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Schlußbetrachtung

  • Martin Jurga
Chapter
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Part of the Studien zur Kommunikationswissenschaft book series (SZK, volume 41)

Zusammenfassung

Die Analyse der Lindenstraße hat gezeigt, daß es sich bei ihr um eine Variante der Textsorte Seifenoper handelt, die dem dispersen Publikum die Möglichkeit bietet, verschiedene Lesarten zu entwickeln. Es handelt sich bei der Lindenstraße um keinen geschlossenen Text. Sie hat eine diskontinuierliche Handlungsstruktur, die durch das Nebeneinander mehrerer Handlungsstränge geprägt ist. Das Nacheinander von Szenen aus verschiedenen Handlungssträngen läßt Leerstellen (syntagmatische Lücken) im Text entstehen, die die Zuschauer zu einem produktiven, selbstbestimmten Auffüllen der textuellen Leerstellen einladen. Unterstützt durch unbeantwortete Fragen am Szenenende öffnen die ‚Minicliffs‘ mit den Nah- und Großeinstellungen der Gesichter der Figuren innerhalb einer Serienfolge (intraepisonal) den Text, wecken Neugier auf den weiteren Handlungsverlauf und laden die Zuschauer ein, die Handlung imaginativ weiterzuführen und die offenen Fragen selbständig zu beantworten. Was die ‚Minicliffs‘ innerhalb einer Folge leisten, bewirkt der ‚Cliffhanger‘ am Ende einer Folge zwischen den einzelnen Folgen (interepisonal). Bei ihm ist der Neugier weckende und handlungsantizipierende Effekt aber größer, da die zeitliche Spanne zwischen den einzelnen Folgen wesentlich ausgedehnter ist als zwischen den Szenen eines Handlungsstranges. Er wird außerdem durch die dramatisierende Lindenstraßen-Melodie unterstützt, so daß hier Sprach-, Bild- und Tonebene ineinandergreifen und den Spannungseffekt erhöhen. Die häufigen Nah- und Großeinstellungen bewirken, daß die Zuschauer in assoziativen Gedankenprozessen dem Dargestellten Bedeutungen geben. Sie versuchen in den Gesichtern der Figuren zu lesen, was sie bewegt, was sie denken und was sie fühlen. Dabei haben die Zuschauer eine aktive Rolle im Sinnbildungsprozeß und geben dem Text Bedeutungen, die sich mit ihrem sozialen Hintergrund decken.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Martin Jurga

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