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Eine stille Produktion Über Ressourcen und ihre Veränderung im Gebrauch

  • Günther Ortmann
Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Zusammenfassung

Bisher war von Regeln die Rede, von Rollen, Normen, Gesetzen, Verträgen, Standards und von der stabilisierenden und unterminierenden Wirkung ihrer Selbst-Dekonstruktion. Nun wird soziales Handeln aber nicht nur durch Regeln, sondern auch durch Ressourcen restringiert und ermöglicht, Grund genug, die Ressourcen, wie Anthony Giddens es tut, in den Begriff sozialer Struktur mit aufzunehmen.

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Literatur

  1. 145.
    Für einen konzisen Überblick vgl. Krebs (2000) und die Diskussionsbeiträge in den Heften 2 und 3 von: Analyse Kritik 22 (2000).Google Scholar
  2. 146.
    Hirschman zu dieser Ahnenreihe zu zählen, ist, soweit ich sehe, nicht üblich. Ich tue es, weil er in „Exit, voice, and loyalty“ und schon in früheren Arbeiten die große Bedeutung der Ressourcen und der Weisen ihrer Nutzung deutlicher als die meisten gesehen, betont und analysiert hat - mit besonderer Aufmerksamkeit für „organizational slack”: „At any one point of time, an economy’s resources are not to be considered as rigidly fixed in amount (chrw(133)) The crucial, but plausible, assumption here is that there is some,slack` in the economy; and that additional investment, hours of work, productivity, and decision making can be squeezed out of it by pressure mechanismus.“ (Hirschman, Lindblom 1962, 211 f) Darin ist schon der Gedanke enthalten, den ich hier etwas weiter ausarbeiten möchte, dass Ressourcenpotentiale durch die Art ihres Gebrauchs verändert, hier: vergrößert werden können.Google Scholar
  3. 147.
    Vgl. auch Schütz (1974, 282), allerdings nur mit Bezug auf „Geräte“: „Ein Gerät ist ein Ding um-zu, es dient einem Zweck und um dieses Um-zu willen wurde es erzeugt.” (Dazu mehr unten, im 5. Abschnitt dieses Kapitels.) „Natürliche Ressourcen“ wurden zwar nicht erzeugt, werden aber ebenfalls in - wenn auch offenere - Zweckzusammenhänge eingerückt und gewinnen erst so neue, soziale Eigenschaften hinzu.Google Scholar
  4. 148.
    Zum Konzept der bricolage mit Blick auf Reorganisation vgl. Ortmann u. a. (1990, 372 ff und passim); Julian Orr (1996, 3, 11 f, 120 ff, 157 f) bezieht es auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Rahmen von Reparatur-und WartungsarbeitenGoogle Scholar
  5. 149.
    De Certeau bezieht sich nur gelegentlich explizit auf Derrida, spricht aber an einer bezeichnenden Stelle, bei der Erörterung des Verhältnisses von Handeln und Struktur im Sinne Bourdieus, ausdrücklich von einem „supplementären Bereich“, den man - und auch Bourdieu - benötige, um zu erfassen, dass „irgendetwas (chrw(133)) die Praktiken den Strukturen annähert und dennoch ihr Auseinanderklaffen erklärt” (de Certeau 1988, 124) - bei Bourdieu ist das der Wissenserwerb, bei de Certeau die Kunst des Handelns.Google Scholar
  6. 150.
    Zum Konzept der Stadt und zu urbanen Praktiken vgl. de Certeau (1988, 179 ff).Google Scholar
  7. 151.
    Man könnte an die erste Idee des Erfinders denken. Nicht alles aber wird erfunden, nicht alles, was erfunden wird, von einer originären Nutzungsidee von Anfang an geleitet, und nicht jede frühe Nutzungsidee bleibt später relevant. Und was, wenn am Anfang die „Lösung“ gestanden hat und erst danach passende Probleme erfunden worden sind?Google Scholar
  8. 152.
    Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“ — der „Rohentwurf”, den Marx nie veröffentlicht und den das Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED als Herausgeber erst 1983 in die „Marx Engels Werke“ (MM mit aufgenommen hat. Ich zitiere nach der EVA-Ausgabe (Marx o. J.).Google Scholar
  9. 153.
    Eine Eisenbahn, auf der nicht gefahren wird, die also nicht abgenutzt, nicht konsumiert wird, ist nur eine Eisenbahn dynarnei,nicht der Wirklichkeit nach.“ (Marx o. J., 12) Und,dynamei` wäre zu übersetzen mit: der Kraft oder der Möglichkeit nach — potentiell.Google Scholar
  10. 154.
    Vgl. dazu Ortmann (1995a, 83 f, 98 ff).Google Scholar
  11. 155.
    Vgl. Wittemann (1996), der von Konsumformen gesprochen und vorgeschlagen hat, dieses Konzept für eine Erweiterung des Problemhorizonts der Industriesoziologie zu nutzen - leider bisher ohne große Resonanz.Google Scholar
  12. 156.
    Ortmann (2003a). Vgl. auch oben, den Schluss des Kapitels „Organisation und Dekonstruktion“.Google Scholar
  13. 157.
    Vgl. das Kapitel „Dekonstruktion und Selbstorganisation“ in Ortmann (2003a).Google Scholar
  14. 158.
    Es wird auch umgekehrt erwogen: In ihren Strukturen, Regeln und Routinen steckten wichtige Ressourcen einer Organisation. So pflegt man in der evolutionistischen Ökonomie (Nelson, Winter 1982) und in Teilen des resource-based-viety die Dinge zu sehen. Dagegen ist einzuwenden: Regeln und Routinen sind Handlungsweisen, nicht Handlungsmittel. Wohl aber gibt es mit Blick auf Regeln und Routinen Bestände, die wir als Ressource auffassen müssen: Regelwissen, Anwendungskompetenz, Regelmäßigkeit, Wohlstrukturiertheit, Routiniertheit - Organisationskapital sensu Sadowski (2002), wie man vielleicht sagen könnte. Man sieht aber wieder, wie dicht beide, Regeln und Ressourcen, beieinander liegen.Google Scholar
  15. 159.
    Vgl. dazu die instruktive Erörterung bei Reckwitz (1997, 64 ff).Google Scholar
  16. 160.
    Fremdverstehen heißt für Schütz genaugenommen: „Der Deutende interpretiert in Selbstauslegung seine Erlebnisse vom fremden bewegten Leib oder von Artefakten, die auf Erzeugung durch das alter ego zurückweisen. Er vollzieht das echte Fremdverstehen also an Objektivationen, in denen sich die fremden Bewußtseinserlebnisse kundgeben, mögen diese Objektivationen, konstituierte Handlungsgegenständlichkeiten (vollzogene Bewegungen, Gesten oder Handelnsresultate) oder Artefakte (Zeichen im engeren Sinne oder produzierte Gegenstände der Außenwelt, Geräte, Denkmale usw.) sein.” (Schütz 1974, 186) „Vom subjektiven Sinn eines Erzeugnisses sprechen wir dann, wenn wir den Sinnzusammenhang im Blick haben, in welchem die Erlebnisse des Erzeugenden, von denen das Erzeugnis zeugt, für diesen stehen oder standen“ (Schütz 1974, 187; i. Orig. kursiv). Also: Fremdverstehen muss sich an Objektivationen halten, an Erzeugnisse (einschließlich vollzogener Handlungen), diese werden aber als Zeugnisse des subjektiven Sinns genommen. „Objektiven Sinn können wir hingegen nur einem Erzeugnis als solchem prädizieren, also dem fertig konstituierten Sinnzusammenhang des Erzeugten selbst, dessen Erzeugung in polythetisch aufbauenden Akten im fremden Bewußtsein von uns unbeachtet bleibt.” (Schütz 1974, 187; i. Orig. kursiv) Objektiv aber heißt der objektive Sinn, weil es um „allgemeine Bedeutung“ geht. Kein anderer mit seinem subjektiven Sinn kommt in den Blick, sondern ein impersonaler Man (jemand, irgendwer). Wie „man” es versteht: das macht den objektiven Sinn aus.Google Scholar
  17. 161.
    Es ist besonders Johannes Bergers Verdienst, darauf hingewiesen zu haben, dass solche handfesten Dimensionen des Sozialen in Luhmanns Theoriearchitektur keinen rechten Platz haben (vgl. Berger 1987).Google Scholar
  18. 162.
    Was hier gefragt ist, nennt Karl Hörning (2001) praktisches Wissen — in einem schönen und klugen Buch, das ich hier nicht mehr gebührend berücksichtigen kann. Auch Hörning bezieht sich, neben anderen, auf Giddens und de Certeau, betont Kontextualität und Anwendungsproblematik und ist sensibel für „Spielräume des Manövrierens, der Reinterpretation, des Widerständigen“ (24) bei der Anwendung von Regeln und Ressourcen.Google Scholar
  19. 163.
    Zu Potentialen und den kontingenten Weisen ihrer Aktualisierung vgl. auch Agamben (1998, 7–75). Vor allem hat man zu bedenken, dass Potentiale aufhören, Potentiale zu sein, sobald sie aktualisiert, das heißt, auf eine bestimmte Weise genutzt werden.Google Scholar
  20. 164.
    Zum Giddensschen Modalitätenbegriff in diesem Zusammenhang vgl. besonders: Duschek (2001).Google Scholar
  21. 165.
    Die der Figur nach gleiche Bewegung der Dif éranœ sieht man auch beim Wachstum einer Unterneh- mung, wenn es darum geht, die proportionalen Anteile der verschiedenen Ressourcen zu wahren, was aber wegen deren Unteilbarkeiten nie ohne Rest möglich ist. Penrose (1959/1995, 69, Fn. 1) zitiert aus einer anderen Studie einen „industrial engineer“ mit folgendem Stoßseufzer: „Every time we make something, we have something left over, and have to find something to do with that. And when we find something to do with it we usually find that leaves us with something else. It is an endless process.” Genau das ist die endlose Bewegung der Verschiebung/Veränderung, die Derrida „différance“ genannt hat. Man könnte die zitierten Sätze auf jedwede betriebliche Rationalisierung, auf jedwede Jagd nach Wettbewerbsvorteilen anwenden, ja, man könnte sie als Weisheit für das Leben überhaupt nehmen.Google Scholar
  22. 166.
    Für das Desiderat einer Dynamisierung der ressourcenorientierten Ansätze vgl. die stringente und detaillierte Argumentation Stephan Duscheks (2002).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Günther Ortmann

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