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Gewalt im Alltag: Wahrnehmung und Komplexität eines Phänomens

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Zusammenfassung

Die Idee, die zu diesem Buch geführt hat, verdankt sich den gleichen Impulsen, die zu einer Vielzahl von Veröffentlichungen, zu groß angelegten empirischen Untersuchungen und zur Einrichtung von eigenen Kommissionen durch Regierungen mehrerer Staaten (darunter auch der Bundesrepublik) geführt haben: dem Erschrecken über das Ausmaß und die Allgegenwart von Gewalt in unserer Welt. Auf Gewalt trifft man, wohin man schaut. Selbst wenn wir sie nur selten unmittelbar erfahren mögen, sind wir doch andauernd mit ihr konfrontiert: als Nachricht in Bericht und Bild, als Gegenstand von Erzählungen unserer Kinder, als Thema des politischen Streits, als Angst vor dem, was uns im Alltag zustoßen könnte, und nicht zuletzt auch als Stoff von Unterhaltung und Computerspielen. Das Erschrecken ist um so größer, weil sich doch erst vor kurzem mit einem Schlag aufgelöst hatte, was jahrzehntelang schlechthin unabänderlich schien: die Konfrontation der Blöcke, die Spirale der Hochrüstung, die diktatorische Bevormundung ganzer Völker. Eine Chance schien Gewalt angesichts solch tiefgreifender Veränderungen in Richtung Frieden allenfalls noch dort haben zu können, wo die koloniale Vergangenheit willkürliche Grenzziehungen hinterlassen hat oder wo Menschen, die sich durch Sprache, Kultur, Religion und Hautfarbe von der Mehrheit unterschieden, unterdrückt werden. Und das — so wähnte man noch vor kurzem — könne allemal nur weit, ja sehr weit weg passieren. Die Bilder aus dem früheren Jugoslawien indes führen jeden Tag vor Augen, daß die schon fast zur Gewißheit gewordene Annahme, blanke Gewaltausübung, kalkulierter Krieg und sinnlose Zerstörung erledigten sich mit der Logik fortschreitender Zivilisation, eine vorschnelle Illusion war. Diese Erkenntnis kränkt. Erst recht kränkt die Hilflosigkeit, mit der wir solchen Eruptionen von Gewalt weitgehend gegenüberstehen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

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