Advertisement

Politik und Gedächtnis

Die Gegenwart der NS-Vergangenheit als politisches Sinnstiftungspotential
Chapter

Zusammenfassung

Spricht oder debattiert man in Deutschland über den Umgang mit der NS-Vergangenheit, über Möglichkeiten und Formen des Erinnerns und Gedenkens an die NS-Verbrechen, begibt man sich auf vermeintlich „tabuvermintes“ Gelände. Zwischen „Erinnern und Vergessen“ schwingt das Debattenpendel, das je nach politischer Couleur in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Die Geschichte der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland ist auf den ersten Blick eine, die vom Ringen einer Gesellschaft um angemessenen Umgang mit ihrer „schwierigen“ Geschichte erzählt, die naive Identifikation nicht zulässt. Auf den ersten Blick. Nähert man sich der „Vergangenheitsbewältigung“ von der anderen Seite, fragt man also weniger nach dem historischen Gegenstand selbst als nach der Funktion der Art und Weise seiner Repräsentation, erzählt sich diese Geschichte völlig anders. Die Schlüsselwörter lauten dann nicht mehr Nationalsozialismus, Holocaust oder Kriegsverbrechen — die Ingredienzien dieser Geschichte heißen Identität und Nation. Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach dem Gedenken an die NS-Vergangenheit besonders brisant. Der Diskurs um die Vergangenheit ist eng verbunden mit der Frage nach der Konstruktion von (kollektiver) Identität. Das Thema, ob und wie weit der Nationalsozialismus hierfür als „negatives“ Sinnstiftungspotential für die Bundesrespektive Berliner Republik genutzt werden könne oder dürfe, existiert in unzähligen Spielarten seit nunmehr bald 60 Jahren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Adamo, Hans, 1977: Vorgebliche und tatsächliche Ursachen des Terrorismus, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 12, S. 1436–1448.Google Scholar
  2. Bodemann, Michal Y., 1996: Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung, Hamburg.Google Scholar
  3. Bredthauer, Karl, 1977: Antideutsche Welle? Wie das Ausland die Bundesrepublik sieht, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 11, S. 1294–1302.Google Scholar
  4. Brumlik, Mischa 1995: Gedenken in Deutschland, in: Kristin Platt/Mihran Dabag (Hg.): Generation und Gedächtnis. Erinnerungen und kollektive Identitäten, Opladen, S. 115–130.CrossRefGoogle Scholar
  5. Delius, Christian Friedrich, 1997: Die Dialektik des Deutschen Herbstes. Drei Thesen über das Terrorjahr 1977 und dessen Folgen, in: Die Zeit, Nr. 31, S. 3.Google Scholar
  6. Frei, Norbert, 1996: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, München.Google Scholar
  7. Habermas, Jürgen (Hg.), 1979: Stichworte zur „Geistigen Situation der Zeit“, Frankfurt a.M.Google Scholar
  8. Harbecke, Ulrich, 1983: Abenteuer Bundesrepublik. Die Geschichte unseres Staates, Bergisch Gladbach.Google Scholar
  9. Henkel, Peter, 1997: Zwei Welten, noch immer. Baader-Meinhof-Prozeß und die bleierne Zeit: Deutschland im Herbst vor 20 Jahren, in: Frankfurter Rundschau, 3. September, S.3.Google Scholar
  10. Kölsch, Julia 2000: Politik und Gedächtnis. Zur Soziologie funktionaler Kultivierung von Erinnerung, Wiesbaden.CrossRefGoogle Scholar
  11. Luhmann, Niklas, 1997: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt a.M.Google Scholar
  12. Schneider, Peter 1978: Der Sand an Baaders Schuhen, in: Kursbuch, Heft 51, S. 1–16.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations