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Einleitung und Fragestellung

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Part of the Gesellschaftspolitik und Staatstätigkeit book series (GESPOL, volume 16)

Zusammenfassung

Bis Ende der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts waren die skandinavischen Länder1 „an island of low unemployment in a sea of high European joblessness“ (Elmeskov 1994: 29). Der nordische und sozialdemokratische Weg zur Vollbeschäftigung (Schmidt 1988a; Esping-Andersen & van Kersbergen 1992) war jedoch in den frühen neunziger Jahren zu Ende. Im Zentrum dieser Arbeit steht der Versuch, den Anstieg der Arbeitslosenquoten in den vier nordischen Ländern — Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden — zu erklären. Mit anderen Worten: Was sind die politischen Ursachen für den Anstieg der Arbeitslosenquoten in den nordischen Ländern in der Periode von 1984 bis 1994? Die Beantwortung dieser Fragestellung erfolgt aus einer international vergleichenden Perspektive, bei der die Entwicklung in Skandinavien vor dem Hintergrund der übrigen OECD-Staaten2 analysiert wird.

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Literatur

  1. 1.
    Skandinavien’ wird in dieser Arbeit synonym zum Begriff der `Nordischen Staaten’ verwendet, obwohl der ursprüngliche Bedeutungsinhalt von `Skandinavien’ Finnland und Island ausschließt (Lane Ersson 1996: 254). Island wird— aufgrund der geringen Größe des Landes und den unzureichenden Informationen und Daten — von der Analyse der nordischen Staaten ausgeschlossen.Google Scholar
  2. 2.
    Die weiteren in dieser Studie berücksichtigten OECD-Staaten sind (in Klammem die verwendeten Länderabkürzungen): Österreich (A), Australien (AUS), Belgien (BEL), die Bundesrepublik Deutschland (BRD), Kanada (CAN), Frankreich (FRA), Griechenland (GRE), Island (ICE), Irland (IRE), Italien (ITA), Japan (JAP), Luxemburg (LUX), die Niederlande (NL), Neuseeland (NZ), Portugal (POR), Spanien (SPA), Schweiz (SWI), das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland — im folgenden Großbritannien — (UK) sowie die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).Google Scholar
  3. 3.
    Die Beschäftigung wird in dieser Arbeit mit der Nachfrage nach Arbeit gleichgesetzt. Aufgrund der unzureichenden Datenlage wird die Anzahl der offenen Stellen hierbei nicht berücksichtigt.Google Scholar
  4. 4.
    In Dänemark und Finnland stiegen zwar bereits in den siebziger Jahren die Arbeitslosenquoten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich an (Therborn 1985). In den frühen achtziger Jahren befanden sich jedoch die Arbeitslosenquoten im internationalen Vergleich auf einem niedrigen Niveau; aus diesem Grund treffen auch für Dänemark und Finnland die obigen Einstufungen zu.Google Scholar
  5. 5.
    Vollbeschäftigung wird in dieser Studie mit niedrigen Arbeitslosenquoten gleichgesetzt. Zwar ist dieses Vorgehen in der Literatur umstritten (vgl. Scharpf 1987: 68–72) und sowohl Merkel (1993) als auch Therborn (1985) plädieren für den Einsatz einer kombinierten Kennzahl als Indikator für die Vollbeschäftigung, der sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Erwerbsbeteiligung erfaßt. Die Entscheidung für die Arbeitslosenquote als Vollbeschäftigungsindikator kann jedoch nicht nur damit begründet werden, daß er in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion oberste Priorität besitzt (vgl. Czada 1987 ). Im Verlauf dieser Studie wird vielmehr deutlich, daß die Arbeitslosenquote als Erfolgsindikator tauglich ist, wenn systematisch die Aspekte von Angebot, Nachfrage und Vermittlung von Arbeit betrachtet werden. Statt die Komplexität eines Vollbeschäftigungsindikators weiter zu erhöhen, wird hier für eine differenzierte Sichtweise von Arbeitslosigkeit plädiert.Google Scholar
  6. 6.
    Die Nachfrage nach Arbeitskräften wird in Schaubild 1.2 durch die Gesamtzahl der Beschäftigten ausgedrückt, wohingegen die Gesamtzahl der Erwerbspersonen das Arbeitskräfteangebot darstellt. Zur Definition und Abgrenzung dieser Kennzahlen vgl. Kapitel 1. 3.Google Scholar
  7. 7.
    Aus dem Schaubild 1.2 wird ferner ersichtlich, daß der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Dänemark und Finnland in den siebziger Jahren durch einen starken Anstieg des Arbeitskräfteangebots mit verursacht wurde und sich der Rückgang der Beschäftigung in Grenzen hielt.Google Scholar
  8. 8.
    Esping-Andersen (1990) unterscheidet den konservativen (kontinentaleuropäischen) Typus der Wohlfahrtsstaaten vom liberalen und sozialdemokratischen Typus, wobei er Finnland keinem Regimetypus eindeutig zuordnen kann. Bei Schmidt (1988b) fällt Finnland in die Kategorie der konservativ-sozialreformerisch geprägten Wohlfahrtsstaaten, da in der Nachkriegszeit das bürgerliche Zentrum die Regierungen dominierte. Castles und Mitchell (1993) führen einen weiteren Regimetypus ein — den Regimetypus der `radikalen Wohlfahrtsstaaten’ —, dem sie unter anderem Finnland zuordnen. Kangas (1994) zeigt schließlich, daß sich der finnische Wohlfahrtsstaat in den achtziger Jahren stark dem schwedischen Wohlfahrtsstaat annäherte. Aus diesem Grund wird im Untersuchungszeitraum Finnland dem sozialdemokratischen Typus der Wohlfahrtsstaaten zugeordnet (vgl. auch Kapitel 2. 2 ).Google Scholar
  9. 9.
    In der politikwissenschaftlichen Literatur gibt es zahlreiche Beiträge, die Skandinavien oder einzelne nordische Länder mit einer starken Sozialdemokratie nahezu gleichsetzen. Neben den bereits erwähnten Beiträgen sei auf folgende verwiesen: Castles (1978), Einhorn Longue (1989), Lafferty (1990), Milner (1989, 1994), Rothstein (1996).Google Scholar
  10. 10.
    Zur Aktualisierung vgl. Jochem (1998).Google Scholar
  11. 11.
    Die Kennzahlen zum Umfang der Stillen Reserve sollten im internationalen Vergleich mit äußerster Vorsicht verwendet werden, da die nationalen Umfragen unterschiedliche Abgrenzungen bei der Erfassung dieser Gruppe anwenden (Sorrentino 1993: 15–17; OECD 1995g: 45–47).Google Scholar
  12. 12.
    Ein Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen der unterschiedlichen Erfassungsarten auf die offizielle Höhe der Arbeitslosigkeit. Im Rahmen der Arbeitsmarktumfrage in Dänemark im zweiten Quartal 1994 wurden 219 000 Arbeitslose ermittelt, von denen 44 000 kein Arbeitslosengeld erhielten. Es wurde jedoch ebenso ermittelt, daß von denjenigen, die Arbeitslosenunterstützung erhalten, sich selbst ca. 70 000 — d.h. 1/3 aller offiziell Arbeitslosen (!) — als nicht arbeitslos einstufen, da sie keine Arbeit aktiv suchen bzw. angebotene Arbeit aus persönlichen Gründen abgelehnt hätten (OECD I995g: 133, Fußnote 3 ). Dieses Beispiel zeigt, daß die offizielle Arbeitslosigkeit in Dänemark niedriger gewesen wäre, wenn nur die Arbeitslosen erfaßt würden, die Arbeitslosenunterstützung erhalten. Andererseits zeigt sich auch, daß ein erheblicher Anteil der Bezieher dieser Unterstützungsleistungen sich selber nicht als arbeitslos einstuft.Google Scholar
  13. 13.
    Die Schweiz ist ein Beispiel für ein solches Phänomen. In den siebziger Jahren verdeckte die nicht vorhandene staatliche Arbeitslosenversicherung zum Teil den deutlichen Beschäftigungsrückgang (Schmidt 1985: 111–122).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  1. 1.Heidelberg und BremenDeutschland

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