Advertisement

Die Weimarer Republik

  • Helene Kleine

Zusammenfassung

Die Zeit der Weimarer Republik ist eine mit besonderen Problemen und Hypotheken belastete Epoche der deutschen Geschichte, deren „Unübersichtlichkeit“ auch durch die Eindeutigkeit ihres Endes nicht geschmälert wird. Im vorliegenden Kontext kann nur auf einige besonders prägende Merkmale der politischen-gesellschaftlichen Realität, sowie den zugrundeliegenden „kulturellen Code“1 eingegangen werden, vor dessen Hintergrund sich die Entwicklung der Soziologie in ihren jeweiligen Ausprägungen vollzog.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Richard Münch entwickelte ein Konzept des “kulturellen Codes” als eines Genotyps gesellschaftlicher Wertmuster, die unter den spezifischen Bedingungen einer konkreten Gesellschaft seine besondere phänotypische Ausprägung erhält. Vgl. Richard Münch: Die Kultur der Moderne, Bd.1, Frankfurt 1986, S.28ff, vgl. auch, ders.: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.717ff.Google Scholar
  2. 2.
    Die Grundstimmung war “antikapitalistisch” in dem Sinne, als “Kapitalismus” mit “Liberalismus” und “undeutscher Rechenhaftigkeit” gleichgesetzt wurde. Kurt Sontheimer verweist darauf, daß dieses Denken insbesondere bei den staatskapitalistischen und national-sozialistischen politischen Strömungen virulent war: “ Im Typus des Bürgers oder pejorativ: des Bourgois, glaubte man den Menschen getroffen zu haben, der für all das stand, was man ablehnte; den Liberalismus und seine negative Staatsauffassung, den Kapitalismus und seinen skrupellosen Egoismus, den Materialismus und Immoralismus” (Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik, München (1962) 1978, S.272). Sontheimer fahrt fort: “Es waren jedoch nicht marxistische Slogans, wie die Rede von der Ausbeutung des Arbeiters durch die Kapitalisten, die im Mittelpunkt dieses Antikapitalismus standen, sondern nationale Kategorien, wie z.B. die Idee einer Volkswirtschaft als Wirtschaft für das Volk oder der Autarkie als Befreiung aus dem weltumspannenden kapitalistischen Wirtschaftsmechanismus.” (Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik, a.a.O., S.273)Google Scholar
  3. 3.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, Stuttgart (1932) 1967, S.84.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. dazu vor allem Ralf Dahrendorf: Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, München 1965, S.162ff.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu Seite 55 dieser Arbeit.Google Scholar
  6. 6.
    Diese Gutachten der Reparationskommission, benannt nach deren Vorsitzenden, dem damaligen Vize-Präsidenten der Vereinigten Staaten, war am 9. April 1924, einen Monat vor den Reichstagswahlen, vorgelegt und von den Allierten und der deutschen Reichsregierung akzeptiert worden. Der Dawes-Plan wurde von der Rechten, “… wie alles, was mit dem Thema Reparationen zusammenhing, als ein neues Kapitel der verhaßten Erfüllungspolitik und ein Schritt weiter auf dem Weg zur ewigen Versklavung Deutschlands erbittert angegriffen. Wer indes nicht so engstirnig dachte und weiter sah (und zu diesen gehörte der Reichsaußenminister), der sah,… die Möglichkeit der endgültigen Stabilisierung der deutschen Währung und darüber hinaus einen Schritt… zur Wiedergewinnung der politischen Freiheit, zur Freigabe der Ruhr und zur Wiederherstellung der Einheit des Reiches…” (Helmut Heiber: Die Republik von Weimar, München (1966) 1986, S.157)Google Scholar
  7. 7.
    Zur Politik des Reichsaußenministers Gustav Stresemann vgl. auch Sebastian Haffner: Im Schatten der Geschichte, München (1985) 1987, S.237.Google Scholar
  8. 8.
    Hier sei nur auf die Prägung der Architektur durch den funktionalen Stil des Bauhauses verwiesen, aber auch auf die neuen Theaterformen und die expressionistischen Strömungen in der bildenden Kunst und der Literatur. Vgl. dazu: Jost Hermand und Frank Trommler: Die Kultur der Weimarer Republik, München 1978. Als Beispiel für den Aufbruch in der bildenden Kunst kann die Gruppe junger Künstler um die Düsseldorfer “Mutter EY” gelten. Vgl. hierzu Ulrich Krempel (Hrsg.): Am Anfang: Das Junge Rheinland. Zur Kunst und Zeitgeschicht einer Region 1918–1945, Düsseldorf 1985. Zum Expressionismus in der Literatur vgl. als Zeitdokument die von Kurt Pinthus herausgegebenen Anthologie: Menschheitsdämmerung, Hamburg (1920) 1986.Google Scholar
  9. 9.
    Hans Freyer: Die geistige Gestalt der Gegenwart und die Volkshochschule, in: Die Erziehung, 4, 1928/29, S.292.Google Scholar
  10. 10.
    Von dieser Erwartung war auch der Dawes-Plan getragen: Nach dem Motto “business, not politics” strebte er eine politische Stabilisierung durch ökonomischen Aufschwung an. Er war geprägt von der Auffassung, daß die “Lösung der sozialen Frage in der Akzeleration des technischen Fortschritts…” liege. So Elfriede Net Hans Freyer in der deutschen Soziologie bis 1933, unv. Diplomarbeit, München 1980, S.84. Das Motiv war dabei die Einsicht, daß ein langfristig wirtschaftlich schwaches und politisch instabiles Deutschland weder als potenter Handelspartner noch als Schutz gegen den Bolschewismus fungieren könne.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. zu den besonderen Bedingungen und Ursachen der nur mangelhaften Herausbildung von “Citizenship” als Form der selbstbewußten, verantwortlich handelnden Staatsbürgerschaft Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.752.Google Scholar
  12. 12.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.96.Google Scholar
  13. 13.
    Rainer Geißler verweist 1985 auf die “Aktualität eines fast vergessenen Klassikers”, dessen Arbeit sowohl für die damalige Zeit bahnbrechend gewesen, als auch für die aktuelle Schichtungstheorie prägend sei. Dies gelte insofern, als Geiger erkannt habe, daß das marxsche Klassenmodell die gesellschaftliche Entwicklung nicht adäquat abbilde und ein komplexeres Modell geschaffen habe, das der “Dynamik der Schichtstruktur” eher gerecht werde. Vgl.: Rainer Geißler: Die Schichtungssoziologie von Theodor Geiger. Zur Aktualität eines fast vergessenen Klassikers, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 37, 1985, S.396.Google Scholar
  14. 14.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., 5.109–121.Google Scholar
  15. 15.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des Volkes, a.a.O., S.77.Google Scholar
  16. 16.
    Zur Kritik Geigers an der SPD, die ihn 1932 zum Austritt aus der Partei bewog, berichtet Paul Trappe: “An der Sozialdemokratie der Weimarer Zeit kritisierte er vor allem die dogmatische Erstarrung und parteipolitisch die den sozialen Voraussetzungen unangemessene Konzentrierung auf den Klassenkampf ohne ‘die theoretische Aufschließung gegenüber dem Neuproletariat’, aus dem der Faschismus längst zu schöpfen begonnen hatte.” (Paul Trappe: Theodor Geiger, in: Dirk Käsler (Hrsg.): Klassiker des soziologischen Denkens, Bd.2, München 1976, S.266)Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.123.Google Scholar
  18. 18.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.105.Google Scholar
  19. 19.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.84.Google Scholar
  20. 20.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.85.Google Scholar
  21. 21.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.87.Google Scholar
  22. 22.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.98.Google Scholar
  23. 23.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.105.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Rainer Geißler: Die Schichtungssoziologie von Theodor Geiger, a.a.O., S.399.Google Scholar
  25. 25.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.90.Google Scholar
  26. 26.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.90.Google Scholar
  27. 27.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.108ff.Google Scholar
  28. 28.
    Sebastian Haffner: Im Schatten der Geschichte, a.a.O., S.123.Google Scholar
  29. 29.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.112.Google Scholar
  30. 30.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., 5.118.Google Scholar
  31. 31.
    Theodor Geiger: Die soziale Schichtung des deutschen Volkes, a.a.O., S.121.Google Scholar
  32. 32.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.683.Google Scholar
  33. 33.
    Munch vergleicht die Entwicklung des kulturellen Systems in England, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutschland. Durch diese interkulturell vergleichende Vorgehensweise wird der Blick geschärft für die Normalität des Sonderwegs, d.h. für die vielfältigen Möglichkeiten, in denen sich die Moderne verwirklichen kann. Damit wird auch einer Beschreibung der deutschen Entwicklung als dem deutschen Wesen angemessener, von der Entwicklung der anderen westlichen Industrienationen wesensmäßig verschiedener, Sonderweg in die Moderne die Überzeugungskraft genommen. Wolf Lepenies hat auf den ideologischen Charakter dieser spezifischen Form des “Nachdenkens der Deutschen über sich selbst” hingewiesen: “Die politisch-soziale Rückständigket Deutschland gegenüber seinen westlichen Nachbarn gehört bis ins 20. Jahrhundert zu den Dauerthemen des Nachdenkens der Deutschen über sich selbst; und wenn es so etwas wie eine deutsche Ideologie gibt, dann besteht sie darin, weniger den Ursachen dieser Rückständigkeit nachzuspüren und auf Abhilfe zu sinnen, als vielmehr in einer Mischung aus Trotz und Trauer, die Romantik gegen die Aufklärung, den Ständestaat gegen die Industriegesellschaft, das Mittelalter gegen die Moderne, die Kultur gegen die Zivilisation, die Innerlichkeit gegen die Außenwelt, Gemeinschaft gegen Gesellschaft, das Gemüt gegen den Intellekt auszuspielen, um schließlich zur Heroisierung eines deutschen Sonderweges und zur Verherrlichung deutschen Wesens zu gelangen.” (Wolf Lepenies: Die Drei Kulturen, München, Wien 1985, S.245)Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. dazu Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.702, 714, 744, 772.Google Scholar
  35. 35.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.684.Google Scholar
  36. 36.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.684.Google Scholar
  37. 36.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.684.Google Scholar
  38. 37.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.684.Google Scholar
  39. 38.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.775.Google Scholar
  40. 39.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.698.Google Scholar
  41. 40.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.732.Google Scholar
  42. 41.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.719.Google Scholar
  43. 42.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.686.Google Scholar
  44. 43.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.771.Google Scholar
  45. 44.
    Richard Münch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., 5.719 und 721.Google Scholar
  46. 45.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.732.Google Scholar
  47. 46.
    Mit dieser Variante ist nur die für die Spefizifikation des kulturellen Codes dominanteste Form des Verhältnisses der Intellektuellen zur politischen Sphäre wiedergegeben. Für die Intellektuellen, die nicht in das staatliche Gefüge eingebunden waren, Minch nennt als prominentesten Beispiele Heine, Schopenhauer, Nietzsche und Marx als Vertreter eines nicht “staatlich legitimierten deutschen Intellektualismus” (735) blieb nur der radikale Protest zum Preis der gesellschaftlichen Marginalität und sozialen Unsicherheit.Google Scholar
  48. 47.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.698.Google Scholar
  49. 48.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.847.Google Scholar
  50. 49.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.736.Google Scholar
  51. 50.
    Richard Minch: Die Kultur der Moderne, a.a.O., S.752.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Helene Kleine
    • 1
  1. 1.Studium der Soziologie, Erziehungswissenschaft und SozialpsychologieHeinrich Heine Universität DüsseldorfDeutschland

Personalised recommendations