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Theorien der Parteienforschung im Überblick

  • Christoph Emminghaus

Zusammenfassung

Werden Parteien zunächst ganz allgemein als Teil des politischen Systems aufgefasst, so kann die Parteientheorie als Teil der Politischen Theorie mit geringerer Reichweite verstanden werden. Anders als für Interessengruppen, Klassen oder Eliten existieren kaum Versuche, die grundlegenden Funktionsgesetze des politischen Systems aus dem Handeln der Parteien heraus zu erklären (vgl. von Beyme 1995: 391). Der vergleichsweise niedrige Erklärungshorizont der Parteientheorie für das gesamte politische System kann nicht mit mangelnden Forschungsbemühungen erklärt werden. Die Zahl der Arbeiten, die sich direkt oder indirekt mit der Struktur, dem Handeln oder den Funktionen von Parteien auseinander setzen, hat einen kaum noch zu überschauenden Umfang angenommen. Dass gleichwohl bis heute zahlreiche theoretische wie empirische Defizite der Parteienforschung bemängelt werden (vgl. Mintzel 1987; Wiesendahl 1998), kann am ehesten mit der Schnittstellenfunktion von Parteien im politischen System erklärt werden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihnen stellt weniger eine eigene Disziplin dar, als vielmehr eine arbeitsteilig von verschiedenen soziologischen und politologischen Teildisziplinen zu leistende Aufgabe.

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Literatur

  1. 14.
    In der deutschen Debatte hat sich weitgehend der Begriff der Volkspartei gegenüber der ansonsten gängigeren Bezeichnung der Catch-all Party bzw. der Allerweltspartei durchgesetzt. Wie Decker (1999: 357) anmerkt, deutet diese begriffliche Differenz auf weiterhin existierende ideologische Unterschiede zwischen den Programmen der deutschen Volksparteien. Analytischer formuliert: die Begriffe Catch-all Party und Allerweltspartei sind idealtypische Umschreibungen derartiger Parteien, der Begriff der Volkspartei dagegen eine realtypische Bezeichnung der beiden deutschen Volksparteien. Im Folgenden werden die gängigeren Begrifflichkeiten der Allerweltspartei bzw. der Catch-all Party verwendet.Google Scholar
  2. 15.
    Klaus von Beyme erachtet diesen Zeitpunkt zumindest für Deutschland als zu früh und „pseudoexakt“ (1997a: 369).Google Scholar
  3. 16.
    Um Elitenparteien in Afrika zu finden, muss in die Kolonialzeit zurückgegangen werden, als in zahlreichen Staaten Strukturen und Partizipationsschranken bestanden, die diesen Parteityp begünstigten. Eine Ausnahme stellte bereits früh der Senegal dar, in dem seit 1914 in vier Gemeinden ein allgemeines Wahlrecht bestand (vgl. Nuscheler/Ziemer 1978 ).Google Scholar
  4. 17.
    Auch in Parteienstudien zu anderen Transformationsregionen wird die Reichweite von Typologien kontrovers betrachtet. Zu den Arbeiten, die mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen versuchen, Ordnungsmuster und Entwicklungslinien osteuropäischer Parteiensysteme zu erkennen, zählen: Mair (1996, 1997); Agh (1996); Cotta (1996); Pridham/Lewis (1996); Wesolowski (1996); Hofferbert (1998).Google Scholar
  5. 18.
    Zusätzlich zur Anzahl an Parteien berücksichtigt Sartori als weiteres Kriterium bei der Erstellung seiner Typologie den ideologischen Abstand zwischen den Parteien (vgl. Sartori 1976: 125ff.).Google Scholar
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    Dieser Zusammenhang erfährt für Afrika dort eine herausragende Bedeutung, wo vormalige Befreiungsbewegungen an der Macht sind. Vergleiche Melber (1998) exemplarisch für die Swapo in Namibia.Google Scholar
  7. 20.
    Petra Bendel (1996) demonstriert die praktische Umsetzbarkeit von Sartoris Typolo gie anhand ihrer Analyse der Parteiensysteme fünf zentralamerikanischer Länder.Google Scholar
  8. 21.
    Ein Beispiel kann diesen Zusammenhang verdeutlichen. Angenommen sei ein Parteiensystem, das sich aus vier Parteien konstituiert: Im ersten Fall erzielen diese jeweils 25 Prozent der Stimmen bzw. der Sitze. Nach Laakso/Taagepera ergibt sich hieraus eine effektive Zahl an Parteien von N=4, d.h. der Maximalwert. Im zweiten Beispiel soll dagegen Partei A: 60%, Partei B: 25%, Partei C: 10% und Partei D: 5% der Stimmen oder Sitze erhalten haben. Der hieraus resultierende Indexwert beträgt N=2,3 und spiegelt die Dominanz von Partei A wieder. Variiert man die Werte soweit, bis Partei A nahezu 100% der Stimmen erhalten hat, während die anderen drei Parteien nur wenige Stimmen erringen konnten, nähert sich der Index seinem Minimalwert von 1 an und spiegelt das praktisch existierende Einparteisystem wider.Google Scholar
  9. 22.
    Die Proportionalität zwischen der prozentualen Stimmenzahl und der auf dieser Basis errungenen Mandate wird im Zusammenhang mit der Bedeutung von Wahlsystemen ausführlicher erörtert (vgl. Kap. 3.3.2).Google Scholar
  10. 23.
    Der Anspruch einer Vergleichbarkeit mit dem Index von Laakso/Taagepera erfordert es, die Indexwerte für die effektiven Regierungs- und Oppositionsparteien (N, und No) nicht auf die Gesamtheit der Wahlstimmen zu beziehen, sondern lediglich auf den Stimmenanteil des Regierungslagers (p,) bzw. des Oppositionslagers (po). Eine Regierung, die nur aus einer Partei besteht, erhält danach unabhängig von ihrer Größe den Minimalwert 1 und eine Opposition, die sich aus zwei gleich großen Parteien zusammensetzt, erhält den Wert 2.Google Scholar
  11. 24.
    Unterschiede zu den Werten für Botswana in Tabelle 6.4 resultieren daraus, dass die Indexwerte hier auf Basis von Stimmanteilen berechnet wurden und in der Tabelle 6.4 auf Basis von Sitzanteilen in der National AssemblyGoogle Scholar
  12. 25.
    Ferner bleiben hier auch Wahlsysteme ausgeklammert, die im nächsten Abschnitt gesondert betrachtet werden.Google Scholar
  13. 26.
    Während Steffani (1983, 1996) etwa das Kriterium der Absetzbarkeit des Präsidenten bzw. der Regierung als hinreichend erachtet, zielen andere Autoren auf Zuschreibungsmodelle mit mehreren Kriterien (vgl. u.a. Duverger 1980; Shugart/Carey 1992).Google Scholar
  14. 27.
    Zu den Verfechtern der Gegenposition zählt insbesondere Donald Horowitz (1990), der mit dem Argument der größeren Stabilität präsidentieller Regierungssysteme argumentiert (vgl. Kap. 6.1).Google Scholar
  15. 28.
    Derartige Empfehlungen stammen etwa von Linz (1994), Mainwaring (1993) und Lijphart (1994) sowie von Autoren, die im Rahmen der vergleichenden empirischen Demokratiemessung die statistisch größere Überlebenswahrscheinlichkeit parlamentarischer Systeme aufzeigen, vgl. Hadenius (1994).Google Scholar
  16. 29.
    Zur Kritik an Rae vgl. Lehmbruch (1971) und Lijphart (1988), die bei Rae nicht nur fehlerhafte Klassifizierungen, schwache Hypothesen und eine zu geringe Datenmenge kritisieren, sondern die Anlage seines Untersuchungsansatzes als tautologisch bezeichnen (vgl. auch Nohlen 1990: 274f.).Google Scholar
  17. 31.
    Vgl. Hug (2000) für eine empirische Analyse zum Überwinden der Repräsentationshürde durch neue Parteien in 21 Ländern.Google Scholar
  18. 32.
    Die empirische Basis von Emizets (1999) Studie bilden vorstrukturierte Interviews mit 377 Personen in zwei Städten des Landes (Kinshasa und Butembo) sowie deren Umland.Google Scholar
  19. 33.
    Eine ähnliche Gefahr hat von Beyme (1994a: 294f., 1997) auch für zahlreiche Transformationsprozesse in Osteuropa identifiziert, wo übersteigerte nationalistische Konfliktsituationen alle anderen Konfliktdimensionen zu überschatten drohen.Google Scholar
  20. 34.
    Mathematisch ist die Volatilität (V) bestimmt durch: V= 1/2, wobei Sit den prozentualen Stimmenanteil der Partei i bei den Wahlen t darstellt und Sit-1 den prozentualen Stimmenanteil derselben Partei bei den vorangegangenen Wahlen (vgl. Niedermayer 1996: 31 ).Google Scholar
  21. 35.
    In der Bundesrepublik etwa sank die Volatilität von der zweiten Bundestagswahl 1953 (20,1%) zur dritten 1957 (8,2%), um zur vierten (1961) wiederum leicht anzusteigen (10,4%) (vgl. von Beyme 1997: 47). Siehe Mainwaring (1999: 27ff.) für einen globalen Vergleich von 26 Staaten, in dem Afrika jedoch fehlt.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Christoph Emminghaus
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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