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Qualität durch Professionalität — zur Durchmischung von Utilität und Zweckfreiheit in der Qualität betrieblicher Weiterbildung

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Zusammenfassung

Durch die erkenntnistheoretischen Implikationen der neueren Systemtheorien wissen wir, daß das Beobachten von Wirklichkeit „zwingend die Voraussetzung eines Differenzschemas (erfordert)“ (Luhmann 1985, S. 404)1: Beobachten — so Luhmann — „(...) ist mithin die Operation des Bezeichnens-anhand-einer-Unterscheidung“ (ebd., S. 407). Auch die Beobachtung der betrieblichen Weiterbildung arbeitet demzufolge mit Unterscheidungen bzw. Codierungen, die für den Fokus des Erkennens und damit für den selektiven Blick des Erkennens konstitutiv sind. Was die betriebliche Weiterbildung anbelangt, so kann man feststellen, daß für die Beobachtung dieses Bereiches die Durchmischung zweier binärer Codierungen seit jeher charakteristisch ist, da die Betriebspädagogik — „anders als wohl alle anderen Spezialpädagogiken — ‚ihren‘ Bereich eben nicht nur nach den Maßstäben von Bildung ‚vermessen‘ kann (...)“ (Arnold 1990, S. 18), handelt es sich doch bei der betrieblichen Weiterbildung um einen typischen „Überschneidungsbereich“, in dem — in der Sprache von Luhmann und Schorr — „(...) der Erziehungsprozeß an die Erfüllung, ja an den Primat einer anderen Funktion gebunden (bleibt)“ (Luhmann/Schorr 1979, S. 54):

„Im Unterschied zum Schulunterricht, der sich durch seine Interaktionsform auszeichnet, laufen Familienerziehung, Betriebserziehung (Hervorhebung R.A.) und Universitätserziehung in Funktionssystemen der Gesellschaft ab, die durch Bezug der Kommunikationsprozesse auf symbolisch generalisierte Medien ausdifferenziert worden sind, das heißt durch besondere Codes, die ein kontingentes Annehmen von Kommunikationsleistungen regulieren. (...) Für die Wirtschaft der modernen Gesellschaft ist bezeichnend, daß alle wirtschaftlich relevanten Faktoren, auch Grundbesitz und auch Arbeit, durch den monetären Mechanismus erfaßt werden, also ‚Ware‘ werden, und damit einem variablen (!) Prinzip der Summenkonstanz unterworfen werden, das ältere, moralabhängige Knappheitsvorstellungen ersetzt. Damit läuft auch die gesellschaftliche Einordnung der Knappheitsorientierung in Einzelbetrieben über Geld und nicht mehr über Moral...)“ (ebd., S. 54f.).

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