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Politbarometer pp 109-123 | Cite as

Politbarometer und Wahlprognosen: Die Kanzlerfrage

  • Helmut Norpoth
  • Thomas Gschwend

Zusammenfassung

Prognosen zu machen, so der weise Spruch, ist äußerst schwierig, besonders für die Zukunft. Seit Jahren macht sich die Forschungsgruppe Wahlen (FGW) verdient in diesem schwierigen Geschäft. Bei der Bundestagswahl 2002 traf sie mit ihrer Hochrechnung am Wahlabend ins Schwarze: Gleichstand der beiden großen Parteien sowie Vorsprung der Grünen vor der FDP und das Scheitern der PDS an der 5%-Hürde. So sahen es die Zuschauer um 18 Uhr im ZDF. Mehr noch, mit dieser Prognose schlug die FGW ihre Konkurrenz in der ARD. Dort lag in der 18 Uhr-Prognose die CDU/CSU deutlich vor der SPD, was den Mut bei den Regierungsparteien am frühen Wahlabend sinken ließ, während Stoiber sich schon als neuer Kanzler wähnte. Auch in den Umfragen vor der Wahl bewies die Forschungsgruppe Wahlen große seherische Fähigkeiten. Ihre letzte Projektion vor dem Wahltag 2002 ließ auf einen knappen Sieg der Regierungsparteien über die schwarz-gelbe Opposition schließen. Diese von der Sonntagsfrage abgeleitete Prognose des Wahlverhaltens wich nur 1.0 Prozentpunkt im Schnitt von den tatsächlichen Stimmenanteilen der fünf Parteien ab. Und dies mit einer Umfrage, die zehn Tage vor dem Wahltag beendet war. Das sind Erfolge im schwierigen Geschäft der Wahlprognose, die Beifall verdienen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Helmut Norpoth
  • Thomas Gschwend

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