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Japanische Außenpolitik: Im Fernen Osten nichts Neues

  • Ortrud Kerde
  • Erich Pauer
Chapter

Zusammenfassung

Der frühere Premierminister Miyazawa Kiichi1 brachte die Kontinuität der japanischen Außenpolitik in einer Rede vor beiden Häusern des japanischen Parlaments zu Beginn des Jahres 1993 auf den Punkt: „Japanese post-war policy has consistently been one dedicated to peace and attaching central importance to the United Nations.“2 Vergleicht man diese Aussage mit Veröffentlichungen des japanischen Außenministeriums zu Beginn der 1970er Jahre, so hat sich an den Leitbildern der japanischen Außenpolitik kaum etwas geändert. Schon damals standen „drei Säulen der japanischen Außenpolitik“ (Nihon gaikō no sanbon-bashira) im Vordergrund: die Festigung der Freundschaft mit anderen Nationen, in erster Linie den USA, die Förderung der regionalen Zusammenarbeit mit anderen asiatischen Ländern sowie die Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen.3

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Literatur

  1. 1.
    Japanische Personennamen werden in der in Japan üblichen Weise angeführt, d.h. der Familienname wird dem persönlichen Namen vorangestellt.Google Scholar
  2. 2.
    News and Views from Japan,No. 395, Brüssel, 25. Januar 1993, S. 3. Vgl. auch die Zusammenfassung der Rede in: Asahi shinbun (Kokusai eisei-ban),23. Januar 1993.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Suma Jbji, „Nihon gaikö no sanbon-bashira ga kishimi hajimeta“ (Die drei Säulen der japanischen Außenpolitik beginnen, allmählich morsch zu werden), Chuo koron, 1992: 10, S. 76–79. Vgl. auch Japanische Botschaft (Hrsg.), Neues aus Japan, Nr. 163/Okt. 1970, Nr. 165/Dez. 1970, Nr. 175/Okt. 1971.Google Scholar
  4. 4.
    Beispiele hierfür sind die Entscheidung, den Einsatz japanischer Soldaten im Rahmen humanitärer Missionen der Vereinten Nationen zu ermöglichen sowie der Versuch, eine Art Vermittlerrolle zwischen den Bürgerkriegsparteien im Kambodscha-Konflikt einzunehmen, indem Japan weitere Wirtschaftshilfe von einer Beendigung des Krieges abhängig macht (vgl. dazu The Japan Times,7. Juni 1990).Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Kent Calder, „Japanese Foreign Economic Policy Formation: Explaining the Reactive State“, in: World Politics,Vol. XL, No. 4, S. 517–541.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Iokibe Makoto, Nihon seiji gaikō-shi (Geschichte der politischen Außenpolitik Japans), ( Seiji-shi II ), Tokyo 1985.Google Scholar
  7. 7.
    Zu erwähnen sind hier vor allem die Aktivitäten der japanischen Wirtschafts-und Unternehmerverbände (z.B. Nikkeiren, Keidanren) sowie der Großhandelshäuser.Google Scholar
  8. 8.
    Weltpolitische Situationsbeschreibungen können so — je nach Blickwinkel — unterschiedlich ausfallen, wie das Thema der Beendigung des Kalten Krieges verdeutlicht. Manche (v.a. europäische) Autoren meinen, der Ost-West-Konflikt sei in Japan kaum zur Kenntnis genommen worden, so daß das Ende des Kalten Krieges für Japan keine ebensolche Zäsur dargestellt habe wie für Europa (vgl. Roland Freudenstein, „Japan und das neue Europa: Die Beziehungen am Ende der Ost-West-Konfrontation und vor der Vollendung des Binnenmarktes“, in: Europa-Archiv,Folge 21, Jg. 45, 1990, S. 639–650, hier: S. 643). Demgegenüber merken japanische Kommentatoren an, „In Europa ist der Kalte Krieg zu Ende, in Ostasien noch nicht.“ (Vgl. den Diskussionsbeitrag von Noda Nobuo in einer Gesprächsrunde mit Sase Masamori und Nishio Kanji, „Nihon yo. Yooroppa gaikö no wana ni hamaru na“ (Japan! Laß’ Dich nicht in der Falle der Europapolitik fangen!); in: Churs knran 1992:9, S. 106–117, hier: S. 114–115). Gemeint sind die nicht gelöste Kurilenfrage, Nord-Korea und die Volksrepublik China.Google Scholar
  9. 9.
    So steht Japan vor dem Dilemma, einerseits seine „Scheckbuchdiplomatie“ rechtfertigen zu müssen, gleichzeitig aber gefragtes Geberland zu sein. Vgl. dazu auch die Beiträge der Gesprächsrunde zwischen Sase Masamori, Nishio Kanji und Noda Nobuo, „Nihon yo. Yooroppa gaikö no wana ni hamaru na“ (Japan! Laß’ Dich nicht in der Falle der Europapolitik fangen!); in: Chun koron 1992:9, S. 106–117, hier: S. 116–117.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. dazu ausführlicher Ekkehard Moritz, „Konfuzianismus — Japan — Technik. Ein alter Hut neu aufgesetzt“, in: Deutsches Museum. Wissenschaftliches Jahrbuch 1991, S. 131–175; München 1992.Google Scholar
  11. 11.
    Sorifu köhóshitsu (Hrsg.), Gekkan Ybron chosa 1992:4, Umfrage zum Thema „Gaiko“.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. dazu die Studie Hakuhbdb seikatsu sógó kenkyn (Hrsg.), Seikatsu no kokusaika (Internationalisierung des Lebens), Tokyo 1988; vgl. dazu auch: Regine Mathias, „Internationalisierung und Lebensstil“, Loccumer Protokolle 57/92 (Die Internationalisierung Japans im Spannungsfeld zwischen ökonomischer und sozialer Dynamik),S. 90–114, Loccum 1993.Google Scholar
  13. 13.
    Zusammengefaßt wurden diese Argumente in den 1970er Jahren von Wakaizumi Kei, „Japan’s Passive Diplomacy Reconsidered“,in: Asia Pacific Community No. 3 (Winter 1978/79), S. 37–52 sowie ders., „Japan’s Dilemma: To Act or not to Act“,in: Foreign Policy No. 16 (Herbst 1974), S. 30–46.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Yamane Hiroko, „Oshnban,Nihon tataki‘ wa motto tezuyoi” (Das „Japan-bashing“ der Europäer verstärkt sich), in: Chun koron,1990:6, S. 248–258, hier: S. 257.Google Scholar
  15. 15.
    Zitiert nach Arifin Bey, „Understanding Japan’s Diplomacy“, in Indonesian Observer,29. Januar 1983.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. Kano Tsutomu, „Why the Search for Identity?“, in: Japan Center for International Exchange (Hrsg.), The Silent Power: Japan’s Identity and World Role, Tbkyb: The Simul Press, 1976, S. 1–10.Google Scholar
  17. 17.
    Umesao Tadao, „Escape from Cultural Isolation“, in: Japan Center for International Exchange (Hrsg.), The Silent Power: Japan’s Identity and World Role,Tókyó: The Simul Press, 1976, S. 13–34, hier: S. 20, ursprünglich erschienen unter dem Titel „Kokusai kayo to Nihon bunmei“ (Internationaler Austausch und japanische Zivilsation), in: Kokusai kórya,Januar 1974, S. 22–34.Google Scholar
  18. 18.
    Gegründet als selbständige juristische Person, aber unter Aufsicht und Leitung des japanischen Außenministeriums. Die Japan Foundation wirkt als Nachfolgeorgan der 1934 gegründeten Kokusai bunka shinkókai (Japan Cultural Society).Google Scholar
  19. 19.
    vgl. The Japan Times,2. März 1990.Google Scholar
  20. 20.
    vgl. Asahi Evening News,13. Juli 1990.Google Scholar
  21. 21.
    Informationsmaterial der Japanischen Botschaft 1980 (Vortrag des Japanischen Botschafters im Haus Rissen, Hamburg, 7. 10. 1980 ).Google Scholar
  22. 22.
    Das Budget des Jahres 1988 betrug 337 Mio. Yen.Google Scholar
  23. 23.
    Murata Rybhei (Unterstaatssekretär im Außenministerium), „Die Welt im Jahre 1989 und die Aufgabe der japanischen Diplomatie“, in: Joachim Glaubitz/Thilo Graf Brockdorf: Materialien zur Außen- und Sicherheitspolitik Japans,Folge 1989/1, SWP — M 2597, Stiftung Wissenschaft und Politik, Ebenhausen, März 1989, S. 4–7, hier: S. 6.Google Scholar
  24. 24.
    Empirical analysis shows that politicians specializing in foreign affairs and defense matters tend to do rather poorly at the polls in Japan[…)“, aus: Kent Calder, „Japanese Foreign Economic Policy Formation: Explaining the Reactive State“, in: World Politics,Vol. XL, No. 4, S. 517–541, hier: S. 530.Google Scholar
  25. 25.
    Dieses reaktive außenpolitische Verhalten steht in krassem Gegensatz zur Fähigkeit der früheren Regierungspartei, innenpolitisch systematisch eine in sich geschlossene Politik zu verfolgen.Google Scholar
  26. 26.
    Hohe Punktzahlen erhielten dagegen dezidiert innenpolitische Probleme wie politische Moral und die Förderung von Wissenschaft und Technik. Die Tatsache, daß das Thema „globaler Umweltschutz“ die höchste Priorität erhielt, ist gleichsam ein weiteres Indiz für die reaktive Haltung der japanischen Politik, da gerade auf diesem Gebiet Japans Beiträge besonders kritisch beäugt werden und somit Handlungsbedarf erzeugt wird. Ähnliches gilt für den Punkt der Verstärkung der freundschaftlichen Beziehungen zu Ländern Südostasiens. Hier stehen wirtschaftliche Erwägungen im Vordergrund; vgl. die detaillierte Auswertung bei Inoguchi Takashi, „Jimintö gíin ankeeto chasa — Seisaku kettei e no,ishiki kōzō’ O mini“ (Umfrage unter den LDP-Abgeordneten — Betrachtung der „Bewußtseinsstruktur” bei politischen Entscheidungen), in: Ekonomisuto, Vol. 7, No. 3, S. 84–91.Google Scholar
  27. 27.
    So versucht z.B. die EPA (Economic Planning Agency),ein Organ, das für die innere wirtschaftliche Entwicklungsplanung Japans verantwortlich ist, sich auch als führendes Koordinierungsorgan der südostasiatischen Länder zu etablieren, die Rohstoffe nach Japan importieren. Vgl. The Economist,15. Juli 1989, S.10–11. Entwicklungshilfe ist in Japan in erster Linie Ausdruck des Eigeninteresses (vgl. auch Inoguchi Takashi, „Japan’s Images and Options: Not a Challenger but a Supporter“, in: Journal of Japanese Studies,Vol. 12, No. 1, 1986, S. 95–119, hier: S. 117), um z.B. die Infrastruktur des betreffenden Landes für japanische Unternehmen nutzbarer zu machen.Google Scholar
  28. 28.
    Ein Beispiel ist die Kontroverse zwischen Außenministerium und dem früheren Premierminister Miyazawa Kiichi hinsichtlich der Entsendung japanischer Soldaten bzw. allgemeiner Hilfeleistungen im Rahmen von UN-Aufgaben Anfang 1993.. Vgl. dazu „Kokuren chüshin-shugi ni do taio“ (Wie reagiert man auf die UN-Zentriertheit?), in: Asahi shinbun 16. Februar 1993 sowie „Was erwarten die UN von Japan“, in: FAZ, 18. Februar 1993.Google Scholar
  29. 29.
    Das ist auch darauf zurückzuführen, daß das Außenministerium seine in Tokyo eingesetzten jüngeren Beamten häufig für längere Zeit zu Studienzwecken ins Ausland sendet und sie dort Fremdsprachen erlernen sowie z. T. sogar Fachstudien absolvieren läßt. Diese Mitarbeiter übernehmen dadurch sehr viel stärker westliche Denkmuster und nehmen sie in ihre Handlungsweisen auf.Google Scholar
  30. 30.
    Brief der Hanseatischen Gesellschaft, Berlin, nach Gesprächen mit einer japanischen Delegation in Berlin im Jahre 1862, vgl. Regine Mathias-Pauer und Erich Pauer (Hrsg.), Die Hansestädte und Japan 18551867 (Marburger Japan-Reihe, Bd. 7), Marburg 1992, S. 176–177.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. Shinoda Yüjirö, 1992-EC togo. Sono toki Nihon wa do naru (Die europäische Einigung 1992. Was wird aus Japan?), Tokyo 1989, S. 11. (Der Vollständigkeit halber muß erwähnt werden, daß derartige Befürchtungen natürlich auch in Europa kursieren).Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. den bezeichnenden Titel einer Gesprächsrunde zwischen Sase Masamori, Nishio Kanji und Noda Nobuo, „Nihon yo. Yooroppa gaikb no wana ni hamaru na” (Japan! Laß’ dich nicht in der Falle der Europapolitik fangen!), in: Chao koron 1992:9, S. 106–117, hier: S. 106.Google Scholar
  33. 33.
    Diskussionsbeitrag von Nishio Kanji in einer Gesprächsrunde mit Sase Masamori und Noda Nobuo, „Nihon yo. Yooroppa gaiko no wana ni hamaru na“ (Japan! Laß’ Dich nicht in der Falle der europäischen Außenpolitik fangen!); in: Chao koron 1992:9, S. 106–117, hier: S. 106. (Die Meinungen des Germanisten Nishio Kanji, der zum eher neonationalistischen Spektrum zählt, sind zwar auch in Japan nicht unumstritten, geben aber ein gewisses Stimmungsbild wieder).Google Scholar
  34. 34.
    Nach der Einigung von 1992, und der Möglichkeit des Beitritts weiterer Staaten zur EG, erscheint für Japan die EG ein noch viel schwierigerer Verhandlungspartner zu werden; vgl. Yamane Hiroko, „Óshú-ban,Nihon tataki‘ wa motto tezuyoi“ (Das „Japan-bashing“ der Europäer verstärkt sich), in: Chao koron,1990:6, S. 248–258, hier: S. 250.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. z.B. den Beitrag „Kokusai kikan e no Nihon kaken-dó“ (Der Beitrag Japans zu internationalen Organisationen) mit einer detaillierten Aufstellung, in Nihon keizai shinbun,22. Januar 1990.Google Scholar
  36. 36.
    While everyone remains uncertain and perplexed, while Japan’s objectives remain obfuscated, the nation’s economic and military strength continues aimlessly to expandchrw(133)” (Sakamoto Yoshikazu, „A new Foreign Policy“, in: Japan Quarterly,19/3, 1972, S. 270–280, hier: S. 279).Google Scholar
  37. 37.
    That the country’s security depends on its economic strength is the main premise of Japan’s foreign policy. “ (The Economist,15. Juli 1989, S. 6).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Ortrud Kerde
  • Erich Pauer

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