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Das Jhering-Modell des sozialen Wandels durch Recht

Ein wissenschaftsgeschichtlicher Beitrag
  • Helmut Schelsky
Chapter

Zusammenfassung

Die Nähe der allgemeinen Rechtslehre Rudolf von Jherings zur Soziologie ist schon oft bemerkt worden (Roscoe Pound, Max Weber, Gurvitch; neuerdings Wieacker, Erik Wolf, Helfer, Coing, Viehweg, Zweigert u. a.); allerdings wurde dieser Zusammenhang zumeist zur Interpretation seiner rechtswissenschaftlichen Auffassungen und Wirkungen, z. B. in seinem Einfluß auf die „Interessenjurisprudenz“, auf die „sociological jurisprudence“, auf die rechtswissenschaftliche Methodik usw. herangezogen, allenfalls hat man ihn als einen Beginn einer speziellen Rechtssoziologie verstanden. Hier soll versucht werden, Jherings „soziologische“ Rechtslehre als einen Beitrag zur allgemeinen soziologischen Theorie selbst zu verstehen, d. h. nachzuforschen, welche seiner Vorstellungen über Wesen und Rolle des Rechts Aussagen über die Gesetzlichkeiten der Gesellschaft und des sozialen Verhaltens enthalten, die auch heute noch von allgemeiner soziologischer Bedeutung sind. Solche soziologisch-theoretischen Aussagen zu machen, lag sicherlich nicht in der Erkenntnisabsicht Jherings; trotzdem hat sein oft gekennzeichneter „naiver Realismus“ zusammen mit seinem pragmatischen Sinn und praktischen Handlungsimpuls, vor allem in den späteren Schriften, zu einer Auffassung von der sozialen Rolle des Rechts geführt, die die sonst (nach Hegel und Savigny) im 19. Jahrhundert eintretende Isolierung der Rechtswissenschaft von den sich immer mehr entwickelnden Sozialwissenschaften vermied, eine fachwissenschaftliche Spezialisierung der Jurisprudenz, der spiegelbildlich allerdings die steigende Rechtsblindheit der Soziologie des 19. und 20.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1980

Authors and Affiliations

  • Helmut Schelsky

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