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Tagträumen und Individualität: Das Leben von Charlotte Brontë

  • Uwe Schimank

Zusammenfassung

Dieses Kapitel beruht auf einem 1981 geschriebenen, nur geringfügig überarbeiteten Manuskript. Eine stark gekürzte Fassung ist im Jahr 2001 veröffentlicht worden.1 Die Biografie der viktorianischen Schriftstellerin Charlotte Brontë wird als Fallbeispiel dafür untersucht, wie — funktional äquivalent zur Selbstdarstellung und deren sozialer Bestätigung — unter gewissen Umständen auch Tagträumen eine dominante Praktik der Identitätsbehauptung sein kann.

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Literatur

  1. 1.
    In: BIOS — Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History, 14, 3–25.Google Scholar
  2. 2.
    Zeitungsbeilage der Firma Hapimas, 1998.Google Scholar
  3. 3.
    Generell zu Tagträumen siehe aus psychologischer Perspektive Katzenberger (1969).Google Scholar
  4. 4.
    Siehe dazu für Arbeitsorganisationen Schimank (1981: 57/58, 71/72, 81/82).Google Scholar
  5. 5.
    Siehe auch William James’ (1899: 283–322) Überlegungen zur „perception of reality“.Google Scholar
  6. 6.
    Zur Unterscheidung „konkreter“ und „abstrakter Utopien” siehe ausführlich Ernst Bloch (1959).Google Scholar
  7. 7.
    Dieser biografische Entstehungszusammenhang besagt natürlich weder positiv noch nega-tiv etwas über den literarischen Wert der Romane - der hier aber ohnehin nicht interessiert.Google Scholar
  8. 8.
    Die Analyse gründet sich vor allem auf drei Quellen: die - freilich idealisierende — zeitge-nössische Erzählung von Charlotte Brontës Leben durch die Schriftstellerin Elizabeth Gaskell (1857) und die beiden von Winifred Gerün (1967) und Margret Peters (1975) verfassten Biografien. Weiterhin werden Phyllis Bentleys (1969) und Werner Waldmanns (1990) Kurzdarstellungen der eng miteinander verwobenen Biografien aller drei Brontë-Schwestern hinzugezogen. Wichtige ergänzende Informationen zum Leben der anderen beiden Brontë-Schwestern finden sich in den ebenfalls von Winifred Gerin (1959; 1971) verfassten Biografien. Schließlich sei noch auf Arno Schmidts (1994) einfühlsame Deutung verwiesen: „Der Traum der taubengrauen Schwestern“.Google Scholar
  9. 9.
    Diese Identitätsbedrohung ließ sich überdies nicht irgendwelchen greifbaren Personen zu-rechnen, gegen die man vielleicht hätte ankämpfen können. Sondern es war die „strukturelle Gewalt“ (Galtung 1971) der gesellschaftlichen Verhältnisse, denen sich die Brontë-Schwestern ausgesetzt sahen.Google Scholar
  10. 10.
    Bei Gerin (1967: 30) findet sich eine plastische Illustration.Google Scholar
  11. 11.
    Siehe Gaskell ( 1857: I I I-114), wo auch eine Manuskriptseite gezeigt wird.Google Scholar
  12. 12.
    Siehe beispielsweise Knies (1969: 37).Google Scholar
  13. 13.
    Siehe dazu auch Gerin (1967: 389/390) und Hook/Hook (1974: 18).Google Scholar
  14. 14.
    Siehe dazu ausführlicher Gerin (1959).Google Scholar
  15. 15.
    Ob diese Einschätzung Charlottes zutreffend oder zumindest teilweise unzutreffend war, spielt hier keine Rolle.Google Scholar
  16. 16.
    Emily hatte sich geweigert mitzufahren.Google Scholar
  17. 17.
    Ihr Roman „Maie Barton“ war 1848 erschienen.Google Scholar
  18. 18.
    Allgemein zu einer solchen „Rahmenanalyse“ siehe Goffman (1974).Google Scholar
  19. 19.
    Wie weit sich Charlotte Brontë über diesen Nexus im klaren war, lässt sich nicht sicher sagen. Auf der einen Seite hat sie, wie dargestellt, ihre beiden Schwestern nach deren Tod sehr vermisst - aber auf der anderen Seite offenbar, ohne ein ganz klares Bewusstsein darüber zu erlangen, worin dieser Verlust genau für sie bestand. Nicht immer ist es ja so, dass sich mit dem Tod nächster Angehöriger oder Freunde die eigene Identität aufzulösen beginnt. Genau dies war aber bei ihr der Fall. In „Villette“ jedenfalls, wo Charlotte Brontë Tagträumen als dominante Praxis der Identitätsbehauptung ausgiebig reflektiert, wird der Notwendigkeit sozialer Bestätigungen keinerlei Rechnung getragen.Google Scholar
  20. 20.
    Diese Formulierung steht hei Rogers (1971) in einem anderen Kontext.Google Scholar
  21. 21.
    Um wiederum eine treffende Formulierung aus einem anderen Kontext zu entlehnen (Emery/Trist 1965).Google Scholar
  22. 22.
    Hans Blumenberg (1979) verfolgt diese Metapher durch die westliche Kulturgeschichte.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Uwe Schimank

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