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Theoretische Aspekte

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Zusammenfassung

Die Gesellschaftsverhältnisse in der DDR waren gekennzeichnet durch die Gegenläufigkeit von politisch-ideologischen Homogenisierungsbestrebungen und fach- und bereichsspezifischen Autonomisierungstendenzen. Zur Kennzeichnung der Sozialverhältnisse in der DDR reicht es daher nicht aus, allein auf die Dominanz der politischen Administration, den bürokratischen Machtapparat oder die zentralistische Verfügung über alle gesellschaftlichen Ressourcen und Entscheidungskompetenzen hinzuweisen. Die DDR war nicht nur eine paternalistische Monosubjektgesellschaft oder eine klassenlose Despotie (Brie 1990a; 1990b; Meuschel 1990; 1992), sondern auch eine moderne Industriegesellschaft. Auf der einen Seite wurde die Entwicklung der gesamten Gesellschaft mit Hilfe eines ideologischen Programms durch eine Einheitspartei gesteuert, reglementiert und kontrolliert. Kein politikfreier Raum sollte zugelassen werden. Die Öffentlichkeit wurde strikt kontrolliert. Nicht nur die politischen Organisationen im engeren Sinn, sondern auch die formal außerpolitischen Institutionen, Verbände, Zirkel und Initiativen wurden politisch instrumentalisiert und vereinnahmt, ja selbst jedes einzelne Individuum sollte organisatorisch erfaßt und durch die staatlichen und parteiamtlichen Institutionen gesteuert und gelenkt werden (Fulbrock 1996: 289f). Insofern kann die DDR als Organisationsgesellschaft bezeichnet werden.

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Literatur

  1. 27.
    Zum folgenden vgl. ausführlicher Pollack 1994: 56–77; 1998a.Google Scholar
  2. 28.
    Voskamp/Wittke (1991: 31) sprechen vom „Planerfullungspakt“.Google Scholar
  3. 29.
    Wesentliche Züge des europäischen Ansatzes der Bewegungsforschung wurden bereits im Zusammenhang mit der Darstellung der Arbeiten von Hubertus Knabe dargestellt und werden daher im Rahmen dieses Kapitels nicht noch einmal wiederholt. Die europäische Forschung zu den NSB hebt vor allem auf den Einfluß von Prozessen der Modernisierung und des Wertwandels sowie dementsprechender neuer Mittelschichten auf die Entstehung von neuen sozialen Bewegungen ab und berücksichtigt die Wirkung von aus der Modernisierung resultierenden globalen Problemen.Google Scholar
  4. 30.
    Hier knüpft der Framing-Ansatz seinem eigenen Anspruch nach an Goffman (1977) an.Google Scholar
  5. 31.
    Der an vielen Stellen anzutreffende unreflektierte Gebrauch der Begriffe Bürgerbewegung, oppositionelle Bewegung, Friedensbewegung, Menschenrechtsbewegung für die politisch alternative Gruppen (vgl. etwa U. Poppe 1995: 245; Neubert 1997: 335ff, 499, 526, 708, 722 U.Ö.; Eckert 1999) bedarf also der Korrektur.Google Scholar
  6. 32.
    Im strengen Sinne läßt sich auch der Begriff der Szene nur eingeschränkt auf das Gruppenphänomen anwenden, denn zur Szene gehört die marktförmige Organisation von Angebot und Nachfrage (Schulze 1992). Von einem Markt politisch alternativer Angebote läßt sich angesichts der restriktiven Gesellschaftsverhältnisse in der DDR allerdings nicht sprechen.Google Scholar
  7. 33.
    Die Zahl der Interaktionsteilnehmer ist also nicht sekundär. Ab einer bestimmten Zahl von Interaktionsteilnehmern ist die direkte Interaktion nicht mehr möglich.Google Scholar
  8. 34.
    Vgl. Tyrell (1983: 79): In Organisationen hat nicht jeder zu jedem problemlos Zugang. In der Regel kommen Organisationen mit einem Minimum an unmittelbarer Kommunikation aus.Google Scholar
  9. 35.
    Im Gegenteil. Dort wo der Sinnzusammenhang einer Gruppe ausschließlich auf personalen Beziehungen beruht, handelt es sich wahrscheinlich gerade nicht um eine Gruppe, denn rein persönliche Beziehungen kann es nur in einer Dyade geben. Tritt zu zwei Interaktionspartnem ein dritter hinzu, verändert sich das Beziehungsgefüge grundsätzlich. Es entsteht nun so etwas wie Öffentlichkeit. In die Zweierbeziehung mischt sich eine dritte unabhängige Instanz, die als Schiedsrichter zwischen den beiden anderen auftreten und einen der beiden in die Isolation treiben kann (Simmel 1908). Es bilden sich Mehrheiten aus, die man gewinnen oder verlieren kann. Das heißt, es ist jetzt auch möglich, Politik zu betreiben, ja sogar Geheimdiplomatie. Angesichts dieser Möglichkeiten, die sich mit einer Erweiterung der Interaktionspartner über die Zweizahl ergeben, scheint es sinnvoll zu sein, Gruppen von der intimen Zweierbeziehung zu unterscheiden und erst ab einer Triade von Gruppen zu sprechen.Google Scholar
  10. 36.
    Die Abhängigkeit von Gruppen von ihrer sozialen Umwelt ist durch eine Vielzahl von Untersuchungen belegt. Hermann Giesecke (1981) zum Beispiel wies nach, daß die Jugendbewegung im Laufe ihrer Geschichte mehrfach ihren Charakter änderte: Im Wilhelminischen Kaiserreich war sie kritisch-emanzipativ, in der Weimarer Republik war sie eher ein Ort des Rückzugs gegenüber der Überkomplexität der Welt, im Dritten Reich verstärkten sich wiederum ihre kritischen Züge.Google Scholar
  11. 37.
    Gruppen entstehen erst in der Neuzeit massenhaft. Offenbar tritt mit der Erhöhung des Komplexitätsniveaus der Gesellschaft ein gesteigerter Nahweltbedarf auf (Luhmann 1982: 16f). Diese Nahwelten können angesichts der sich differenzierenden Gesellschaft emotionale Stabilisierung leisten und Verhaltensunsicherheiten ausgleichen (König 1983); sie können angesichts gesellschaftlicher Überintegration auch Vielfalt und Destabilisierung bieten (Gerhards 1993: 351). Wahrscheinlich neigen sie dazu, Gegenstrukturen auszubilden, um das prekäre Verhältnis von Integration und Differenz in Balance zu bringen (ebd.).Google Scholar
  12. 38.
    Vgl. S. 148 und S. 201, bes. Anm. 221.Google Scholar
  13. 39.
    Vgl. etwa Eisenfeld 1988: 139: „In unserem Friedenskreis bestand Einigkeit darin, daß Friedensarbeit, die mit ungenehmigten öffentlichen Aktionen verbunden war, in der DDR kaum Aussicht auf Kontinuität und Dauer hat.“Google Scholar
  14. 40.
    Als Beleg vgl. etwa das Selbstdarstellungspapier der Demokratischen Initiative vom Februar 1989: „Wenn in betroffenmachenden Konflikten die Möglichkeit der legalen Einflußnahme nicht zu einer allgemein akzeptablen Lösung führt, ist auch der Weg der gewaltlosen, symbolischen bzw. begrenzten Gesetzesverletzung möglich (Demonstration, Streik).“ (Archiv des Verf.; vgl. auch Mitter/Wolle 1990: 165)Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

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