Advertisement

Historische Veränderungen der Programmkonzeptionen und Programmdiskussion um das bundesdeutsche Fernsehen. Ein Überblick

  • Joan Kristin Bleicher

Zusammenfassung

Als Zuschauer werden wir täglich mit der Angebotsfläche des Mediums Fernsehen, seinem Programm, konfrontiert. Die Intentionen der Kommunikatoren, die das Programm verantworten, werden auf dieser Angebotsfläche nicht erkennbar. Auch Faktoren aus dem Bereich der Produktion, die das Endprodukt Programm beeinflussen, bleiben verborgen.2 In der Abfolge des massenmedialen Kommunikationsprozesses: Kommunikator — Codierung — Botschaft — Rezipient — Decodierung, kommt dem Kommunikator eine Schlüsselrolle zu, die in der bisherigen Fernsehforschung im Vergleich zur rezipientenorientierten Wirkungsforschung nur wenig Berücksichtigung fand. Dennoch basiert das Erscheinungsbild des Fernsehens auf Konzeptionen und Zielvorgaben der Programmverantwortlichen. Von diesen konzeptionellen Leitlinien, denen die Programmproduktion unterliegt, ist der breiten Öffentlichkeit, die das Zielpublikum des Mediums bildet, kaum etwas bekannt. Auf den Mainzer Tagen der Fernsehkritik 1992 wies Wolfgang Langenbucher auf die große wissenschaftliche Bedeutung der Programmkonzeptionen hin: „Ich behaupte, daß es in den Veröffentlichungen und öffentlichen Äußerungen der früheren Intendanten und anderer Spitzenleute Goldadern der Rundfunktheorie gibt. Zusammen mit der Rückschau auf epochale Programme3 ließe sich so auch aus der Re-Interpretation alter Tugenden Planungswissen für die Zukunft gewinnen.“4

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2.
    Auch über die Organisation der Sendeanstalten und Produktionsabläufe erhält der Zuschauer vergleichsweise wenig an Informationen.Google Scholar
  2. 3.
    Dieser Rückschau ist die von mir zusammengestellte Chronik zur Programmgeschichte des Deutschen Fernsehens. Berlin 1993 gewidmet.Google Scholar
  3. 4.
    Wolfgang R. Langenbucher: Kritik am Markt. Was kosten Qualität und Quote? In: Peter Christian Hall, Joachim Haubrich (Hrsg.): Kritik am Markt. Was kosten Qualität und Quote. Mainz 1993. S.41.Google Scholar
  4. 5.
    Kommentare zu den Fernsehurteilen des Bundesverfassungsgerichts wurden nur dann aufgenom men, wenn sie Bezüge zur Programmgestaltung enthielten.Google Scholar
  5. 6.
    Die Konzeptionen der Programmverantwortlichen der verschiedenen Dritten Programme sind enthalten in: Dieter Ross (Hrsg.): Die Dritten Programme. Dokumentation und Analyse. München 1967.Google Scholar
  6. 7.
    Aus manchen Publikationen wird mehrfach in unterschiedlichen Zusammenhängen zitiert.Google Scholar
  7. 8.
    Entnommen einer in den Fernseh-Informationen Nr.5 im März 1985 enthaltenen Kopie aus den Presse-Mitteilungen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Hervorhebungen sind im Originaltext enthalten.Google Scholar
  8. 9.
    Siehe dazu: Mitteilungen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft mbH Berlin Nr. 460 vom 30.3.1935.Google Scholar
  9. 10.
    Äußerungen des NS-Fernsehintendanten Nierentz zeugen von Parallelen des Programmautbaus zur Programmstruktur des Versuchsprogramms des Nachkriegsfernsehens.Google Scholar
  10. 11.
    Hinsichtlich genauer Informationen zur Neuordnung der Medienlandschaft in der Nachkriegszeit und zur historischen Entwicklung der Organisation der Fernsehanstalten siehe: Joan Kristin Bleicher: Institutionsgeschichte des Bundesrepublikanischen Fernsehens. In: Knut Hickethier (Hrsg.): Institution, Technik und Programm. Rahmenaspekte der Programmgeschichte des Fernsehens. Band 1 von: Helmut Kreuzer; Christian W. Thomsen (Hrsg.): Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland. München 1993. S.67-I35.Google Scholar
  11. 12.
    Publikationen von Kritikern wurden daher in diesem Zeitraum verstärkt berücksichtigt. Für die Zeit nach 1950 wurden Texte von Kritikern dann aufgenommen, wenn sie auf besondere Tendenzen der Programmentwicklung hinwiesen.Google Scholar
  12. 13.
    Gerhard Eckert: Programmgestaltung des Fernsehens. In: Rufer und Hörer Jg. 7 1953 H. 6. S.356f.Google Scholar
  13. 14.
    Kurt Wagenführ: Die Zeit drängt - Man muß sie nützen! In: Fernsehen 1. Jg./1953. H. 2. S.69.Google Scholar
  14. 15.
    Vor einem zu hohen Anteil an Wiederholungen hatte Kurt Wagenführ bereits in Kritiken zur Zeit des NS-Fernsehens gewarnt.Google Scholar
  15. 16.
    Dieses Modell wird in den achtziger Jahren zunächst von 3sat zum Beispiel mit einem Programmtag zum Thema “Wetter” aufgegriffen, in den neunziger Jahren sind “Themenabende” charakteristisch für die Programmstruktur von ARTE.Google Scholar
  16. 17.
    Heinz Schwitzke: Das Fernsehen ist da - was nun? Aufsätze zu einer dramaturgischen Besinnung. In: epd Kirche und Rundfunk 1952 Nr. 26. S.2.Google Scholar
  17. 18.
    Doch der Trend zum Programmwachstum war bereits in den frühen Jahren erkennbar.Google Scholar
  18. 19.
    Heinz Schwitzke: Das Fernsehen ist da - was nun? Ansätze zu einer dramaturgischen Besinnung. In: epd Kirche und Rundfunk 1952 Nr. 26. S.2.Google Scholar
  19. 20.
    Gerhard Eckert: Die Kunst des Fernsehens. Emsdetten 1953. S.92.Google Scholar
  20. 21.
    ebenda S.93.Google Scholar
  21. 22.
    Zur Vielfalt der Programmformen in den fünfziger Jahren vergleiche auch: Joan Kristin Bleicher: Programmformen des Fernsehens der fünfziger Jahre. In: Knut Hickethier (Hrsg.): Der Zauberspiegel - Das Fenster zur Welt. Untersuchungen zum Fernsehprogramm der fünfziger Jahre. Arbeitshefte Bildschirmmedien 14. Siegen 1990. S.33–46.Google Scholar
  22. 23.
    Gemeint ist die technische Verbindung zwischen den föderalen Sendeanstalten.Google Scholar
  23. 24.
    Verschlossene Tore aufgestoßen. Ansprachen zur Inbetriebnahme der Fernsehbrücke am 1.Januar. In: Die Ansage 1952 Nr. 105. S.6.Google Scholar
  24. 25.
    Clemens Münster: Das Fernsehprogramm. In: Fernseh-Informationen Jg.13 Nr. 33 1962 S.688f.Google Scholar
  25. 26.
    Werner Pleister: Fernsehen heißt: ins Innere sehen. In: epd Kirche und Rundfunk 1951 Nr. 24. S.3f.Google Scholar
  26. 27.
  27. 28.
    Emil Dovifat betonte 1950 die selbständigen Wesensgesetze des Mediums.Google Scholar
  28. 29.
    Heinz Schwitzke: Drei Grundthesen zum Fernsehen. In: Rundfunk und Fernsehen Jg.l. 1953 o.S. 30 Henry B. Cassirer: Die Struktur des Fernsehens. In: Rundfunk und Fernsehen Jg.2 1954 H.3–4 S.44.Google Scholar
  29. 31.
    Hans Gottschalk: Grundsätzliche Überlegungen zum Fernsehspiel. In: Rundfunk und Fernsehen Jg. 4 1956 H.2 S.127.Google Scholar
  30. 32.
    Vergleiche hierzu die empirischen Erhebungen der Programmanteile in: Knut Hickethier (Hrsg.): Der Zauberspiegel - Das Fenster zur Welt. Untersuchungen zum Fernsehprogramm der fünfziger Jahre. Arbeitshefte Bildschirmmedien 14. Siegen 1990.Google Scholar
  31. 33.
    Gerhard Eckert: Die Kunst des Fernsehens. Emsdetten 1953 S.7.Google Scholar
  32. 34.
    Gerhard Maletzke: Irrtümer in der Fernsehproduktion. In: Rundfunk und Fernsehen 1/1956.Google Scholar
  33. 35.
    Gerhard Beyer: Zuviel Angst vor dem Argernis. Deutsches Fernsehen: politisch lau und meinungslos. In: Fernsehen Jg. 5 1957 H. 12. S.604f.Google Scholar
  34. 36.
    Franz Stadelmayer: Die Gestaltung des deutschen Fernsehprogramms. Zweites, möglicherweise auch drittes Fernsehprogramm. In: Fernseh-Informationen Jg. 10 1959 H. 33. S.725.Google Scholar
  35. 37.
    Zitiert nach: Joan Kristin Bleicher: Chronik zur Programmgeschichte des deutschen Fernsehens. Berlin 1993. S.57.Google Scholar
  36. 38.
    Vergleiche hierzu: Knut Hickethier (Hrsg.): Der Zauberspiegel - Das Fenster zur Welt. Untersuchungen zum Fernsehprogramm der fünfziger Jahre. Arbeitshefte Bildschirmmedien 14. Siegen 1990.Google Scholar
  37. 39.
    Vergleiche: Joan Kristin Bleicher: Chronik zur Programmgeschichte des deutschen Fernsehens. Berlin 1993. S.50f.Google Scholar
  38. 40.
    Franz Stadelmayer: Die Bestrebungen zur Neuordnung des Rundfunks. Der Rundfunk muß unabhängig bleiben. In: Fernseh-Informationen Jg. 9 1958 H. 28. S.583.Google Scholar
  39. 41.
    Angesichts der andauernden und von der CDU forcierten Diskussion um ein Regierungsfernsehen als zweites alternatives Fernsehprogramm zum bestehenden Gemeinschaftsprogramm der ARD-Rundfunkanstalten beantragte die ARD 1957 zusätzliche Frequenzen im UHF-Bereich für die Ausstrahlung eines zweiten Fernsehprogramms. Die Bundespost lehnte den Antrag mit dem Hinweis auf die noch offene Regierungsplanung ab.Google Scholar
  40. 42.
    Die Bundesregierung und die Schaffung eines zweiten Fernsehsystems. Interessante Erörterungen im Bundeskabinett. Auf dem Wege zu einer Bundes-Rundfunk-und Fernsehanstalt. In: FernsehInformationen Jg. 9. 1958 H. 22. S.484.Google Scholar
  41. 43.
    Sein Künstlername als Entertainer und Bühnenmagier lautete Kalanag.Google Scholar
  42. 44.
    Es gibt kein Staats-Fernsehen in der Bundesrepublik! Der Urteilsspruch von Karlsruhe. Wann kommt nun das zweite Fernsehprogramm? In: Fernseh-Informationen Jg. 12 1961 H. 6. S.4.Google Scholar
  43. 45.
    Gerhard Eckert: Kontrastprogramm im Fernsehen. Ein Schlagwort. In: Fernseh-Rundschau 1960.Google Scholar
  44. 46.
    Hans Bausch: Die Eröffnung des Zweiten Fernsehprogramms in der Bundesrepublik. Es ist den Rundfunkanstalten nicht leicht geworden… In: Fernseh-Informationen Jg. 12. 1961 H. 16. S.349.Google Scholar
  45. 47.
    Karl Veit Riedel: Strukturprobleme des Fernsehprogramms. In: Rundfunk und Fernsehen Jg. 12. (1964) H.23. S. l 31 ff.Google Scholar
  46. 48.
    Die Konzeptionen der Programmverantwortlichen der verschiedenen Dritten Programme sind in dem Band “Die Dritten Programme. Dokumentation und Analyse” von Dieter Ross enthalten, der 1967 erschienen ist.Google Scholar
  47. 49.
    Die ARD erhöhte den Anteil ihrer Nachrichtensendungen und versuchte der Konkurrenz mit dem ZDF auch durch eine verbesserte Auslandsberichterstattung zu begegnen.Google Scholar
  48. 50.
    Karl Holzamer: Fernsehen - Unterhaltungs-und Nachrichtenmagazin? In: Archiv-Dienst Funk Fernsehen Film, Jg.12, Nr. 50, Hamburg 1963, S.336f.Google Scholar
  49. 51.
    ebenda, S.336.Google Scholar
  50. 52.
    Helmut Oehler: Kontrast - Anmerkungen zu einem Schlüsselbegriff. In: Funk-Korrespondenz 1974 Nr. 24. vom 12.6.1974 S.3.Google Scholar
  51. 53.
    Dieter Stolte: Fernsehen von Morgen - Analysen und Prognosen. In: Aktueller Fernsehdienst. Nr.4 1974 5.1.Google Scholar
  52. 54.
    Klaus von Bismarck: Die Haupttendenzen für die nächsten fünf Jahre In: Fernseh-Informationen, Jg.22, Nr.3. München 1972. S.51.Google Scholar
  53. 55.
    Andrea Brunnen: Die “Gründerjahre” des Fernsehens sind vorbei. Notwendige Anpassungsprobleme stehen jetzt im Vordergrund. In: Fernseh-Informationen 1970 H.28. S.662.Google Scholar
  54. 56.
    Dieter Stolte: Anmerkungen zu einer Programmkonzeption der Zukunft. In: ZDF-Jahrbuch 1970. Mainz 1971. S.67.Google Scholar
  55. 57.
    Hans Abich: Perspektiven im Rückblick. Zur Programmstrukturreform der ARD ab 1978. In: ARD-Jahrbuch 1978 S.84f.Google Scholar
  56. 58.
    Alois Schardt: Programmauftrag und kulturelle Identität. In: ZDF-Jahrbuch 1984.Google Scholar
  57. 59.
    Vergleiche hierzu: Joan Kristin Bleicher: Institutionsgeschichte des Bundesrepublikanischen Fernsehens. In: Knut Hickethier (Hrsg.): Institution, Technik und Programm. Rahmenaspekte der Programmgeschichte des Fernsehens. Band I von: Helmut Kreuzer; Christian W. Thomsen (Hrsg.): Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland. München 1993. S.106ff.Google Scholar
  58. 60.
    Manfred Jenke: Mehr Programme bringen nicht mehr Information. In: Frankfurter Rundschau 1981 Nr. 1. S.l 1.Google Scholar
  59. 61.
    Alois Schardt: Trivialität im Fernsehen - Versuch einer Einordnung. In: ZDF-Jahrbuch 1985 S.51ff.Google Scholar
  60. 62.
    Dieter Stolte: Programme nicht nur vervielfachen, sondern das Angebot verbessern. In: Frankfurter Rundschau 1980 Nr. 264. S.14.Google Scholar
  61. 63.
    Günter Rohrbach: Die Fernsehzukunft wird vor allem teuer. Plädoyer für die kritische Solidarität einer aufgeklärten Öffentlichkeit mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. In: Die Zeit 1982. Nr. 14. S.37.Google Scholar
  62. 64.
    Norbert Schneider: Brandstifter beim Feuerwehrball. Eine kritische Bilanz der Rundfunkentwicklung. In: epd Kirche und Rundfunk 1981 Nr.62 S.4.Google Scholar
  63. 65.
    Zur allgemeinen Programmentwicklung in den achtziger Jahren vergleiche auch: Joan Bleicher; Rolf Großmann; Gerd Hallenberger; Helmut Schanze: Deutsches Fernsehen im Wandel. Perspektiven 1985–1992. Siegen 1993.Google Scholar
  64. 67.
    Vertreter der öffentlich-rechtlichen Programme betonen neben der Erfüllung gesetzlich festgelegter gesellschaftlicher Aufgaben den Charakter des Kulturguts mit der Funktion des Public Service. Dem steht die Marktorientierung der kommerziellen Anbieter gegenüber, die dem Programmangebot einen Warencharakter zukommen läßt. Die positiv besetzte Werteorientierung der öffentlich-rechtlichen wird der Kommerzorientierung der kommerziellen Anbieter entgegengesetzt.Google Scholar
  65. 68.
    Bei den privaten Anbietern gehören vor allem die täglich ausgestrahlten Mischformen Game Show/Werbung zu den Einschaltquotenlieferanten.Google Scholar
  66. 69.
    Vergleiche hierzu: Joan Kristin Bleicher: Fernsehen über Fernsehen. Formen und Funktionen selbstreferentieller Sendungen im Unterhaltungsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in den achtziger Jahren. In: Wolfgang Hoffmann-Riem, Louis Bosshart (Hrsg.): Mediennutz und Medienlust. Unterhaltung im Fernsehen. München 1994. Joan Kristin Bleicher: VOX: Ereignisfernsehen ohne Ereignisse. In: Medien und Erziehung 3/1993.Google Scholar
  67. 70.
    Helmut Thoma: Tarzan, Thriller, tolle Tanten. RTL-plus, das erfrischend andere Fernsehen. In: Dennhardtl Hartmann (Hrsg.). Schöne neue Fernsehwelt. Utopien der Macher. Kindler Verlag GmbH, München 1984, S. 226f.Google Scholar
  68. 71.
  69. 72.
    ebenda. Diese Behauptung ist nicht ganz richtig. So befaßte sich beispielsweise Rainer Erlers Mehrteiler “Das blaue Palais” (ZDF) in den siebziger Jahren ausschließlich mit Phänomenen der Parapsychologie.Google Scholar
  70. 73.
    Georg Kotler. PRO 7: “Marktchancen Ihr private Fernseh-Vollprogramme in der Bundesrepublik Deutschland der 90er Jahre” (1989)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Joan Kristin Bleicher

There are no affiliations available

Personalised recommendations