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Integriertes sonderpädagogisches Bachelor- und Masterstudium an der Universität Bielefeld

Strukturverschlechterung statt Qualitätsverbesserung?
  • Dagmar Hänsel
Part of the Jahrbuch Grundschulforschung book series (JBG, volume 8)

Zusammenfassung

Der Titel meines Beitrags spielt auf einen Aufruf an, den eine Gruppe von Erziehungswissenschaftlern und Fachdidaktikern im Juli 2001 verschickt hat. Die Initiatoren warnen in ihrem Aufruf vor den Folgen einer Strukturveränderung des Lehramtsstudiums und seiner Eingliederung in Bachelor- und Masterstudiengänge. Im Rückgriff auf eine an der Universität Paderborn verfasste Stellungnahme legen sie dar, warum die „radikale Umwälzung“, die „bewährte, pädagogisch abgesicherte Prinzipien“ über den Haufen wirft, eine Verschlechterung der Lehrerbildung zur Folge haben wird (Bender/Brügelmann u. a. 2001, S. 1). Der Aufruf mündet in die Aufforderung, sich nicht auf „fragwürdige äußere Strukturreformen, sondern auf eine schrittweise Verbesserung des Alltags“ zu konzentrieren, d. h. die bestehende Struktur des nach Lehrämtern gegliederten Studiums zu erhalten (ebd., S. 2). Strukturreformen werden in diesem Aufruf mit Qualitätsverschlechterungen gleich gesetzt und Qualitätsverbesserungen an den Erhalt bestehender Strukturen gebunden. Andere Kritiker prophezeien, dass die deutsche Universität ihre „Seele“ verlieren wird, wenn sie sich auf Bachelor-und Masterstudiengänge einlässt, und dass der Verzicht auf Evolution zu Gunsten von Revolution zu „hoch riskanten Strukturbrüchen“ und zu einem Wandel führen wird, der „brüllend modern daherkommt“, sich am Ende jedoch „regelmäßig als Verkleinerung, Niveausenkung und Rückbau“ manifestiert (vgl. Mittelstraß 2003, S. 7; Terhart 2001, S. 557f.).

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Dagmar Hänsel

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