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Zwischen Kooperation und Autonomie

  • Janina Curbach

Zusammenfassung

Wie schon in vielen der Organisationsdimensionen von NGOs angedeutet wurde, ist das Potential von NGOs nicht nur durch den Aufbau und die Strategien der Organisationen bestimmt, sondern auch abhängig von anderen Akteuren in einer Global Governance-Struktur. Deshalb wird in diesem Abschnitt das Verhältnis von NGOs zu den anderen Beteiligten am Global Governance untersucht und auf das fragile Gleichgewicht zwischen Kooperationskompromissen und Handlungsautonomie geprüft. Auf diese Weise kann man einen Eindruck gewinnen, sowohl von den jeweiligen positiven Wahrnehmungen und Vorteilen als auch von Nachteilen bzw. Gefahren, welche die Akteure in der Kooperation mit den jeweils anderen sehen. Vorwegnehmbar ist das Ergebnis, dass im Gegensatz zu den Annahmen von Global Governan-ce-Befurwortern, die eine positive bis euphorische Bewertung der Einbeziehung von NGOs in internationale Verhandlungen vertreten, sich die angenommene synergetische Kooperation der globalen Akteure als ein ambivalentes Feld zwischen tatsächlicher Kooperation, Instrumentalisierung von NGOs und Konfrontation entounnt.

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Referenzen

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    Ein Beispiel hierfür ist die Übernahme des Erziehungssystems in Sri Lanka durch NGOs nach Ende des Bürgerkrieges 1987 (Gordenker/ Weiss 1996: 30).Google Scholar
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    vgl. Beck 1998: 19–25. Die „transnationale Entzugsmacht“ von Unternehmen beinhaltet die wirksame Drohung derselben, in den Staaten nicht mehr zu investieren und sich zurückzuziehen, wo die Bedingungen für die Unternehmen im internationalen Vergleich „schlechter“, sprich teurer sind.Google Scholar
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    Die beiden letzten UN-Generalsekretäre haben z. B. die positive Wirkung einer Betonung der Kooperation mit NGOs fur das Image der UN erkannt, zumal die IGO ansonsten schwer unter Beschuss steht und vor allem in den USA als ineffizienter und schwerfälliger bürokratischer Apparat kritisiert wird.Google Scholar
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    Oft ermöglichen diese oberflächlichen Zugeständnisse durch IGOs aber auch erst die Sicht auf eine potentielle Interessenkonvergenz und damit auf die Möglichkeiten zur Kooperation.Google Scholar
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    Die in der Literatur laut werdende Kritik an diesem Ausschluss von NGOs aus bestimmten Themenbereichen kann man in erster Linie auf eine übermäßige Begeisterung für die allumfassenden Kompetenzen und Problemlösungskapazitäten von NGOs zurückfuhren.Google Scholar
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    Das NGO Komitee der UN, das über die Akkreditierung der NGOs und ihre Beförderungen in höhere Kategorien entscheidet, trifft sich z. B. nur alle zwei Jahre, was die Antragsbearbeitung extrem verzögert (Willets 1996: 33). Wie außerdem Peter Willets in seinen Ausführungen zur Kooperation zwischen NGOs und den UN zeigt, ist die Zuordnung von NGOs zu bestimmten Konsultativkategorien abhängig von weltpolitischen Gesamtzusammenhängen und Stimmungsschwankungen.Google Scholar
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    Vielleicht kann man dies auf ein tendenziell kritisches Verhältnis gegenüber dem wirtschaftlichen Sektor, ökonomischer Globalisierung und ihren Folgen zurückfuhren, das viele Autoren dazu bewegt, über die „good-doers“ bzw. das gute Gewissen der Welt schreiben?Google Scholar
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    Interessanterweise scheinen US-amerikanische Unternehmen diese Strategie mehr einzusetzen als deutsche Unternehmen, die weitgehend auf reaktive Strategien zurückgreifen (Heins 2001: 204ff.).Google Scholar
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    In Kapitel 3.1. wurde bereits die Möglichkeit des „social entrepreneurships“ als Möglichkeit der Ressourcensicherung für NGOs vorgestellt. In diesem Abschnitt soll jedoch nur die auf Ziele der Einflussnahme gerichtete Kooperation zwischen NGOs mit eigenständigen wirtschaftlichen Akteuren thematisiert werden.Google Scholar
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    Die UN haben z. B. im Jahr 2000 eine Initiative mit dem Namen „Global Compact“ ins Leben gerufen, in der große Unternehmen sich als Mitglieder einer Reihe von Minimumstandards verschreiben können. Dieser Versuch, Marktakteure für die eigenen Ziele mit ins Boot zu holen ähnelt den Einladungen der UN an die zivilgesellschaftlichen Organisationen, sich gemeinsam mit den UN an der Schaffung und Durchsetzung humaner und nachhaltiger internationaler Standards zu beteiligen. Wie sich die Initiative zu dieser neuen Form des „Public-Private-Partnership“ in den nächsten Jahren entwickelt darf mit Spannung erwartet werden.Google Scholar
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    “Our Mission Statement commits the Company to the pursuit of social and ecological change. We have developed this policy as a constant reminder of our responsibilities to act in order to protect the environment both globally and locally...“( www.the-body-shop.de) Eine 1990 durch das Unternehmen gegründete Stiftung hat bis heute insgesamt 5 Mio. Englische Pfund für verschiedene Projekte im Bereich des Umweltschutz und der Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung bereitgestellt.Google Scholar
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    Selbstverständlich kann man Phänomene wie die Verschärfung von Ungleichheiten und die Umweltproblematik nicht von sich globalisierenden Marktdynamiken loslösen, aber ausführlichere Forschung wäre wünschenswert zu der Frage, was Unternehmen trotz ihres schlechten Rufs Positives für ein globales Allgemeinwohl beitragen können, z. B. zur internationalen Diffusion von demokratischen Ideen oder von Bildungsstandards. Auch in der Wahrnehmung der NGOs selbst, die für viele ihrer Ziele auf kooperative Bedingungen angewiesen sind, sollten Unternehmen nicht nur Zielscheibe der Kritik, sondern auch potentielle Kooperationspartner sein.Google Scholar
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    vgl. hierzu Kapitel 3.5. zur Informationsaufbereitung durch NGOs und Kapitel 3.1. zur Ressourcensicherung.Google Scholar
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    Greenpeace Niederlande z. B. konnte im Zusammenhang mit der Brent Spar-Kampagne 1995 über 22.000 neue Mitglieder rekrutieren, in Deutschland waren es 3000 Mitglieder und zusätzliche 3 Millionen DM, und das „...in einer Zeit allgemeiner Stagnation auf dem Non-Profitsektor“ (Fußnote 2 in Lahusen 2000: 193).Google Scholar
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    Damit begibt man sich sozusagen „vom Regen in die Traufe“, weil der Begriff der Zivilgesellschaft ebenso schillernd ist wie das Kürzel „NGO“ und oft genauso uneindeutig benutzt wird. Spätestens nach der begrifflichen Renaissance und der inflationären Verwendung des Begriffs der „Zivilgesellschaft“, vor allem im Zusammenhang mit osteuropäischen Ländern no nach dem Zerfall der Sowjetunion, ist die Unscharfe um die Definition des Begriffes komplett. Auf eine begriffliche Diskussion soll hier verzichtet werden, Zivilgesellschaft soll hier lediglich als Oberbegriff für organisierte gesellschaftliche Gruppen in Abgrenzung zum Marktsektor und zum Staatssektor verwendet werden.Google Scholar
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    Eine weitere Möglichkeit zur Konflikteindämmung zwischen NGOs ist das Setzen von externen Anreizen, wie z. B. die Förderung von Koalitionsbildung durch Geldgeber wie Staaten und IGOs. Allerdings sind die damit verbundenen Verluste durch Einigung auf den „kleinsten gemeinsamen Interessen-Nenner“ nicht unerheblich (vgl Kapitel 3.4.).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Janina Curbach

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