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Die Kulturverwaltung in West-Berlin

  • Michael Weck

Zusammenfassung

Seit unserem ersten Telefonat, an dem wir den Gesprächstermin vereinbarten, sind einige Wochen vergangen. Es war nicht ganz einfach, einen Termin in Neubauers gefülltem Terminkalender zu finden. Frau Dr. Neubauer ist eine ausgesprochen rege und von ihrer Arbeit ausgefüllte Leiterin einer kommunalen West-Berliner Kulturinstitution29. Sie wurde 1947 geboren und gehört damit noch zur Generation der „68er“, des älteren Teiles der Studentenprotestgeneration der späten 60er und frühen 70er Jahre, die mit ihrem politischen Engagement die Grundfesten dieser Republik erschütterten. Die Zeit der promovierten Musikwissenschaftlerin ist knapp bemessen, denn die kulturpolitische Arbeit in dieser Stadt ist ihr keine Routine, sondern erfordert den Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Kaum, daß wir uns in ihrem Büro niedergesetzt haben, beginnt sie ohne Umschweife und konzentriert mit der Erzählung ihrer Lebensgeschichte.

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Referenzen

  1. 29.
    Aus Gründen der Anonymität wurde auf die Darstellung der institutionellen Rahmenbedingungen der Untersuchungsverwaltungen verzichtet.Google Scholar
  2. 30.
    Dies geht aus schriftlichen Unterlagen hervor, die mir zwar vorliegen, aus denen ich aus Gründen der Anonymität jedoch nicht zitieren kann.Google Scholar
  3. 31.
    Zur Spaltung von Kultur und Politik vgl. Plessner (1988). Es ist ein typisches Phänomen des deutschen Protestantismus, das beim Calvinismus beispielsweise nicht so zu finden ist (vgl. Münch, 1986).Google Scholar
  4. 32.
    Vgl. zum darüber erfolgenden “Ineinanderrücken der Generationen” Faimberg (1987).Google Scholar
  5. 33.
    Daß dies nicht die Eliten sein konnten, dafür stand schon alleine der “Zeitgeist” des damaligen Studentenprotestes, der alles “elitäre” ablehnte.Google Scholar
  6. 34.
    Aus Gründen der Anonymität kann hier wie auch an anderen Stellen, wo auf schriftliche Aussagen der Interviewpartner Bezug genommen wird, keine Quelle angegeben werden.Google Scholar
  7. 35.
    Zum Zusammenhang von “68er-Generation”, Studentenprotest, Protestantismus und “Neuer Kulturpolitik” bzw. dem Ansatz einer “Kultur fur alle” vgl. 3.2.1.Google Scholar
  8. 36.
    Vgl. zur Unterscheidung von “System- und Lebenswelt” Habermas (1987).Google Scholar
  9. 37.
    In Anlehnung an die einschlägige Literatur fasse ich darunter etwa die Jahrgänge von 1938 bis 1948, die 1968 zwischen 20 und 30 Jahre alt waren (Bude/ Kohli, 1989: 21)Google Scholar
  10. 38.
    Ich verstehe darunter einen Habitus, der keinem großen Sinn mehr folgt, wie dies beispielsweise noch für die ehemalige DDR galt, die sich an einer kommunistischen Utopie orientierte. Deshalb kann man die Bundesrepublik als ironisch bezeichnen. Konsumistisch nenne ich sie, weil die Identität Westdeutschlands bis heute auf der hohen Wertschätzung der Wirtschaft und des Verbrauchs der produzierten Güter beruht (vgl. dazu Weck, 1992).Google Scholar
  11. 39.
    Gegen diesen moralischen Rigorismus, der zu politischer Selbstblockierung fährt, wendet sich Enzensberger (1992) in seinem glänzenden Essay zur Asyldebatte.Google Scholar
  12. 40.
    Zum daraus resultierenden ‘aufklärerischen’ Fundamentalismus siehe Kallscheuer (1991 d).Google Scholar
  13. 41.
    Als literarische Auseinandersetzung mit seinem Vater vgl. Bernward Vespers “Die Reise” (1977). Vesper war Gudrun Ensslins Lebensgefährte, bis sie ihn später wegen Andreas Baader verließ.Google Scholar
  14. 42.
    Gegen die These des als Ursache für den Protest angenommenen Generationenkonfliktes wenden sich beispielsweise Allerbeck (1971: 181) und Rosenmayer (1976). Sie betrachten dabei jedoch nur die individuelle, durch die biologischen Generationenabfolge gekennzeichnete Ebene und reflektieren nicht auf der entscheidenden, historisch-politischen Aggregatebene. Die Angehörigen des studentischen Protestes wendeten sich nicht so sehr gegen ihre liberalen Elternhäuser sondern vielmehr gegen die weniger liberalen Vertreter ihrer El-temgeneratione in den gesellschaftlichen Machtpositionen.Google Scholar
  15. 43.
    Zum Begriff der “plebejischen Kultur” vgl. Hans Medick, 1982. Habermas sieht eine eigenständige, jedoch auf die bürgerliche Öffentlichkeit verwiese “plebejische Öffentlichkeit” (Habermas, 1983: 8), deren Bedeutung er, wie Habermas selbst zugibt, ebenso unterschätzt hat, wie die der Subkulturen (Habermas, 1990). Negt und Kluge (1974) entwerfen einen Begriff der “proletarischen Öffentlichkeit”, den sie jedoch deutlich von der plebejischen Öffentlichkeit unterscheiden.Google Scholar
  16. 44.
    Zum Begriff vgl. Preuss-Lausitz/ Zeiher/ Geulen (1989); Hurreimann/ Nordlohne (1989).Google Scholar
  17. 45.
    Aufschlußreiche Erfahrungsberichte aus der Welt der “K-Gruppen” finden sich in “Wir warn die stärkste Partei...” (1978).Google Scholar
  18. 46.
    In Anlehnung an Andersson (1992) hält der Verfasser dieser Untersuchung eine Verbindung von “konsenstheoretischem” und “pragmatischem” Wahrheitsbegriff, der auf den amerikanischen Pragmatismus von Peirce, Dewey und James zurückgeht, för angemessen. Dieser Wahrheitsbegriff bindet die Wahrheit einer Aussage an ihre praktischen Konsequenzen. Dewey und James stellen dabei die Problemlösung in den Mittelpunkt. Eine Aussage gilt als wahr, wenn ein gestelltes Problem mit ihrer Hilfe gelöst werden konnte. Nach der Konsenstheorie ist eine Aussage dann wahr, wenn sie als allgemein akzeptiert gilt. Da moderne Gesellschaften aus unterschiedlichen sozialen Gruppen mit je verschiedenen Interessen und Ästhetiken bestehen (vgl. Bourdieu, 1988a), differieren auch ihre Probleme, die sie sich stellen und die kulturellen Maßstäbe ihrer Konsensprozesse. Deshalb kommen Mitglieder einer Gesellschaft, die jedoch Angehörige unterschiedlicher sozialer Gruppen sind, auch zu unterschiedlichen Aussagen über die sie umgebende Welt. Die 40er-Generation scheint dagegen praktisch einen “korrespondenztheoretischen” Begriff der Wahrheit vorzuziehen, selbst wenn sie dies in der theoretischen Selbstdarstellung von sich weist. Ein solcher Begriff von der Wahrheit geht davon aus, daß eine Obereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit, von Sprache und Bezeichnetem besteht. Dagegen ist mit Peirce (1983: 64ff) auf die Differenz von Zeichen und Bezeichnetem hinzuweisen. Wenn ich den Begriff “universale Wahrheit” verwende, meine ich damit also eine Wahrheit, die unabhängig von allen kulturellen Differenzen für alle Mitglieder der Gesellschaft gelten soll, weil sie mit der Welt als dem Bezeichneten zusammenfällt. Diese Einschätzung des Wahrheitsbegriffes der “68er”-Generation wird durch die Beobachtung Kallscheuers (1991b: 43) gestützt, der daraufhinweist, daß es für die deutschen “68er” immer nur einen ‘wahren’ Marxismus gab, was die Ursache für die Zersplitterung der Linken in verschiedene politische Glaubensgemeinschatten zur Folge hatte, die sich jeweils um eine besondere Interpretation des Marxismus gruppierten und jede andere Auffassung davon bekämpften.Google Scholar
  19. 47.
    Damit ist nicht gemeint, daß gesellschaftlicher und politischer Pluralismus gleichsam ‘naturwüchsig’ zum ‘gerechten’ Interessenausgleich führt, sondern nur, daß die Gesellschaft von Interessengegensätzen durchzogen ist und diese Heterogenität zu akzeptieren und nicht durch die Utopie einer homogenen Gesellschaft zu ersetzen ist. Zur kritischen Diskussion dieses auf Harold Laski zurückgehenden und durch Ernst Fraenkel in die deutsche politikwissenschaftliche Diskussion eingeführten Konzeptes vgl. Nuscheier/ Steffani (Hg.), 1972.Google Scholar
  20. 48.
    Zu den Ursachen und Dimensionen sozialer Ungleichheit vgl. Bolte/ Hradil (1988).Google Scholar
  21. 49.
    “Flakhelfer”-Generation meint hier nicht nur den generationellen Kern dieser Generation, also die Jahrgänge, die tatsächlich als Flakhelfer im zweiten Weltkrieg eingezogen wurden, sondern auch die benachbarten Jahrgänge, die durch den Diskurs dieser Generation geprägt wurden.Google Scholar
  22. 50.
    Zur kulturgeschichtlichen Entwicklung der Bundesrepublik vgl. die materialreichen Bände von Glaser (1990).Google Scholar
  23. 51.
    Ich verwende hier einen auf Foucaults (1976) Theorie der Aussage zurückgehenden Diskursbegriff, der es ermöglicht, die Redeweisen der Generationen als je verschiedenartige Diskurse zu begreifen, die sich im Dialog mit einem die Gesellschaft überspannenden ‘Meisterdiskurs’ befinden.Google Scholar
  24. 52.
    Zum Begriff “Soziokultur” vgl. Sievers, 1988.Google Scholar
  25. 53.
    Aus Gründen der Anonymität kann hier nicht aus den Verwaltungsdokumenten und Publikationen zitiert werden.Google Scholar
  26. 54.
    Zum Prioritätenkonflikt der westdeutschen Außenpolitik vgl. Haftendom, 1989.Google Scholar
  27. 55.
    Zur Umsetzung der “Neuen Kulturpolitik” auf kommunaler Ebene auf der Grundlage einer Dokumentenauswertung vgl. Moosbach, 1991.Google Scholar
  28. 56.
    Zur “Kultur als Ideologie” von Intellektuellen, zu denen sich die meisten Angehörigen dieser Generation zugehörig fühlen, um die Gesellschaft verfügbar für Veränderungen erscheinen zu lassen, vgl. Baumann (1990).Google Scholar
  29. 57.
    Zur Kritik dieser Haltung, die den “Faschismus” untrennbar mit dem Kapitalismus verbindet, vgl. Lübbe, 1988.Google Scholar
  30. 58.
    Zu diesem Muster linken Denkens vgl. Albert O. Hirschmann, 1992.Google Scholar
  31. 59.
    Exemplarisch fur den Diskurs vgl. Moosbach, 1991:48.Google Scholar
  32. 60.
    Hier liegt wohl auch die Ursache für die von Kalischeuer festgestellte politische Kraftlosigkeit dieser Generation (Kallscheuer, 1991d: 132).Google Scholar
  33. 61.
    Für den Fall der Kreuzberger Kulturverwaltung vergleiche meine Untersuchung von 1989 (Weck, 1989).Google Scholar
  34. 62.
    Eine auch etwas enttäuschte, bittere Beschreibung der Geschichte des Protestes als “Ende der Utopie” an der FU-Berlin findet sich bei Rabehl, 1988.Google Scholar
  35. 63.
    Zur Notwendigkeit einer gestaltenden, strukturelle Selektionsmechanismen überschreitenden Verwaltung im modernen Sozialstaat vgl. Offe, 1972 und 1974.Google Scholar
  36. 64.
    In dieser Arbeit sind dies die nach 1948 Geborenen.Google Scholar
  37. 65.
    Zur generationellen Selbstbeschreibung dieser Generation anläßlich ihres dreißigsten Geburtstages siehe den von Peter Roos herausgegebenen Band von 1982.Google Scholar
  38. 66.
    Zapf spricht in diesem Zusammenhang von einem “Rechtsanspruch” (Zapf, 1983: 61).Google Scholar
  39. 67.
    Vgl. Lebensweltkonzept von Habermas (1987).Google Scholar
  40. 68.
    Die Kunst der 80er-Jahre ist die Kunst der 50er-Generation. Sie zeichnet sich durch Figurlichkeit und die “expressiven Turbulenzen” der “Neuen Wilden” aus. Dienst (1990) stellt für diese Jahre einen Rückzug der Kunst aus politischer und moralischer Verantwortung zugunsten subjektiver Selbstbefragung und Selbstbespiegelung fest.Google Scholar
  41. 69.
    Zu den neuen sozialen Bewegungen vgl. Roth/ Rucht (Hg.), 1991.Google Scholar
  42. 70.
    Im Jahr 1982 erscheint der von Kamper und Wulf (1982) herausgegebene Band “Die Wiederkehr des Körpers”! Für Beispiele zum Niederschlag der 50er-Kultur in der literarischen Szene vgl. Bormann (1992).Google Scholar
  43. 71.
    So gehören einige der weiblichen Angehörigen dieser Generation wohl zum kleinbürgerlich-mittelstandigen Publikum der allabendlichen “talk-shows” im Fernsehen. Ihnen geht es dabei eigentlich nicht um rationale Argumentation, sondern nur um die Authentizität und Subjektivität der Gesprächspartner. Dies vermutet jedenfalls Manfred Seiler (1992). Maxim Biller, Essayist und Angehöriger der den 50ern folgenden 60er-Generation (Jg. 1960) wendet sich deshalb gegen die 50er-Generation, weil sie sich nie aus der Abhängigkeit der 40er-Generation lösen konnte. Gegen die 40er- und die 50er-Generation stellt er das Modell des Skeptikers der 60er-Generation (vgl. Biller, 1991).Google Scholar
  44. 72.
    Vgl. die tragik-komische Lebensgeschichte von Heinzen und Koch, 1987.Google Scholar
  45. 73.
    Die Ausweitung des Politikbegriffes auf den “oikos”, auf die Sphäre des privaten Wirtschaf-tens, führte zum Beispiel in der Frauenforschung zu interessanten und belebenden Ergebnissen. Für die politische Philosophie vgl. Benhabib/ Nicholson (1987).Google Scholar
  46. 74.
    Für die Aufnahme von Gedanken der neuen Kulturpolitik durch CDU-Vertreter vgl. etwa Biedenkopf (1986) und für die Verbindung von Technik und Kultur den FDP-Politiker Möllemann (1990).Google Scholar
  47. 75.
    Typisch für den kulturpolitischen Argumentationsstil der kulturpessimistischen 40er-Generation ist Greflrath (1988). Eine Reihe von “68em” ergriff allerdings die Gelegenheit, vom “Kulturboom” der 80er-Jahre zu profitieren.Google Scholar
  48. 76.
    Ein bekanntes Beispiel rar die Förderung linker Kultur im Rahmen der “750-Jahr”-Feier Berlins bildet die Ausstellung “Mythos Berlin”, die unter der Leitung von Eberhard Knöd-ler-Bunte zustande kam (vgl. Mythos Berlin, 1987).Google Scholar
  49. 77.
    Aus den einschlägigen Dokumenten und Publikationen, die sich im Archiv der Verwaltung fanden, kann aus Gründen der Anonymität nicht zitiert werden.Google Scholar
  50. 78.
    Zum Kleinbürgertum als dominantem Kulturtyp der bundesdeutschen Gesellschaft vgl. Eder (1989a).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Michael Weck

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