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Sehen und Erkennen

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Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Die Frage, „wo das gesehene Bild entsteht“ ist zwar nicht so alt wie die Bildkommunikation, vor einigen Jahren meinten jedoch manche: Bilder entstünden im Auge des Betrachters. Der Diskurs in der Kunst dokumentiert vergleichbare Schwierigkeiten der Lokalisation, wie bzw. von wo aus Bilder gesehen und verstanden werden. Programmatisch zeigt dies folgender Text eines öffentlichen Plakats auf:

„Kunst-Betrachtung ist keine begriffliche Beurteilung des künstlerischen Objekts (ob es denn noch Kunst sei)

sondern die ästhetische Selbst-Erfahrung des betrachtenden Subjektes (wie es seine Phantasie entfaltet und proportioniert).“ [Lingner 1986/72]

Literatur

  1. 14.
    G.R. Koch pointiert in der FAZ vom 28.9.1992 bezüglich der Documenta 9 eine aktuelle Entwicklung: “Wer Kunst erfahren wollte, muß sich vieles dabei denken, am Ende sie selbst.” Offenbar wird Kunst vorrangig als finaler Interpretant in einem Zeichencode verstanden, in dem Kunsterfahrung eher entfernt angestrebt wird. Wie der Künstler Hya Kabakov [vgl. 1993/22] meint, gilt das Interesse nicht mehr der Herstellung eines Kunstwerks, sondern dem Diskurs, der erst das Kunstwerk erzeugt.Google Scholar
  2. 15.
    Ohne die Abstraktion von Umweltereignissen auf kognitiver Ebene ist eine Steuerung sinnvollen Handelns unmöglich [vgl. Roth 199 la/247].Google Scholar
  3. 16.
    Man muß sich seine Nase nur farbig anmalen, und man wird sehen, wie sehr sie eigentlich im Blickfeld stört bzw. wie sehr man sich an diese Störung gewöhnt hat. Man sieht nun, daß man nicht gesehen hat, was man schon immer gesehen hat.Google Scholar
  4. 17.
    “Es ist nicht statt seiner ein Bild oder ein Zeichen gegeben. Man unterschiebe nicht dem Wahrnehmen ein Zeichen-oder BildbewuBtsein.” [Husserl 1980/79]Google Scholar
  5. 18.
    Hier ist die uranfängliche Wahrnehmung gemeint, die nicht das Ergebnis kritischer Einstellung oder vorgängiger Synthese ist [vgl. Merleau-Ponty 1966/282].Google Scholar
  6. 19.
    Luhmann, Morris [vgl. 1934/18] Ciompi [vgl. 1992/146ff., 173] und die These von Willard van Orman Quine [vgl. 1980/37ff.] gaben bereits den Hinweis, “… daß Sprachsemen ohne nichtsprachlichen Hinweis auf Dinge der Außenwelt nicht möglich ist und die Sprache deshalb auch nie ganz aus sich selbst heraus Realität konstruieren kann” [Luhmann 1990/56]. Ebenfalls trifft für Bilder zu, daß sie einem Individuum ohne Wirklichkeitserfahrung und deiktische/indizierende Zeichen [Zweitheit] keine Realitätsvorstellungen [Drittheit] skizzieren werden.Google Scholar
  7. 20.
    “IContingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (Erfahrenes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen. Er setzt die gegebene Welt voraus, bezeichnet also nicht das Mögliche überhaupt, sondern das, was von der Realität aus gesehen anders möglich ist. In diesem Sinne spricht man neuerdings auch von >possible world« der einen realen Lebenswelt. Die Realität dieser Welt ist also im Kontingenzbegriff als erste und unauswechselbare Bedingung des Möglichseins vorausgesetzt.” [Luhmann 1987/152] psychische oder soziale Systeme sein. Wir müssen von deren Unterschied einstweilen absehen und sprechen deshalb von »black boxes«. Die Grundsituation der doppelten Kontingenz ist dann einfach: Zwei black boxes bekommen es, auf Grund welcher Zufälle immer, miteinander zu tun. Jede bestimmt ihr eigenes Verhalten durch komplexe selbstreferentielle Operationen innerhalb ihrer Grenzen. Das, was von ihr sichtbar wird, ist deshalb notwendig Reduktion. Jede unterstellt das gleiche der anderen. Deshalb bleiben die black boxes bei aller Bemühung und bei allem Zeitaufwand (sie selbst sind immer schneller!) füreinander undurchsichtig.“ [Luhmann 1987/156]Google Scholar
  8. 21.
    Symbol- (Sprach-) Bedeutung bei Holzkamp erreicht nicht die begriffliche Weite der bisher genannten Zeichenbedeutung, weil das Symbol und das ikonische Symbol nicht alle Formen des Objektbezugs kennzeichnen [vgl. Holzkamp 1973/25 u. 148].Google Scholar
  9. 22.
    Hier muß ich dem Kap. 2.4. ‘Warum ist Wahrnehmung keine Kommunikation…r vorgreifen, indem hier schon Information als sensuelles Ereignis (psychischer Informationsgewinnung) im Unterschied zur Nachricht als kommunikatives Ereignis aufgegriffen wird [s.S. 108].Google Scholar
  10. 23.
    S.S. 31 Bewußtsein ist selbst eine Drittheit, da der Mensch im Sinne der Erst-, Zweit-und Drittheit auf Gegenstände reagiert.Google Scholar
  11. 24.
    Selbst Luhmann versucht Phänomenologie mit Systemtheorie zusammenzuführen [vgl. Luhmann 1987/153ff.]Google Scholar
  12. 25.
    Vgl. die sprachanalytische Untersuchung von Ernst Tugendhat [vgl. 1976/102f.], in der er sprachanalytisch zeigt, daß “Bewußtsein-von-etwas” immer in dem Fürwahrhalten eines Existenzsatzes fundiert ist. Dennoch räumt Tugendhat ein, daß dies für vorzeichenhafte Bewußtseinsweisen nicht gilt. “Aber das Bewußtsein kann sich desselben Gegenstandes, das ihm durch das Zeichen vergegenwärtigt wird auch ohne das Zeichen bewußt sein” [Tugendhat 1976/180].Google Scholar
  13. 26.
    Als eine.kognitive Stn’ktut des psychischen Systems verstehe ich ein unspezifisches, aber organisiertes System von Transformationen früherer Wahrnehmungen und Erfahrungen [vgl. Neisser 1974/358ff.].Google Scholar
  14. 27.
    Vgl. auch H. und B. Bayer, die in materialistischer Perspektive davon ausgehen, “… daß alle Arten der Sensibilität von der praktischen Tätigkeit abhängen, bei der sie entstanden sind…” [Bayer 1980/262f.]. Dementgegen verweist Barbara B. Lloyd [vgl. 1972/42] darauf, daß in der Sprache der Zuni die Farben Gelb und Orange in einer Kategorie erfaßt werden, und demzufolge keine Differenz wahrgenommen wird, weil die Sprache diese Realitätskonstruktion nicht bietet.Google Scholar
  15. 28.
    “Wahrscheinlich gibt es eine ‘embryonale Bedeutung’, die mit einer ‘embryonalen Wahrnehmung’ einhergeht” [Gibson 1973/305]. Folglich kommen vermutlich ungelernte Bedeutungen vor, dennoch ist jene “embryonale Bedeutung” keiner kommunikativen Zeichenbedeutung gleichzusetzen.Google Scholar
  16. 29.
    Fellmann [vgl. 1989/111] behauptet, daß die Reflexion bei der Betrachtung von fixierten Bildern in einer Notwendigkeit erfolgt. Diesem vermeintlichen Zwang widersprechen zumindest indische Meditationsbilder, die, korrekt verwendet, gerade nicht zur Reflexion fiihren sollen. Ebenfalls erläuterte Walter Benjamin [vgl. 1963/38] die Erfahrung einer kontemplativen Bildbetrachtung ohne Reflexion. Als einen Augenblick der ästhetischen Kontemplation beschreibt Seel recht treffend die rücksichtslose “… Aufmerksamkeit für etwas, das durch die Art seiner Wahrnehmung aus jeder denkbaren praktischen und intellektuellen Kontinuität herausgerissen wird” [Seel 1993/36].Google Scholar
  17. 30.
    Im Peirceschen Sinne wäre dies eine unrichtige Verwendung des Begriffs “Semiotik”, weil Peirce Empfmdung und Aktion/Reaktion als Semiose beschreibt [s.S. 42]. Im Peirceschen Sinne wäre dies eine unrichtige Verwendung des Begriffs “Semiotik”, weil Peirce Empfmdung und Aktion/Reaktion als Semiose beschreibt [s.S. 42].Google Scholar
  18. 31.
    Die Zuordnung von Sprach-und Bildverstehen zwischen linker und rechter Hirnhälfte ist vermutlich zu grob. Sprache und Anschauung können himphysiologisch auch in anderer Verteilung organisiert sein. Trotzdem geht die Hirnforschung bisher davon aus, daß Bilder und Sprache in unterschiedlichen Modi bzw. Zentren verarbeitet werden, worauf es mir in jenem Beispiel ankommt.Google Scholar
  19. 32.
    So neu ist der Simulationsgedanke nicht. Selbst Michelangelo versuchte in der sixtinischen Kapelle schon um 1510, die Architektur an der Decke zu simulieren. Ein noch stärker beeindruckenden Simulationsversuch der Aufhebung zwischen Zeichen und Raumarchitektur zeigt das um 1685 gemalte Deckenfresko von Andrea Pozzo in der römischen “Sant’Ignazio di Loyola” Kirche.Google Scholar
  20. 33.
    Die heutige Cyberspacetechnik scheint noch weit davon entfernt zu sein, Druck, Wärme, Gerüche, Geschmack, also alle sensorischen Felder des gesamten Körpers wirklichkeitsgetreu zu stimulieren [vgl. Waffender 1991].Google Scholar
  21. 34.
    Mündlich auf dem Symposium “Interface II” am 7.3.93 in Hamburg auf die Frage, wo der Unterschied zwischen Erfahrung und Zeichen liegt.Google Scholar
  22. 35.
    Auch Sartre [vgl. 1971/68–71] beschreibt diese Möglichkeit der direkten Wahrnehmung, in der Trennung von Vorstellungs-und Wahrnehmungsbewußtsein. Für den Augenblick des Trompe-l’oeil begründet Sartre ein Wahmehmungsbewußtsein, bei dem sich ein Betrachter einer solchen Wahrnehmung bewußt wird, wie sie auch bei der Wahrnehmung eines realen Menschen entstehen würde. Im Wahrnehmungsbewußtsein spricht das Bild den Betrachter direkt an. Sobald das Bild aber als Zeichen erkannt ist, spricht Sartre von einem Vorstellungsbewußtsein, in dem das Gemälde aufhört, Objekt zu sein, da es dann als Materie eines “image” [(’’Eben-“, ”Spiegel-“) Bilds, Vorstellung] fungiert. Ich denke, daß Sartres Begriffe von Wahrnehmungs-und Vorstellungsbewußtsein große Ähnlichkeit zu der von mir verwendeten Unterscheidung zwischen dem Bewußtsein der Gegenstands-und Zeichenbedeutung haben, obwohl ich das Wahrnehmungsbewußtsein hauptsächlich dem Gegenstand Bild zurechne und nicht der Augentäuschung.Google Scholar
  23. 36.
    Etymologisch bezeichnet »Sehen« “mit den Augen verfolgen” [Duden Etymologie 1989 Mannheim].Google Scholar
  24. 37.
    Ich möchte bei den Begriffen der Form und Farbe bleiben, da ich denke, daß sie leichter zu kommunizieren sind. Obwohl Gibson zutreffenderweise eindringlich darauf insistiert, daß wir keine Punkt-zuPunkt-Korrespondenz der Form auf unserer Netzhaut empfangen, also kein Abbild. “Die Information, die in der optischen Anordnung von einem Bild zum Beobachtungsort kommt, besteht aus Jnvarianten, nicht aus Formen oder Farben” [Gibson 1982/313]. Demnach sehen wir Invarianten [s.S. 93], die wir als Formen und Farben bezeichnen, was im weiteren bedacht werden sollte.Google Scholar
  25. 38.
    Der Begriff der Ähnlichkeit wird noch problematisiert [s.S. 316, Kap. 2.11. “Wie wirkt… Ähnlichkeit?]. Vorausgeschickt sei, daß Ähnlichkeit zwischen Bild und referiertem Gegenstand für visuelle Kommunikation völlig unnötig ist. Außerdem ähneln Bilder nie vollständig einem referierten Gegenstand, sonst wären sie keine Bilder mehr. Bilder ähneln ihrem kulturellen Code [vgl. Schönrich 1990/138; Scholz 1991/43ff.].Google Scholar
  26. 39.
    Der Begriff “Schemata” folgt der Theorie Neissers [vgl. 1979/48ff.] und wird noch näher erläutert [s.S. 93].Google Scholar
  27. 40.
    Der Begriff des Gedankenzeichens hätte eine Berechtigung, wenn man wie Peirce annimmt, daß jeder Gedanke ein “Zeichen” sein könnte, welches von einem anderen Gedanken wieder interpretiert wird, usw. Unter dieser Annahme wurde hier die Schwierigkeit auftauchen, wo das Subjekt ist, welches die Zeichen generiert und interpretiert, da Zeichen eines Subjekts, wie mit Ciompi (s.S. 74) gesagt, lediglich das Symptom des Bewußtseins sind. Wenn ich Peirce zustimme, daß wir uns mit zeichenhaft erscheinenden Konzeptualisienmgen selbst beschreiben, heißt dies dennoch nicht, unsere Himstruktur wäre wie Zeichencodes aufgebaut, weil ja Zeichen lediglich nur Zeichen für das sind, was wir mittels Zeichen beschreiben. Ausschließlich anhand von besonderen semiotischen Rekonstruktionsleistungen der neurobiologischenGoogle Scholar
  28. 41.
    Das heißt nicht, daß die genetisch bedingten Sehfähigkeiten keinem Lemprozeß unterliegen, dem sie sind optimierbar und gehören aus diesem Grunde in den Bereich des visuellen Systems [vgl. Neisser 1979/145]. Nach Sutherland sind es die folgenden acht Fähigkeiten, die als Voraussetzung der visuellen Erfahrung mitgebracht werden; Neisser [vgl. 1974/118] nennt sie “präattentive Prozesse”: “1) Die Einheitsbildung und Gruppierung, 2) Die Figur-Grund-Beziehung, 3) Die anschauliche Fortdauer, 4) Die Bewegung, einschließlich der Gesetzmäßigkeiten der induzierten Bewegung, 5) Das zweiäugige Tiefen-sehen, 6) Die einäugige Sehtiefe durch laufende Bildverzerrung, 7) Den Zusammenhang zwischen Annäherung und Vergrößerung, 8) Die Wahrnehmung der Schallrichtung” [Sutherland 1970 zit. n. Metzger 1975/658].Google Scholar
  29. 42.
    Sensibilität, und damit soll der Begriff im Unterschied zur Sensibilisierung definiert sein, sagt etwas über die Möglichkeit der spezifisch ausgerichteten Rezeptoren aus, die eine bestimmte Form von Reizenergie aufnehmen, die am Rezeptor wirksam und vom Gehirn als Empfindung registriert wird. Sensibilität “spricht” somit auf Beschaffenheiten der optischen Welt an [vgl. Bayer 1982/45].Google Scholar
  30. 43.
    Die erste Form der Reizbarkeit dient der Voraussetzung des Stoffwechsels [vgl. Leontjew 1964/30f£].Google Scholar
  31. 44.
    Dieser Struktur-Begriff ist auf keinen Fall zu verwechseln mit visuellen Strukturen. Ersterer kennzeichnet Vorgänge des Denkens mit abstrahierenden Zeichen, wohingegen der zweite visuelle Strukturierung als Vorgang des Sehens von Formen erfaßt.Google Scholar
  32. 45.
    Auffällig ist, daß häufig der Entenkopf zuerst gesehen wird, was eventuell mit der kulturbedingten Schreibrichtung von links nach rechts zusammenhängt oder eventuell auch nur mit den zu tiefen und zu schmalen Ohren des Hasen. Man könnte sich auch der Meinung von Ernst Pöppel [vgl. 1982/143ff.] anschließen, der eine Links-Bevorzugung bei Bildern mit stark emotionalem Charakter auf die Aktivität der gefiihlsmäßig orientierten rechten Hemisphäre zurückführt, die bei einem Blick nach links angesprochen wird.Google Scholar
  33. 46.
    Die chinesische Malerei versucht nach Untersuchungen von Goepper grundsätzlich nicht eine “naturgetreue” Darstellung zu erreichen, was in folgenden Zitat von Su Tung-p’o (1036–1101) zum Ausdruck kommt. “Wer über Bilder urteilt nach der Ähnlichkeit der Formen, dessen Ansicht ist der eines Kindes verwandt” [zitiert nach Goepper 1962/12].Google Scholar
  34. 47.
    Wahrnehmung und sinnliche Erkenntnis sind in gewissem Sinne synonym. Die beiden Begriffe können leider nicht auf ein Nenner gebracht werden, weil die Autoren in wichtigen Begriffen, wie z.B. Wahrnehmungssystem, das Wort Wahrnehmung gebrauchen, obwohl es auch als System der sinnlichen Erkenntnis benannt werden könnte.Google Scholar
  35. 48.
    Zu bemerken ist hier noch, daß sich Personen z.B. bei völliger Farbenblindheit (Achromatopsie/Hirnläsion) keine Farben mehr vorstellen oder aus der Zeit vor der Erkrankung in Erinnerung rufen können [vgl. Zeki 1992/59].Google Scholar
  36. 49.
    Zu den präattentiven Prozessen [s.S. 87 Fußn. 411Google Scholar
  37. 50.
    Den wohl ehrlichsten Anzeiger fir Wahrnehmungs-und Ausdrucksphänomene einer Kultur stellt die Jugend dar. In neuerer Mode hört sie in der Schnelligkeit des Takts kaum noch zu überbietenden TechnoPop und bewegt sich dazu in stroboskopischer “Zeitlupe”.Google Scholar
  38. 51.
    Auch Husserl bemerkt: ‘Die Wahrnehmung? Seinen wir genauer. Wiederkehrend ist sie unter keinen Umständen individuell dieselbe. Nur der Tisch ist derselbe, als identischer bewußt im synthetischen Bewußtsein, das die neue Wahrnehmung mit der Erinnerung verknüpft“ [Husserl 1980/74].Google Scholar
  39. 52.
    Unter Interaktion soll ein aneinander orientiertes Verhalten von Individuen verstanden werden. Der Begriff der “sozialen Wirkungsbeziehung” greift bei Schütz eine Interaktion auf, bei der Individuen in größere Zusammenhänge verflochten werden [vgl. Schütz 1971a/25; Sommerfeld 1980/221].Google Scholar
  40. 53.
    Es mutet ein wenig widersprüchlich an, “zweite Ordnung” und “doppelte Kontingenz” in einem Atemzug gleichzusetzen. Dennoch hat es seine Berechtigung, wenn man bedenkt, daß Kommunikation wie auch Wahrnehmung ihre jeweils eigenen Wirklichkeitskonstruktionen aus einer Möglichkeit heraus schöpfen. Kommunikation schafft eine zweite Ordnung aus den Möglichkeiten wahrgenommener Wirklichkeit, und Wahrnehmung errichtet eine erste Ordnung und damit Wirklichkeit aus den Möglichkeiten der Empfindungen [s.S. 62 Fußn. 20 (Kontingenz)].Google Scholar
  41. 54.
    In Anlehnung an den Begriff “Darbietungscode” von Kanngießer/Kriz [vgl. 1983/93].Google Scholar
  42. 55.
    Diese direkte Kommunikation im Beziehungsaspekt formulieren Oeser u. Seitelberger [vgl. 1988/163] als “’reine’ Kommunikation”, die ohne symbolische Repräsentation Bewußtseinsleistung integriert. Denn durch “subtile Beeinflussungen” [Watzlawick 1978/47] im Beziehungsaspekt “… wird etwas möglich, was unabhängig von der ursprünglichen Kommunikationsfunktion zwischen Individuen ist, nämlich: das interne Manipulieren mit sprachlichen Symbolen im Denken, was schon Platon als ‘leises Sprechen’ bezeichnet hat” [Oeser u. Seitelberger 1988/163, vgl. Scherer 1979/25ff.]. Eine semiotisch wie soziologisch unzureichende Auffassung vertreten Nöth [vgl. 1985/191], Müller und Sottong [vgl. 1993/34f.]. Sie wollen die Interpretation von Anzeichen (den Index z.B. einer roten Nase eines Alkoholikers) nicht als ein kommunikatives und semiotisches Zeichen verstehen, weil ein “natürliches” Anzeichen ohne willentlichen »Sender« und ohne Wahlmöglichkeit bleibt. Für Bilder ist es jedoch erforderlich, WahrnehmungsHandeln gegenüber Farben und Formen nicht als Kommunikation, jedoch die pragmatische Interpretation irgendeiner Form als Zeichen insofern als Kommunikation aufzufassen, wie diese vom Betrachter als solche interpretiert wird, obwohl der Adressant möglicherweise manche seiner Ausdrucksformen und -möglichkeiten nicht als Zeichen intendierte [s.S. 95, 125 (Handeln)].Google Scholar
  43. 56.
    Bisher sind beispielsweise Video-Konferenzen und Bildtelefone noch die Ausnahme und dienen nur in untergeordneter Bedeutung dem primären Dialog mittels Sprache.Google Scholar
  44. 57.
    Der Begriff des “konsensuellen Bereichs” benennt bei Maturana [vgl. 1991/108; Roth 1991a/261, 274] in hier nutzbringender Deutung einen Bereich der “strukturellen Kopplung” [s.S. 94] von Wahrnehmungsstrukturen mehrerer Individuen mit ihrem Kommunikation-Medium.Google Scholar
  45. 58.
    Genaugenommen läßt sich unter gestaltpsychologischen und hirnphysiologischen Gesichtspunkten nicht von einem Zeichenrepertoire sprechen. Vermutlich dauern eher prägnante Strukturen als wirkliche Elemente im psychischen Gedächtnis an. Dies schwingt im Begriff des “Repertoires” mit. »etwas« verstanden wissen, als Bildgegenstand ist sie aber trotzdem ein Zeichen, welches schon anzeigt, daß ein Bild zu sehen sein wird. Gerade weil aber nichts begrifflich Faßbares repräsentiert ist, verweist die konkrete Malerei auf die unbegriffliche Bilderfahrung, die allen Bildern gemeinsam ist.Google Scholar
  46. 60.
    Kunsthistoriker, Archäologen und Ethnologen sind in diversen Fällen damit beschäftigt, solche Dinge als (An-) Zeichen zu verstehen, die von dem Hersteller des Gegenstandes nicht als Zeichen gedacht waren. Beispielsweise wenn aus einzelnen Nägeln, Leinwänden und anderen Materialbeschaffenheiten historische Datierungen oder Indizien sozialer Zusammenhänge abgeleitet werden.Google Scholar
  47. 61.
    Aus diesem Grund wirken Träume oder Einbildungen manchmal sehr real. Auch Bühnenbilder des Theaters bewahren den Unterschied zum Zuschauerraum, solange wie sie die Besucher nicht selbst ins Spiel bringen.Google Scholar
  48. 62.
    Ernst Pöppel [vgl. 1982/164f.; 1985/51ff.] vertritt aufgrund seiner Forschungen die Meinung, daß Musik, Gedichte oder Bildsequenzen einem oberen Zeitintervall von 2–3 Sekunden unterliegen, um vom menschlichen Gehirn noch als eine einzige Bedeutung verarbeitet zu werden. Sicherlich unterliegt menschliche Kommunikation der Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns in unteren und oberen Intervallen für eine einzige Bedeutung.Google Scholar
  49. 63.
    Wären die Tafeln mit Tintenklecksen beim Rohrschach-Test nicht stark mehrdeutig, dann würde nichts über die subjektive Persönlichkeitsstruktur des Betrachters herauskommen.Google Scholar
  50. 64.
    Peirce schreibt: “Vielleicht kann jedes Rheme [Rhema] etwas an Informationen [Nachrichten] vermitteln, doch wird es nicht in dieser Weise interpretiert” [Peirce 1983/125].Google Scholar
  51. 65.
    Um eine Interpretationsverschiebungen innerhalb der Kunst-“Welt” zu erzeugen, spielen die Künstlerinnen Elaine Sturtevant und Cindy Sherman mit Reproduktionen von sehr bekannten Kunstwerken.Google Scholar
  52. 66.
    Ich muß hier der Begriffsführung von Linguisten zuwiderhandeln, die mit »monosemantisch« die Bedeutung eines Zeichens beschreiben wollen. Wie Linguisten allerdings schlüssig begründen wollen, daß beispielsweise das begriffliche Symbol »Auto« nur eine Bedeutung hätte, scheint mir uneinsichtig. Der Bedeutung von »Auto« ist allenfalls zuzugestehen, daß sie auf wenige Bedeutungen in pragmatischen Kontexten zusammenschrumpft, obwohl ihre symbolische Bezeichnung viele verschiedene Autos bezeichnen kann, also polysemantisch ist.Google Scholar
  53. 67.
    Es liegt schon ein gewisser Witz darin, wenn Morris einen Hund auf ein Futterzeichen konditioniert, aber nach einiger Zeit das Denotat “Futter” nicht mehr bereitstellt und dann selbst das signalisierte Denotat verleugnet, obwohl der Hund das Denotat, den bedeuteten Sachverhalt des indexikalischen Zeichens, durchaus noch erinnerte.Google Scholar
  54. 68.
    Diese von Saussure [vgl. 1931/78] eingefiihrte semiologische Unterscheidung bleibt aufgrund von Ecos Verwendung und dem angestrebten «Signifikationscode schwer zu umgehen. Unter dem Vorbehalt, daß ein Bild sich selbst als Zeichen seiner Funktion anzeigt, kann mit Schönrich für die normale Zeichenbeziehung zum Objekt gesagt werden: “Der Signifikant beschreibt ersichtlich den Zeichenmittelbezug, das Signifikat den Objektbezug. Für die Vermittlung beider Momente unter dem Gesichtspunkt der Drittheit reserviert Saussure den Ausdruck ”Zeichen (signe)«“ [Schönrich 1990/287]. Nach Nöth [vgl. 1985/65] bleibt dies umstritten, weil dann die Saussuresche Dyade zur Triade wurde, was zufolge hätte, daß die Peircesche Triade als Tetrade aus Zeichen, Repräsentamen, Objekt und Interpretant aufzufassen wäre.Google Scholar
  55. 69.
    Eco schreibt hier “Signifikationssystem’. Codes unterstützen zwar Systeme, sie selbst verlaufen jedoch selten in funktionalen Erwartungserwartungen eines sozialen Systems. Soziale Systeme vertragen auch uncodierte Kommunikation.Google Scholar
  56. 70.
    Hier möchte ich Bense zuvorkommen, der an Ecos Begriff der »kulturellen Einheit« und “Barthes’ strukturalistische Transzendierungen des Zeichenbegriffs… [bemängelt], daß diese Autoren beständig Semiotik mit Hermeneutik verwechseln” [Bense 1979/17]. Diese Kritik trifft zu, jedoch müßte Bense sich die Frage gefallen lassen, was seine Semiotik außer den operationalisierten Klassifikationen seines Theoriezirkels beinhaltet.Google Scholar
  57. 71.
    Ein vorzügliches Beispiel hierfür geben brillenlos sichtbare 3-D Bilder [vgl. Baccei 1994].Google Scholar
  58. 72.
    Im Unterschied zum Schlußverfahren der Deduktion und der Induktion benennt Peirce das Schluß-verfahren der “Abduktion” als eine Hypothese folgender Art: “Regel. - Alle Bohnen aus diesem Sack sind weiß. Resultat. - Diese Bohnen sind weiß.. . Fall. - Diese Bohnen sind aus diesem Sack” [Peirce 1967 1/367].Google Scholar
  59. 73.
    Der Unordnung im Werk von Peirce folgte eine unzureichende Rezeption, die einen monumentalen Sumpf heraufleschwörte, der darin besteht, daß viele Autoren die Objektbezüge (Ikon, Index, Symbol) noch nachvollziehen konnten, dann aber diese Objektbezüge als vollständige Zeichen ohne Zeichenmittel und Interpretantenbezug behandelten. Diese wissenschaftlich tradierte Konfusion mündete zuletzt darin, daß Scholz in seiner an Goodman orientierten Bildtheorie den “… Eindruck… [hat], von der Trias Ikon - Index - Symbol bliebe nur die Unterscheidung zwischen Index und Symbol übrig…” [Scholz 1991/150].Google Scholar
  60. 74.
    Metz schrieb auch, Kino wäre eine “Sprache ohne Sprache” [Metz 1972/95] im Sinne Saussures von langage (menschliche Rede/Ausdrucksweise) ohne langue (konventionelle Sprache).Google Scholar
  61. 75.
    Reckt schreibt: schon Platon löste sich von der Vorstellung, “… wonach Mimesis oder Nachahmung der Natur… auf die genaue Abbildung von der ‘Vorderseite der Dinge’… festgelegt wäre” [Recki 1991/118].Google Scholar
  62. 76.
    Zur Bildpropaganda von Herrschaft siehe Belting [vgl. 1990/23] und - trotz einiger semiotischer Fehlschlüsse - Hoffmann [vgl. 1982/258ff.].Google Scholar
  63. 77.
    Was A. Assmann irrtümlich als “Sprache der Dinge” [Assmann 1988a/244] bezeichnet, kommt allein dort vor, wo “Dinge” versprachlicht werden, wie z.B. “die Schlaue des Fuchses”.Google Scholar
  64. 78.
    Diese Semiotisierung von Formen beschreiben Luhmann [vgl. 1990a/14; 1987/230, 112; 1986a/8f.] und Baecker [vgl. 1990/68f., 89] jedesmal, wenn sie in der Formulierung von Spencer Brown [vgl. 1972/70ff.] darauf insistieren, daß die Innenseite einer ersten Form über eine unterscheidbare Invarianz beobachtet wird. Mit dieser ersten Unterscheidung wird es in Zeichencodierungen der Drittheit möglich, jene Innenseite der Form zu bezeichnen, sie als Zeichen für eine Funktion aufzunehmen oder als Bezeichnung (im re-entry) fir etwas anderes figurieren zu lassen. Was dabei unausgesprochen bleibt, ist, daß neben der wahrnehmungsmäßigen Konstruktion von Formunterschieden auch formhafte Flachen wahrgenommen werden, die - von Farbqualitäten ausgefüllt - ästhetische Emotionen ohne weitere Unterscheidungsleistung provozieren. Am Anfang jeglicher Identität steht zwar Differenz, diese ist jedoch erst dann zu verwirklichen, wem differenzlose Erstheit (z.B. in der Lichtintensität oder in ununterschiedener bzw. unentscheidbarer Emotionalität) als Bedingung weiterer Möglichkeiten empfunden wird.Google Scholar
  65. 79.
    Bei Husserl heißt es: ‘Realität und Welt sind hier eben Titel für gewisse giiltige Sinneseinheiten, nämlich Einheiten des »Sinnes«, bezogen auf gewisse ihrem Wesen nach gerade so und nicht anders sinngebende und Sinnesgültigkeit ausweisende Zusammenhänge des absoluten, reinen Bewußtseins“ [Husserl 1980/106 §55]. »Titel für Sinnesempfmdungen» sind für Husserl grundsätzlich nicht mit den erinnerten Sinngebungen in der Lebenswelt identisch, denn das ”Nichterinnerbare… kann eben nur ‘gelebt’, aber in keiner Weise ‘gedacht’ werden; es ist wesentlich unartikuliert“ [Schütz 1974170].Google Scholar
  66. 80.
    Eco [vgl. 1991/269] präzisiert, daß das alltägliche Spiegelbild von »etwas« kein Zeichen ist, weil man es nicht zum Lügen verwenden kann. Ebenso sind verschiedene Zeichencodierungen ein Spiegelbild von konzeptualisierten Denkgewohnheiten, die als Kulturformen weder wahr noch falsch sind. Beispielsweise ist die Sprache als sinnkonstituierende Zeichencodierung von Weltbildern nicht schon selbst eine Lüge. Es kann sein, daß eine Zeichencodierung z.B. musikalische Denkgewohnheiten nicht spiegeln kann, das wäre aber keine Lüge, sondern betrifft die Leistungsfähigkeit der Zeichencodierung selbst.Google Scholar
  67. 81.
    Es gibt freilich Ausnahmen, z.B. ließ Sigmar Polke bei den Bildern “weiße Wolke” [1992] u. “Haus vom Nikolaus” [1992] auf einer Malfläche aus Gaze große Bildflächen unbemalt stehen, wodurch die Keilrahmen und die hinter den Bildern befindliche Wand sichtbar wurde.Google Scholar
  68. 82.
    Mit dieser Bemerkung vermeidet sowohl Luhmanns Theorie als auch diese Arbeit, Sinn als Zeichen und Bezeichnung für sich selbst zu verstehen. Der einzige Sinn, der kein Zeichen ist, kommt allerdings nach Peirce in dem Wechsel der Denkgewohnheit von beispielsweise Fühlen zu Denken vor. Nach Karger [vgl. 1986/42] zieht jede Veränderung der Denkgewohnheit bereits ein Zeichen nach sich. Dies würde dann aber heißen, daß jede Veränderung von Sinn als Zeichen auftaucht und dann notwendigerweise selbst ein Zeichen des Übergangs zu anderen Sinnkontexten ist. Dieses Zeichen müßte also ein indexikalisches Zeichen sein. Die Nichterfüllung der Funktion des Zeichens, die entsteht, wenn Sinn als Zeichen für sich selbst genommen wird, indiziert dann, daß ein Wechsel des Sinnkontextes oder der Denkgewohnheit eben noch nicht stattgefunden hat, was man aber erst bemerkt, wenn der Wechsel stattgefunden hat.Google Scholar
  69. 83.
    Dürer entwickelte seine Zentralperspektive aus einem Fadenraster, welches in einen Rahmen gespannt, die fixierte Sicht auf einen Gegenstand konkretisierte und so berechenbar auf ein Linienraster des Malgrundes übersetzbar wurde.Google Scholar
  70. 84.
    Luhmann geht allerdings zu weit, wenn er schreibt: “Mit der Bezeichnung »Konsens kann nur die Bewußtseinslage der Umwelt des Gesellschaftssystems gemeint sein, soweit sie als Medium für Formen fungiert, über die durch Kommunikation entschieden wird” [Luhmann 1992/56]. Bilder opponieren dagegen. Sie ermöglichen eine konsensuelle Bewußtseinslage, in der Umwelt wahrgenommen wird, obwohl diese durch Kommunikation und das System erst hergestellt wurde, also einen (Sinn-)Konsens innerhalb der visuellen Kommunikation beinhalten.Google Scholar
  71. 85.
    “In der allgemein [und traditionell] gebräuchlichen Terminologie wird ‘Consensus’ mit ‘individueller Übereinstimmung’ gleichgesetzt. Zwei oder mehr Individuen nehmen unabhängig voneinander auf ein gemeinsames Objekt ihrer Wahrnehmung, Beurteilung, Entscheidung Bezug. Das Ausmaß, in welchem die einzelnen Mitglieder in ihren Wahrnehmungen, Beurteilungen, Entscheidungen übereinstimmen, wird als Ausmaß des Consensus bezeichnet [Siegrist 1970/6]. An dieser Ausgangsdefinition kritisiert Siegrist zutreffend, daß ein Konsens in den Bezeichnungsformen nicht auch einen in den Bedeutungsinterpretationen nach sich ziehen muß, da für die letzteren auch Kontext-Nachrichten relevant werden. Er kommt daraufhin zur folgenden Defmition, der ich mich anschließe: ”’Consensus’ heißt das zwischen Interaktionspartnem aufgrund reflexiver Ko-Orientierung erreichte Einverständnis“ [Siegrist 1970/55].Google Scholar
  72. 86.
    Der chinesische und japanische Taoismus besitzt beispielsweise eine “künstlerische” Konvention, Tuschbilder aufgrund einer Zufälligkeit entstehen zu lassen, obwohl sie erst dann repräsentieren, wenn in ihnen etwas gesehen wird, wenn in der Bezeichnungsform eine kulturelle Einheit zur Bedeutung gelangt [vgl. Chung-yuan 1985/208ff.].Google Scholar
  73. 87.
    Zwar hat auch die Sprache (z.B. im Beziehungsaspekt des Gesangs) etwas Unwiederholbares, da Gleiches in identischen Zeitsituationen unsagbar ist, aber - darauf kommt es an - man kann die syntaktisch-semantische Bezeichnung in deckungsgleicher Regelbefolgung nochmals darstellen. Sinnstiftungen angewiesen, falls sie in die visuell kommunikative Lage versetzt werden sollen, Sinn per “kulturellem Gesetz” zu symbolisieren. Denn die wenigsten Symbole sind visuell sinnfällig bzw. visuell kommunikativ plausibel.Google Scholar
  74. 88.
    Nach Peirce besteht das allen Naturgesetzen zugrunde liegende Kennzeichen darin, “… daß jede als Naturgesetz bezeichnete Aussage als Grundlage für Voraussagen dienen kann und auch dazu dient” [Peirce 1991/293]. Unter bilduntypischen Umständen und im theoretischen Idealfall, den Bilder (A) [s.Abb. 11] fast nie verwirklichen, beschreibt die Linearperspektive in geometrischen Gesetzen eine Darstellungsweise, die bei einäugiger, röhrenförmiger und körperlich unbewegter Sicht auf ein bekanntes Objekt so erfahren werden könnte, als ob sie eine naturgesetzliche Darstellung wäre [hierzu Rehkämper 1993]. Hinzu kommt aber, was Rehkärnper übersehen hat, daß eine ideale Perspektive nur dann als naturidentisch erfahren wird, wenn die Entfernungsakkommodationen des Auges in der Beobachtung von Einzelheiten unverändert bleiben. Diese Unveränderlichkeit erfüllt nur das Bild (B), das in Größe und Entfernung mit dem Gegenstand (C), z.B. einer Hauswand, identisch ist. Wenn aber das Bild (B) mit dem Gegenstand (C) in den Entfernungen identisch scheint, dann ist das Bild kein Bild mehr, sondern eben eine vorgetäuschte glatte Hauswand, die nichts Dreidimensionales an sich haben darf. Denn wäre die Hauswand mit einem Balkon ausgestattet, dann würde das Auge im perspektivischen Bild gleiche und in der Wirklichkeit unterschiedliche Entfernungsakkommodationen wahrnehmen. Die perspektivische Darstellung (A) entspricht demnach keinesfalls der natürlichen Wahrnehmung, sondern ist eine kulturelle Konvention für visuelle Kommunikation. Aber unter idealisierten Bedingungen und unter der naturgesetzlichen Prämisse, daß sich Licht auf kurzen Distanzen geradlinig ausbreitet, sanktioniert das Verhalten des Lichts (entgegen Goodmans [vgl. 1973/30] Behauptung, daß es nicht so geschieht) auf jeden Fall die Modalitäten solcher zweidimensionalen Abstraktion, die versucht, die Linearität der “Lichtstrahlen” (z.B. die Camera obscura) auf der Bildfläche einzufangen. Demnach partizipiert die Linearperspektive in Bildern teilweise an der kulturell erwarteten Naturgesetzlichkeit der Lichtausbreitung. Damit meine ich, daß die Idealbedingung der perspektivischen Darstellung keine kulturelle Konvention ist, weil die optischen Gesetze der Lichtausbreitung vermutlich überall und auch demnächst noch gelten werden. Trotzdem ist es aber eine kulturelle Übereinkunft, daß wir die relative Annäherung an ein optisches Naturgesetz nutzen, um mit Bildern visuell kommunizieren zu können. Diese relative Annäherung verändert sich in Graden ständig. Im weiteren werden uns unrealistisch erscheinende Perspektiven in anderen Kulturen durchaus als realistisch anerkannt. Kulturbedingte Realismusinterpretationen (Rhema) haben mit der Linearperspektive (Legizeichen) nichts gemeinsam. Sie gehorchen einer bildbezogenen Erkennungsgewohnheit.Google Scholar
  75. 89.
    Jeder Fotograf wird bemerken, daß die diversen Objektive sehr unterschiedliche Veranschaulichungsfehler und Verzerrungen der Linearperspektive an den Rändern des Fotos verursachen. Offensichtlich vollstreckt jedes Objektiv ein wenig eigene Darstellungsgesetze. Ästhetisierung der Darstellungsform, so daß symbolische Inhalte solch ikonischer Nachrichten irgendwie und irgendwann einmal möglich werden können. Bei kritischer Auslegung automatischer Bilderzeugung wäre das einzige, was dem widerspruchslos hinzunehmenden Sonderrecht noch entgegnet werden könnte, daß ikonische Weltrepräsentationen (Weltbilder) einfach nicht schön sind, weiter nichts [s.S. 43 (Rhema)] Je nach normativer Haltung eröffnen sich hier zwei Beurteilungsmöglichkeiten: einerseits kann man den kollektiv verbindenden Sinnkonsens, der ikonischen Formen nachfolgt, als die Zerstörung des symbolischen Interpretationsrahmens verstehen, wie z.B. Kleinspehn [vgl. 1989/157ff.] im Anschluß an A. Lorenzer kritisch einwendet, oder man bejaht andererseits das prälogische Sonderrecht ikonischer Formen, weil es eine erste Gelegenheit bietet, daß Individuen sich aufgrund leichtverständlicher Sinnlichkeit kommunikativ vergesellschaften, um sich überhaupt irgendwann einmal auf der symbolischen Ebene der Kommunikation einfinden zu können. Der symbolische, in diesem Zusammenhang der ikonische Interaktionismus der Kleidermode und der der Bewerbungsfotos für Arbeitgeber wären zwei Beispiele dafür, wie optische Sinnlichkeit kommunikative Anknüpfungspunkte bietet, die zu subjektiven Zugehörigkeitsverhältnissen oder zu vermeintlich gleichen Lebensgefühlen führen. Solche subjektiven Zugehörigkeitsverhältnisse, die durch ein Schönheitsempfinden ikonischer Formen provoziert werden, möchte ich als »emotions-motivierten Sinnkonsens« verstehen, damit deutlich bleibt, daß Schönheit zwar kommunikativ bestätigt werden kann, aber keinesfalls interpersonal kontrollierbaren Funktionskriterien gehorcht.Google Scholar
  76. 90.
    Der emotionsmotivierte Sinnkonsens spielt ebenso in den Absichten von Künstlern eine bedeutende Rolle. Sie müssen und wollen in der interkulturellen Kunstwelt lokale Sprach-und Interpretationsbarrieren überwinden, wie mir eine Diskussion mit chinesischen und russischen Konzeptualisten (Sergei Anrufriev, Kirill Prebrjenski, Kong Chang Ain, Wang Iang Ping, Wu Shan Zhuan) in Hamburg 1993 zeigte, wenn sie darauf abstellen, daß Kunst entweder ein gutes oder ungutes Gefühl verursacht. Ebenso belegt der Modekonzem (United Colors Of) Benetton in seiner “Global Vision” [Iiyama 1993] eine vorsymbolische Kommunikationsstrategie, die mittels eines corporate designs eine emotionale Verbundenheit weltweit vorantreiben soll.Google Scholar
  77. 91.
    Diese Besonderheit kritisiert Welsch (1993a) und sie wurde bereits im Mittelalter von Bernhard von Clairvaux (1090–1153) angesprochen. “Die Augen werden geblendet von den vergoldeten Reliquien, und die Geldbeutel gehen auf. Man stellt wunderschöne Bilder eines heiligen Mannes oder einer heiligen Frau zur Schau, und je kräftiger die Farben dieser Bildwerke sind, für desto heiliger hält man die Dargestellten” [Clairvaux zit. n. Eco 1991a/20]. Ob das, was die Kulturindustrie produziert, tatsächlich schön ist, ist allerdings eine unentscheidbare Frage.Google Scholar
  78. 92.
    Beispielsweise bildet “nach ägyptischen Vorstellungen… das Götterbild nicht den Leib eines Gottes ab, sondern ist der Leib eines Gottes” [J. Assmann 1988b/152]. Denn im Ritual konstituiert sich die Überzeugung, “… daß religiöse Vorstellungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen und religiöse Verhaltensregeln begründet sind” [Geertz 1983/78].Google Scholar
  79. 93.
    Berger u. Luckmann [vgl. 1980/72] verwenden den Begriff “Zeichensystem”, den ich verworfen haue [s.S. 33, 177]. produzent wird an dem konununizierten Bildwissen zum Bildproduzenten, nicht an der Natur. Demnach schwingen in Bildern immer Wissenssegmente tradierter Bildformen mit, damit ein Bildproduzent überhaupt die kommunikative Performanz erreicht, visuelle Beobachtungen auch visuell als Wissensmodelle von etwas interpersonal zu kommunizieren. Um Wissen zu kommunizieren, müssen Individuen also einer Wissensgemeinschaft angehören, von der sie die Tradition des Wissens kennenlernen, damit sie den Wissensbestand erweitern können. Sie müssen daher die visuell kommunizierten Formen des Wissens akkommodieren und assimilierend (“ähnlichmachend”) abduzieren [s.S. 149], wenn sie am Wissen einer Gesellschaft rezeptiv und kartographierend teilhaben wollen. Zunächst soll von Interesse sein, wie in visuellen Kommunikationscodes einzelnen Problemen “die Form »Wissen«” [Luhmann 1992/165] gegeben wird.Google Scholar
  80. 94.
    Ausnahmen betreffen die Farbe sowie homologe Kopien von Bildern und von anderen zweidimensionalen Gegenständen [s.S. 181 FuBn. 88 (Perspektive)]. Wissen ist lediglich die Merkmalskonvergenz unersetzbar, die es im Sinn an seinen codierten Darstellungssinn der Kultur bindet, an den ikonischen Signifikationscode also.Google Scholar
  81. 95.
    Von mir ungeprüft, wird diese Schellingsche Textstelle wie folgt angegeben: “Erster Entwurf eines Systems der Naturphilosophie. Fünfter Hauptabschnitt. Werke. Erste Abteilung. Band II. S. 623” [Horkheimer/Adorno 1984/36].Google Scholar
  82. 96.
    Erst die repräsentierende Darstellungs-Form (“Figur”) gehorcht einer Kommunikationscodierung, die eine kommunizierbare Differenz zur Umwelt bezeichnet [entgegen Luhmann 1986/147f., u. vgl. Luhmann 1990a/14]. dings interkulturellen Schönheitskriterien lediglich die harmlosesten Beispiele, wenn entgegen aller symbolischen Realitätskonstruktionen auch Politiker aufgrund ihrer auf Jugendlichkeit getrimmten Gesichter gewählt werden. Pessimistisch gewendet gerät so die kritische Abklärung der Aufklärung in eine ästhetische Verklärung.Google Scholar
  83. 97.
    Thürlemann [vgl. 1990/71ff.] rekonstruierte am Beispiel eines Bildes von Dürer, daß Regeln der Farbdispositionen und abstrakten Farbordnungen konventionell sein können und dem historischen Wandel unterliegen.Google Scholar
  84. 98.
    Zu diesem Begriff vgl. Bohrer 1981. ist, damit angemessen und kommunikativ reagiert werden kann. Dies bedeutet auch, daß eine Person die kulturellen Bildsedimente akkommodiert haben muß, damit sie künftig per assimilatorischer Bildwahrnehmung eine Situation gesellschaftlicher Kommunikation wiedererkennt. Es sind demnach die kulturellen Bildsedimente von Legizeichen, vor deren Hintergrund sich die mit Aufmerksamkeit belegte Bildkommunikation abspielt.Google Scholar
  85. 99.
    Auf dem Symposium Interface II in Hamburg am 5.2.1993. oder symbolische (meist verbale) Bezeichnungsfunktionen beinhaltet. Und man enthüllt derzeit kaum Geheimnisse mit der Meadschen [vgl. 1988] Feststellung, daß jene Person auch jene beiden Bezeichnungsfunktionen weitestgehend von ihrer Kultur erlernt hat, weshalb der Index und das Symbol die individuelle Aufmerksamkeit den anderen verwandt auf kulturrelevante Merkmale lenkt. Kurzum: man kann zwar vieles in ikonischen Sinnkontexten visuell wiedererkennen, jedoch wird das Wiedererkannte in einen interpretierten Bedeutungsrahmen eingeflochten, der seine willkürliche Aufmerksamkeit verbalen Begriffen und indexikalischen (non-verbalen) Referenzvorstellungen der jeweiligen Kultur verdankt, sobald eine sozial-kommunikative Relevanz angestrebt, mitgeteilt und interpretiert werden soll.Google Scholar
  86. 100.
    Zweifellos erlangt ikonisch Wiedererkanntes auch individuell motivierte Bedeutungen, die das zum Ausdruck bringen, worin sich ein Individuum selbst ästhetisch/emotional im Bild “wiederfindet”. Aber, und dies ist eine kommunikative Sperrung, das Individuum kann seine “Selbstfindung” und Affinität erst dann vermitteln, wenn diese für jemand anderen einen indexikalischen oder symbolischen Verweis auf die ikonische Bezeichnungsfunktion enthält. Das Individuum könnte lachen, erschrecken, berührt sein, darauf zeigen oder sprechen. Dies begründet, daß singulär wiedererkannte ikons im Bild für niemand anderen, und auch für jenes Individuum keinesfalls selbst etwas anderes bezeichnen würden, sobald indexikalische (Verhaltens-/Reaktion-/Handlungsweisen) oder symbolische Äußerungen unlokalisierbar wären, wenn also das Gesehene interaktiv und kommunikativ bedeutungslos bliebe. Bei individueller Interpretation und zwischenmenschlicher Kommunikation entfällt demnach die Bezeichnungsfunktion der ikonischen Ähnlichkeit, falls deren Index unbemerkt bleibt oder in Vergessenheit gerät. Dieser Verlust der Kommunikation zeichnet sich ebenfalls dort ab, wo die permanente Indizierung der Bildfunktion als visuelle Kommunikation kaum noch Interpretationen bewirkt. Deshalb betrachten wir in zeitweiser Vergessenheit der eigentlichen Funktionsindizierung meist anwesende Bildumwelten, zu denen wir sagen, wir sehen ein Auto, einen Baum, ein Tier usw., obwohl wir ein Bild von einem Auto, einem Baum und einem Tier sehen. Oder wir reagieren auf (manchmal minimale) Differenzen des Veranschaulichten, indem wir z.B. in Gesichtern eine Glücklichkeit, Trauer oder Melancholie wahrzunehmen meinen. In solchen Fällen verliert die ikonische Ähnlichkeit ihre Bezeichnungsfunktion, da wir mit Worten und Reaktionen unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, »was« wir in Bildern sehen und nicht darauf, »wie« Bilder kulturell per “optischer Nachahmung” an ohnehin selten überprüfbaren Fakten etwas veranschaulichen. Solange nämlich ein Ikon jemandem so erscheint, als ob es Eigenschaften von Gegenständen oder vorgetäuschten Umwelten hätte, solange erzeugen Bilder optisch anwesende Umwelten, in und an denen erst indexikalischeGoogle Scholar
  87. 101.
    [s.S. 38 u. genauer S. 316 “kommunikative Funktion von mimetischer Ähnlichkeit”] oder symbolische Bezeichnungen auffallen müssen, wenn über die visuell kommunikative Information hinaus eine interaktionistische Kommunikation zweiter Ordnung erfolgen soll.Google Scholar
  88. 102.
    Beispielsweise verstehen heutige Betrachter von Bildern des 15. Jahrhunderts die Botschaft der Farbe Ultramarinblau vermutlich selten im gemeinten Sinne. Denn diese Farbe sollte den Reichtum des Auftraggebers symbolisieren und seine besondere Wertschätzung einzelner Figuren indizieren [vgl. Baxandall 1987/20].Google Scholar
  89. 103.
    Ich übersetze hier die Terminologie von Piaget [vgl. 1983/56], da er nur Zeichen als sozial auffaßt, während er Symbolen und Symbolisierungen einen individuellen Ursprung zuschreibt, der im operationellen Denken und in Bildern etwas nicht Gegenwärtiges repräsentiert.Google Scholar
  90. 104.
    “Dem Begriff entzogen, die Anschauung erfüllend, fordern diese Bilder das Anschauen, sonst nichts. Und gerade deshalb fordern sie, in ihrer Unbegrifflichkeit dennoch begriffen zu werden. Als =konkrete Malerei…, weil nichts konkreter ist, nichts realer als eine Linie, als eine Farbe, als eine Fläche«, bezeichnete Theo van Doesburg die sonst abstrakt genannte Kunst in seinem Manifest von 1930.” [Bockemühl 1985/13 (Auslassungspunkte sind zitiert); vgl. Pawek 1963/66]Google Scholar
  91. 105.
    Mit “Wunderblock” wird bei Freud [vgl. 1994/363ff.] die Maltafel für Kinder benannt, die Zeichnungen mit farblosen Stift erlaubt, indem ein farbiges Wachspapier von dem Stift an eine obere Zelluloidplatte gedrückt wird, um den Strich sichtbar werden zu lassen. Das wichtige ist, daß das Wachspapier alle (Mal-)Spuren behält, während auf der Zelluloidplatte stets Zeichnungen gelöscht und neue angefertigt werden können.Google Scholar
  92. 106.
    Diese psychologisch organoide Ausdrucksweise behalte ich mangels einer passenderen bei, obwohl Gesellschaften oder soziale Systeme allein in interaktionsfähigen ÄuBenmgen, also außerhalb von Individuen über die Kultur als Gedächtnis im Sinne eines Organs (“Werkzeuges”) verfügen.Google Scholar
  93. 107.
    “In the widest Bence of the word culture may be understood as non-hereditary collectiv memory expressed in a defmite system of prescriptions and prohibitions” [Lotman u. Uspenskij 1984/3] unternahm Aby Warburg mit seinem “Mnemosyne-Atlas”. Warburgs pragmatischer Beobachtungsstand ist zwar unwiederbringlich verloren und seit dem 2. Weltkrieg gilt auch das originale Bildtafelwerk als verschwunden, aber dessen Sagengestalt macht weiterhin als Beispiel eines kulturellen Gedächtnisses nachhaltigen Eindruck [vgl. Rappl 1993]. Denn mit dem Atlas wollte Warburg nach Meinung Gombrichs darauf hinweisen, daß “… das Bild… im Kollektivgedächtnis dieselbe Rolle [spielt] wie das »Engramm« im Zentralnervensystem des Individuums. Es [sollte]… eine Energieladung [darstellen], die durch Berührung wirksam wird” [Gombrich 1992/381]. Wie speist aber ein umfangreicher Bildspeicher die Erinnerung für Kollektive?Google Scholar
  94. 108.
    »Möglichkeit zur Wirklichkeit« meint die Erstheit (Qualizeichen) als Voraussetzung zur konununikativen Zweitheit (Sinzeichen) in der Kategorie Erstheit. »Notwendigkeit zur Wirklichkeit« meint die Replicabildung oder Exemplifizierung in kommunikativer Zweitheit (Sinzeichen) aus der Drittheit (Legizeichen) in der Kategorie Erstheit.Google Scholar
  95. 109.
    Etymologisch kommt Merkmal von Mal, dessen reichhaltige Bedeutung folgendermaßen angegeben wird: 1) Schwedisch: »mil. im Sinne von “Abstecken, Abgemessenes, Maß”. 2) Mittelhochdeutsch: Fleck, Zeichen, Befleckung, Sünde, Schande“. 3) Und im heutigen Sprachgebrauch wird es verwendet, ”um die Wiederholung einer gleichen Lage zu verschiedenen Zeitpunkten anzugeben“ [Duden Etymologie 1989 Mannheim], also im Sinne eines (An-Merk-)Zeichens.Google Scholar
  96. 110.
    Das Original lautet: “Logisch zu denken heißt in der Tat immer, in gewissem Maß, auf unpersönliche Weise denken; es heißt auch sub specie aeternitatis denken” [Durkheim 1981/583], d.h., “unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit” zu denken. Hinzuzufügen ist noch, daß eine “Unperson” gerade das Gegenteil von einer Adresse ist, die man kommunikativ erreichen könnte, da sich z.B. in »unpersönlichen. Gesprächen die Person nicht angesprochen fühlt.Google Scholar
  97. 111.
    An diesem inneren Abgrund der Emotionen, der unausleuchtbar scheint, sehen die “intelligenten” Computer und die sonstigen lustlosen black boxes [s.S. 63 Fußn. 20] schwarz, solange sie den “blinden Fleck in Luhmanns Systemtheorie” [vgl. Schulte 1993/99ff.] nachahmen, indem sie die subjektive und affektive Introspektion für intern isolierte Problemlagen halten und daher annehmen, daß Kommunikation und kognitives Verstehen auf eine unvermischte (konföderationslose) Extrospektion reduzierbar wäre. Für diese black boxes wären soziale Systeme nur eine Folge von soziohormonalen Lockstoffen, wie sie beispielsweise Insekten nach außen abgeben. Infolge menschlicher Innenorientierung partizipieren Bilder jedoch am Begriff des “dramaturgischen Handelns”. Mit diesem Begriff beschreibt Habermas [vgl. 1988a/135ff.], wie ein Akteur [“Aktor”] seine innenweltliche Subjektivität so in der Außenwelt zur expressiven Äußerung formiert, daß diese anderen indiziert, wie ihm wiederum etwas subjektiv Emotionales zugerechnet werden kann. Die internen korrelieren deshalb mit den externen Problemlagen der visuellen Kommunikation, wie sich am Schluß dieser Arbeit zeigen wird.Google Scholar
  98. 112.
    Der konkave Hohlspiegel, der infolge der Krümmung sein Objekt an lügnerischer Stelle vortäuscht, spielt auf das von Lacan [vgl. 1991/63ff.; 1986/194] benannte Spiegelstadium an, in dem sich das Ich vom symbolischen Ort des andern zu sehen meint.Google Scholar

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