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Organisationskultur

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Part of the Schriftenreihe Interdisziplinäre Organisations- und Verwaltungsforschung book series (IOUV, volume 3)

Zusammenfassung

Welches kollektive Selbstverständnis haben die Beschäftigten in kommunalen Verwaltungen der neuen Bundesländer? Wie deuten sie ihre Verwaltungswirklichkeit? Bei der Untersuchung dieser Fragen lasse ich mich von der Annahme leiten, daß die gemeinsamen Erfahrungen in der DDR Einfluß auf die heutige Wahrnehmung der Rolle als Verwaltungsbeschäftige haben.1 Ob es einen solchen Einfluß gibt und wenn ja, ob er zu spezifischen Unterscheidungen führt und wie stabil oder instabil die so konstruierten Sinnwelten über die Zeit sind, ist Gegenstand der folgenden Untersuchung. Im Zentrum dieser Arbeit steht dabei nicht die gewählte politische Führungsspitze. Das Interesse richtet sich auf die Ebenen darunter, auf das Selbstverständnis der in einer Stadtverwaltung beschäftigten Sachbearbeiter, Gruppenleiter und Amtsleiter, die im folgenden auch als „Verwalter“ bezeichnet werden. Für Funktionsbezeichungen, wie zum Beispiel Mitarbeiter, Sachbearbeiter, Gruppenleiter oder Amtsleiter, wird dabei nur die männliche Form verwendet. Dies mag nicht fortschrittlich sein, diskriminierend ist es in keinem Fall gemeint.

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Literatur

  1. 1.
    Der dabei verwendete Rollenbegriff geht davon aus, daß Rollen normative Erwartungen an Positionsinhaber stellen, welche, auch in bürokratischen Organisationen, der Auslegung und Interpretation durch diese bedürfen (vgl. Joas 1991).Google Scholar
  2. 2.
    In der Betriebswirtschaft genießt die Organisationskulturforschung eine weit größere Popularität als in der Soziologie, es sei hier nur an die frühen und inzwischen zu „Klassikern“ avancierten Arbeiten von Peters und Waterman (1982), Deal und Kennedy (1982) und von Pascale und Athos (1982), aber auch die weiteren Forschungen von Schein (1985) erinnert.Google Scholar
  3. 3.
    Kroeber und Kluckhohn schließen damit ihrerseits auch an Edward Tylor an, einen zentralen Vertreter der Kulturanthropologie des letzten Jahrhunderts. Dieser faßt Kultur als „(…) that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of a society.“ (1958: 1)Google Scholar
  4. 4.
    Vergleiche aber auch andere, häufig auf sie bezugnehmende Überblicksdarstellungen, zum Beispiel bei Gregory (1983), Helmers (1990), Sorge (1989), Sackmann (1992) und Tiebler/Prätorius (1993).Google Scholar
  5. 5.
    Dabei ist das von Allaire und Firsirotu aufgezeigte Spektrum noch breiter und umfaßt auch von ihnen als „ecological-adaptationalist“ und die „historical-diffusionist” bezeichnete Schulen: Erstere hebt die Umgebung, letztere historische Umstände und Prozesse als kulturprägende Faktoren hervor.Google Scholar
  6. 6.
    Daß sich diese Verengung des Begriffs von Kultur nicht zwangsläufig aus einer strukturfunktionalistischen Perspektive ergeben muß, zeigt sehr eindrucksvoll eine Arbeit von Talcott Parsons über die Jugend in der amerikanischen Gesellschaft (1968): Dem allgemeinen Wertmuster des Strebens nach Selbständigkeit stehen in Folge einer tieferen Spezialisierung der Berufswelt immer längere Ausbildungszeiten und damit verbundene Verzögerungen der Selbständigkeit bei den Jugendlichen gegenüber. Parsons konstatiert für die Jugend in Folge eines noch versagten Einflusses eine zunehmende Ungeduld, den diese auf die gesamte Gesellschaft überträgt.Google Scholar
  7. 7.
    Smircich spricht von Kultur als einer „root-metaphor`, die diesen Ansätzen eine breitere Sicht auf die Organisation ermöglichen als Ansätze, die ihre Sichtweise von Organisation aus der Maschinenmetapher oder der des Organismus ableiten (1983a: 347).Google Scholar
  8. 8.
    Die Begriffe „Verwaltungskultur“ und „Organisationskultur` werden in dieser Arbeit synonym verwendet.Google Scholar
  9. 9.
    Neben Unterscheidungen und Formen führt Goodenough verschiedene, auf sie aufbauende, komplexere Gebilde an wie Aussagen, Glauben, Werte, Rezepte, Routinen und Gewohnheiten (1981: 61f.).Google Scholar
  10. 10.
    Zur Anwendung dieser Theorie auf die Konstruktion ostdeutscher und westdeutscher Identität vergleiche auch die empirischen Studien zu sozialen Vergleichsprozessen von Kanning und Mummendey (1993) und von Doll, Mielke und Mentz (1994). Zur Diskussion der Identitätsfrage im ostdeutschen Kontext vergleiche auch Ritter (1997) und Woderich (1997) und Stojanov (1996).Google Scholar
  11. 11.
    Anknüpfung läßt sich als eine besondere Form der Abgrenzung interpretieren: Sie weist auf eine Differenz hin, betont allerdings, im Unterschied zur Abgrenzung, nicht die Entfernung sondern die Nähe.Google Scholar
  12. 12.
    Trotz des Bemühens von Geertz, Goodenoughs Verständnis von Kultur auf das eines Systems von Regeln, die in einem Kulturkreis akzeptierten werden und der Steuerung von Verhalten dienen, zu reduzieren (Geertz 1995b: 17), zeigt Goodenough sich in seinem Verständnis von Kultur, wie gezeigt wurde, deutlich breiter. So weist Goodenough auf die Bedeutungen, die die Kulturmitglieder ihren Regelungen und Handlungen beimessen, hin (vgl. Goodenough 1981: 61 ff.).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

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