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Erinnerungskultur als Politikfeld

Geschichtspolitische Deliberation und Dezision in der Berliner Republik
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Zusammenfassung

Entgegen anderslautenden und vielfach in alarmistischer Absicht vorgetragenen Analysen ist die nationalsozialistische Vernichtungspolitik bislang in der Bundesrepublik eine „Vergangenheit, die nicht vergeht“. Die Vergegenwärtigung der nationalsozialistischen Vergangenheit betrifft nicht nur die damit professionell befassten Vertreter der zeithistorischen Fachöffentlichkeit sowie die für die Vermittlung entsprechender Wissensbestände und Aktualisierung daraus resultierender Einsichten zuständigen Institutionen der politischen Bildung, sondern auch die politische Öffentlichkeit. In dieser Sphäre werden in Abhängigkeit von Themenkonjunkturen und Akteurskonstellationen ausgehend von den verschiedensten Anlässen Deutungskontroversen verhandelt, deren Bezugspunkt jeweils spezifisch akzentuierte Aspekte von Nationalsozialismus und Holocaust sind. Aus der Perspektive einer am Paradigma der Erinnerungskultur orientierten Kulturwissenschaft resultiert die aktuelle Konjunktur sowohl des Themas selbst als auch seiner Erforschung aus einer spezifischen Situation1: Folgt man den Vorstellungen Jan Assmanns (vgl. Assmann 1992: 50–56), so stehen wir in Bezug auf die Erinnerung der nationalsozialistischen Vergangenheit an einer Epochenschwelle, die durch die dauerhafte Transformation kommunikativer, d.h. von Zeitzeugen verkörperter Erinnerung in kulturelle, d.h. institutionalisierte Erinnerung charakterisiert ist.

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