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Die gesellschaftliche Funktion der Sprache

  • Matthias Jung

Zusammenfassung

Bei der Untersuchung der sprachlichen Seite der Diskursgeschichte der Atomenergie sind vielfach Aspekte wichtig geworden, die über den Gegenstand der Sprachwissenschaft im engeren Sinne hinausgehen. Diese sollen im abschließenden Kapitel aufgegriffen und weitergeführt werden. Ziel ist dabei, linguistische Phänomene als wichtigen Bestandteil allgemeinerer Tendenzen in den Blick zu rücken und Verbindungslinien zu anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen aufzuzeigen. In einer kursorischen Zusammenschau werden außerdem „das Sprachgefühl und das Sprachideal anderer Gemeinschaften“ zu Rate gezogen. Das schärft nicht nur das Verständnis für bundesdeutsche Spezifika, sondern deutet darüber hinaus einen Weg an, wie Zusammenhänge zwischen Sprache und Gesellschaft bzw. Sprache und Bewußtsein methodisch besser in den Griff zu bekommen sind. Den Abschluß bilden Überlegungen zur „Kultivierung politischer Kommunikation“ aus diskursgeschichtlicher Sicht.1

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Literatur

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  20. 4.
    Vgl. hierzu meine Rezension von Trampe 1991 in INFODAF 5–6/1991, S. 565f.Google Scholar
  21. 1.
    So vergleicht beispielsweise Wittemöller 1988 die Feminisierungstendenz von Berufsbezeichnungen in der Schweiz, Österreich und der BRD, während Dörner/Rohe 1991 bzw. Seck 1991 Konvergenzen der politischen Kultur zwischen Großbritannien und Deutschland durch diachrone Sprachanalysen aufzeigen.Google Scholar
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    NEUES DEUTSCHLAND: 2:2 Belege (1969), 0:3 Belege (1974); WELT: 3:3 Belege (1974). Ein vergleichbares Ergebnis, was die Dynamik des sprachlichen Wandels in der BRD, Österreich und der Schweiz angeht, erbrachte die empirische Untersuchung von Wittemöller 1988 zur Feminisierung von Berufsbezeichnungen. Zur österreichischen Entwicklung vgl. Wodak 1985 bzw. Nowotny 1979; den Hinweis zu AKW in der Schweiz verdanke ich H. Rosenau 29.04.91; vgl. außerdem Brauns 1986, S. 90.Google Scholar
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    In einem einzigen Artikel des Parteiorgans UNSERE ZEIT vom 13.6.1986, S. 15, allein neunmal!Google Scholar
  26. 1.
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  27. 2.
    FR 26.6.1986, S. 15 (Dokumentation des Appells); Kinne 1987, S. 16. Belege fdr den neuen Atom-Sprachgebrauch beispielsweise NEUES DEUTSCHLAND 17./18.10.92, S. 5, 19.10.92, S. 1, 20.10.92, S. 9, 17.11.92, S. 5 (darin: „Katastrophe in dem ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl“), 20.11.92, S. B.Google Scholar
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  31. 1.
    Thesenhaft angedeutet in Jung 1990 und 1992.Google Scholar
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  39. 2.
    Sarcinelli 1987, S. 6. Vgl. zu diesem Komplex außerdem Jung 1990, S. 99ff.Google Scholar
  40. 1.
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    Wimmer 1986, S. 149; Ilcringer 1982b, S. 31; Kuhn 1991, S. 95.Google Scholar
  42. 3.
    Eine ähnliche Dichotomie verwenden tlannappel/Melenk 1979, S. 304ff., für Wertbegriffe.Google Scholar
  43. 4.
    Kuhn 1991, S. 95. Diese Forderung wird ähnlich bereits bei Stötzel 1978, Hannappel/Melenk 1979, Keller 1985, I leringer 1990 erhoben.Google Scholar
  44. 5.
    Den von Georg Stötzel dargestellten Typen von Normierungsversuchen in der öffentlichen Kommunikation, wäre deshalb noch die Re-Terminologisierung hinzuzufügen, bei der das „alltagslinguistische Scheinargument der illegitimen Veränderung der Ursprungsbedeutung“ (Stötzel 1986, S. 92) sich auf die fachliche Originaldefinition bezieht. Die,Korrektheit des Gegenstandsbezugs’ fungiert dabei als diffuse Über-Norm (vgl. Gloy 1980, S. 366f.).Google Scholar
  45. 1.
    Stötzel 1986, S. 93; ebenda; Busse 1986, S. 57; vgl. außerdem Beringer 1990, hier S. 58.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Matthias Jung

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