Advertisement

Politbarometer pp 205-238 | Cite as

Politische Konsequenzen von Arbeitslosigkeit: Eine Analyse der Bundestagswahlen 1980 bis 2002

  • Thorsten Faas
  • Hans Rattinger

Zusammenfassung

Arbeitslosigkeit ist nach Meinung der Bevölkerung seit geraumer Zeit, das zeigen alle Umfragen, das drängendste Problem in Deutschland. Entsprechend groß ist die Bedeutung, die Parteien und Politiker diesem Thema beimessen, wie es erst kürzlich der Bundestagswahlkampf 2002 untermauert hat: Die Union etwa prognostizierte rund 800.000 neue (Mini-)Jobs bei Umsetzung ihrer Vorschläge, die Regierung erwartete nach Umsetzung der Hartz-Vorschläge eine Halbierung der Arbeitslosigkeit innerhalb von drei Jahren, Solche Ankündigungen sind nichts wirklich Neues, verwundern aber dennoch vor dem Hintergrund, dass sowohl der amtierende Kanzler als auch sein Vorgänger erkennen mussten, dass solche Ankündigungen Gefahren bergen. Denn bekanntlich konnte Altkanzler Kohl sein 1996 formuliertes Ziel, die Arbeitslosigkeit zu halbieren, nicht realisieren, und auch Kanzler Schröder hat im Wahlkampf 2002 sicherlich mehrfach bedauert, im Wahlkampf 1998 gesagt zu haben: „Wenn wir es nicht schaffen, die Arbeitslosenquote signifikant zu senken, dann haben wir es weder verdient, wiedergewählt zu werden, noch werden wir wiedergewählt“ (SPIEGEL 1998: 38ff.). Bekanntlich ist Schröder aber entgegen seiner Prognose und trotz eines Wahlkampfs 2002, in dem die Union immer wieder gerade dieses Versprechen Schröders aufgegriffen hat,2 wiedergewählt geworden. Das Beispiel — und auch die früheren Wahlerfolge Kohls und vieler anderer Regierungschefs im Ausland haben dies in der Vergangenheit wiederholt belegt (siehe Visser/Wijnhoven 1990) — zeigt, dass man auch trotz hoher Arbeitslosigkeit eine Chance hat, wiedergewählt zu werden. Eine wahlentscheidende Rolle nimmt die Arbeitslosigkeit also nicht automatisch ein.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Beckmann, Michael: Radikalisierung oder Apathie? Zu den politischen Verarbeitungsfor- men der Arbeitslosigkeit. In: Politische Vierteljahresschrift 14, 1988, S. 591–609.Google Scholar
  2. Bürklin, Wilhelm P./Jürgen Wiegand: Arbeitslosigkeit und Wahlverhalten. In: Wolfgang Bonß/Rolf Heinze (Hrsg.): Arbeitslosigkeit in der Arbeitsgesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1984, S. 273–297.Google Scholar
  3. Campbell, Angus/Philip E. Converse/Warren E. Miller/Donald E. Stokes: The American Voter. New York: Wiley, 1960.Google Scholar
  4. Downs, Anthony: An Economic Theory of Democracy. New York: HarperandRow, 1957.Google Scholar
  5. Falter, Jürgen W./Andreas Link/Jan-Bernd Lohmöller/Johann de Rijke/Siegfried Schumann: Arbeitslosigkeit und Nationalsozialismus. Eine empirische Analyse des Beitrags der Massenerwerbslosigkeit zu den Wahlerfolgen der NSDAP 1932 und 1933. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 35, 1983, S. 505–524.Google Scholar
  6. Feld, Lars P./Gebhard Kirchgässner: Offizielle und verdeckte Arbeitslosigkeit und ihr Einfluss auf die Wahlchancen der Regierung und der Parteien: Eine ökonomische Analyse für die Ära Kohl. In: Max Kaase/Hans-Dieter Klingemann (Hrsg.): Wahlen und Wähler. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1998, S. 537–570.Google Scholar
  7. Frey, Bruno S./ Hermann Garbers: Der Einfluss wirtschaftlicher Variablen auf die Popularität der Regierung — eine empirische Analyse. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 186, 1971, S. 281–295.Google Scholar
  8. Frey, Bruno S./Hannelore Wecke: Hat Arbeitslosigkeit den Aufstieg des Nationalsozialismus bewirkt? In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 196, 1981, S. 131.Google Scholar
  9. Jahoda, Marie/ Paul F. Lazarsfeld/Hans Zeisel: Die Arbeitslosen von Marienthal. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975.Google Scholar
  10. Juhäsz, Zoltan: Wahlabsicht und Rückerinnerung — zwei Angaben zur aktuellen Bewertung politischer Parteien? In: Oscar W. Gabriel/Klaus Troitzsch (Hrsg.): Wahlen in Zeiten des Umbruchs. Frankfurt am Main: Lang, 1993.Google Scholar
  11. Morris, Dick: Vortrag anlässlich der Marter Tagen der Medienkultur 2002, abrufbar unter http://www.grimme-institut.de/scripts/arch i v/pro jekte/marler_tage02/mt02/vortr_morris
  12. Pedersen, Mogens N.: The Dynamics of European Party Systems: Changing Patterns of Electoral Volatility. In: European Journal of Political Research 7, 1979, S. 1–26.Google Scholar
  13. Rattinger, Hans: Arbeitslosigkeit, Apathie und Protestpotential. Zu den Auswirkungen der Arbeitsmarktlage auf das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 1980. In: Max Kaase/Hans-Dieter Klingemann (Hrsg.): Wahlen und politisches System. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1983, S. 257–317.Google Scholar
  14. Rattinger, Hans: Politisches Verhalten von Arbeitslosen: Die Bundestagswahlen 1980 und 1983 im Vergleich. In: Dieter Oberndörfer (Hrsg.): Wirtschaftlicher Wandel, religiöser Wandel und Wertewandel. Folgen für das politische Verhalten in der BRD. Berlin: DunckerandHumblot, 1985, S. 97–130.Google Scholar
  15. Roth, Dieter: Ökonomische Situation und Wahlverhalten. Das Beispiel Arbeitslosigkeit. In: Politische Vierteljahresschrift 18, 1977, S. 537–550.Google Scholar
  16. Schlozman, Kay Lehman/Sidney Verba: Injury to Insult: Umemployment, Class, and Political Response. Cambridge: Harvard University Press, 1979.Google Scholar
  17. Der Spiegel: „Wir haben bessere Karten“. SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder über die Schlussoffensive im Wahlkampf, sein Wirtschaftsprogramm und mögliche Koalitionspartner. In: Der Spiegel 39, 1998, S. 38–40.Google Scholar
  18. Visser, Wessel/Rien Wijnhoven: Politics do matter, but does unemployment? Party strategies, ideological discourse and enduring mass unemployment. In: European Journal of Political Research 18, 1990, S. 71–96.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Thorsten Faas
  • Hans Rattinger

There are no affiliations available

Personalised recommendations