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Einleitung Zu einigen Implikationen der Krise des Repräsentationsgedankens

  • Michael Wimmer
  • Alfred Schäfer
Part of the Grenzüberschreitungen book series (GRENZ, volume 2)

Zusammenfassung

Im alltäglichen Diskurs stößt die Verwendung der Begriffe Identifikation und Repräsentation kaum auf Unverständnis, im Gegenteil, bedient man sich ihrer doch gern, um alltägliche Phänomene zu bezeichnen und, vor allem mittels des Begriffs der Identifikation, ihnen zugleich eine plausible psychologische Erklärung mitzugeben. So sind uns Aussagen wie die folgenden sehr geläufig, die ein Phänomen mittels eines psychologischen Mechanismus‘ charakterisieren: ›Die Arbeitslosigkeit hat ihn hart getroffen, zumal er sich doch so mit seiner Arbeit identifiziert hatte.‹, oder: ›Gewalttätige Jugendlichen brauchen positive Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren können.‹, oder: ›Wenn Kinder gewalttätige Szenen im Fernsehen sehen, dann identifizieren sie sich nicht, mit den Opfern, sondern mit den Tätern.‹ Aber auch in anderen Zusammenhängen begegnet der Begriff der Identifikation mit größter Selbstverständlichkeit, z.B. in Verbindung mit erkennungsdienstlichen Methoden der Polizei bei der Identifikation eines Täters mittels des genetischen Fingerabdrucks oder bei der Kontrolle des Personalausweises. Und auch, wenn vom Repräsentanten eines Konzerns, einer Institution oder eines Staates die Rede ist, weiß man in der Regel, was damit gemeint ist, oder wenn z.B. von einem Bauwerk gesagt wird, es sei repräsentativ. Was die beiden Begriffe allerdings miteinander zu tun haben, geht aus diesen Verwendungsweisen nicht ohne weiteres hervor, scheinen sie doch mit sehr unterschiedlichen Sachverhalten verknüpft zu sein. Am alltäglichen Sprachgebrauch ist deshalb in der Regel bestenfalls die Ahnung oder ein implizites Wissen ablesbar, daß Identifikationen mit Repräsentationen verbunden sind, aber in welchen Formen sich die Verbindung manifestieren kann und wie sie beschaffen ist, bleibt weithin unklar.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Michael Wimmer
  • Alfred Schäfer

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