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Zur Analyse der Phantasien in den Medien: Neun Thesen zur Deutung unbewusster Triebkräfte in Politik und Gesellschaft

  • Josef Berghold

Zusammenfassung

Auf den ersten Blick muss es nicht unbedingt selbstverständlich erscheinen, in der von den Massenmedien vermittelten Phantasie- und Bilderwelt besonders viel tieferen Sinn und großartig verborgene Aussagen entdecken zu wollen. Könnte man nicht schlicht davon ausgehen, dass die Bilder bloß das aussagen, was sie halt gerade vordergründig darstellen? Und wenn sie denn schon indirekt auch noch etwas anderes darstellen oder symbolisieren mögen — dass dieses andere eigentlich relativ banal wäre, keine wirklich tiefere (oder gar schicksalsschwere) Wichtigkeit hätte? Was etwa unter der weitläufigen Rubrik „Unterhaltung“ läuft, mag in seinen unterschiedlichen Inszenierungen, bildlichen oder körpersprachlichen Inhalten so willkürlich-vielgestaltig und bunt-zufällig erscheinen, dass vielen Menschen irgendwelche tieferen Bedeutungen und Zusammenhänge, die da dahinter liegen sollen, von vornherein kaum glaubwürdig erscheinen werden.

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Literatur

  1. 13.
    Dieses Kapitel ist das Ergebnis mehrfacher Überarbeitungen, die ich auch in Zukunft noch weiter ausbauen und überdenken möchte. Den Kerntext, auf den es ursprünglich zurückgeht, bildete ein Grundriss von Notizen und Argumentationslinien, den ich für eine ausführliche Diskussion an der Akademie der Künste in Berlin vorbereitet hatte. Im Rahmen der,5. Europäischen Sommerakademie — Film und Medien’ hatte der Filmregisseur Peter Krieg dort am 30. Juni 1994 ein eintägiges Colloquium organisiert, das unter dem Titel,Zwischen den Zeilen — Mediale Körpersprache als Signale kollektiver Stimmungen’ vor allem die psychohistorische Methode der,fantasy analysis’ einem interessierten Publikum vorstellen sollte. Diese Veranstaltung, an der außer Krieg und mir auch die slowenische Psychohistorikerin Alenka Puhar teilnahm, führte übrigens im Feuilleton des Berliner,Tagesspiegel` zu einem intelligenten und nachdenklichen Kommentar (Mahrenholz 1994 ).Google Scholar
  2. 14.
    Vor allem die ersteren der folgenden Thesen bringen einige klassische psychoanalytische Erkenntnisse zum Ausdruck oder leiten sich in verschiedener Weise aus ihnen ab (wenngleich sich mein Verständnis und meine Schlussfolgerungen aus ihnen nicht immer mit Freuds klassischen Auffassungen decken bzw. teilweise in den Akzentsetzungen auch durchaus abweichen). Einige dieser Erkenntnisse dürften — wenigstens formal — fast allgemein bekannt und (im Prinzip) auch logisch recht einfach zu verstehen sein. Ich möchte sie trotzdem konkret benennen und ausformulieren, da es geradezu in ihrer Natur liegt, dass wir alle davor zurückscheuen, uns ihre Tragweite und Implikationen deutlich vor Augen zu halten.Google Scholar
  3. 15.
    als innerer Feind, der so absolut wie der Alptraum ist“Google Scholar
  4. 16.
    Ich kann nicht begreifen, wie es nur möglich ist, dass niemand weint. Sie sprechen über ihr Unglück, als ob es andere betreffen würde.“Google Scholar
  5. 17.
    Winnicotts Begriffswahl läuft allerdings auf einen inneren Widerspruch hinaus: Seinem Wesen nach ist traumatisches Erleben grundsätzlich unvereinbar mit einer Qualifizierung als Geringfügigkeit (bzw. als „Mini-“Angelegenheit).Google Scholar
  6. 18.
    Während autoritäre Moralität mit Schuldgefühlen droht, die sich letztlich aus frühkindlichen Ängsten vor Liebesverlust herleiten, baut eine humanistische Moral grundsätzlich nicht auf Angst vor Schuld, sondern auf dem Bedürfnis nach Verantwortung auf (zur Unterscheidung von humanistischer und autoritärer Ethik vgl. Fromm 1947: 21ff.).Google Scholar
  7. 19.
    Zu dem hier dargestellten Verständnis der Konzeption des Wiederholungszwangs gelangte ich zwar, indem ich Freuds klassische Argumentation in seiner Studie,Jenseits des Lustprinzips’ (Freud 1920 ) zum Ausgangspunkt nahm. Allerdings entspricht es nicht der von Freud dort entwickelten Gesamtformulierung der Logik des Wiederholungszwangs, sondern eher einer konsequenteren Elaborierung der mich darin überzeugenden Erklärungsansätze. Nach meiner Vermutung könnte Freud eine in die hier skizzierte Richtung gehende Weiterverfolgung seiner eigenen Erklärungsansätze vermieden haben, weil sich daraus ergeben hätte, dass eigentlich kein zwingender Grund besteht, die Motivationen des Wiederholungszwangs zum Teil,jenseits des Lustprinzips“ anzusiedeln (was die Argumentation zugunsten seiner in dieser Arbeit erstmals aufgestellten Todestriebhypothese erheblich geschwächt hätte). Weder die Tendenz zur Überwindung der inneren Spaltung noch ihr Scheitern scheinen mir irgendeinen Widerspruch zum Lustprinzip nahezulegen: Zweifellos brächte die Überbrückung des Abgrunds innerer Angst, der durch früheres traumatisches Erleben zustandegekommen ist, einen überaus starken Lustgewinn; während andererseits auch das Verfehlen dieses Ziels durch das (ebenso dem Lustprinzip entsprechenden) Motiv der Vermeidung zu direkter (zu bewusster) — und damit zu große Angst auslösender — Konfrontation mit diesem inneren Abgrund sehr verständlich erscheint.Google Scholar
  8. 20.
    Die bisher wohl am breitesten angelegte und konsequenteste Untersuchung historischer Evolutionslinien von typischen kindlichen Lebensbedingungen wurde von deMause initiiert (deMause 1974; 1988; 1991b; 1999: 658ff.; Nyssen/Janus 1997).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Josef Berghold

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