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Elch und Bär auf dem Zwillingsgipfel

Raststätte oder Sie machens alle von Elfriede Jelinek
  • Margarete Sander

Zusammenfassung

In Die endlose Unschuldigkeit,2 einem 1970 erschienenen Essay, definiert Elfriede Jelinek sich als Mythenzerstörerin im Sinne von Roland Barthes. Der Mythos, so ihre These, postuliere Hierarchien und Machtstrukturen, perpetuiere und festige damit die Herrschaftsmechanismen des Kapitalismus. Das vom Bürgertum definierte autonome Subjekt hat es für Jelinek nie gegeben; der Mensch kann nicht individualistisch handeln, da es Identität im bürgerlichen Sinne, also auch Freiheit, nicht gebe. Jelinek will mit ihrem Schreiben Alltags- und Trivialmythen zerstören, die auf diesem tradierten Vorstellungsmuster aufbauen. Die Bilder, die der Mythos erschafft, um seine Welt der Illusionen zu bauen und zu erhalten, werden von ihr zerschlagen. Damit zerstört sie auch die hinter dem Mythos stehende Ideologie, eine Ideologie der ewigen Werte, des gültigen Gesetzes und des waltenden Schicksals, also des „Das-war-schon-immer-so“. Sie zeigt die diesen Werten impliziten Machtinteressen und -strukturen auf und politisiert damit die Begriffe. Ein zentraler Mythos für Jelinek ist der Mythos Natur, zu dessen Typologie Begriffe wie Reinheit, Echtheit, Ursprünglichkeit und Lauterkeit gehören.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Margarete Sander

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