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Der amerikanische Spracheinfluß der Frühphase

  • Matthias Jung

Zusammenfassung

Der Einfluß anderer Sprachen ist immer ein sozialer Prozeß und steht in engem Zusammenhang mit der technisch-wissenschaftlichen, ökonomischen, politischen oder kulturellen Dominanz einer bestimmten Kommunikationsgemeinschaft. Diese Rolle hat für Westeuropa spätestens seit 1945 die USA inne. Die diskursgeschichtliche Analyse der Atomenergiedebatte kann über das allgemeine Faktum hinaus im Detail deutlich machen, wie sich dieser Prozeß in seiner sozialen Dynamik abspielt, und zwar im Folgenden speziell in der fachorientierten Kommunikation. Sprachwandeltheoretisch interessant ist in dieser Phase neben der Sprachkontaktsituation besonders der Gegensatz zwischen spontaner Eindeutschung und terminologischer Normierung, zwischen ungesteuerter Entwicklung und Sprachlenkungsversuchen, zwischen etabliertem Wortgebrauch und sprachsystematischer Logik.

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Literatur

  1. 2.
    Römpp 1949, S. 21f; Westphal 1948, S. 6; Braunbek 1953, S. 14; Thirring 1946, S. 16.Google Scholar
  2. 3.
    Zum Beispiel Westphal 1948, S. 57f.; vgl. außerdem Bavink 1947, Smyth/Dessauer 1947, Dessau-er 1948.Google Scholar
  3. 1.
    Fünf Belege in Heisenberg 1947 gegenüber zwei für Kernenergie bzw. drei für die Kompromiß-formel Atomkernenergie. Google Scholar
  4. 2.
    Heisenberg/Wirtz 1947, S. 143; vgl. allgemein die Aufsätze der deutschsprachigen FIAT-REVIEW 1947 (zum Beispiel Heisenberg 1947, S. 326) sowie Hahn 1948, S. 21.Google Scholar
  5. 3.
    Beispiele: Hahn 1954 u. 1955, Braunbek 1953, Löwenthal/Hausen 1956. Die Archaisierung zeigt sich sehr schön im sprachbiographischen Vergleich zwischen Thirring 1946 und der in der Neuauflage (Thirring/Grümm 1963) erfolgten terminologischen Modernisierung.Google Scholar
  6. 4.
    Römpp 1949, S. 24 bzw. 141; weiteres Beispiel für den Gebrauch von Uran: Joos 1955, S. 43.Google Scholar
  7. 5.
    RP 11.2.55, BT 19.04. 1956, S. 7298; Fusion zum Beispiel bei Schwenkhagen 1956. Viele anglisierte Schreibweisen finden sich etwa bei Zuckmayer 1955.Google Scholar
  8. 1.
    Laue 1950, S. 126; Jungk 1956; Bloch 1959; weitere Belege für atomisch: Dessauer 1948, S. 260, Fn.; Vorwort zu Aldous Iluxley, Schöne Neue Welt, Frankfurt/Main 1953; Manstein 1961, S. 155; Löwenthal/Hausen 1956, S. 233; BULLETIN 1956, S. 919; bereits älter: Jaspers 1932, S. 108. Atomisch ist darüber hinaus typisch tir die Schweizer Variante des Deutschen.Google Scholar
  9. 2.
    Ischreyt 1958, S. 65. Zu Umwelt/Ökologie vgl. Jung 1989, hier S. 88f., bzw. Jung 1994a.Google Scholar
  10. 3.
    Römpp 1949, S. 20 und Ilahn 1948, S. 34. Radioaktive Niederschläge wird zum Beispiel exklusiv in den Bundestagsdebatten 1956/57 gebraucht; zur Popularität von Fallout — erst 1967 im Duden aufgenommen — vgl. Radkau 1983, S. 98.Google Scholar
  11. 1.
    Die Ausdrücke finden sich außer im Duden (vgl. Anhang), in Meyers Neues Lexikon 1961 und dem Kleinen Brockhaus 1949 u. 1950; Ofen zum Beispiel in aus dem Britischen übersetzten Artikeln (WELT 15.4.47, S. 3f.) sowie in OED-Belegen. Weitere Varianten bei Römpp 1949, S. 141; Dessauer 1948, S. 214ff.Google Scholar
  12. 2.
    Smyth/Dessauer 1947, S. 81 (Anmerkung des Übersetzers), Dessauer 1948, S. 214ff.; weitere derartige Thematisierungen beispielsweise: Westphal 1948, S. 57f. und Römpp 1949, S. 142.Google Scholar
  13. 3.
    Römpp 1949, S. 142; Ischreyt 1958, S. 72.Google Scholar
  14. 4.
    Bisheriger Erstbeleg WELT 11.10.47 nach einem Wettbewerb der GfdS (vgl. DER SPRACHDIENST 1978, S. 48 bzw. S. 99). In der populärwissenschaftlichen Literatur vor 1950 wie Thirring 1946, Bavink 1947 oder Römpp 1949 fehlt Meiler, taucht dann aber nach 1950 überall auf (zum Beispiel in Braunbek 1953, Joos 1955, Thirring/Grümm 1963, bes. S. 123 ).Google Scholar
  15. 1.
    Westphal 1948, S. 58, Schwenkhagen 1956, S. 25; allgemein: Ischreyt 1958, S. 72.Google Scholar
  16. 2.
    Römpp 1949, S. 20; Smyth/Dessauer 1947, S. 81, bzw. Dessauer 1948, S. 214ff. Zu Reaktor auch Ischreyt 1958, hier S. 72.Google Scholar
  17. 1.
    Braunbek 1953, S. 41; vgl. hierzu auch explizit terminologische Werke wie Schwenkhagen 1956, Müller 1959, Franzen 1957.Google Scholar
  18. 2.
    Zit. nach Gleitsmann 1987, S. 225. In den Bundestagsdebatten 1956/57 (vgl. Anhang) findet sich nur ein Beleg für Meiler gegenüber 65 für Reaktor,in den Inhaltsverzeichnissen von ATW 19561960 kein einziger, inel. Zusammensetzungen. Ofen, Brenner oder pile sucht man dort vergeblich.Google Scholar
  19. 2.
    Das angebene Wort ist jeweils die häufigste Variante, die gegen parallel gebildete Wörter mit Kern bzw. Atom aufgerechnet wurden. Genaue Zahlenwerte und Erklärungen siehe Anhang, Tabelle 8, S. 244.Google Scholar
  20. 6.
    Deutsch: „Glorie, Heiligenschein, Gloria, religiöser Lobgesang“ (Langenscheidts Großwörterbuch Englisch-Deutsch. München 1985 ). Gemeint ist eine Öffnung bis zur Reaktormitte.Google Scholar
  21. 7.
    Höcker 1957, S. 373; ähnlich zum Beispiel auch Schwenkhagen 1956, S. 25.Google Scholar
  22. 1.
    Weizsäcker 1957, S. 83; Schwenkhagen 1956, S. 51. Diese Meinung läßt sich z.T. rechtfertigen, da deutsch brüten im Englischen eher mit brood bezeichnet wird. Dies gilt aber nicht durchgängig, womit das translatorische Argument sehr brüchig wird.Google Scholar
  23. 2.
    Die erwähnte Liste findet sich in Höcker 1958; Belege für züchten: Römpp 1949, S. 145, und Joos 1955, S. 52; beide Varianten kommentarlos bei Müller 1954, S. 235. Schon v. Weizsäcker 1957 verwendete trotz seiner Vorbehalte nur brüten. Vgl. auch Koelzer 1990.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Matthias Jung

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