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Fremdenfeindlichkeit: Hintergründe und Präzisierungen

  • Josef Berghold
Chapter

Zusammenfassung

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung unter dem Titel ‚Zur Genese von Feindbildern‘, die ich seit 1995 in unregelmäßigen Abständen an der Universität Klagenfurt abgehalten hatte, regte ich die Teilnehmenden in den Sommersemestern 1999 und 2000 dazu an, die ihnen in den Sinn kommenden und bedeutsam erscheinenden Feindbilder bzw. Vorurteile (natürlich unabhängig davon, ob sie diese selbst teilten oder nicht) aufzulisten und eventuell auch inhaltlich zu beschreiben. Aus den insgesamt 85 schriftlichen Rückmeldungen ergab sich ein ziemlich dichtes und detailreiches Panorama von ablehnenden, diskriminierenden oder dämonisierenden Wahrnehmungen und Einstellungen, das die Auseinandersetzung mit dem Thema wesentlich stimulierte und bereicherte.

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Literatur

  1. 1.
    er bringt uns dazu,,uns` als Teil der Europäischen Gemeinschaft zu empfinden (bis vor Kurzem war uns die Annahme dieser Zugehörigkeit noch gänzlich fernstehend gewesen — auf jeden Fall aber handelt es sich dabei um die am meisten ersehnte Zugehörigkeit); und er signalisiert, dass die anderen ihrerseits durch das,Extra-’,das Außerhalb-Sein miteinander verbunden sind. Aber eben auch zu einer Art Gemeinschaft zusammengefaßt: Afrikaner, Siidamerikaner und Asiaten (aber wo bleiben dabei eigentlich die Schweizer, die Skandinavier, die Kanadier oder die US-Amerikaner?). Es geht also um eine Welt, die draußen ist; um eine Welt, die aber auch homogen und daher von riesiger Ausdehnung zu sein scheint. Da gibt es keinen Bezug zu konkreten Herkunftsländern — sie werden nur im Hinblick auf jenes Europa definiert, dem sie nicht angehören; sie sind eben all jene, die um Europa herum existieren. Darin ist implizit auch die Begleitvorstellung der herannahenden Bedrohung und der möglichen Invasion enthalten: Der Bezugspunkt unseres Denkens ist also die Festung Europa.“Google Scholar
  2. 2.
    Dass dieser Spezialfall unter Umstünden sogar ganz wegfallen kann, wurde von Norbert Elias und John Scotson in einer klassischen Untersuchung über eine englische Vorortgemeinde um 1960 eindrucksvoll belegt. Die dort lebende große Randgruppe, die von der etablierten Bevölkerung mit lückenloser Konsequenz ausgeschlossen und zurückgesetzt wurde, unterschied sich von dieser weder durch Nationalität, Sprache oder Religionszugehörigkeit, noch durch soziale Klassenlage oder Berufstätigkeit, noch auch durch Lebensstil oder Moralvorstellungen in irgendwie signifikanter Weise. Der bloße Umstand, dass sie erst im Laufe der vorhergegangenen zwei Jahrzehnte zugezogen war, schien als Anlass bzw. Vorwand zur Diskriminierung vollkommen zu genügen. ( Elias/Scotson 1965 )Google Scholar
  3. 3.
    wir ihm mit derartigem Nachdruck zustimmen, dass es jeglicher rationalen Widerlegung trotzt“Google Scholar
  4. 4.
    die mit den Mitteln der Vernunft und der Erfahrung korrigiert werden können”Google Scholar
  5. 5.
    Als anschauliche Illustration für die starke Ablenkungswirkung des Wortes „Vorurteil“ kann ich das persönliche Beispiel anführen, dass ich sogar in einem Brief, den ich von einem scharfsinnigen Bekannten (einem erfahrenen Psychoanalytiker) erhalten hatte, einmal die Behauptung lesen konnte, dass „unsere Vor-Urteile auf Nicht-Wissen [beruhen]”… Trotz seiner irreführenden Tendenz scheint der Begriff „Vorurteil“ allerdings nicht leicht ersetzbar zu sein: Er ist im herkömmlichen Sprachgebrauch sehr stark verwurzelt und ruft trotz seines logisch falschen Wortsinns immerhin auch richtige Assoziationen und Vorstellungen hervor. Ein inhaltlich zutreffenderer Ersatz wäre nur sinnvoll, wenn er ähnlich gemeinverständlich wäre wie das Wort „Vorurteil”, d.h. das Verstehen nicht noch zusätzlich durch eine „fachchinesische“ Wortwahl behindern würde.Google Scholar
  6. 6.
    In vergleichbarer Weise wie für den Begriff des „Vorurteils“ dürfte aber auch für den Begriff des „Feindbilds” nicht ohne weiteres eine sinnvollere Alternative zu finden sein, da er ähnlich stark im allgemeinen Sprachgebrauch verankert ist und bei ihm auch in ähnlicher Weise — neben der formal in ihm angelegten Irreführung — auch zutreffende Bedeutungen (von paranoiden, entmenschlichenden und gewaltorientierten Einstellungen) anklingen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Josef Berghold

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