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„Lost? Not really…“ Bob Dylans Versteckspiel

  • Uwe Schimank

Zusammenfassung

Es war reiner Zufall, dass ich diesen Essay an Bob Dylans 60. Geburtstag, dem 24.5.2001, zu schreiben begann. Schon seit vielen Jahren wollte ich etwas über ihn schreiben. Und jetzt war gerade ein bisschen Zeit — wenn schon nicht für die große Biographie, die eigentlich füllig wäre, dann wenigstens für eine kleine Skizze. Die an Kapitel 4 anschließende zentrale These lautet: Bob Dylans Biografie, die sich in seinem künstlerischen Werk widerspiegelt, ist die eines reflexiven Subjektivisten.

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Literatur

  1. 1.
    Wenn im Folgenden keine weiteren Angaben zu Zitaten aus Songs gemacht werden, siehe Dylan (1985).Google Scholar
  2. 2.
    Ein weiterer Künstler, dessen Werdegang viele Züge des reflexiven Subjektivismus trägt, ist Peter Handke. Siehe dazu die literaturwissenschaftliche Studie von Pütz (1982), die in ihrer zentralen These fortgeschrieben werden könnte: „Handke versucht, sich in jedem Werk von seinem vorhergehenden loszusagen…. und trotz der programmatischen Intention auf ständigen Widerruf und Neuansatz zeigt sich selbst im gewaltsamen Wandel eine erstaunliche Kohärenz…“ (Pütz 1982: 12/13).Google Scholar
  3. 3.
    Folgende biographische Darstellungen und Dokumentationen wurden vor allem herangezogen: McGregor (1972), Gray (1972), Scaduto (1973), Hetmann (1976), Dylan (1977/78), Gross (1978), Miles/Marchbank (1978), Williams (1979), Schmidt (1983), Mellers (1984), Schmidt-loos (1984), Cott (1984), Shelton (1986), Gray/Bauldie (1987), Amendt ( 1985; 1991 ).Google Scholar
  4. 4.
    So ernst wie Sören Kierkegaard, und ernster als Albert Camus oder Jean Paul Sartre selbst, die sich vielfältig politisch engagierten, ohne den Selbstwiderspruch zu bemerken.Google Scholar
  5. 5.
    Siehe etwa ein 1966 von Nat Hentoff geführtes Interview, in dem Dylan u.a. gefragt wurde, worum es in den assoziativen Bildern seiner neuen Songs eigentlich ginge. Dylan antwortete: „I do know what my songs are about.“ Rückfrage:,And what’s that?” Wieder Dylan: „Oh, some are about four minutes, some are about five and some, believe it or not, are about eleven or twelve.“ (zitiert in McGregor 1972: 98)Google Scholar
  6. 6.
    Manche, die es einfach nicht glauben konnten, legten sich auch noch diese trivialen Schnulzen als Ausdruck einer raffinierten linken Strategie zurecht. Der damalige Vorsitzende des amerikanischen SDS, der linken Studentenvereinigung, interpretierte „Nashville Skyline“ als Bemühen Dylans darum, die weiße Arbeiterklasse anzusprechen, um sie dann Schritt fir Schritt an die korrekten politischen Botschaften heranzuführen (Scaduto 1973: 299). Das ist nicht einmal mehr an den Haaren herbei gezogen, sondern von einer grotesken Absurdität.Google Scholar
  7. 7.
    Die anschaulichsten und gelungensten Beispiele dafür finden sich nach wie vor in der Architektur.Google Scholar
  8. 8.
    Ebenso eindrucksvoll ist die völlige Umwandlung des fröhlich-herausfordernden Liebeslieds „1 Want You“ von..Blonde an Blonde” in eine Elegie der Vergeblichkeit — ohne eine einzige Textzeile zu ändern.Google Scholar
  9. 9.
    Der Text ist auf der Homepage BOBDYLAN.COM verfügbar.Google Scholar
  10. 10.
    Dazu gehört auch, tiefen Schmerz ohne irgendeine Art von Betäubung aushalten zu können…Time Out ofMind“ handelt durchgängig — wieder einmal — vom Verlassenwerden durch eine geliebte Frau. Es geht in den einsilbigen, düsteren Songs darum, welche vielfältigen und widersprüchlichen persönlichen Gefühle das Zerbrechen einer Beziehung hervorruft und wie dadurch die ganze Lebenszuversicht eines Menschen schwindet. Doch weder steigert sich Dylan irgendwo in eine verallgemeinernde Botschaft — und sei es eine wie „Love is all there is…” — hinein. Er bleibt strikt bei einer minutiösen Selbsterforschung stehen. Noch flüchtet er sich in religiösen Trost. Und in den Konzerten standen die Songs dieses Albums von Anfang an zwischen vielen anderen, nicht besonders hervorgehoben und auch nicht vermieden: eine Erfahrung neben anderen. Wer schon viel mitgemacht hat, weiß eben um die Relativität und das Abklingen auch größten Schmerzes.Google Scholar
  11. 11.
    Was bei Dylan zweifellos auch immer wieder eine Rolle spielte, um sich lästiger Schnüffler in seinem Privatleben zu erwehren.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Uwe Schimank

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