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Sehen von Zeichen in Bildern

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Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Die Prämisse, daß Bilder bedeutungsmögliche Flächen sind, auf denen mimetische Mitteilungen in einer kulturellen Form von hergestellten Zeichen segmentiert sind [s.S. 8], involviert die zeichengebrauchende Begabung des Menschen. Der Austausch von kulturellen Zeichen stiftet Gesellschaft, und umgekehrt bringt Gesellschaft kulturelle Zeichen hervor. Ohne Zeichen wäre der Mensch dem Augenblick seiner Wahrnehmung ausgeliefert. Ohne sie wäre ihm eine interaktive Möglichkeit genommen, die für ihn eine Zeitals auch eine Raumdistanz im sozialen Handeln überbrücken könnte. Wer am Leben der Gesellschaft teilhaben will, für den bleibt es unumgänglich, sich eines Zeichenrepertoires in der Kommunikationssituation zu erinnern. Kulturelle Zeichen stellen daher das erinnerungsfähige Mittel der Gesellschaft bereit, um auf jeweils neue Situationen kommunikativ zu reagieren. Verschwände dieser erinnerungsfähige Halt im kulturellen Zeichen, so würde jede andersartige Situation eine Aktualisierung und angemessene Erzeugung eines völlig neuen Zeichenrepertoires erfordern. Dies besagt nicht, daß Zeichen keiner interpretatorischen Veränderung unterliegen. Kommunikation an sich beinhaltet schon Veränderung, sobald sich ihr Verständnis als fruchtbar erweisen kann.

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Literatur

  1. 2.
    Eine kurze, aufschlußreiche Einführung zu Peirce gibt Nagl [vgl. 1992].Google Scholar
  2. 3.
    Ein Zeichen oder Repräsentamen ist ein erstes, welches in einer solch wirklichen triadischen Relation zu einem Zweiten steht, das sein Objekt genannt wird, um dadurch imstande zu sein, ein Drittes, das sein Interpretant genannt wird, dahingehend zu bestimmen, daß dieselbe triadische Relation zu seinem Objekt, in der es selbst zu dem gleichen Objekt steht, vorausgesetzt ist…. Ein Zeichen ist ein Repräsentamen mit einem geistigen Interpretanten [„Interpreten“].“Google Scholar
  3. 4.
    Ein Zeichen oder Repräsentamen ist etwas, welches für jemanden in einer gewissen Hinsicht oder Fähigkeit für etwas steht. Es adressiert sich an jemanden, d.h., es erzeugt im Bewußtsein jener Person ein äquivalentes oder bielleicht ein weiter entwickeltes Zeichen. Das Zeichen, welches es erzeugt, nenne ich den Interpretanten des ersten Zeichens. Das [erste] Zeichen steht für etwas, sein Objekt. Es steht für das Objekt nicht in jeder Hinsicht, Sondern in bezug auf eine Art von Idee, die ich manchmal den Grund des Repräsentamens genannt habe.“Google Scholar
  4. 5.
    Ich möchte den mittlerweile umstrittenen Begriff des »Repräo.byc.p.bo« als eine Eigenschaft von Zeichen und Darstellungen beibehalten, obwohl er auf kognitiver und jeder anderen Ebene sicherlich keiner „primitivnaiven Abbildtheorie“oder tatsächlichen“Abbildung der Außenwelt“entspricht, wie Oeser [vgl. 1988/46] klarstellt. Auf der Bewußenwelt. Auf der kommunikationsebene Borstellung, »eine Art von Idee« und kognitive Konstruktion einer Außenwelt, der gegenüber repräsentierende, vertretende „Kartographien“Orientierung bieten, ohne daß in ihnen die Präsente Außenwelt widergespiegilt wäre.Google Scholar
  5. 6.
    Der Unterschied zwischen Zeichenelement und Zeichenrelation könnte hier schnell überlesen werden. Deshalb sei auf Benteles [vgl. 1984/87–91] Darstellung verwiesen, in der er bei einigen Semiotikem (u.a. M. Bense, E. Walther, K. Oehler) bemängelt, daß sie die gesamte Zeichenrelation zwischen Repräsentamen, Objekt und Interpretant als ein Zeichen benennen. Obwohl die beiden herangezogenen Zitate von Peirce Benteles Einwand, daß das materielle Zeichen ein Element der dreistelligen Relation ist, bestätigen, differenziert Peirce [vgl. 1960/1.540] an anderen Stellen weniger genau, indem er dort die gesamte triadische Relation als ein einziges Zeichen benennt [vgl. Greenlee 1973/44].Google Scholar
  6. 7.
    Bei Walther steht Wahrnehmung in der Erstheit. Diese Darstellung ist aus wahrnehmungspsychologischer Sicht unrichtig, weil Wahrnehmung bereits die Widerständigkeit einer Gegenstandsexistenz beinhaltet und auf der anderen Seite die Differenz von zwei Empfindungen bemerkt wird, welches bereits eine Erfahrung darstellt [vgl. Walther 1974/45; Stadler 1975/23]. Wie die fundierte Analyse der Peirceschen Philosophie von Pape aufzeigt, ergibt sich die Wahrnehmung “… nicht nur durch die Formung von Empfmdungsqualitäten, sondern durch den dyadischen Charakter dieser »Reaktion. selbst” [Pape 1989/191]. Aus diesem Grund sind die Wahrnehmungsurteilç von Zweitheit begleitet.Google Scholar
  7. 8.
    Auf jeden Fall gibt es hier reichlich Ausnahmen, wie beispielsweise die expressive Malerei oder die fotografische und elektronische Bildherstellung dokumentiert.Google Scholar
  8. 9.
    Für Bilder muß es hier in fast allen Fällen “kulturgemäß” heißen.Google Scholar
  9. 10.
    Die Eigenschaft von Qualizeichen und Ikon mißversteht Habermas [vgl. 1973/136; Pape 1989/183 Fußn. »Sprachlogik-Kritik»]. Er vollzieht nicht nach, daß ein Zeichenmittel selbst über eine Qualität verfügt, die als Zeichen für eine ikonische Qualität stehen kann. Erzeugt ein Qualizeichen eine Idee eines ikonischen Objektbezugs der Qualität, dann hat es Darstellungscharakter. Erzeugt ein Qualizeichen aber eine Idee von Selbstähnlichkeit, indem es einen anderen Gegenstand dupliziert, also eine identisch scheinende Kopie ist, dann hat sein ikonischer Objektbezug einen Abbildcharakter, der keinen anderen Gegenstand darstellt, sondern ein wiedererkennbarer Gegenstand der gleichen Sorte zu sein scheint.Google Scholar
  10. 11.
    Für den Begriff der Ästhetik ist es notwendig, zwischen sinnlicher Wahrnehmungsseite (gr. aIstesis “Wahrnehmung”) und dem Gedankengebäude des Erhabenen (Ästhetik) zu unterscheiden [vgl. Welsch 1993/9]. Erstens ist das Gefühl während der Wahrnehmung nicht selbst die Instanz, die eine Entscheidung von schön/häßlich trifft, und zweitens ist Wahrnehmung kein ausschließlicher Denkvorgang in Begriffen, die kategorischen Rahmen der Kultur folgen.Google Scholar
  11. 12.
    Hier greife ich weit vor [s.S. 180]. Den Begriff der »Intersubjektivität« lasse ich fallen. Denn würden Subjekte im “Inter”, im “Zwischen’ zur innerlichen Einheit verschmelzen, verlören sie ihre Vielheiten und fanden sich in einem einzigen Bewußtsein wieder. Statt dessen meine ich, daß sich im ”Inter“ manche Einheiten stabilisieren, die der Vielheit von Subjekten äußerlich sind. Infolge dieser wiedererkannten Äußerlichkeiten im ”Inter“ nehmen sich Subjekte als Personen und wechselseitig als Zeichensendende wahr. Denn ein Subjekt ist fair ein anderes uneinsehbar. Deshalb übertrage ich das kommunikative Verhältnis zwischen Subjekten auf Personen [lat. auch Masken, Rollen von Schauspielern]. Personen sind die Grenze zu dem kommunikativen Zwischenraum, in dem sie Zeichen stabilisieren. Sind diese Zeichen so aufgebaut, daß sie viele Personen erwartungssicher ansprechen, nenne ich das »Inlerpersonalität« Inspiriert ist diese Auffassung von Luhmann [vgl. 1992/34, 111; 1995/142ff.], der nicht mehr Subjekte, sondern Personen als die Referenz- ”Adressen für Kommunikation“ angibt. Von daher begründet sich, daß eine kommunikative Adressierung allein dann erwartungssicher ihren personalen Bestimmungsort erreicht, wenn bereits wechselseitige Anerkungsprozesse von Personen stattgefunden haben, die zumindest zum pragmatischen Konsens über erwartbare Zeichencodes in Kollektiven führen.»Interpersonalität« beinhaltet somit einen kommunikativ stabilisierten Zeichencode zwischen Personen und die bereits kommunizierte Anerkennung zwischen diesen. Im Gegensatz zur ”Intersubjektivität“ berücksichtigt ”Interpersonalität“ somit die kommunikative Dezentrienmg des Subjekts.Google Scholar
  12. 13.
    Das Pallium ist ein weißwollenes, mit sechs schwarzen Seidenkreuzen besticktes, um die Schultern gelegtes Band.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

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