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Kann es konsenspflichtige pädagogische Kriterien für die Beurteilung von (beruflicher Weiter-)Bildung geben?

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Zusammenfassung

Die vor allem im letzten Jahrzehnt zu verzeichnende exorbitante Expansion beruflicher Weiterbildung im organisationalen Kontext der öffentlichen, privatwirtschaftlichen und innerbetrieblichen Weiterbildung hat dazu geführt, daß die unter pädagogischen Professionalitätsgesichtspunkten (vgl. z.B. Gieseke u.a. 1988) unabweisbare Frage nach der Qualität der Weiterbildung und danach, wie sie professionell zu bestimmen ist, den Kreis intellektueller Theoriediskussion überschreitend in das Rampenlicht der Praxis und Öffentlichkeit gerückt ist. Der Hintergrund für diese Entwicklung läßt sich als ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte der Pädagogik nachzeichnen. Ihren ersten großen Erfolg hatte sie mit der Schulpädagogik, die davon profitierte, daß Wirtschaft und Staat sozusagen in einer konzertierten Aktion zu Beginn des letzten Drittels des letzten Jahrhunderts die Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht erwirkten und in den 70er Jahren unseres Jahrhunderts eine Bildungsexpansion bislang ungekannten Ausmaßes betrieben haben. Zu diesem Erfolgskind der Pädagogik gesellt sich seit kurzem ein zweites: die berufliche Weiterbildung. Ganz zweifellos hat es geschwisterliche Ähnlichkeiten mit dem ersten, und zwar vor allem im Bereich der fachlichen Weiterbildung. Aber es gibt auch Unterschiede, die deutlich machen, daß das zweite Erfolgskind keine zwillingsgleiche Dublette des ersten ist. Sie bestehen im Bereich der überfachlichen Qualifizierung bzw. Schlüsselqualifikationen und in der engen Bezugnahme auf Managementaspekte. War die bisherige Lebensgeschichte der Schulpädagogik durch den erfolgreichen Dialog zwischen Pädagogik, Fachwissenschaften und Schulorganisation gekennzeichnet, ist zu erwarten, daß der Erfolg der beruflichen Weiterbildung davon abhängen wird, ob und wie sie sich gegen ihre große Schwester, die Schulpädagogik, behaupten und ein eigenständiges Erfolgsprofil entwickeln kann, das nicht schlicht „Schulorganisation“ durch „Weiterbildungsorganisation“ ersetzt. Auch wenn eine solche schulpädagogisch inspirierte Weiterbildung als durchaus lebens- und entwicklungsfähig einzuschätzen ist, hat dieser Typus beruflicher Weiterbildung m.E. nicht den Marschallstab im Tornister. Sehr viel erfolgversprechender scheint mir nämlich diejenige berufliche Weiterbildung zu sein, die auf den Dialog zwischen Pädagogik und Management setzt und dabei mit Blick auf die innerbetriebliche Weiterbildung davon ausgeht, daß Weiterbildung sich nicht unbedingt in einer eigenständigen Organisation institutionalisieren muß. Vor diesem Hintergrund kann die öffentliche Diskussion um Qualität und Qualitätssicherung der Weiterbildung als eine erste große Entwicklungsaufgabe verstanden werden, die über den weiteren Werdegang des jüngsten Erfolgssprößlings der Pädagogik entscheiden und sein Angesicht prägen wird.

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