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Das Zeitalter der Modernen Industrialisierung in England

  • Hans-Peter Müller
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS)

Zusammenfassung

E.J. Hobsbawm1 hat vom wirtschaftshistorischen Standpunkt aus auf die entscheidenden Voraussetzungen für die „industrielle Revolution“ in England aufmerksam gemacht. Er hat die These vertreten, daß eine mindestens zwei Jahrhunderte währende ununterbrochene Entwicklung des englischen Binnenmarktes und der Kommerzialisierung des Wirtschaftslebens das Wirtschaftswachstum förderte, die Exportindustrien stabiliserte und somit das Fundament für eine „allgemeine Industriewirtschaft“ in England schuf.2 Er sieht vor allem drei expansive binnenwirtschaftliche Faktoren dieser Vorbereitungsepoche: das Transportwesen, die Nahrungsmittelproduktion, die Kohleförderung. Sie alle stehen im Zusammenhang mit dem wachsenden Bedarf der Städte. Eine Agglomeration wie London, die mit 750 Tausend Einwohnern um 1750 ca. 15% der englischen Gesamtbevölkerung beherbergte, war nur lebensfähig in einem innernationalen Nexus der Arbeitsteilung und Spezialisierung. Diese mehr und mehr „national-ökonomische“ Struktur, die die überkommene lokale und regionale Abkapselung zunehmend verdrängte und die daher auch den dörflichen Produzenten mittels des ländlichen Verlagssystems in das System des Geld- und Tauschverkehrs mit hineinzog, erzeugte einen wachsenden Bedarf nach Verbesserung der Verkehrswege. Von der Jahrhundertmitte des 18. Jahrhunderts an setzte dies in Form von Kanal- und Mautstraßenbauten recht massiv ein.3 Und die Kohle-„Industrie“, die einzige „Schwerindustrie“ des vorindustriellen Zeitalters, maß schon um die Mitte desselben Jahrhunderts ihre Förderung in Millionen Tonnen, die bearbeitet und transportiert sein wollten.

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Literatur

  1. 1.
    E. J. Hobsbawm: Industrie und Empire, 2 Bde, Frankfurt/M. 1969.Google Scholar
  2. 2.
    E. J. Hobsbawm: Industrie und Empire, 2 Bde, Frankfurt/M. 1969., S. 34, 46.Google Scholar
  3. 3.
    Wie massiv die Transportkosten unter damaligen Verhältnissen zu Buche schlugen, ergibt sich aus folgender Faustformel: 20 Meilen Landtransport verdoppelten die Kosten für eine Tonne Ware; der Kanal zwischen Manchester und Stockport verbilligte die Waren durchschnittlich um bis zu 80%. Vgl. Hobsbawm, op. cit., S. 45.Google Scholar
  4. 4.
    Hobsbawm, op. cit., S. 39; vgl. dazu unten Anm. 10.Google Scholar
  5. 5.
    op. cit., S. 47. Danach expandierte der englische Binnenmarkt in der Zeit von 1700–1750 um 7%, der Exportmarkt dagegen um 67%, von 1750–1770 um 7% bzw. 80%.Google Scholar
  6. 8.
    Vgl. W.Treue: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit, 3.A. Stuttgart 1973, S. 22 f.Google Scholar
  7. 9.
    Hobsbawm, Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit, 3.A. Stuttgart 1973, S. 34 f.Google Scholar
  8. 10.
    E.J. Hobsbawm: The Age of Revolution 1789–1848, London 1962, hat daher wohl zu Recht die These vertreten, daß ohne einen ausreichenden inneren Markt ein relatives oder absolutes Weltmarktmonopol eine unerläßliche Bedingung kapitalistischer Industrialisierung in jener Epoche war. Dies ist der Tenor seiner Ausführungen zu dieser Frage im Kapitel “Industrial Revolution”. (op. cit., S. 27 ff.) Nachdem die Leichtindustrie den Durchbruch vollbracht hatte, fand die Schwerindustrie in der “basic invention” des Eisenbahnbaus ihren (inneren) Massenmarkt. (op. cit., S. 45.) Nach Hobsbawm verlief die wirtschaftliche “Revolution” in England in drei Phasen: Auf die Expansion der Landwirtschaft folgte die der Konsumgüterindustrie. sodann die der Schwerindustrie. Die aufsteigende neue Mittelklasse finanzierte die Akkumulation in der Industrie auf Kosten der arbeitenden Unterschichten.Google Scholar
  9. Dies ist sein Modell der “industriellen Revolution” als einer Periode der “ursprünglichen Industrialisierung” Englands. Freilich bleibt hervorzuheben, daß sein Buch, zwei Jahre nach Asa Briggs “Age of improvement” schon vom Titel her eine Antwort auf die evolutionistische Geschichtsbetrachtung bedeutet. An die Stelle einer “Epoche der Verbesserung” setzt er die Sichtweise einer Epoche der “Revolutionierung der Welt aus dem Doppelkrater England und Frankreich.” (op. cit., S. 3.)Google Scholar
  10. Seine Neigung nicht nur hier zu einer ausgeprägt metaphorischen Sichtweise wird auch in seiner Monographie “Industrie und Empire” deutlich. Er betrachtet dort die “industrielle Revolution” Englands nicht nur am Bild einer “Wirtschaftsexplosion”, deren “Entzündungsmodalitäten” wissenschaftlich herauszufinden seien (op. cit., S. 39), sondern er unterstellt in unzulässig generalisierender Weise Exportgüterindustrien schlechtin explosive Entwicklungstendenzen: “Exportindustrien arbeiten unter völlig anderen und potentiell revolutionären Bedingungen.” (op. cit., S. 47.) Seine eigene sorgfältige Analyse der Expansionspotentiale des englischen Binnemarktes um 1750 hätte ihm jedoch zeigen können, daß bei einer anderen Konstellation der konstituierenden Faktoren auch ein Binnenmarkt in der Lage sein kann, derartige Potentiale zu erzeugen. (z.B. USA) Man kann mithin sagen, daß hier eine “insularistische” Denkweise unzulässig in die Formulierung empirisch zu fundierender Theorie mit eingegriffen hat. Es liegt mithin an der Größe und Expansionsfähigkeit eines Marktes, ob er einen Industrialisierungsprozeß unter kapitalistischen Bedingungen tragen kann. Im übrigen darf nicht vergessen werden, daß die Exportmärkte der einen die Binnenmärkte der anderen darstellen und vice versa.Google Scholar
  11. 11.
    Hobsbawm, Industrie und Empire, op. cit., S. 49. Wie direkt die ökonomische Expansion mit den genannten militärischen Entscheidungen zusammenhing, davon geben die folgenden Angaben ein Bild: Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg fuhren 2 bis 3.000 Tonnen britischen Schiffsraums von England nach Afrika. nach dem 7jährigen Krieg 15–17.000, nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 22.000. (Angaben nach Hobsbawm, op. cit., S. 53.)Google Scholar
  12. 12.
    Wenngleich sich auch bei Hobsbawm Andeutungen zu einer idealistischen Betrachtungsweise finden, wie z.B.: “Das Neue (der frühen industriellen Revolution) lag nicht in den Neuerungen selbst, sondern in der Entschlossenheit praktisch begabter Männer, die vorhandene und verfügbare Naturwissenschaft und Technologie anzuwenden…” (op. cit., S. 60), so unterscheidet sich sein insgesamt materialistischer und realistischer Betrachtungsansatz doch wohltuend von demjenigen von D. Landes, der in bestimmten Veränderungen und Unterschieden der “geistigen und wissenschaftlichen Elite dieser Gesellschaften” Westeuropas gegenüber anderen, vor allem außereuropäischen Gesellschaften entscheidende Faktoren für Ursache und Verlauf der industriellen Revolution gesehen hat. Geistige und wissenschaftliche Eliten besaßen andere Länder freilich auch, und so führt sich sein Ansatz auf die Frage des stolzen Engländers zurück: Why were Britains first? (D. Landes: Der entfesselte Prometheus, Köln 1973, S. 38 ff.) Auf das Niveau platter Ideologie sinkt seine Darstellung ab, wenn er seinem Publikum weismachen will, daß der englische Kolonialismus nicht so sehr aggressiv war, sondern die Gesellschaften der kolonialisierten Völker vor allem innerlich schwach waren: “…keines von ihnen (hätte sich) mit Erfolg um die ökonomische Führungsrolle in der Welt bewerben können.” (op. cit., S. 50.) Und somit beantwortet er die Frage nach der Beurteilung der industriellen Revolution, die er zuvor noch in den Bereich der Moralphilosophie verwiesen hatte (op. cit., S. 26), auf der Ebene eines internationalen Sozialdarwinismus dann doch: Vor der Notwendigkeit des historischen Fortschritts stehen Eroberer und Opfer auf einer Stufe, wenn doch die Schwäche des Opfers geradewegs dazu einlädt, über es herzufallen. (op. cit., S. 50.) Dies impliziert somit auch bei Landes das unfreiwillige Eingeständnis, daß die Gewalt nach außen konstitutiv für die industrielle Revolution Englands gewesen ist.Google Scholar
  13. 13.
    Angaben nach W. Treue, I.c.; die letzte nach P. Ravenstone, vgl. dazu unten im 4. Kapitel, S. 161 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Wie wichtig die Nah- und Fernwirkungen dieses letzten Krieges waren, ersieht man auch daran, daß seine “Principles of political economy and taxation” sich zu einem nicht unwesentlichen Teil um das Problem des Übergangs von der Kriegs-zur Friedenswirtschaft drehen und eine allgemeine Rückzahlung der Staatsschuld eine der Lieblingsideen Ricardos war; vgl. dazu unten im 4. Kapital 1. Ricardo, S. 133 ff.Google Scholar
  15. 20.
    P. Ravenstone: Thoughts on the Funding System, 1824, S. 66.Google Scholar
  16. 21.
    “Der englische Arbeiter bezahlte ihn (den Krieg gegen Frankreich 1799–1815) mit seinen Verbrauchssteuern.” J.u.B. Hammond: The Town Labourer, 1917, S. 71.Google Scholar
  17. 22.
    Hammond, “Der englische Arbeiter bezahlte ihn (den Krieg gegen Frankreich 1799–1815) mit seinen Verbrauchssteuern.” J.u.B. Hammond: The Town Labourer, 1917, S. 76.Google Scholar
  18. 23.
    Vgl. zur Frage der Klassenanalyse die Ausführungen zu S. Laing im 4. und 5. Kapitel, S. 228 ff. und S. 278 ff.Google Scholar
  19. 24.
    Auf diese wichtige Trinität hat Karl Polanyi: The Great Transformation (1944), dt.: Wien 1977, S. 116 f. hingewiesen. Polanyi vergaß freilich hinzuzufügen, daß der rechtlich-institutionelle Aspekt sein materielles Korrelat in der praktizierten materiellen Arbeitsteilung selbst erst findet, auf der er ruht. Diese Arbeitsteilung schloß den Gegensatz zwischen Stadt und Land schon lange ein. Ohne die Einbeziehung einer Analyse der agrarischen Arbeit jedoch, auf die Polanyi zugunsten derjenigen der gewerblichen Arbeit glaubt verzichten zu können, sind aber die unmittelbaren und mittelbaren Wirkungen der Einhegungen z.B. in jener Epoche kaum zu verstehen.Google Scholar
  20. 25.
    Sie hatten die Beseitigung einiger Mißbräuche zum Gegenstand, die einer frühmerkantilistischen Gewerbeförderung im Wege standen: Die Gesetze versuchten Lehrlinge vor “disqualifizierenden Praktiken” zu schützen, die zwischenzeitlich eingerissen waren, um den Konkurrenzdruck auf Gesellen und Meister zu mildern und stellten die offenbar weitverbreitete Praxis von Gesellenverbänden unter Strafe. Vgl. J. und B. Hammond: The Town Labourer. op. cit., S. 101.Google Scholar
  21. 26.
    So z.B. die Gesellschaften der Londoner Polsterer, Gerber, Sattler und Schuhmacher. Vgl. Hammond, op. cit., S. 102.Google Scholar
  22. 28.
    S. u. B. Webb: English Local Government: English Poor Law History. Part 1: The Old Poor Law. 1927, with New Introduction by W.A. Robson. London 1963, S. 314. (Eig. Übersetzung)Google Scholar
  23. 29.
    “An Act for the Better Relief of the Poor of this Kingdom”. 13 und 14 Charles H c. 12.Google Scholar
  24. 31.
    In nur acht Jahren seit 1654 hatte sich der Getreidepreis verdreifacht; vgl. Webb, op. cit.. S. 323.Google Scholar
  25. 32.
    Nach den Statuten von 1547 und 1549. sobald sie durch Betteln auffielen. Nach dem Gesetz von 1572 auch ohne dies; d.h. die Zwangsrückführung aller tatsächlichen oder potentiellen Fürsorgebittsteller lag in der alleinigen Entscheidungsgewalt einzelner, in der Regel also der örtlichen Grundbesitzer oder Pfarrer als ehrenamtlicher Gemeindebeamter oder Armenaufseher bzw. von ihnen besoldeter Beamter.Google Scholar
  26. 33.
    Adam Smith: Eine Untersuchung über Natur und Wesen des Volkswohlstandes (dt.), London 1786, S. 189.Google Scholar
  27. 34.
    Adam Smith: Eine Untersuchung über Natur und Wesen des Volkswohlstandes (dt.), London 1786, S. 184.Google Scholar
  28. 36.
    Polanyi z.B. hat daher unrecht, wenn er das Niederlassungsgesetz von 1662 zu den Faktoren zählt, die die Entstehung eines freien Arbeitsmarktes wesentlich behindert haben. Sein Urteil scheint hier vielmehr auf einer historisch nicht korrekten Übertypisierung der tatsächlichen Verhältnisse zu beruhen.Google Scholar
  29. 37.
    Vgl. Webb, Polanyi z.B. hat daher unrecht, wenn er das Niederlassungsgesetz von 1662 zu den Faktoren zählt, die die Entstehung eines freien Arbeitsmarktes wesentlich behindert haben. Sein Urteil scheint hier vielmehr auf einer historisch nicht korrekten Übertypisierung der tatsächlichen Verhältnisse zu beruhen, S. 336.Google Scholar
  30. 39.
    Zur Frage der “Wanderzertifikate” vgl. D. Marshall: The English Poor in the Eighteenth Century, 1926, S. 175 f.Google Scholar
  31. 40.
    Webb, Zur Frage der “Wanderzertifikate” vgl. D. Marshall: The English Poor in the Eighteenth Century, 1926, S. 361.Google Scholar
  32. 42.
    F.M. Eden: The State of the Poor or a history of the labouring classes in England from the Conquest to the present Period. 3 Vol., London 1797, Vol. I Book 1: Of the Poor, from the Conquest to the Present Period, S. 298 f.Google Scholar
  33. 43.
    “An Act to prevent the Removal of the Poor Persons until they shall become actually chargeable” (35 Geo III c. 101). Das Gesetz erlaubte die Zwangsverbringung erst im tatsächlichen Fürsorgefall und auch dann nicht im Fall von Krankheit oder sonstiger körperlicher Schwäche, eine humanere Regelung der Inhumanität, die 1809 auf die ganze Familie und deren Haushalt ausgedehnt wurde. (49 Geo III c. 124) (Vgl. George Nicholls: History of the English Poor Law, 2 Vol., London 1854, Vol. II, S. 112, 115.) Nach G. Nicholls “… a human provision, and calculated to prevent the infliction of great hardship, by the separating of families at a time when mutual assistence would be most needed.” (G. Nicholls, op. cit., S. 141 f.) — Wie man sieht, hatten nicht nur die unteren Klassen am Vorbild der höheren ihre rohen Sitten und Manieren zu “kulturieren” und zu “zivilisieren”, sondern umgekehrt auch diese ihren von alters her gewohnten brutalen Umgang mit den arbeitenden “Armen” zu “zivilisieren”; ein Aspekt, der in der stolzen Zivilisationsgeschichte der europäischen Oberschichten allzu leicht vergessen wird. Der Fehler eines eingerichteten sozialen Diffusionsprozesses von oben nach unten liegt nicht nur E. Noltes Elite-Theorie (vgl. dazu unten), sondern z.B. auch dem Konzept von N. Elias: Über den Prozeß der Zivilisation (1969), 3. A. Frankfurt/M. 1977 zu Grunde.Google Scholar
  34. 45.
    J. Revan: Reports to the Poor Law Board on the Laws of Settlement and Removal of the Poor, 1850, S. 94, zit. nach Webb, op. cit., S. 349.Google Scholar
  35. 46.
    Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795; vgl. Webb, op. cit., S. 149 ff.Google Scholar
  36. 47.
    Die Darstellung folgt hier im wesentlichen derjenigen der Webbs, op. cit., Bd. 7.Google Scholar
  37. 48.
    Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 1.Google Scholar
  38. 49.
    Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 20.Google Scholar
  39. 50.
    Webb, op. cit., S. 26. “It looks as if this mobilisation of agrarian labour was, throughout the fifteenth century, sufficiently extensive to defeat, not only the economic strength of the lords of the manor and the growing class of the capitalist farmers, but also, in spite of the severest statutes, the effective authority of Parliament.” (op. cit., S. 27.)Google Scholar
  40. 53.
    Die Webbs verweisen darauf, daß es sich um wenig mehr als eine drastischere, direktere und praktikablere Wiederverfügung bereits bestehender älterer Gesetzgebung von 1572–1576 in einfacherer und systematischerer Form handelte. (op. cit., S. 64 f.) Sie widersprechen damit der z.B. von Max Beer zuvor geäußerten. und auch bei Polanyi vorfindbaren Fixiertheit auf das statutarische Recht, wobei sie freilich den Irrtum zu begehen scheinen, die folgende Rechtspraxis nach modernen Maßstäben zu unterstellen: vgl. dazu im folgenden.Google Scholar
  41. 55.
    Vgl. oben 2. Das Niederlassungsgesetz von 1662.Google Scholar
  42. 56.
    Webb, Vgl. oben 2. Das Niederlassungsgesetz von 1662, S. 406.Google Scholar
  43. 57.
    Webb, Vgl. oben 2. Das Niederlassungsgesetz von 1662, S. 406.Google Scholar
  44. 58.
    Das 17. und 18. Jahrhundert bedeuteten gewiß keinen “Rückfall in die Anarchie”. Aber die Webbs haben dennoch Recht, wenn sie es als den “Tummelplatz unzähliger autonomer lokaler Autoritäten” bezeichnen: “The eighteenth century in particular was the happy hunting ground of innumerable autonomous local authorities….” (op. cit.. S. 99.)Google Scholar
  45. 59.
    Im selben Sinne und etwa zur gleichen Zeit äußerte sich auch der Chief Justice Sir Matthew Hale; vgl. Webb, op. cit., S. 95 ff. und 102.Google Scholar
  46. 60.
    “For the conflux of poor to a city or nation well managed. is in effect the conflux of riches to that city or nation.” (Sir Josiah Child: New Discourse of Trade. 1670. zit. nach Webb, op. cit.. S. 103.)Google Scholar
  47. 62.
    Webb, “For the conflux of poor to a city or nation well managed. is in effect the conflux of riches to that city or nation.”, S. 408.Google Scholar
  48. 63.
    Child überzog seinen Vorschlag jedoch, indem er in merkantilistischem Überschwang die Bildung einer gigantischen nationalen Union unter dem Namen “Fathers of the Poor” vorschlug, die die Beschäftigung jeder arbeitsfähigen unbeschäftigten Person im Königreich bewerkstelligen sollte. (Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 104.)Google Scholar
  49. 64.
    Exeter, Hull, Shaftesbury (1698), Gloucester (1702), Worcester (1704), Plymouth (1708), Norwich (1712), Canterbury (1727). (Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 120.)Google Scholar
  50. 65.
    Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 420.Google Scholar
  51. 66.
    Das Konstruktionsprinzip dieser Körperschaften war dagegen fast überall gleich: Alle Friedensrichter (i.e. Großgrundbesitzer oder Adlige), der Klerus mit seinen Verwaltungsbeamten, sowie alle Eigentümer und Pächter von Land von einem bestimmten Mindestwert bzw. -jahresertrag an bildeten eine Versammlung der “Guardians of the Poor”. Sie wählten aus ihrer Mitte 24 “Directors of the Poor”, 24 “Acting Guardians”, die die eigentliche Verwaltungsarbeit verrichteten, sowie einen “Director”, der die wichtigen Entscheidungen traf. Die anfängliche Effizienz der Versammlung der gemeindlichen Hauptentscheidungsträger erlahmte jedoch sehr schnell, als sich die lokalen “Größen” durch in der Regel weniger kompetente Angestellte vertreten ließen bzw. die Tätigkeit sehr schnell an schlecht bezahlte Beamte delegierten. Die Aktivität auf Verbandsebene erlahmte auch deswegen. weil sich herausstellte, daß die Errichtung und der Unterhalt von Arbeitshäusern erheblich teurer war als die bloße Austeilung von “outdoor relief. Naturgemäß war daher der Übergang zur Ausgabe von Unterstützung an Arme auch außerhalb des Armenhauses mit einer Stärkung der einzelgemeindlichen Autoritäten, also der einzelnen Friedensrichter verbunden.Google Scholar
  52. 67.
    Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 143.Google Scholar
  53. 68.
    So kam z.B. der Übergang von der einfachen zur differenzierten Quotenregelung (jede Gemeinde sollte nun entsprechend der Zahl “ihrer” Armen im Arbeitshaus sich an den Kosten beteiligen) einer Regelung gleich, die “eigenen” Armen mittels des kostengünstigeren “outdoor-relief” innerhalb der Einzelgemeinde zu unterhalten.Google Scholar
  54. 69.
    Vgl. dazu z.B. die Darstellung von J. Kulischer: Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, 2 Bde. 1929, 2. A. München 1958, Bd. II, S. 466 ff. über die Gemeindelehrlinge.Google Scholar
  55. 70.
    Interessanterweise ist damals in der Werbung der Gemeinden um Nutzer dieser Arbeitskraft dieser Aspekt deutlich herausgestellt worden. (Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 290 Fußn. 2.)Google Scholar
  56. 71.
    Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 291.Google Scholar
  57. 72.
    Zum System der “workhouse-contractors” und des sog. “farming out of the Poor” vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 291 ff.Google Scholar
  58. 73.
    In der großen Zahl der Fälle hatten es die Armenrechtsvetwaltungen mit winzigen Gemeinschaften von nicht mehr als ein paar hundert Familien zu tun.. 1831 bestanden bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 14 Millionen Einwohnern 6.681 Gemeinden aus weniger als 300 Personen und 5.383 hatten eine Bevölkerung zwischen 300 und 800 Personen. Noch 1841 bestanden 4/5 der ca. 15.000 englischen Gemeinden aus nicht mehr als 200 Familien, während der Durchschnitt für das 16. Jahrhundert auf nicht mehr als 50 geschätzt wurde. (Nassau W. Senior, 1841, zitiert nach Webb, op. cit., S. 156 Fußn. 1.)Google Scholar
  59. 74.
    Vgl. Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 127.Google Scholar
  60. 75.
    Es wird aber auch über seltenere Fälle wie Stickerei, Spitzenklöppeln, Baumwoll- und Seidenweberei berichtet. (Vgl. Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 225 ff.)Google Scholar
  61. 77.
    Webb, Vgl. die lange Liste der von den Webbs zitierten erfolglosen halbherzigen Reformversuche des Gesetzes nach 1795, S. 226 u. 295.Google Scholar
  62. 78.
    “An Act for the better Relief and Employment of the Poor” (22 Geo III c. 83). Vgl. G. Nicholls: A History of the English Poor Law, op. cit.,, Vol. II, S. 83 ff.Google Scholar
  63. 79.
    Die Webbs nennen die Gilbert’s Akte “die am sorgfältigsten bedachte, die ausgefeilteste und vielleicht einflußreichste — im Guten wie im Bösen — aus den Hunderten von Armenrechtsstatuten in der Zeit zwischen 1601 und 1834.” (op. cit., S. 171 Fußn. 1.)Google Scholar
  64. 80.
    Vgl. G. Nicholls, op. cit., S. 131 f. Die Unterstützung nannte sich “rate in aid of wages”.Google Scholar
  65. 81.
    Geo III. c. 10 und 23. In der Folge dieser Gesetze nahm die Unsitte des “on the rounds”- Schickens beschäftigungsloser arbeitsfähiger Arbeiter sprunghaft zu. Statt mit einer produktiven Tätigkeit “beschäftigte” man in einem fast schon modernen Sinne diese “Roundsmen”, wie man sie nannte, mit der pseudoproduktiven Aufgabe des Herumlaufens und Fragens nach Arbeit. (Vgl. G. Nicholls, op. cit., S. 116 f.)Google Scholar
  66. 82.
    Zusammengestellt nach G. Nicholls, op. cit., S. 94 f., 133; Webb, op. cit., S. 153 f. und Fußn. 1. ebd.Google Scholar
  67. 83.
    Daß diese offensichtliche Korrelation auch ins öffentliche Bewußtsein drang und politische und wissenschaftliche Debatten zu beeinflussen begann, ist belegt. Kurzschlüssig gegenüber den wirklichen Ursachen begann man, den wachsenden Reichtum des Landes durch eine übergroß wachsende Bevölkerung bedroht zu sehen. “Das Gespenst der Übervölkerung begann das Denken zu bestimmen.” (Polanyi, op. cit., S. 124.) Eine sich industrialisierende Nation schien sich nur durch drastische Mittel von Geistern befreien zu können, die sie selbst gerufen hatte. Dies ist die Lehre des soziologischen Naturalismus bei Townsend, Burke und Malthus, nach deren Credo der Hunger zum sozialen Regulator der (Arbeits)Bevölkerung gemacht werden sollte.Google Scholar
  68. 84.
    Polanyi, op. cit., S. 111. Er übertreibt wohl jedoch die Fernwirkung institutioneller Faktoren. wenn er feststellt: “Obwohl es einige Zeit dauerte, bis die Selbstachtung des einfachen Mannes so weit sank, daß er lieber Armenhilfe als einen Arbeitslohn entgegennahm, so mußte sein aus öffentlichen Mitteln subventionierter Lohn schließlich ins Uferlose absinken und ihn völlig von der Unterstützung abhängig machen. Langsam wurden die Menschen auf dem Lande immer mehr pauperisiert; das Sprichwort ‘Einmal Armengeldempfänger, immer Armengeldempfänger’ war durchaus zutreffend. Ohne die langfristigen Auswirkungen des Zuschußsystems waren die menschlichen und sozialen Erniedrigungen des Frühkapitalismus kaum zu erklären.” (op. cit., S. 108.)Google Scholar
  69. 85.
    Vgl. dazu J.u.B. Hammond: The village labourer, 1760–1832 — A Study in the Government of England before the Reform Bill. London 1924. S. 53.; kritisch zu einigen Einschätzungen vgl. E.P. Thompson: The Making of the English Working Class. Harmondsworth 1963 ff., S. 233. M. Beer: Geschichte des Sozialismus in England. Stuttgart 1913, zeichnet ein eindrucksvolles Bild davon, wie die Denker dieser Epoche sich mit der Rechtfertigung dieser neuen Umstände abmühten.Google Scholar
  70. 86.
    Polanyi, op. cit., S. 120. Freilich geht es hier weniger um die physische Mobilität, sondern um das Recht dazu als den juristisch-institutionellen Ausdruck von sozialen Arbeitsverhältnissen, die auf der formellen Freiheit zur Mobilität fußen. Polanyi ist m.E. dennoch einer der wenigen Autoren, die diese institutionelle Seite, nämlich die instititionelle Behinderung der Entstehung eines nationalen Arbeitsmarktes und damit einer entscheidenden Konstitutionsbedingung eines modernen Kapitalismus und einer modernen Arbeiterklasse herausgearbeitet haben. Freilich hat er diese fruchtbare Position auf doppelte Weise gewaltig überzogen: 1. indem er der Abschaffung des Speenhamland-Systems durch die Armenrechtsreform von 1834 einen geradezu zäsurhaften Durchbruchscharakter bei der Institutionalisierung voll entwickelter kapitalistischer Verhältnisse zuschreibt; 2. indem er die schrittweise und schließlich vollständige Herstellung der Voraussetzungen einer sich selbst regulierenden Marktwirtschaft in den idealistisch überhöhten Rahmen eines utopischen Menschheitsprojektes stellt. Es ist an vielen Stellen seines trefflichen und materialreichen Werks, daß seine materialistische Betrachtungweise mit einer idealistischen und sozialanthropologischen Geschichtsauffassung kollidiert. Dies wird besonders deutlich in seiner These, nicht wonach die radikale Abschaffung des “outdoor-relief” 1834 ein lang nachwirkendes traumatisches Erlebnis für die englische Arbeiterbewegung bedeutete. sondern wonach das Speenhamland-System die ganze Geschichte des modernen Kapitalismus bis ins 20. Jahrhundert hinein geradezu schicksalhaft vorbelastete. Dessen überlange Beibehaltung mobilisierte zuerst alle Kräfte der Beseitigung dieses Systems — und er sieht die Arbeiter durch ihre Unterstützung der Parlamentsreform von 1832 unwissentlich und unwillentlich daran sogar noch selbst mitwirken — seine radikale Abschaffung provozierte sodann einen übermäßigen Ruf nach “Selbstschutz” “der” Gesellschaft vor den verheerenden Auswirkungen dieser Wirklichkeit gewordenen Utopie. Freilich bewegt er sich dabei selbst in einem fundamentalen Widerspruch. Während er geschichtsphilosophisch die historische Entwicklung als einen schicksalhaft vorgezeichneten Dauerkonflikt zwischen den sozialen Interessen an dem utopischen Projekt einer sich selbst regulierenden Marktwirtschaft einerseits und dem Interesse “der” Gesellschaft an ihrem Selbstschutz vor Zerstörung andererseits sieht, d.h. die Geschichte als Resultat des Ringens der Kräfte von Zerstörung und Bewahrung. zeigt seine institutionengschichtliche Darstellung sehr überzeugend. daß für die Durchsetzung des laissez-faire die Staatsintervention geradezu konstitutiv war und nicht deren Abwesenheit. Sein Fehler ist daher, das institutionalisierte System des laissez-faire mit dessen Ideologie verwechselt zu haben. Es ist nicht ein utopisches Menschheitsprojekt. dem wir einen abstrakten Selbstschutz der Gesellschaft gegenüberstellen, indem wir unsere Geschichte machen: wir machen unsere Geschichte, aber in sozial gespaltenen Verhältnissen.Google Scholar
  71. 89.
    “Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist,… ist ein Willenverhältnis, worin sich das ökonomisch Verhältnis widerspiegelt. Der Inhalt dieses Rechts-oder Willensverhältnises ist durch das ökonomische Verhältnis gegeben.” K. Marx: Kapital Bd.I. Marx Engels Werke Bd. 23, S. 99.Google Scholar
  72. 91.
    R Lowe, Bürgermeister von Dingham bei Nottingham, 1821, zit. nachGoogle Scholar
  73. 92.
    T. Walker: Observations on the Nature. Extent, and the effects of Means of Reducing it, 1826, S.7, zit. nach Webb, op. cit., S. 13.Google Scholar
  74. 93.
    E.P. Thompson, T. Walker: Observations on the Nature. Extent, and the effects of Means of Reducing it, 1826, S. 295 passim. (Alle folgenden wörtlichen zung.)Google Scholar
  75. 94.
    Polanyi, T. Walker: Observations on the Nature. Extent, and the effects of Means of Reducing it, 1826, S. 111.Google Scholar
  76. 95.
    Vgl. Webb, T. Walker: Observations on the Nature. Extent, and the effects of Means of Reducing it, 1826, S. 1 f.Google Scholar
  77. 96.
    Webb, T. Walker: Observations on the Nature. Extent, and the effects of Means of Reducing it, 1826, S. 7. Webb, op. cit., S. 66. Pauperism; and on theGoogle Scholar
  78. 97.
    “Die Eisenindustrie von Südwales zehrte ganz und gar vom Waffenverschleiß der Schlachten.” (EJ. Hobsbawm: Industrie und Empire Bd. I. op. cit., S. 49.) Ähnliches gilt für den Flottenbau. — Zum Verlauf der Konjunkturen vgl. I.c. sowie M. Bouniatian: Geschichte der Handelskrisen in England… 1640–1840, München 1908, Kap. V-VIII.Google Scholar
  79. 99.
    Polanyi hat auf diesen für die neue vorherrschende Denkweise der Politischen Ökonomie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts wichtigen Umstand hingewiesen und die These vertreten, daß die naturalistische Auffassung der Nationalökonomie am Modell der landwirtschaftlichen Löhne unter den besonderen historischen Umständen jener Epoche gewonnen und mit Hilfe einer falschen Kausalbetrachtung zur Stützung des Malthus’schen Bevölkerungsgesetzes und des Lohn(fonds)gesetzes gebraucht worden ist: “Diese falsche Erwartung (daß der outdoor-relief als Zuschuß zum Lohn die Löhne insgesamt künstlich hinauftreiben würde) erklärt zum Teil, warum sie (Malthus, Burke und Bentham) das niedrige Niveau der landwirtschaftlichen Löhne nicht auf dessen wirkliche Ursache. das Speenhamland-System zurückführten, sondern als unwiderleglichen Beweis des Funktionierens des ehernen Lohngesetzes betrachteten… Das naturalistische Element in den Grundlagen der orthodoxen Nationalökonomie war die Folge von Zuständen, die hauptsächlich durch das Speenhamland-System verursacht waren? (op. cit., S. 160 f.)Google Scholar
  80. 101.
    “Of all the applications of the doctrines of Malthus, their application to pauperism was probably. at the time, of the greatest public interest… and these three chapters in the later Essay on Population have influenced public opinion and legislation about the destitute poor almost as powerfully as the Wealth of Nations has influenced commercial policy. Malthus is the father. not only of the Poor Law, but of all our latter-day societies for the organization of charity.” J. Bonar: Malthus and his Work. London 1885. S. 304 f. Dennoch hält ihn sein Biograph Bonar für den “best-abused man of the age” (op. cit.,. S. I). die Reformgesetze dagegen für einen Ausfluß (des gegenüber der eigentlichen Malthus’schen Aùffassung verfälschten) “Malthusianismus” von Senior u.a. (Vgl. op. cit.,, S. 4.) Dagegen: “The Essay on Population and the Poor Iaw Amendment Act will stand or fall together.” Otter, Bishop of Chichester. Dictionary of Political Economy S. 676, zit. nach Webb. op. cit.. S. 25.Google Scholar
  81. 104.
    Webb, op. cit., S. 29. Bentham entwarf dieses — moderne — Konzept einer zentralisierten und effizienten Verwaltung, etwa um 1820. Vgl. in diesem Zusammenhang auch seinen architektonischen Entwurf eines sternförmig angelegten, panoptisch zu überwachenden Arbeitshaus-Komplexes, in: J. Bentham: Pauper Management ‘Improved’, Annals of Agriculture XXX, 1812.Google Scholar
  82. 105.
    Die Untersuchungsergebnisse der damit beauftragten 26 Assistent Commissioners umfaßten 26 Folio-Bände mit über 13.000 Seiten. Sie wurden 1834/35 vollständig veröffentlicht.Google Scholar
  83. 106.
    Wade wirft den Commissioners vor, sie betrachteten Paupers wie Kapitalverbrecher: “The inquiries of the commissioners show that abuses are not confined to church and state, but that a sort of Green Bag or Black Book may be filled against paupers as readily as against offenders of higher degree.” (J. Wade: History of the Middle and Working Classes with a Popular Exposition of the Economical And Political Principles which have influenced the Past and Present Condition of the Industrious Orders, London 1835, S. 583.) Th. Doubleday wies am Beispiel von Durham und Northumberland die systematische Unterschlagung von nicht ins Bild passenden Untersuchungsergebnissen im Report von 1834 nach. (Th. Doubleday: The political Life of Sir Robert Peel, 1841, Vol. II, S. 184, zit. nach Webb, op. cit., S. 85.)Google Scholar
  84. 108.
    Erst 1847 erhielt der Board in Form eines Kommissions-Präsidenten einen dem Parlament verantwortlichen Minister.Google Scholar
  85. 109.
    In seinen “Remarks on the opposition to the Poor Law Amendment Act” verhöhnte Senior 1841 noch einmal die Gegner des Gesetzes.Google Scholar
  86. 111.
    Dies gilt freilich nicht für den “outdoor-relief” für Arbeitsfähige. der vielmehr sofort abgeschafft wurde, eine Maßnahme, die ca. 50 aller Armengeldempfänger direkt und sofort traf.Google Scholar
  87. 114.
    Vgl. Webb, op. cit., S. 137, die diese administrative Verschiebung als einen “soziologischen Prozeß der Reversion” analog zum Prozeß der biologischen Regression bezeichnet haben. Mit ihrer Analogiethese unterstellen sie soziale Differentiation als einen sozialen Quasi-Naturprozeß, ohne diese teleologische Auffassung von sozialer Entwicklung freilich genauer zu begründen. (Vgl. op. cit., S. 141.)Google Scholar
  88. 116.
    Die einzige Ausnahme ist die Frage der Parlementsverantwortlichkeit, die grundsätzlich anders geregelt wurde; vgl. dazu oben Anm. 106.Google Scholar
  89. 117.
    Vgl. Webb, op. cit., S. 154 f. Dabei bleibt der Maßstab für diese Feststellung freilich recht unklar.Google Scholar
  90. 120.
    Webb, op. cit., S. 154; nicht ganz zu unrecht stellt Polanyi fest: “Engels und Marx befaßten sich nicht mit dem Armenrechtsgesetz… zu ihrer Zeit war das neue Armenrecht der Feind schlechthin… Überdies waren Marx und Engels mit Recht davon überzeugt, daß wenn der Kapitalismus kommen sollte, die Reform des Armenrechts unvermeidlich war.” (Polanyi, op. cit., S. 346 f.)Google Scholar
  91. 121.
    E.P. Thompson, op. cit., S. 337.Google Scholar
  92. 122.
    op. cit., S. 333. Die erwartungsgemäße Ablehnung der Vorschläge sah damit freilich nicht nur für die Richtung, sondern auch für das Tempo des Wandels eine anti-soziale Form der Organisation, nämlich die Monopolisierung der Entscheidungskompetenz vor.Google Scholar
  93. 126.
    Seine polemische Begrifflichkeit zielt auf die von ihm so charakterisierte “spastische Schule”, deren Kopf er in W.W. Rostow sieht und der er ein Denken in Begriffen “kruder sozialer Spannungen” vorwirft, ein Denken, das in mechanischer Analogie von der Wirtschaftsgeschichte auf die Sozialgeschichte schließe. Vgl. E.P. Thompson: The Moral Economy of the English Crowd in the 18th Century, in: Past and Present 50/1971, S. 76 ff. hier S. 77.Google Scholar
  94. 127.
    Vgl. E.P. Thompson: The Moral Economy…, op. cit.; E.J. Hobsbawm: Primitive Rebells (1959), dt.: Sozialrebellen, Neuwied 1962; M. Vester: Die Entstehung des Proletariats als Lernprozeß, Frankfurt/M. 1970, S. 124.Google Scholar
  95. 130.
    Vgl. A. Briggs: The Age of Improvement, London 1959, S. 136.Google Scholar
  96. 131.
    G.M. Trevelyan: Kultur- und Sozialgeschichte Englands, Hamburg 1948, S. 463.Google Scholar
  97. 133.
    E. Nolte: Marxismus und Industrielle Revolution. Stuttgart 1983, S. 128, 130.Google Scholar
  98. 135.
    Dies ist die These der Hammonds; vgl. The Town Labourer, op. cit., S. 80.Google Scholar
  99. 136.
    Die Hammonds haben daher dieses Kapitel der englischen Geschichte unter die Überschrift: “Der Krieg um die Trade Unions” gestellt; vgl. Hammond, op. cit., Überschrift zum 7. Kapitel.Google Scholar
  100. 139.
    Polanyi weist darauf hin, daß zwischen 1815 und 1838 das Speenhamland-Maß wiederholt und insgesamt um ca. 1/3 gesenkt worden ist; op. cit.. S. 130.Google Scholar
  101. 140.
    Hobsbawm weist in diesem Zusammenhang auch auf die in dieselbe Richtung wirkende Tendenz im damals gängigen “subcontract system” hin. nämlich qualifizierte Arbeiter zu Sub-Beschäftigern unqualifizierter Arbeiter zu machen und somit das materielle Interesse der ersteren zu einer besonders perfiden Form der Ausbeutung und “industriellen Sozialisation” der letzteren zu gebrauchen. (Age of Revolution. op. cit.. S. 50.) Von diesem Standpunkt aus sind vielfach die Vereinigungen der Baumwollspinner. vor allem ihr Eintreten für die Fabrikgesetze. attackiert worden.Google Scholar
  102. 143.
    Vgl. Trevelyan, op. cit., S. 463; Thompson: Making…, op. cit., S. 569; Vester, op. cit., S. 137.Google Scholar
  103. 145.
    Vgl. G.D.H. Cole: A History of Socialist Thought. Vol. I: The Forerunners. 1789–1850, London 1953, S. 121.Google Scholar
  104. 146.
    Vgl. Thompson, op. cit., S. 569; Vester, op. cit., S. 139 f.Google Scholar
  105. 148.
    Aber hier hatte er wohl nicht die Äußerungen von Hobsbawm, sondern die der Schüler und Epigonen Ashtons im Auge. Hobsbawm hat 1964 die Debatte noch einmal abschließend aufgegriffen und bekräftigt, daß seine Argumente zu verstehen seien als “an attack on those who believed that the Industrial Revolution had led to a substantial improvement in the standard of living of the British people.” E.J. Hobsbawm: Labouring Men, London 1964, S. 120.Google Scholar
  106. 149.
    Vgl. Thompson, op. cit., S. 230 f. Die ganze Debatte ist noch einmal dokumentiert worden von A.J. Taylor (ed.): The Standard of Living in Britain in the Industrial Revolution, London 1975. Darin die Beiträge von E.W. Gilbory, R.S. Tucker, T.S. Ashton, E.J. Hobsbawm, R.M. Hartwell, E.P. Thompson, R.S. Neale sowie je ein Postskriptum von E.J. Hobsbawm und R.M. Hartwell/ S. Engermann.Google Scholar
  107. 153.
    Vgl. E.P. Thompson: The Moral Economy…, op. cit., S. 76 ff.Google Scholar
  108. 156.
    op. cit., S. 7 und 420. Danach lebte 1831 bereits über ein Viertel der englischen Bevölkerung in Städten über 20.000 Einwohner, 1851 bereits 62%, während in Frankreich 1846 nur ein Viertel in Städten über 2.000 Einwohner und 1868 erst 31% der Bevölkerung in Städten lebten. (op. cit., S. 420.)Google Scholar
  109. 157.
    Vgl. A. Redford: Labour Migration in England 1800–1850, Manchester 1964, S. 66.Google Scholar
  110. 159.
    Nach Kulischer wurden noch 1741–1750 durchschnittlich jährlich 850.000 Quarter Getreide exportiert, während im Zeitraum von 1773–1792 schon ein durchschnittlicher jährlicher Importbedarf von 430.000 Qu. bestand. (op. cit., S. 424.)Google Scholar
  111. 160.
    Kulischer gibt einen durchschnittlichen “Getreidepreis’ von 29–37 sh. pro Quarter für die Zeit von 1741–1750, von 51 sh. für 1770–1780, von 68 sh. für 1790–1800 und von 80 sh. für 1804–1813 an. (op. cit., S. 70 u. 424.)Google Scholar
  112. 161.
    K. Marx: Das Kapital Bd. 1, op. cit., S. 756.Google Scholar
  113. 162.
    Alle zeitgenössischen und späteren Auseinandersetzungen in der Politik wie in der politischen Ökonomie um den Getreidepreis, die Getreidegesetze, die Stigmatisierung bzw. Entstigmatisierung der Rente, das Verhältnis zwischen Profit und Rente, zwischen Brotpreis und Subsistenzlohn etc. sind nur zu verstehen vor dem Hintergrund dieser großen strukturellen Verschiebung in der zweiten Hälfte des 18. und ersten des 19. Jahrhunderts.Google Scholar
  114. 163.
    Vgl. hierzu nochmals Thompsons Kritik an der Auffassung einer “spastischen Mechanik” zwischen dem Getreidepreis und “Hunger”-Revolten. Vgl. dazu ders.: The Moral Economy, op. cit., S. 77 f.Google Scholar
  115. 164.
    Hammond: The Town Labourer, op. cit., S. 75.Google Scholar
  116. 165.
    Vgl. z.B. Ricardos Sicht des Verhältnisses von Profit und Rente, sowie die Auffassungen von R Jones und R Torrens; vgl. dazu unten im 4. Kapitel, S. 133 ff., S. 170 ff., S. 204 ff.Google Scholar
  117. 166.
    Nach Toynbee um mindestens das Doppelte; vgl. A. Toynbee: Lectures on the Industrial Revolution in England (1884), London 1969, S. 92.Google Scholar
  118. 167.
    Vgl. dazu unten im 4. Kapitel, S. 204 ff.Google Scholar
  119. 170.
    Hobsbawm hat die Auswirkungen auf die griffige Formel gebracht: “Der Hunger des Volkes war das Gegenstück zur Akkumulation der Mittelklassen.” (EJ. Hobsbawm: The Age of Revolution, op. cit., S. 46.)Google Scholar
  120. 171.
    Die von Richard Cobden maßgeblich geleitete Anti-Corn-Law-League ist der organisatorische Ausdruck dieses Bestrebens.Google Scholar
  121. 172.
    Die Liste ist lang. D. Ricardo brachte in seinen “Principles of Political Economy and Taxation” (1817) diese Position exemplarisch zum Ausdruck. Zu anderen Autoren vgl. im 4. Kapitel unten.Google Scholar
  122. 174.
    Vgl. dazu z.B. P. Gaskell, der diesen Punkt zum zentralen Anliegen seiner Darstellung über den Untergang der hausindustriellen Handweberei macht; vgl. unten im 4. Kapitel 11. Peter Gaskell, S. 237 ff.Google Scholar
  123. 175.
    Z.B. durch die Sheffield Cutlers Bill von 1814, die die Macht der gut organisierten Messerschmiede brechen sollte, indem gestattet wurde, daß fortan jedermann mit beliebig vielen “Lehrlingen” arbeiten körnte; vgl. Thompson: The Making…, op. cit.. S. 286.Google Scholar
  124. 178.
    “Relief for the Poor within a Framework of Repression” (Webb, op. cit., S.396.)Google Scholar
  125. 179.
    Vgl. dazu im 4. Kapitel unten P. Gaskell, der die Wirkungen dieser Überschuldung beschreibt, und in den Exzerpten von Marx, der dies sorgfältig zur Kenntnis nimmt. Vgl. S. 237 ff., S. 284 ff.Google Scholar
  126. 181.
    P. Mantoux: The Industrial Revolution in the 18th Century…, London 1928, S. 156.Google Scholar
  127. 182.
    Der “cultivation under common rules”, wie Mantoux diese Wirtschaftsweise genannt hat. (op. cit., S. 138 ff.)Google Scholar
  128. 183.
    Mantoux, l.c. terminiert bereits von dieser Zeit der Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebsweise durch Einhegungen und Konzentration des Besitzes an eine zunehmende Disposition der durch diesen Strukturwandel beschäftigungslos gewordenen Arbeitskraft, das Dorf zu verlassen. Er sieht die überschüssige Arbeitsbevölkerung implizit aus einem Rationalisierungseffekt der Betriebsweise und dem Konzentrationseffekt des Besitzes entspringen, obwohl der Trend zur Verwandlung der eingehegten Ländereien in “arbeitssparendes” Weideland gestoppt worden sei: “The prosperity of agriculture [in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts — H.-P.M.]… stops the extension of pasture land without retaining all the labour employed previously.”Google Scholar
  129. 185.
    Marx weist freilich zu Recht darauf hin, daß die Masse der in England im 15. und 16. und in Irland im 18. und 19. Jahrhundert durch die Einhegungen vertriebenen Landbevölkerung gerade nicht auf diese Weise ökonomisch integriert worden ist, sondern der städtischen Industrie die nötige Zufuhr von vogelfreiem Proletariat verschaffte; vgl. Kapital I, S. 726 ff. und 744 ff.Google Scholar
  130. 186.
    So jedenfalls argumentiert Polanyi, op. cit., S. 54.Google Scholar
  131. 187.
    Vgl. hierzu z.B. Thompsons Darstellung der vier idealtypischen “master-servant”-Verhältnisse der unterschiedlichen Integration dieser Arbeitskräfte in kapitalistische Produktions- und Arbeitsverhältnisse. (op. cit., S. 235 f.)Google Scholar
  132. 189.
    Vgl. Polanyi, op. cit., S. 120: “Jeder Welle von Einhegungen folgte eine weitere Senkung des Lebensstandards.” (op. cit., S. 55.)Google Scholar
  133. 190.
    Kulischer, op. cit., S. 166. Mantoux hat daraus geschlossen, daß wenn dem Arbeiter nichts mehr gehört außer seiner “Arbeit”, dieser sich in einen Lohnarbeiter verwandelt habe. (op. cit., S. 65.) Freilich vergaß er hinzuzufügen, daß in einer derart zersplitterten Produktionsweise wie dem Verlag oder dem “domestic system” der Besitz des eigenen Hauses einen viel wichtigeren Faktor darstellt als die Frage des Eigentumsverlustes an dem relativ einfachen unmittelbaren Produktionsmittel wie z.B. dem Webstuhl. Umgekehrt kann der Webstuhl, der nicht mehr dem Weber gehört, Indiz für die Existenz von Verhältnissen sein, unter denen die Häuser nur noch gepachtet sind und unter denen z.B. das sog. “truck-system”, d. h. ein System von Dorfläden, die der Unternehmer betreibt und in denen die Arbeiter einkaufen müssen, also Verhältnisse existieren, unter denen sich Lohnarbeitsverhältnisse bereits so weit entwickelt haben, daß der einzige Unterschied zur modernen Fabrik im Fehlen von Fabrikarbeitsverhältnissen und der ihnen entsprechenden Disziplin und Überwachung besteht. Andererseits muß hinzugefügt werden, daß dem Hausindustriellen und Heimarbeiter die formelle Freiheit des Lohnarbeitsverhältnisses noch fehlt — dies ihm vorzuenthalten ist der Sinn der Repressionsgesetzgebung -, obwohl ihm seine “Arbeit” längst nicht mehr gehört. ebenso wie die organisatorische Ausgestaltung der produzierenden Einheit noch keinen notwendigen Zusammenhang mit der formellen Freiheit des Lohnarbeitsverhältnisses kennt. M.a.W. bei Mantoux steht die formelle Seite des Arbeitsverhältnisses mit ihrer substanziellen und der sozialen Organisation der Arbeit in einem unklaren Verhältnis zueinander.Google Scholar
  134. 194.
    A. Ure hat in seinem Werk “Philosophy of Manufactures”. 1835. mehrfach die These aufgestellt, daß das “Bündnis von Kapital und Wissenschaft” in der Lage sei, die aufsässigen Arbeiter aus dem Weg zu schlagen. d.h. freisetzen zu können. (z.B. Bd. I. S. 20.) So sah er in der Streikbewegung der Arbeiter eine Sache, mit der sie sich letztlich mehr schaden als nützen. weil dies die Fabrikanten zum technischen Fortschritt ansporne.Google Scholar
  135. 195.
    Hier ist z. B. die Auseinandersetzung um die qualitativ minderwertige “Schnitt-Ware” in der Strumpfherstellung anzuführen. Sie wurde von vielen Verlegern bevorzugt. weil wegen des einfacheren Produktionsverfahrens die Strümpfe von minderqualifizierten, unorganisierten Arbeitern hergestellt werden konnten: Die Strümpfe wurden aus einem endlos gewebten Schlauch geschnitten und an der Spitze einfach zusammengenäht statt von der Spitze bis zum Rand durchgewebt. Ihre Einführung wurde von den organisierten Strumpfwirkern scharf bekämpft. (Vgl. E.P. Thompson. op. cit., S. 310 f.)Google Scholar
  136. 196.
    Vgl. dazu Kapital I, op. cit.. S. 441 ff.: sowie R. Winkelmann (Hrsg.): Karl Marx: Exzerpte über Arbeitsteilung. Maschinerie und große Industrie. 1982. S. LXIII ff.Google Scholar
  137. 197.
    R. Bendix: Herrschaft und Industriearbeit. Frankfurt/M. 1960, S. 84.Google Scholar
  138. 198.
    op. cit., S. 86. Zu den Modalitäten von Arbeitsvertägen der damaligen Zeit bemerkt er weiter: “… nur die gelernten Handwerker hatten — bestenfalls! — einen Wochenkontrakt in der Tasche: dagegen beschäftigte man die Ungelernten nur stundenweise oder höchstens tageweise. Und obschon der Spruch galt, daß die geschickten Arbeiter ‘die letzten waren, die man rauswarf, und die ersten, die man einstellte’, so wurden doch ausnahmslos alle Arbeiter streng überwacht und sofort entlassen, wenn sie sich nicht bewährten.”Google Scholar
  139. 199.
    G.C. Allen: The Industrial Development of Birmingham and the Black Country, London 1929, S. 146, gibt eine sehr detaillierte Beschreibung des Vertragsunternehmerwesens in der Eisengießerei wieder: “Das Oberteil des Hochofens war in der Obhut eines Vertragsunternehmers. ‘bridge-stocker’ genannt. Dieser hielt Pferde, beschäftigte eine Arbeitergruppe, Frauen und Kinder (’Füller’ genannt), die dafür zu sorgen hatten, daß der Hochofen mit dem erforderlichen Material beschickt werden konnte. Der Vertragsunternehmer erhielt seinen prozentualen Anteil an jeder erzeugten Tonne, und er schloß seine eigenen Abmachungen mit seinen Hilfskräften. Der ‘stock taker’ war dagegen derjenige Vertragsunternehmer, in dessen Obhut der untere Teil des Hochofens sich befand. Seine Leute bereiteten den Schmelzsand vor und kümmerten sich um das Gießen und Wiegen der Gußstücke. Die Zahl der bei jedem Hochofen Beschäftigten schwankte natürlich entsprechend der Größe und dem Grad der mechanischen Ausstattung des betreffenden HochofenS. Gewöhnlich waren in jeder Schicht zwölf Mann am Hochofen tätig, und außerdem waren zehn bis zwanzig Mann mit dem Schleppen des für den Hochofen erforderlichen Materials beschäftigt. Das typische Eisenwerk bestand damals aus drei Hochöfen und beschäftigte demgemäß zwischen 100 und 130 Personen. Bei Werken. die nur einen einzigen Hochofen mit Kaltluftgebläse hatten, war die Belegschaft viel kleiner. Die großen Eisenherren. die verschiedene Gruppen von Hochöfen besaßen, beschäftigten etwa 300 bis 400 Mann.” (Zit. nach Bendix. op. cit.. S. 82 f.)Google Scholar
  140. 200.
    Der idealistische Ansatz soll nämlich den Wunsch nach dem Erweis der Vorteilhaftigkeit des liberalistischen Weges in die Industrialisierung einlösen, dem Bendix den — abzulehnenden — Weg des russischen Sowjetmarxismus oder “Autokratismus” gegenüberstellt. Entpersönlicht und bürokratisch rationalisiert, wie er als Anhänger von Max Weber die historische Entwicklung beider Systeme in der Epoche des Kalten Krieges sieht, gebührt nach seiner Auffassung dem westlichen Weg der Vorzug, weil mit dessen Ideologie des Liberalismus die im Zeichen des Fortschritts und der Rationalität notwendige Unterordnung des Arbeiters als Wirtschaftsbürger wirkungsvoll kompensiert werden kann durch die Integration der neuen industriellen Arbeitskraft als Staatsbürger in die Gesellschaft. In einem quidproquo von Kapitalismus und Industrialisierung behauptet er sodann, daß das “Hauptproblem, mit dem sich alle Gesell-Auch schaften auseinanderzusetzen haben, die in den Sog der Industrialisierung geraten”, darin bestehe, den unteren Klassen den Verlust ihres “zwar niedrigen, aber anerkannten Platzes in der Gesellschaft” sozialintegrativ erträglich zu machen, d.h. ihre potentiell revolutionäre Spitze zu brechen. (op. cit., S. 559.) Bendix bleibt auf einer managerialen Betrachtungsebene stehen, denn die Industrialisierung erscheint ihm als ein Prozeß, der in seinen differenzierten Verlaufsformen allenfalls der punktuellen Analyse, vor allem aber der globalen managerialen Handhabung auf der Ebene des Staates und der Ideologie bedarf. Damit freilich wird die Frage der Industrialisierung von der Ebene der Arbeits- und Produktionsverhältnisse auf die der Staats- und Ideologie- und vor allen Hertschaftssicherungsverhältnisse verschoben.Google Scholar
  141. 201.
    Alle Angaben nach M. Vester, op. cit., S. 54 f.Google Scholar
  142. 205.
    H. Mayhew: London Labour and the London Poor, 3 Vol., 1862.Google Scholar
  143. 206.
    E.J. Hobsbawm: Age of Revolution, op. cit., S.50.Google Scholar
  144. 207.
    E.P. Thompson, op. cit., S. 280.Google Scholar
  145. 208.
    Vgl. hierzu die Darstellungen von P. Gaskell über den Untergang der Handweber in seiner “Manufacturing Population”; vgl. dazu unten im 4. Kapitel S. 237 ff.Google Scholar
  146. 209.
    E.P. Thompson, op. cit., S. 312, 314.Google Scholar
  147. 210.
    In der Baumwollindustrie ab ca. 1820. in der Kammgarnindustrie ab ca. 1835. in der übrigen Wollindustrie ab ca. 1840.Google Scholar
  148. 212.
    Wie populär die letzte Forderung unter den Webern war, wird auch daran deutlich, daß sie viele von ihnen bewog, die 10-Stunden-Agitation mit zu unterstützen. Vgl. E.P. Thompson. op. cit., S. 337.Google Scholar
  149. 214.
    “It is because alternative and irreconcilable views of human order — one based on mutuality, the other on competition — confronted each other between 1815 and 1850 that the historian today still feels the need to take sides.” (op. cit., S. 225.)Google Scholar
  150. 216.
    “… the profundity of the revolution which broke out between 1789 and 1848… the greatest transformation in human history since the remote times when men invented agriculture and metalurgy, writing, the city and the state. This revolution has transformed, and continues to transform, the entire world.” (The Age of Revolution, op. cit., S. 1.)Google Scholar
  151. 219.
    Andererseits darf man nicht verkennen, daß Hobsbawms Werk “The Age of Revolution” u.E. den sicherlich bewußt pointierten Versuch darstellt, an die revolutionäre Komponente im Marxismus wiederanzuknüpfen und vom modernen Standpunkt aus zu untermauern. Vgl. dazu seinen programmatischen Artikel “Revolution” in: R. Porter/ M. Teich (eds.): Revolution in History, Cambridge 1986, S. 5 ff.Google Scholar
  152. 220.
    E.P. Thompson, op. cit., S. 217, 221 f.Google Scholar
  153. 221.
    E.P. Thompson, op. cit., S. 266.Google Scholar
  154. 222.
    S. u. B. Webb: The History of Trade Unionism (1950), S. 45 f.Google Scholar
  155. 224.
    L. Krader: Zur Theorie der Technik in: Karl Marx: Die technologisch-historischen Exzerpte, Frankfurt/M. 1981, S. XII.Google Scholar
  156. 225.
    Vgl. hier E.P. Thompson, op. cit. Ch. 8: Artisans and Others, S. 259 ff.; oder auch die Arbeit von J. Breuilly: Artisan Economy, Artisan Politics, Artisan Ideology: The Artisan Contribution to the Nineteenth-Century European Labour Movement 11830–18702, in: C. Emsley/ J. Walvin (ed.): Artisans, Peasants and Proletarians; Essays presented to Gwyn A. Williams, London 1985, S. 187 ff., die die Arbeitsergebnisse einer Debatte zusammenfaßt, die einerseits die Faszination der Marxschen Theorie, wenn auch nicht aller ihrer Teile aufrecht erhält und dennoch einen kritischen Umgang mit ihr auf der Grundlage moderner Forschungsergebnisse, jedoch durchaus nicht nur moderner (vgl. dazu unter Anm. 147 oben), erlaubt.Google Scholar
  157. 226.
    Mit der Arbeit des liberalen Industrialisten Samuel Laing nahm Marx selbst eine solche Position zur KenntniS. Vgl. dazu unten im 4. Kapitel: 10. Samuel Laing: National Distress, S. 228 ff., sowie im 5. Kapitel 10: Marx’ Exzerpte daraus, S. 278 ff.Google Scholar
  158. 229.
    Zum Begriff des “konstruktivischen” Elements in der Marxschen Kapitalismus-Analyse und seiner Revolutions-Theorie vgl. H. Reichelt: Zur Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Versuch einer Rekonstruktion, in: H. Reichelt/ R. Zech, op. cit., S. 7 ff sowie H. Reichelt: Zwei Dialektikversionen in der Marxschen Gesellschaftstheorie, in: T. Pirker et al.: Technik und Industrielle Revolution, Opladen 1987, S. 302 ff.Google Scholar
  159. 230.
    J. Breuilly, op. cit., S. 220. Zu Breuillys Position, die vieles von dem stützt und bestätigt, was von uns an kritischen Vorbehalten gegenüber der Marschen Industrie-Analyse aus der immanenten Kritik heraus entwickelt worden ist, bleibt freilich kritisch anzumerken, daß sie ihrerseits in beachtlicher Weise der Vorstellung einer gewissermaßen vor-tayloristischen Arbeiterbewegung zuzuneigen scheint und damit einer anderen, durchaus nicht weniger verbreiteten Stilisierung und Periodisierung der industriellen Entwicklung des Kapitalismus und der Arbeiterbewegung darin.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1992

Authors and Affiliations

  • Hans-Peter Müller

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