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Neuer Protest und neue Sprache

  • Matthias Jung

Zusammenfassung

Mit den 60er Jahren geht die „naive“ Phase in der Diskursgeschichte der Nuklearindustrie zuende, in der es die übliche Taktik gewesen war, „Kernkraft-Projekte möglichst unauffällig zu realisieren und nicht einmal durch positive Propaganda auf sie aufmerksam zu machen“. Immer mehr und immer größere Anlagen wurden nun geplant. Liefen bis 1972 erst neun, meist kleinere Versuchs- und Forschungsreaktoren, so waren zu diesem Zeitpunkt neun Großkraftwerke im Bau, vierzehn fest geplant und weitere im Gespräch. Die Zahl der konkret betroffenen Menschen wuchs damit erheblich. Mit der allgemeinen Änderung des politischen Klimas in den 60er Jahren meldete sich nahezu unvermittelt ein immer stärkerer Widerstand aus der Bevölkerung. Zwischen 1970 bis 1975 nahm die Anzahl der Einsprüche gegen die verschiedenen Projekte kontinuierlich zu.1 Zentral im folgenden Kapitel ist die Verfachlichung der öffentlichen Debatte, die als sprachliche Emanzipation im Rahmen eines allgemeinen Demokratisierungsprozesses gedeutet wird.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Matthias Jung

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