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Von woher ich zu meinem „Wozu“ kam

  • Josef Berghold

Zusammenfassung

Einen Anknüpfungspunkt, der sich ziemlich umstandslos anbietet, um der Entstehungsgeschichte meiner wissenschaftlichen Interessen in meiner Jugend auf die Spur zu kommen, entnehme ich einer originellen Untersuchung über die soziale und psychische Bedeutung der Schule für den Schüler, die die Ethnopsychoanalytiker Mano Erdheim und Maya Nadig zwischen 1972 und 1975 an einem Züricher Gymnasium durchgeführt haben (Erdheim 1984: 335–358). Erdheim, der dort in dieser Zeit auch als Geschichtslehrer arbeitete, fiel bei seinen Schülerinnen und Schülern die deutliche Übereinstimmung auf, die zwischen den Einstellungen zum persönlichen Leben und zur allgemeinen Geschichte herrschte. Er unterteilte sie im Hinblick auf diese grundsätzlichen Orientierungen in vier große Gruppen:
  1. 1.

    Diejenigen, „die von mir nur Daten und Namen zu lernen wünschten“, hatten zu ihren persönlichen Lebensperspektiven eine „‚positivistische‘ Haltung: die eigene Geschichte bestand aus Stationen, Prüfungen, die man ablegt, Schulen, die man besucht hatte etc. Sie erschien als ein Ergebnis von Rollenzuweisungen, und die affektive Dimension war ausgeklammert“;

     
  2. 2.

    für andere, „die nur Anekdoten über Herrscher und bedeutende Geister hören wollten“, bestand die eigene Lebensgeschichte „aus einer unverbundenen Ansammlung pointierter Geschichten, die das Individuum mit seiner Familie ebenso wie mit Gleichaltrigen verknüpfte“;

     
  3. 3.

    einer weiteren Gruppe dienten die Inhalte des Geschichtsunterrichts dazu, „die Werte der Eltern zu relativieren (‚In Ägypten war ja alles ganz anders und folglich muss es auch hier nicht so sein, wie es ist‘)“, was sich ihrem persönlichen Leben gegenüber in einer „spekulativen Haltung“ niederschlug: „die Lebensgeschichte war auf die Zukunft bezogen, in der das, was ‚heute‘ nur Ideal war, Wirklichkeit werden würde. Die Ideale konnten wechseln, aber sie wurden immer dazu verwendet, die augenblickliche Situation zu erklären“;

     
  4. 4.

    eine letzte Gruppe verhielt sich der Geschichte gegenüber „vollständig indifferent“: „Ihr war es gleichgültig, was sie lernte, Hauptsache war eine genügende Note“ — und gleichermaßen erschien ihr auch die persönliche Geschichte bedeutungslos: „Sie konnte keine Identität vermitteln, weil sie als unstimmig und brüchig erfahren wurde.“ (Ebenda: 339)

     

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Josef Berghold

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