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Die Kulturverwaltung in Ost-Berlin

  • Michael Weck
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Zusammenfassung

Der Gang, in dem ich warten mußte, bis Jung ihr Telefongespräch beendete, war das, was man sich gemeinhin unter einem deutschen Behördengang vorstellt. Weiß und grau getüncht, offizielle Anschläge und rechte Winkel, man sieht die kahle Akkuratesse phantasielos geplanter Ordnung und Sauberkeit. Auch der Tonfall der Frau im Vorzimmer, die mich in Eva Jungs Büro einläßt, entspricht diesem Bild. Die Amtsleiterin dagegen beg t mich mit ausgesuchter Freundlichkeit, als ob sie all die unschönen Eindrükke vor der Tür zu ihrem Büiro durch höfliche Umgangsformen dementieren wollte. An der hinteren Wand steht einer dieser Schränke, die in der ehemaligen DDR an die Orte der öffentlichen Verwaltung die Gemütlichkeit der sozialistischen Gemeinschaft brachten und die so sehr den Wohnzimmerschränken ähneln, wie sie auch im Westen noch in einigen Wohnungen zu finden sind. An den Wänden hängen realistische Landschaftsbilder in Öl und Aquarelle.

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Referenzen

  1. 79.
    Ein wichtiger Vertreter der DDR-Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität-Berlin war Müthlberg (vgl. etwa 1983). Mitarbeiter aus Mühlbergs Berliner Forschungsumfeld beteiligen sich auch an der kulturpolitischen Debatte um die Folgen der deutschen Vereinigung auf die soziokulturelle Infrastruktur der neuen deutschen Under (vgl. etwa Groschopp, 1990). Bis heute werden von diesem Kreis die “Mitteilungen aus der kulturwissenschaftlichen Forschung” (MFK) herausgegeben.Google Scholar
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    Zur kontroversen Einführung der Kybernetik vgl. Kapferer (1992: 216ff) and Meuschel (1992: 168ff).Google Scholar
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    “M” oder “MM” ist von der Gesprächspartnerin als Variable gemeint, die für vielfältige Begriffe eines bestimmten Bedeutungsfeldes steht. Im vorliegenden Fall etwa “unbedeutende Angelegenheit” oder ähnliches.Google Scholar
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    Vgl. etwa die Forderungen nach einem reformierten Sozialismus ohne undemokratische Ausgrenzungen in Schüddekopf (1990). Obwohl älteren Jahrgangs, jedoch als Vertreter eines reformierten Sozialismus sind zu nennen Hein (1990) und Wolf (1990). Zur alternativen politischen Kultur der ehemaligen DDR vgl. 4.2.Google Scholar
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    Zu Lockes Denken vgl. Schwan (1991). Eine glänzende Einbettung in die Diskussion um die “civil society” bietet Taylor (1991).Google Scholar
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    Vgl. Münch (1986) and Greverus (1983). Die anti-westlichen, anti-zivilisatorische Haltung lag der Kulturpolitik der DDR in der Nachkriegszeit ganz ausgeprägt zugrunde (vgl. Trommler, 1983b). Bei Marcuse (1968) taucht die Dualität von positiv konnotierter Kultur and negativ davon abgegrenzter Zivilisation in der kulturkritischen Diskussion der westlichen Linken auf. Die “68er”-Linke wurde stark vom Denken Herbert Marcuses beeinflußt! Vgl. Kapitel 3.2..Google Scholar
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    Gegen diesen Begriff einer autonomen Kunst, dem auch heute noch viele ostdeutsche Künstler folgen, argumentiert Germer (1991).Google Scholar
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    Zur Bedeutung des “Geheimtips” Giacometti für die Szene der frühen DDR-Kunst vgl. Schmidt (1990).Google Scholar
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    Zur Diskussion um die Bedingungen und Möglichkeiten der “civil-society” vgl. Honneth (1992), Münkler (1992) and die beiden von Michalski herausgegebenen Sammelbände (1989) and (1990).Google Scholar
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    Siehe vorhergehende Fußnote.Google Scholar
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    Zur Bevorzugung gemeinschaftlichen Denkens gegenüber modernen gesellschaftlichen Denkens im deutschen Kulturzug vgl. Dahrendorf (1966).Google Scholar
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    Ich halte mich in der Einteilung der DDR-Generation an die von Berking/Neckel vorgeschlagene Ordnung (1991). Danach umfaßt die 50er-Generation die zwischen 1949 und 1957 Geborenen. Literatur zu dieser Generation ist leider kaum vorhanden. Vgl. auch die von Berking/Neckel abweichende Differenzierung nach “Schriftstellergenerationen” von Erbe (1987).Google Scholar
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    Auf die kulturelle Pluralität der DDR-Gesellschaft weisen auch die Interviews in Niethammner u.a. (1991).Google Scholar
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    So ist auch das Verhalten der Prenzlauer-Berg-Szene um Anderson und Schedlinski zu verstehen. Kritisch dazu Faktor (1993).Google Scholar
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    Die daraus resultierende Tragik während des Zusammenbruchs der DDR wird beispielsweise in einem Text eines Angehörigen der alternativen Kultur im Berliner “Telegraph” deutlich (Telegraph, 1990). Vgl. auch Meier (1992: 309f), den von Engelhardt (1991) herausgegebenen Band mit “Deutschen Lebensläufen”, den Interviewband von Ulrich (1991) und das Buch von Klier (1988).Google Scholar
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  24. 102.
    Unter Benücksichtigung der besonderen Bedingungen der DDR-Verwaltung kann man dagegen Lehmbruch (1991) und Wolhnann (1991) lesen. Der Hinweis auf die Aussage Derliens in einem unveröffentlichten Manuskript fmdet sich in beiden Texten.Google Scholar
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    Zur Wahrnehmung dieses Phänomens aus der Sicht der Betroffenen vgl. Landua (1992). Zum Wandel der westdeutschen Sozialstruktur im Zusanmnenhang mit der deutschen Vereinigung vgl. Hradil (1992).Google Scholar
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    Zur Wirksamkeit deutscher kultureller Traditionen, insbesondere protestantischer Herkunft in der ehemaligen DDR vgl. Rytlewski (1989b) und zur Erklärung für den Umbruch 1989 Neubert (1990). Zur deutschen Staatsauffassung vgl. auch Münch (1986).Google Scholar
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    Vgl. Fryes Analyse des romantischen Helden in amerikanischen “comic-strip”-Heften (1964: 189).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Michael Weck

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