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Bauschan auf dem Traualtar

Bemerkungen zu einer Szene in Fritz Reuters Roman Ut mine Stromtid
  • Hartwig Suhrbier
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Zusammenfassung

Wer wollte das bestreiten: Effektvoller könnte man ein retardierendes Moment kaum einpassen als Reuter dies tat bei der Schilderung von Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und der Hochzeitsfeier in Kapitel 41 der Stromtid. Verheiratet werden hier Mining und Rudolf; die Haus-Trauung im eigens neben dem Gutspächterhaus errichteten Festpavillon hat der Schwager und Pastor Gottlieb, unter Assistenz seiner Frau Lining, schon besorgt; das Hochzeitsessen war so reichlich wie vorzüglich, die Bowlen und der Champagner nicht minder, und just rüstet sich die Hochzeitsgesellschaft für den nächsten Höhepunkt der Feier — für das Tanzvergnügen. Da aber, ehe man die Tafel aufheben und die Tanzfläche freiräumen kann, zieht plötzlich Bauschan,1 Hofhund und alter ego des tranig-trägen Hausherrn Jochen Nüßler, die Aufmerksamkeit aller auf sich:

Ne, nu denkt juch mal blot, war so’n unverstännig Veih männigmal för klauke Infäll kriggt! — Bauschan! Jochen sin Bauschan! Uns’ oll Bauschan! satt mit einem Mal — en gräunen Kranz üm den Hals un einen üm den Start, wat Kutscher Krischan besorgt hadd — up den witten un gräunen Altor, de noch achter dat Brudpor stunn un wo Gottlieb un Lining de Tm besorgt hadden un kek mit sin ihrwürdiges Autokraten-Gesicht mang dat junge Eh’por dörch un lickte Mining mit sine Tung’ un slog Rudolfen mit den Start in’t Gesicht un lickte Rudolfen un slog Mining mit den Start. Un as hei dit dahn hadd, satt de oll Hund wedder ruhig up den Altor in vulle Ihrwürdigkeit dor un lach so ut, as wir hei mit dat Ganze sihr taufreden, äwer wull nu ok bet an’t En’n tau sinen Vergnäugen dor sitten bliwen. — Nu sprung Jochen up: ‚Bauschan, du schämst di woll nich? Willst du mal runne!‘ — Äwer dunn sprung Unkel Bräsig up un rep: ‚Jochen, so behandelst du in dieser feierlichen Stimmung deinen besten Freund?‘, un hei wend’te sick tau Gottlieb-Pastern un säd: ‚Herr Pastohr, lassen Sie Bauschanen! Wenn dieses Vieh hier auf dem christlichen Altar seine Liebe kund gibt, denn weiß dieses Vieh es, obschonst wir es nicht wissen. — Und Bauschan ist ein kluger Hund! Ich weiß es; denn als ich von oben in den Kirschbom der Liebe kund wurde, wurde er von unten derselben kund, indem daß er in der Laube unter der Bank lag. Herr Pastohr, dieser Bauschan ist gewissermaßen Trauzeuge, denn er ist dabei gewesen, als sie sich verlobt haben‘ (GWB V, 626/627; Reuter/Üs. Minssen, 569).

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Literatur

1. Texte

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2. Kritische Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Hartwig Suhrbier

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