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Untersuchungsansatz

  • Thomas Ellwein
  • Ralf Zoll
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Zusammenfassung

Für die Wertheim-Untersuchung wurde zunächst 1967/1968 ein Untersuchungsansatz formuliert, über den WERTHEIM I einleitend und in seinen Schlußpassagen Auskunft gibt. Der Ansatz wurde in GEMEINDE ALS ALIBI, also 1972, weiter ausgeführt und vor allem in Auseinandersetzung mit Teilen der amerikanischen community-power-Forschung begründet. Soweit es um die Analyse der Machtstruktur ging, brachte dazu WERTHEIM III 1974 die erforderliche Konkretisierung, aus der auch die Hypothesen für diesen Teil der Untersuchung abgeleitet wurden. Entsprechend unseren bisherigen Ausführungen bringen wir im folgenden zuerst eine Kurzfassung des ursprünglichen Ansatzes. Diesen gilt es sodann im Blick auf die bisherige Wissenschaftsentwicklung zu reflektieren. Dafür erweist sich der von H. Köser herausgegebene Sammelband1 als besonders hilfreich und entlastend. Schließlich wird zu umreißen sein, in welcher Form wir den ursprünglichen Ansatz beibehalten und wo und wie wir ihn ergänzen.

Anmerkungen

  1. 1.
    H. Köser (Hrsg.), Der Bürger in der Gemeinde. Kommunalpolitik und politische Bildung. Hamburg 1979Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. z. B. H. Laufer, Die demokratische Ordnung. Eine Einführung. 2. Aufl. Stuttgart 1970, S. 147, und dazu den Kommentar in Th. Ellwein, Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Opladen 1977, S. 56 ff.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. dazu H. Heffter, Die deutsche Selbstverwaltung im 19. Jahrhundert. Geschichte der Ideen und Institutionen. Stuttgart 1950,Google Scholar
  4. 3a.
    Th. Ellwein, Das Erbe der Monarchie in der deutschen Staatskrise. Zur Geschichte des deutschen Verfassungsstaates. München 1954Google Scholar
  5. 4.
    Wir verweisen dazu nur allgemein auf die Kommentare zum Grundgesetz. In der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg in der Fassung vom 22. 12. 1975 — Änderungsgesetze 1977 und 1978 — heißt es z. B. in § 1 (Begriff der Gemeinde): „(1) Die Gemeinde ist Grundlage und Glied des demokratischen Staates. (2) Die Gemeinde fördert in bürgerschaftlicher Selbstverwaltung das gemeinsame Wohl ihrer Einwohner und erfüllt die ihr von Land und Bund zugewiesenen Aufgaben.“Google Scholar
  6. 5.
    In der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg heißt es in § 2:“ (1) Die Gemeinden verwalten in ihrem Gebiet alle öffentlichen Aufgaben allein und unter eigener Verantwortung, soweit die Gesetze nichts anderes bestimmen.“Google Scholar
  7. 6.
    Vgl. dazu die laufende Berichterstattung in den Statistischen Jahrbüchern, die Zusammenfassung in: Th. Ellwein, Regierungssystem S. 70 ff., und KarlBräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler (Hrsg.), Zur Reform der Gemeindesteuern. Wiesbaden 1975Google Scholar
  8. 7.
    Vgl. WERTHEIM I S. 137 ff., und H. Haenisch/K. Schröter, Zum politischen Potential der Lokalpresse, in: R. Zoll (Hrsg.), Manipulation der Meinungsbildung. Opladen 1971Google Scholar
  9. 8.
    A. Ammon, Eliten und Entscheidungen in Stadtgemeinden. Berlin 1967Google Scholar
  10. 9.
    H. Köser/H. C. Zipfel/H. Kliewer, Die Analyse kommunaler Machtstrukturen. Grundprobleme der Community-Power-Forschung. Freiburg 1976 10 Der Sammelband s. oben Anm. 1, darin: H. C. Zipfel, Gemeindeklüngel oder lokale Demokratie? Zur Bestätigung und Widerlegung zweier Klischees in der Community-Power-Forschung, und H. A. Haasis, Entscheidungsstrukturen in der Kommunalpolitik. In: H. Köser (Hrsg): Der Bürger in der Gemeinde. Hamburg 1979Google Scholar
  11. 11.
    H. A. Haasis, Kommunalpolitik und Machtstruktur. Eine Sekundäranalyse deutscher empirischer Gemeindestudien. Frankfurt 1978Google Scholar
  12. 12.
    H. A. Haasis nennt — wie Anm. 10 S. 178 f. — folgende Titel: F. Brinkmann, Was messen die verschiedenen Methoden zur Ermittlung lokaler Machtstruktur? Köln 1968 (unveröff. Diplomarbeit);Google Scholar
  13. 12a.
    H.J. Beckers, Die kommunale Machtstruktur in einer Pendlergemeinde. Dissertation Köln 1968;Google Scholar
  14. 12b.
    G. v. Schröter, Kommunaler Pluralismus und Führungsprozeß. Stuttgart 1969;Google Scholar
  15. 12c.
    B. Luckmann, Politik in einer deutschen Kleinstadt. Stuttgart 1970;Google Scholar
  16. 12d.
    H. Hilterscheid, Industrie und Gemeinde. Berlin 1970; WERTHEIM I und III;Google Scholar
  17. 12e.
    R. R. Grauhan/W. Linder, Politik der Verstädterung. Frankfurt 1974; dieselben mit G. W. Green/W. Strubelt, Politikanalyse am Beispiel des Verstädterungsproblems, in: PVS 1971, S. 413 ff.;Google Scholar
  18. 12f.
    E. O. Laumann/F. U. Pappi, New Directions in the Study of Community Elites, in: ASR 1973, S. 212, und deutsch in: P. Kevenhörster (Hrsg.), Lokale Politik unter exekutiver Führerschaft. Meisenheim 1977; dieselben mit L. M. Verbrugge, A Causal Modelling Approach to the Study of a Community Elite’s Influence Structure, in: ASR 1974, S. 162 ff.; H. Wollmann, Der Altstadtsanierung erster Teil als Cityerweiterungsplanung — der Fall Heidelberg, in: R. R. Grauhan (Hrsg.), Lokale Poli- tikforschung. Frankfurt 1975, Bd. 2, S. 221 ff.; derselbe, Das Städtebauförderungsgesetz als Instrument staatlicher Intervention — wo und für wen? In: Leviathan 1974, S. 199 ff.; H. U. Derlien/C. Gürtler/W. Holler/H.J. Schreiner, Kommunalverfassung und kommunales Entscheidungssystem. Eine vergleichende Untersuchung in vier Gemeinden. Meisenheim 1976; P. Aich (Hrsg.), Wie demokratisch ist Kommunalpolitik? Gemeindeinteressen zwischen Bürgerinteressen und Mauschelei. Reinbek 1977;Google Scholar
  19. 12g.
    M. Buse/W. Nelles/R. Oppermann, Determinanten politischer Partizipation. Meisenheim 1978Google Scholar
  20. 13.
    M. Buse/W. Nelles/R. Oppermann, Determinanten politischer Partizipation. Konzeption für eine Untersuchung am Beispiel der Stadtsanierung Andernach. Manuskript Bonn 1975, S. 22, zit. nach H. A. Haasis — wie Anm. 10 — S. 185Google Scholar
  21. 14.
    H. A. Haasis ebd. S. 186, zit. J. Ueltzhöffer, Die kommunale Machtelite und der politische Willensbildungsprozeß in der Gemeinde, in: H. G. Wehling (Hrsg.), Kommunalpolitik. Hamburg 1975. Das folgende Zitat: Haasis a. a. O. S. 188 f.Google Scholar
  22. 15.
    So M. Buse/W. Nelles/R. Oppermann 1978, S. 82Google Scholar
  23. 16.
    Für die USA hat diesen Zusammenhang in einer SekundäranalyseJ. Walton in verschiedenen Veröffentlichungen dargelegt, vgl. z. B.: A Systematic Survey of Community Power Research, in: M. Aiken/P. Mott (Hrsg.), The Structure of Community Power. New York 1970, S. 443 ff.Google Scholar
  24. 17.
    Vgl. dazu die eigenen Denkschritte: Th. Ellwein, Regieren und Verwalten. Opladen 1976; ders., Politik und Verwaltung in Gemeinde und Staat, in: Die Gemeinde, 1980; ders., Geschichte der öffentlichen Verwaltung, in: K. König u. a. (Hrsg.), Offentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland. Baden-Baden 1981CrossRefGoogle Scholar
  25. 18.
    G. Lehmbruch, Der Januskopf der Ortsparteien. Kommunalpolitik und dasGoogle Scholar
  26. lokale Parteiensystem, in: H. Köser (Hrsg.) Offentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland. Baden-Baden 1981. 320 ff., hier S. 325Google Scholar
  27. 19.
    G. Lehmbruch, Der Januskopf der Ortsparteien. Kommunalpolitik und dasGoogle Scholar
  28. lokale Parteiensystem, in: H. Köser (Hrsg.) Offentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland. Baden-Baden 1981 S. 324Google Scholar
  29. 20.
    Vgl. dazu Th. Ellwein, Konfrontation oder Kooperation. Zu den Grundmustern kommunaler Politik, in: O. Krabs (Hrsg.), Verwaltung und Planung im Wandel. Köln 1979, S. 3 ff.Google Scholar
  30. 21.
    R. Frey, Grenzen der Kommunalpolitik. Politische Strukturen und Verwaltungsorganisation in ihrer Bedeutung für die Funktionen der Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland. (unveröff. Habilitationsschrift) Münster 1978, und dazu W. Holler/K. H. Nassmacher, Rat und Verwaltung im Prozeß der kommunalpolitischen Willensbildung, in: H. Köser (Hrsg.) a. a. O. S. 275 ff.Google Scholar
  31. 22.
    Für solche Feststellungen gibt es keine ‚Belege‘, ich kann dazu nur auf eigene Erfahrungen als Gemeinde- und Kreisrat verweisen (Th. E.)Google Scholar
  32. 23.
    Vgl. z. B. den Einleitungsbeitrag des Herausgebers in: H. Wolimann (Hrsg.), Politik im Dickicht der Bürokratie. Beiträge zur Implementationsforschung. Opladen 1980Google Scholar
  33. 24.
    F. W. Scharpf/B. Reissert/F. Schnabel, Politikverflechtung. Theorie und Empirie des kooperativen Föderalismus in der Bundesrepublik. Königstein/Ts. 1976 und J.J. Hesse (Hrsg.), Politikverflechtung im föderativen Staat. Baden-Baden 1978Google Scholar
  34. 25.
    Das verweist auf die Diskussion über die ‚Regierbarkeit‘ westlicher Demokra- tien. Zu ihr z. B. F. Lehner, Grenzen des Regierens. Eine Studie zur Regierungsproblematik hochindustrialisierter Demokratien. Königstein/Ts. 1979.Google Scholar
  35. 26.
    Wir verweisen dafür vor allem auf A. Remke, Probleme der kommunalen Selbstverwaltung. Eine Bibliographie. Meisenheim 1979, und auf die jüngste einschlägige Untersuchung von H. J. Siewert, Lokale Elitesysteme. Ein Beitrag zur Theoriediskussion in der Community-Power-Forschung und ein Versuch zur empirischen Überprüfung. Meisenheim 1979. Im übrigen gibt wohl der mehrfach erwähnte Sammelband von H. Köser derzeit den besten Überblick; neben ihm sind vor allem die Sammelbände von R. R. Grauhan und P. Kevenhörster (beide Anm. 12) heranzuziehen.Google Scholar
  36. 27.
    Vgl. z. B. B. Guggenberger/U. Kempf (Hrsg.), Bürgerinitiativen und repräsentatives System. Opladen 1978.Google Scholar
  37. 28.
    Diese ‚Müdigkeit‘ erscheint evident, wenn man die Stagnation der Mitgliederzahlen seit etwa 1976 und das Nachlassen der unmittelbaren Mitgliederbeteiligung in den großen Parteien berücksichtigt. Zahlen dazu in der 1982 vorliegenden 5. Auflage des Regierungssystems (s. oben Anm. 2).Google Scholar
  38. 29.
    Sie läßt sich am einfachsten anhand der gemeindlichen Haushalte und ihres Anwachsens belegen.Google Scholar
  39. 30.
    Wir begnügen uns mit dem Hinweis auf die bekannten Reader zur Planungsproblematik, etwa B. Schäfers (Hrsg.), Gesellschaftliche Planung. Materialien zur Planungsdiskussion in der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart 1973.Google Scholar
  40. 31.
    Nachweise dazu in: Forschungsgruppe Ellwein/zoll (Hrsg.), Voraussetzungen für soziales und bürgerschaftliches Engagement als einem Inhalt von freier Zeit und Ansätze zu einer Beeinflussung dieser Rahmenbedingungen. Forschungsbericht für das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (Januar 1977). Eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieses bisher nur vervielfältigten Berichtes gibt Th. Ellwein, Soziales Engagement und politische Beteiligung, in: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.), Politische Sozialisation in entwickelten Industriegesellschaften. Bonn 1979, S. 35 ff.; hier S. 42 der Hinweis, daß bei gleichen Gruppenmerkmalen die faktische politische Beteiligung in Gemeinden mit weniger als 25 000 Einwohnern sehr viel größer ist als in größeren; in den erstgenannten Gemeinden wohnen etwa 55% der von uns ermittelten ‚Aktiven‘.Google Scholar
  41. 32.
    Über die Unterscheidbarkeit zwischen politischem und sozialem Engagement vgl. vorläufig Anm. 30 und später Band 7 der Reihe Politisches Verhalten.Google Scholar
  42. 33.
    Theoretisch würden wir uns dabei, ohne dies hier näher auszuführen, auf Überlegungen stützen, die etwa A. O. Hirschmann, Exit, voice, and loyalty. Cambridge/Mass., 1970, dt. Ausgabe: Abwanderung und Widerspruch. Tübingen 1974, angestellt hat. Hirschmann begreift Partizipation als (individuelle) Reaktion auf das Verhalten von irgendwelchen Kollektiven, das nicht befriedigt, und unterscheidet als Grundformen der Reaktion die Abwanderung und den Widerspruch, erstere als deutlich sichtbaren oder als individuell eindeutigen Rückzug aus dem entsprechenden Kollektiv, letzteren als in irgendeiner Weise aggressives Verhalten (Widerspruch, Beschwerde, Protest usw.) verstanden. Zur neueren Partizipationsdiskussion vgl. v. a. U. v. Alemann (Hrsg.) a. a. O.Google Scholar
  43. 34.
    Wir verzichten hier auf die prinzipielle Erörterung der Frage, ob nicht die meisten Gemeindestudien insofern ein einseitiges Bild geben, als sie sich kleinen oder kleineren Gemeinden zuwenden. Ein etwaiger Einwand dieser Art würde weniger das treffen, was eine Gemeindestudie an externen Faktoren sichtbar macht, wenngleich man die Machtverschiebungen in der Verwaltung nicht unberücksichtigt lassen darf — manche Großstadtverwaltung ist fachlich der sie beaufsichtigenden Staatsverwaltung durchaus überlegen. Der Einwand würde sich in der Hauptsache auf die persönlichen Beziehungen zwischen den Beteiligten beziehen, insoweit ein hoher direkter Bekanntheitsgrad die Einflußstrukturen und die Formen, in denen Einfluß ausgeübt und gerechtfertigt wird, verändert. Wir kommen darauf abschließend zurück.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Thomas Ellwein
  • Ralf Zoll

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