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Die Wege in die Arbeitslosigkeit, Teil II: Die Entwicklung des Arbeitskräfteangebots

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Part of the Gesellschaftspolitik und Staatstätigkeit book series (GESPOL, volume 16)

Zusammenfassung

Im vorigen Kapitel konnte gezeigt werden, daß die Beschäftigungsentwicklung in Skandinavien unter den veränderten Rahmenbedingungen der Globalisierung maßgeblich von zwei Faktoren beeinflußt wird: der finanziellen Belastung des Wohlfahrtsstaates und dem lohnpolitischen Verteilungskampf. Das Ausmaß der Beschäftigungskrise schlug sich jedoch nicht direkt und ungedämpft auf die Höhe der Arbeitslosigkeit nieder. Vielmehr beeinflußt die Entwicklung des Arbeitskräfteangebotes zu einem erheblichen Teil die Höhe der Arbeitslosigkeit. Wie bereits in Kapitel 1.3 deutlich wurde, bestehen zahlreiche Verbindungen zwischen wohlfahrtsstaatlicher Politik und der Entwicklung des Arbeitskräfteangebots. Die Wege vom Arbeitsmarkt in die Rente, in die Ausbildung, in den privaten Haushalt oder ins Ausland werden von politischen Institutionen und Anreizen geprägt. Empirisch vergleichende Analysen zeigen zudem, daß wohlfahrtsstaatliche Politik deutlich das Erwerbsverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen beeinflußt (von Rhein-Kress 1996). Daher soll in diesem Abschnitt die Entwicklung des Arbeitskräfteangebots in Skandinavien erfaßt und auf die politischen Ursachen hin untersucht werden. Eine besondere Aufgabe besteht ferner darin, das Ausmaß anzugeben, mit dem sich die Veränderung des Arbeitskräfteangebots dämpfend oder verschärfend auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit niedergeschlagen hat. Daher wird in einem ersten Schritt die Entwicklung des gesamten Arbeitskräfteangebotes dargestellt und analysiert. Die nächsten vier Schritte sind der Entwicklung des Erwerbsverhaltens einzelner Bevölkerungsgruppen gewidmet: der älteren Erwerbspersonen, der Jugendlichen, der Frauen sowie der Ausländer. Ein letzter Abschnitt faßt die Ergebnisse zusammen.

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Literatur

  1. 96.
    Die Erwerbsquote gibt das Verhältnis der Beschäftigten und offiziell als arbeitslos bzw. arbeitssuchend eingestuften Personen zur Gesamtzahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter — d.h. zwischen 15 und 64 Jahren — wieder (vgl. Kapitel 1.3).Google Scholar
  2. 98.
    Es sind leider nur die Daten für diesen Zeitraum verfügbar, weshalb eine deckungsgleiche Gestaltung der Untersuchungszeiträume nicht möglich ist.Google Scholar
  3. 99.
    Damit soll keinesfalls argumentiert werden, daß wohlfahrtsstaatliche Politik geschlechts¬neutral sei. Für eine international vergleichende Studie des Erwerbsverhaltens sind jedoch die Daten zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen wohlfahrtsstaatlicher Politik zu lückenhaft (vgl. dazu Sainsbury 1994, 1996 ).Google Scholar
  4. 100.
    In Norwegen erwerben einige Berufszweige wie die Seeleute und Forstarbeiter bereits früher eine Pensionsberechtigung. Das niedrigere Rentenalter für die Bediensteten des fin¬nischen öffentlichen Dienstes wurde 1994 von 63 auf 65 Jahre angehoben (NOSOSKO 1996: 68).Google Scholar
  5. 101.
    Die Möglichkeiten zur Frühverrentung wurden in der BRD mit der Rentenreform 92 und dem Programm für Wachstum und Beschäftigung von 1996 weiter eingeschränkt.Google Scholar
  6. 102.
    Als rein quantitativer Indikator wird die Anzahl der Studenten pro 100 000 Einwohner verwendet, wie er von der UNESCO publiziert wird. Damit soll selbstverständlich keine Aussage über die Güte der universitären Ausbildung verbunden sein.Google Scholar
  7. 103.
    Neuere Analysen belegen die Bedeutung der unterschiedlichen Bildungssysteme für den Übergang von der Schule zum Arbeitsmarkt. Während sich anfangs der neunziger Jahre in den USA ca. 73% der 20-Jährigen in universitärer Ausbildung befanden, waren es in Schweden nur ca. 36%, während sich dort knapp 48% dieser Altersgruppe in außeruniver¬sitären Bildungseinrichtungen aufhielten (Blanchflower Freeman 1996: 24).Google Scholar
  8. 104.
    Vgl. dazu: Tatsachen über Schweden: Kinderbetreuung in Schweden (1994).Google Scholar
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    Dies kann ein Grund dafür sein, daß die dänischen Frauen vom Angebot des verlängerten Erziehungsurlaubs seit 1994 sehr stark Gebrauch machen (Lind 1994b, Madsen 1996; Tolle 1995) und somit auch in Dänemark nach 1994 die Erwerbsquoten der Frauen rasch sinken.Google Scholar
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    Die Freizügigkeit für Privatpersonen bedeutet, daß jeder Bürger eines skandinavischen Staates seinen Wohnsitz in ein anderes nordisches Land verlegen kann und dort sofort alle sozialpolitischen Rechte erwirbt, wie sie für die Bürger dieses Landes auch gelten (Fischer Straubhaar 1994: 164).Google Scholar
  11. 107.
    In dieser Hinsicht haben sich für Finnland und Schweden mit dem Beitritt in die EU seit 1995 die Rahmenbedingungen ebenfalls entscheidend verändert.Google Scholar
  12. 108.
    Die zunehmende Anzahl der Flüchtlinge in Schweden bewegt sich jedoch auf einem sehr geringen Niveau. Im Jahr des größten Zustroms an Flüchtlingen (1993) entsprach die Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge ca. 0,8% der gesamten Erwerbsbevölkerung und 0,9% der Gesamtbeschäftigung.Google Scholar
  13. 109.
    Eine systematische Erklärung dieser restriktiven Migrationspolitik übersteigt den Rahmen dieser Arbeit. Hier sei nur auf die neueren Forschungsergebnisse verwiesen, denen zufolge das wohlfahrtsstaatliche Regime den Zustrom an neuen Bürgern weitgehend präge (Heinelt 1994: 20 f). Eine umfangreiche Absicherung und Unterstützung der Flüchtlinge würde demnach zu einer Begrenzung ihrer Anzahl führen. Eine systematisch international vergleichende Studie zu den Ursachen der unterschiedlichen Migrationspolitiken liegt meines Wissens noch nicht vor.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  1. 1.Heidelberg und BremenDeutschland

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