verfassungszusatzes in den USA sind Beispiele. Im Hinblick auf die Diskussion von Verfassungsgrenzen der Verschuldung, die von Buchanan initiiert worden ist, wird diesem Aspekt in Zukunft größere Bedeutung zukommen.Google Scholar
  29. 66.
    Gemessen an der Zahl der möglichen Modellformulierungen wird hier nur eine Auswahl der möglichen Spezifikationen präsentiert. Deren Ergebnisse entsprechen im wesentlichen denen der Tabelle 3.13.Google Scholar
  30. 67.
    In der Politikwissenschaft gehören Institutionen seit jeher zum Kern der Disziplin (vgl. Göhler 1987: 20ff.), wenn es auch Phasen geringeren und größeren Interesses gab (Prätorius 1995: 492ff.).Google Scholar
  31. 68.
    Nach Aussage eines belgischen Politikwissenschaftlers (Jean-Luc Warzee) im Gespräch mit dem Verfasser ist diese Konfliktlage zwischen den Regionen eine der Hauptursachen der hohen Verschuldung in Belgien.Google Scholar
  32. 69.
    Es gibt in Deutschland noch einen Finanzausgleich auf der Gemeindeebene (kommunaler Finanzausgleich).Google Scholar
  33. 70.
    Vgl. Weser Kurier (24. 08. 1994: S. 2). Rexrodts Vorschlag sah im Detail nicht nur eine Verlangsamung des Schuldenabbaus vor, sondern sogar eine Anhebung der Neuverschuldung in der Größenordnung von 50 Milliarden DM. Damit sollte eine Senkung der Unternehmenssteuern finanziert werden.Google Scholar
  34. 71.
    Diese Berechnungen lassen sich für alle untersuchten Länder durchführen. Mit Hilfe solcher Modelle kann man abschätzen, wann gewisse Verschuldungsquoten erreicht werden. In der Fachdiskussion werden solche Modelle verwendet, um die Tragbarkeit („sustainability“) der Verschuldung in den einzelnen Ländern abzuschätzen (vgl. Schlesinger et al. 1993: 22 ).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

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