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Zwischen „Vereinsmeierei“ und lokalem „Kleinkram“? Zur Einleitung

  • Carolin Herrmann
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 135)

Zusammenfassung

„Viele halten den lokalen Teil für einen Platz, auf dem Schutt abgeladen werden kann. Das unmittelbare gesellschaftliche, wirtschaftliche oder sonstige Interesse, das sich an die Lokalmitteilungen knüpft, wirft viel völlig Belang- oder Geschmackloses, ja Ungehöriges in diesen Teil (...). Da werden die gleichgültigsten Vereinsfeste geschildert, silberne Hochzeiten, Geburtstage, Todesfälle, Verlobungen, Eheschließungen, an denen nur ein enger Kreis Anteil nimmt, registriert, für irgendeine Firma wird aus Anlaß eines Jubiläums, eines Neu- oder Umbaus offen Reklame gemacht...“1 Das angebliche Sammelsurium nichtiger Dinge in den lokalen Ressorts der deutschen Tagespresse fordert bis heute Kritik heraus. Walter Schütz etwa sprach von „Unwichtigem und Nichtigem“, das die Zeitungsseiten fülle. „Jeder Todesfall und jedes Begräbnis liefert Stoff mindestens für einen Zweispalter, keine Vereinssitzung ohne ausführliches Resümee. Dazu noch eine Menge Fotos, (...) 3/4 Seite Gottesdienstnachrichten...“2

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Carolin Herrmann

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