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Bildungsaufstieg — Ethnizität — Raum: Konzeptualisierung der empirischen Untersuchung

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Zusammenfassung

Die Aufgabe dieses Kapitels besteht in der Formulierung eines geeigneten Rahmens für die empirische Untersuchung, die am Beispiel von Studenten und Studentinnen aus der zweiten türkischen Migrantengeneration nach der Bedeutung von Ethnizität und Raum im Bildungsaufstiegsprozeß fragt. Auf die gängigen theoretischen Angebote der Migrationsforschung kann dabei nicht zurückgegriffen werden, da sie die verfolgte Fragestellung nicht oder nur unter problematischen Annahmen und in einer unangemessen einschränkenden Weise zu behandeln erlauben. Auch die vorliegenden empirischen Arbeiten helfen wenig, da mit der aufstiegsorientierten Untersuchung von Ethnizität und Raum, deren Thematisierung bisher fast ausschließlich problemorientierten Fragestellungen vorbehalten schien, zugleich inhaltliches Neuland betreten wird.

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Literatur

  1. 88.
    Vgl. Beck 1986; Halfmann 1996, 59ff.; Kohli 1985.Google Scholar
  2. 89.
    Vgl. auch: Berger 1998, 578; Bommes 1997, 281ff.; Boos-Niinning 1994; Seifert 1995, 142ff.; Thränhardt/Dieregsweiler/Santel 1994, 170fíGoogle Scholar
  3. 90.
    Vgl. z.B. die Beiträge in dem Sammelband „Alte Ungleichheiten — Neue Spaltungen“ von Berger/Vester 1998.Google Scholar
  4. 91.
    Nachdem der Anteil der Migrantenjugendlichen, die sich in Ausbildungsverhältnissen befinden, seit Mitte der 1980er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre angestiegen war (vgl. Boos-Nünning 1996, Thranhardt 1998), sind seitdem im Zusammenhang mit der gestiegenen Arbeitslosigkeit und hohen aktuellen Zuwanderungszahlen die Chancen der Kinder der Arbeitsmigranten auf dem Ausbildungsstellenmarkt, insbesondere der Türken, wieder gesunken (vgl. Bommes 1999, 211 ).Google Scholar
  5. 92.
    Daß die interessierenden Bildungsaufstiegskarrieren in Abgrenzung von der Mehrheit der Kinder der Migranten und ihrer Eltern als Erfolg und die das höhere Bildungssystem erfolgreich durchlaufenden Migranten der zweiten Generation als Migrationsgewinner bezeichnet wurden, bedeutet natürlich nicht, daß die sozialen Aufsteiger keine Probleme haben. Um die Problemkonstellationen, mit denen sie (möglicherweise) konfrontiert sind, adäquat charakterisieren zu können, müssen ihre Lebensverhältnisse allerdings vor dem Hintergrund der Strukturbedingungen eines Bildungsaufstiegs und einer höheren Bildungskarriere in der modernen Gesellschaft betrachtet werden.Google Scholar
  6. 93.
    Nassehi zeigt am Beispiel der Arbeiten von Heitmeyer, der das sog. DesintegrationsTheorem vertritt (vgl. z.B. Heitmeyer 1994), daß von Desintegration zumeist im Kontext von Verlusten und generellen Auflösungsprozessen gesprochen wird, die aber eben typisch für die moderne Gesellschaft und die sich mit der Moderne entwickelnde Freisetzung aus stabilen familialen, milieugestützten, politischen und kulturellen Zusammenhängen sind (vgl. Nassehi 1997 ).Google Scholar
  7. 95.
    Luckmann und Berger gehen bei ihrer Untersuchung sozialer Mobilität auch speziell auf die potentiellen psychischen Kosten und die daraus resultierenden Identitätsprobleme von Aufsteigern ein. Sie zitieren in dem Zusammenhang Studien, die die kausalen Beziehungen zwischen sozialer Mobilität, Statusinkonsistenz, Statusunsicherheit und Psychopathie, psycho-physischen Streßfaktoren, Selbstmord etc. nachweisen (vgl. Luckmann/Berger 1980, 148 ).Google Scholar
  8. 96.
    Wenn der Schriftsteller Zaimoglu wenig erfolgreiche türkische Jugendliche vom „Rande der Gesellschaft“ sprechen läßt, lautet der gängige neidvolle und distanzierende Vorwurf an die Adresse der erfolgreichen Bildungsaufsteiger: „Strebertürken” (vgl. Zaimoglu 1995).Google Scholar
  9. 97.
    Tatsächlich sind die wenigsten der von mir untersuchten türkischen Bildungsaufsteiger (direkt) nach Abschluß der Schule von ihren Eltern weggezogen, um in einer anderen Stadt zu studieren. Die Mehrheit nahm ein Studium an einer der Universitäten Dortmund, Essen, Duisburg oder Münster auf.Google Scholar
  10. 98.
    Sennett und Copp (1972) haben gezeigt, daß die Aufstiegserfahrung der Unausweichlichkeit diskriminierender und kollektivierender Zuschreibungen sowie die damit verbundenen Gefühle des Ausschlusses, der Kränkung oder der Unterlegenheit der Herkunftsgruppe tief sitzende Verletzungen verursachen können.Google Scholar
  11. 99.
    Für weitere Erläuterungen zu diesem formalen Ethnizitätsverständnisses und weitere, hier nicht noch einmal zu wiederholende, Literaturverweise siehe Kap. B. II. I.Google Scholar
  12. 100.
    Vgl. Bommes 1996a u. Schiffauer 1999.Google Scholar
  13. 101.
    Vgl. exemplarisch: Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 1998, 10f.Google Scholar
  14. 103.
    Aus dieser Perspektive läßt sich dann etwa untersuchen, ob und wie die untersuchten sozialen Aufsteiger an den entsprechenden Handlungszusammenhängen in der Stadt teilnehmen oder sie wahrnehmen, ob sie sie ebenfalls — so wie viele der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurse — ethnisch und räumlich markieren und was ihnen diese Handlungsform nützt, usw.Google Scholar
  15. 104.
    Zum Beispiel kann die — nationalstaatlich vermittelte — Raumabstraktion Türkei, aber auch das Territorium des Stadtviertels oder der Ort eines Vereins, als (kommunikativer) Bezugspunkt thr die Konstruktion einer ethnisch markierten kollektiven Identität bzw. eines Volkes dienen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  1. 1.Frankfurt am MainDeutschland

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